Was erlauben Bauer? Spielen wie Flasche leer!

Februar 7, 2010 von adriankrebs

Erinnern Sie sich  noch an die legendäre Pressekonferenz von Giovanni Trappatoni als  Bayern-Trainer? Wenn der Milchmarkt eine Fussballmeisterschaft zwischen dem Produzenten FC (PFC) einerseits und dem FC Verarbeiter/Handel (FCVH) andererseits waere, dann müsste der Coach der Bauern jetzt eine ähnliche Standpauke halten. Der PFC war lange Jahre dank dem Regelwerk namens Kontingentierung in komfortabler Position. Zwar holte er sich nicht jedes Jahr den Meistertitel, spielte aber immer solide mit. Dann wurde vom Verband eines Tages die Aufhebung des Regelwerks angekündigt. Obwohl man mehrere Jahre Zeit hatte, den neuen Modus vorzubereiten, nahmen die Bauern die erste Meisterschaft nach neuen Regeln völlig unvorbereitet in Angriff.  Zum Auftakt spielte der FCVH dominant, holte sich die Siege, auch mit einigen versteckten Fouls. Mit einem Spielerstreik verschaffte sich der PFC etwas Luft. Der FCVH hatte diesen noch in den Knochen, als er nach einer Weile in Neuverhandlungen des Modus einwilligte. Statt aber gewitzigt durch die Erfahrungen mit dem langjährigen Widersacher vorsichtig zu agieren, liess sich der PFC ein neues Regelwerk diktieren, das in schon vor dem ersten Match in den Nachteil versetzte. Dieser endete gleich wieder mit einer Kanterniederlage. Die Folge: lautes Lamentieren des PFC und der erneute Ruf nach dem gruenen Tisch. Trappatoni, übernehmen Sie!  (Bild aus dem letzten Spiel PFC-FCVH)

Superlative zu Kühen in Belle-Île und China

Februar 4, 2010 von adriankrebs

Ich habe wieder einmal einen Blog entdeckt: Les yeux ouverts, betrieben von der Zeitung Le Monde. Dort kommt Landwirtschaft nur punktuell vor, aber die Bilder – sie stammen alle vom Fotographen Ludovic Maillard – sind mehrheitlich sehr sehenswert. Diese Kuh, ich tippe, sie gehört zur Rasse Normande, steht auf der Belle-Île, der grössten Insel in der Bretagne. Wenn wir übrigens grad beim Thema Kühe sind: Dieser Tage ist eine Meldung des neuseeländischen Molkerei-Giganten Fonterra eingetroffen. Die Firma will zwei weitere Modell-Milchbetriebe mit Ausbildungsmöglichkeiten in China einrichten: Je 3300 Kühe auf 35 Hektaren. In der Schweiz sind aus Gewässerschutzgründen maximal 3 Kühe pro Hektare erlaubt. In China wirds das Dreissigfache sein. Ob das der richtige Anschauungsunterricht ist in einem Land, das ohnehin mit massiven ökologischen Problemen zu kämpfen hat? Eher wohl nicht. (Bild Les yeux ouverts/Ludovic Maillard)

100 000 Kilo, 1 Jahr Blog und 1 Rp. pro Besucher

Februar 2, 2010 von adriankrebs

Es gibt etwas zu feiern. Braunvieh-Kuh Caroline von Ernst Utzinger in Niederweningen hat in 16 Jahren 100 590 Kilo Milch produziert. Wir gratulieren! Die langlebige Kuh ist nicht nur schön anzuschauen, nein, sie macht auch ökonomisch Sinn. Die Kosten für die Aufzucht bis zum ersten Kalb sind derart, dass es sich nicht lohnt, eine Kuh so stark zu puschen, dass sie nach wenigen Laktationen ausgelaugt ist und ersetzt werden muss. Diese Erkenntnis kann man bildlich schön verfolgen. Auf der Website des Braunviehzuchtverbands zum Beispiel findet man ganze Galerien von solch stolzen Exemplaren, die oft mit der ganzen Züchterfamilie posieren. Caroline könnte auch ein bisschen Vorbild sein für den Agroblog. Exakt ein Jahr ist es her, dass ich den ersten Beitrag aufschaltete. Auch hier soll es nachhaltig weitergehen. Hübscheli, wie der Berner sagt, vielleicht schafft dann auch der Agroblog dereinst 100 000; Besucher, nicht Kilo. Der Anfang ist schon nicht schlecht: Im ersten Jahr gab es 14 445 Visiten. Als kleine Jubiläumsaktion spende ich für jeden Besucher einen Rappen an zwei Organisationen: Die Berghilfe will die Alpwirtschaft nachhaltig erhalten (PC 80-32443-2)  und Heks (PC 80-1115-1) hat schon lange vor dem Erdbeben in die haitianische Landwirtschaft investiert. Es würde mich sehr freuen, wenn die eine oder der andere von Ihnen den beiden Organisationen auch noch einen Batzen beisteuern würde. Ich danke Ihnen allen ganz herzlich für die Treue, das Interesse und die Kommentare und hoffe, dass Sie weiterhin immer wieder mal reinschauen und Ihre Meinung hinterlassen! (Bilder Zürcher Unterländer/Caroline Bossert, Berghilfe, Heks)

DNA-Test für Symptombekämpfung bei Bananen

Januar 31, 2010 von adriankrebs

Die renommierte Landwirtschafts-Universität Wageningen (NL) meldet in einer Pressemitteilung, einen Durchbruch: Der Plant Science Group ist es gelungen, einen DNA-Test zu entwickeln, der innert eines Tages Aufschluss gibt, ob die Bananenpflanze von der gefürchteten Panamakrankheit befallen ist (Für Freaks: Hier gehts zur wissenschaftlichen Publikation). Dafür verantwortlich ist ein Fusarium-Pilz, der den Stengel befällt und die Pflanze verkümmern lässt. Hauptsächlich betroffen ist die wirtschaftlich wichtigste Sorte Cavendish. Dank dem neuen Test, kann man schnell Massnahmen ergreifen, das heisst die befallenen Pflanzen entfernen, denn ein Fungizid gegen Panama gibt es nicht. Bisher dauerte es vier Monate um den Pilz zu isolieren, zu kultivieren und anschliessend zu bestimmen. Fazit: Die vielgescholtene Gentechnologie produziert eine Anwendung, die der Landwirtschaft hilft. Doch leider handelt es sich nur um Symptombekämpfung. Das Problem ist, dass die Sorte Cavendish in der Plantagen-Produktion (siehe Bild oben aus Ecuador) praktisch konkurrenzlos ist. Die Monokulturen sind der ideale Nährboden für eine rasante Verbreitung der Panamakrankheit und weiterer Erreger. Die Züchtung resistenter Sorten haben die Multis wie Chiquita und Del Monte sträflich vernachlässigt und sind nun mit den Folgen konfrontiert, namentlich mit einem enormen Pestizidbedarf in der Bananenproduktion. Deshalb ist der “Durchbruch” aus Wageningen leider nur Symptombekämpfung, denn er erleichtert indirekt den weiteren Anbau von Cavendish, was die Probleme nur weiter verschärfen wird. (Bilder Reuters/Guillermo Granja, Universität Wageningen)

Gülle auf Schnee: Kein schönes Winterbild

Januar 27, 2010 von adriankrebs

Der Winter macht heuer wieder von sich reden. Er ist nachhaltig kalt und lässt es ausdauernd schneien. Auf vielen Höfen, vor allem im Berggebiet, steigt der Pegel in den Güllegruben parallel zur nervlichen Anspannung des Betriebsleiters. Denn das Ausbringen von Gülle auf gefrorenen, wassergesättigten oder schneebedeckten Boden ist aus Gewässerschutzgründen verboten. Zudem ist der braune Tolggen im winterlichen Reinheft keine Augenweide. Schon letzten Winter, ja er kommt alle Jahre wieder, gab es massive Probleme. Zur Erinnerung hier ein rund jähriger Artikel des landwirtschaftlichen Informationsdienstes. Die kantonalen Landwirtschaftsämter bemühen sich vielerorts, den Bauern aufzuzeigen, wie sie ihre überflüssige Gülle loswerden könne. Trotzdem gibt es immer noch Unbelehrbare. Eine Bekannte aus einem sehr grosszügig mit Direktzahlungen bedachten gebirgigen Kanton berichtet mir von einem Nachbarn, der am Hang notorisch zur Unzeit Gülle ausbringt. Die wüsten Bilder dazu will sie aber nicht veröffentlicht haben, weil ihr der Nachbar Retorsionsmassnahmen androht, falls sie ihn anzeigt. Das Beispiel zeigt nicht nur, dass das ökologische Bewusstsein bei einigen Bauern immer noch massiv unterenwickelt ist, sondern auch, dass der Vollzug teilweise mangelhaft ist. Wenn ein Landwirtschaftsamt gegüllte Flächen im Winter übersehen will, dann muss es die Augen schon gewaltig fest zudrücken. (Archivbild LID)    

Aus der Zweierkiste in den Kassenkampf

Januar 24, 2010 von adriankrebs

Da staunt der Laie: Der preislich recht oberklassig positionierte Coop will jetzt plötzlich der Billigste sein, oder zumindest billiger als der alte Hauptkonkurrent. Jahrelang hatte man es sich gemütlich eingerichtet in der Zweierkiste im Detailhandel. Migros war meistens etwa ein 10-Räppler pro Kilo günstiger, aber fest weh tun wollte man sich nicht im Preiskampf. Jetzt ist Bewegung in die Sache gekommen. Coop und Migros haben Aldi und Lidl zuerst ein bisschen belächelt, aber seit die beiden eingewanderten Deutschen mit durchaus konkurrenzfähigen Produkten sowie vergleichbaren Löhnen und Produzentenpreisen Druck machen, haben die zwei grossen Orangen plötzlich ihre Discounterqualitäten entdeckt. Coop heizte heute in der Sonntagspresse mit obenstehen Inserat ein. Migros will sich jetzt dafür stärker im Biobereich engagieren und dort Coop im Kassenkampf Paroli bieten. Da muss sie sich aber warm anziehen. Vor wenigen Tagen hatte Coop – zumindest in Zürich - eine Bio-Rüebliaktion. Ich packte ein Kilo ein, ohne das zu merken. An der Kasse sagt mir die Angestellte, ich könnte gratis ein zweites Pack mitnehmen (siehe Bild unten). Hoppla, das sind aber definitiv Discount-Methoden: 2 Kilo Bio-Rüebli für Fr. 2.95. Vergleich bei der Konkurrenz, die total zufälligerweise auch grad eine Bio-Rüebliaktion hat. Hier kostet das Kilo Fr. 2.40, aber es gibt keines gratis. Preisvergleich: 2 Kilo Bio-Rüebli im Coop 2.95, das gleiche im Migros 4.80. Preisdifferenz: 63 Prozent teurer bei Migros. Pikantes Detail: Die Rüebli stammten in beiden Läden vom gleichen Produzenten im Zürcher Weinland…

Verfängliches Tierschutz-Signal der Bauern

Januar 21, 2010 von adriankrebs

Am 7. März stimmt das Volk über die Tieranwalts-Initiative ab. Die Initianten möchten vorschreiben, dass in jedem Kanton ein solcher juristischer Beistand für das Wohl der Haus-, Hof und Wildtiere angestellt wird, wobei die Kantone auch übergreifend gemeinsam einen Anwalt anstellen dürfen. Heute hat der Schweizerische Bauernverband wenig überraschend kundgetan, dass er gegen die Initiative ist. In der Medienmitteilung heisst es, die Schweiz habe beim Tierschutz eine Vorreiterrolle, das entsprechende Recht zähle zu den strengsten weltweit und der strenge Vollzug sorge dafür, dass die Einhaltung der Vorschriften gewährleistet sei. Zudem fürchtet man beim SBV, dass die Kosten den Steuerzahler zu stark belasteten. Einmal abgesehen davon, dass der Verband einen Berufsstand vertritt, der die Steuerzahler alles andere als verschont, ist die Parole aus Brugg nicht gerade von grosser Weitsicht geprägt. Natürlich gibt es gute ordnungspolitische Argumente gegen die Initiative, aber aus Bauernkreisen ist das kein günstiges Signal an die Konsumenten und Stimmbürger. Wenn man überdies weiss, wie hoch und tobend die negativen medialen Wellen nach Tierschutz-Vorfällen gehen, sollte es auf die paar hunderttausend Franken mehr für die Anwälte nicht ankommen. Das ist gut investiertes Geld zur Bekämpfung der schwarzen Schafe unter den landwirtschaftlichen Tierhaltern. Dies mögen wenige sein, aber sie schaden dem Bauernstand überdimensional. (Bild LID)

Ein Heimatbild für Wintermüde und Alpfans

Januar 18, 2010 von adriankrebs

Kaum zurück aus dem Norden habe ich mir eine NZZ genommen und das obenstehende Bild von Stephan Bösch gefunden. Es illustriert einen Artikel über die Ausstellung Photo 09 in Zürich, die leider heute schon wieder schliesst. Prächtig, nicht? Ideal für die Bekämpfung von Winterkoller und bei denjenigen, die auf die Alp wollen, dürfte dieser Helgen die Vorfreude steigern. Bösch ist in St. Gallen beheimatet und macht oft schwarz-weiss-Bilder. “Die Fotografie ist für mich ein Mittel um Geschehnisse, Dinge und Menschen genauer zu betrachten und verstehen zu lernen. Oberflächliche Schönheit interessiert mich nicht”, schreibt er auf seiner Homepage. Dort gibt es noch mehr schöne Bilder von der Alp Loch im Toggenburg, Impressionen aus dem Leben der Älplerin im Stall, in der Käserei, auf der Weide und beim Ausruhen. Bösch nimmt sich Zeit für seine Aufnahmen: “Für mich braucht eine gute Fotografie Langsamkeit und Bedachtheit”. Das sieht man den Alpbildern an. Irgendwie hat man beim Anscheuen der Bilder das Gefühl, Bösch habe das Tempo dort oben angenommen und auch beim Fotografieren angewandt. Was jetzt nicht heissen soll, dass es auf der Alp nicht auch manchmal schnell gehen muss. Das ist ja beim Fotografieren übrigens auch so. Schnappschüsse sind häufig nicht ohne. Bösch nennt sie Momentaufnahmen.

Grüne Woche (4): “Und grüssen Sie die Schweiz”

Januar 16, 2010 von adriankrebs

Zuerst möchte ich hier einmal den Berlinern und Berlinerinnen ein Kränzchen winden. Wer immer einem begegnet, ist sehr zuvorkommend und nett. “Und grüssen Sie mir die Schweiz” sagen hier alle, sobald sie den urchigen Akzent aus dem Mund des Fremden entziffert haben. Da wird es einem fast ein wenig peinlich, wenn man denkt, dass zuhause über angeblichen deutschen Filz an den Unis debattiert wird. Apropos zuhause, was macht eigentlich die Schweiz in Berlin? Die Agromarketing Suisse ist zum 12. Mal vor Ort. Der Slogan heisst Grüezi Berlin und um diesen zu unterstreichen reisen die (Agrar-)politiker noch so gerne in die deutsche Hauptstadt und markieren dort unübliche Einigkeit (oben im Bild ”Landwirtschaftsminister” Manfred Bötsch und Bauernpräsident Hansjörg Walter mit der Tessiner Staatsrätin Laura Sadis). Sie tun aber auch andere Sachen, die Schweizer, zum Beispiel Raclette essen:
Die “Schweizerbauer“-Redaktoren Simon Marti und Stephan Jaun lassen es sich nach fast getanem Tagwerk schmecken. Derweil gönnen sich diese beiden Damen eine Pause, angelehnt an die Plastickuh, die auch eine Wettbewerbsurne ist. Uf widerluege Berlin.

Grüne Woche (3): Viele Tiere & eine neue Rasse

Januar 15, 2010 von adriankrebs

Neben einer Unmenge von flüssigen und festen Lebensmittel und viel theoretischem dazu, gibt an der Grünen Woche zum Glück auch viele Tiere. Diese sind am Donnerstag in allen möglichen Gefährten eingetroffen, so zum Beispiel auch diese beiden Schafe. In der Halle 25 bereitet man die Ausstellung “Robuste Fleischrinder” vor und ich entdecke auf den Plakaten eine vermeintlich wenig bekannte Rasse, die allerdings noch nicht angeliefert wurde: Salers (französisch ausgesprochen). Bei der Suche nach dem Bild (es stammt von Wikipedia) merke ich, dass es längst einen Salers-Verband gibt in der Schweiz.  Es handelt sich dabei um ein genügsames Rind aus der Auvergne. Dann entdecke ich aber doch noch etwas, das im Schweizer Organisationsdschungel – so glaube ich vermuten zu dürfen – noch keinen Niederschlag gefunden hat: Black Welsh. Ein Fleischrind aus Wales, prächtiges buschiges Fell, gutmütig aussehend. Hier ein exklusives Bild mit Bitte um Mitteilung, falls es schon einen Swiss Black Welsh Breeder Union geben sollte…
 
Daneben gibt es natürlich auch ein paar gute alte Bekannte, zum Beispiel zwei Herefordmunis vis-à-vis: