Äquidistanz schützt Bauern vor Bauernparteien

September 30, 2014

LodererVor knapp zwei Wochen servierte die BauernZeitung dem geneigten Leser einen sehr bemerkenswerten Gastkommentar: Benedikt Loderer, eine der geschliffensten Zungen in der Architektur- und Raumplanungskritik erhielt eine Drittel Seite zur Verfügung gestellt, die leider online nicht verfügbar ist, bzw war. Ich habe sie nämlich abgeschrieben, weil die Lektüre lohnenswert ist:

Die Landwirte, die Bauern bleiben wollen

Ein ungeheurer Satz stand in der Zeitung: „Werden Fruchtfolgeflächen einer Bauzone zugewiesen oder anderweitig für eine sie beeinträchtigende Nutzung beansprucht, so hat eine vollumfängliche Kompensation zu erfolgen.“ Das in einem Gesetzesentwurf, den das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) kürzlich veröffentlichte. Im Klartext: Wer Bauernland einzont, muss anderswo Bauernland auszonen. Was das eidgenössischen Waldgesetz seit 127 Jahren vorschreibt, wer Wald rodet, muss Wald aufforsten, soll künftig auch für die Fruchtfolgeflächen gelten.

Fruchtfolgeflächen? Das sind jene 444‘000 Hektaren des besten Bauernlands, das in der Schweiz übrig geblieben ist und nun geschützt werden soll. Eine Notreserve für böse Zeiten. Bauernland in Bauernhand. Die Bauern sind selbstverständlich dafür. Warum ist aber die SVP dagegen? Weil sie keine Bauernpartei mehr ist. Sie ist die Partei der Bauwirtschaft. Sie vertritt die Interessen der kleinteiligen, gewerblichen, binnenwirtschaftlichen Baumeister, Schreiner, Zimmerleute, Maler, Installateure, der Handwerker und Zulieferer, aber ebenso der Lokalbanken, Notare, Treuhänder, Garagisten, kurz all jener, die davon leben, aus Bauernland Bauland herzustellen. Sie sind es, die in der Gemeinde das Sagen haben, sie sind es, die die nächste Einzonung duchdrücken wollen. Das kostet Fruchtfolgefläche, im Klartext, frisst einen Acker oder eine Wiese.

Was aber ist mit jenen Landwirten, die Bauern bleiben wollen? Sie merken, dass sie in der falschen Partei sind. Die der Landverkäufer, nicht der Landwirte, die der Landspekulanten, nicht der Landpfleger. Kurz sie stellen ernüchtert fest: Gewiss sorgt die SVP zuverlässig dafür, dass die Subventionen fliessen, aber gleichzeitig auch dafür, dass das Bauernland schmilzt. Wie man bauern soll ohne Land, das ist ein Rätsel, das auch mit Bundesgeld nicht zu lösen ist. Wer einerseits einen gesunden Bauernstand ist – wer ist das entschiedener als die SVP? – kann unmöglich andererseits für das ständige, unaufhaltsame Annagen der Fruchtfolgefläche sein. Den Bauernboden überbauen und gleichzeitig bebauen, das geht nicht. Die Interessen der Bauwirtschaft und der Landwirte, die Bauern bleiben wollen, schliessen sich aus.

Die SVP ist die Partei der falschen Bauern, die der Landschwärmer, dien den Bauern durch die sentimentale Brille betrachten und die der Landwirte, die keineswegs Bauern bleiben wollen, sondern auf eine Karriere als Landverkäufer hoffen. Die, die Bauern bleiben wollen, stellen zähneknirschend fest: Die wahre und einzige Bauernpartei sind die Grünen.

Das sind klare Worte, die ich grossmehrheitlich unterschreiben kann. Ich hätte nur ein paar Ergänzungen und Relativierungen:

- Die SVP ist auch die Partei der neoliberalen Milliardäre und nouveau-richen Banker, welche die schmalbrüstig durchaus noch vorhandenen “gutbäuerlichen” Positionen weiter schwächen.
– Loderer sieht das ganze etwas zu eng: Das exakt selbe wie über die SVP-Politiker kann man auch über FDP-, BDP- und CVP-Politiker sagen. Die FDP war zwar seit jeher dem lokalgewerblichen Millieu verhaftet, verfügt aber immer noch über ein halbes Dutzend Nationalräte und weitere tiefere Chargen, für die Loderers Beschreibung ebenso passt wie für das Gros der CVP-Bauernbundes-, Kantonal- und Lokalparlamentarier.
– Die Grünen sind – wie die SP übrigens auch – keineswegs eine Bauernpartei, sondern eine primär urban profilierte und gewählte Gruppierung, die landwirtschaftspolitisch schwach ist auf der Brust. Die einzige profilierte Landwirtschaftspolitikerin mit überregionaler Ausstrahlung ist Maya Graf, die allerdings im Tagesgeschäft kaum in Erscheinung tritt.
Nun sammelt man plötzlich mit Inbrunst Unterschriften für die Lebensmittel-Initiative, die inhaltlich zwar gut tönende Ziele verfolgt, praktisch im Fall einer Annahme aber vor allem Protektionismus und neue Probleme auf internationalem Parkett mit sich bringen würde. Die Grünen sind hier genau im gleichen Spital krank, wie allen anderen Parteien: Das Initiativrecht wird für die Profilierung (im urbanen Raum) im Hinblick auf den bevorstehenden Wahlkampf benutzt. Zum nachhaltigen Engagement für eine nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft ist der Weg aber etwa gleich weit wie für eine Kuhherde auf den Eiffelturm.
Insgesamt kann man den Bauern nur raten, zu allen Parteien Äquidistanz zu wahren und die Politiker projektbezogen für die eigenen Zwecke einzuspannen.

PS. Das Erstaunlichste an der Publikation in der verbandsnahen BauernZeitung war übrigens nicht der Kommentar an sich, sondern das komplette Ausbleiben von Reaktionen in der darauffolgenden Nummer. Nicht eine einzige Seele vermochte sich über Loderers Zeilen aufregen. Das deutet darauf hin, das man seine Ansichten breit teilt in der Branche.

 

Scotland (2): I bet it’s a No. And why it’s good

September 18, 2014

AngusThe polls are closed, the decision is approaching: Is Scotland staying or going away from the UK? In a few hours we’ll know about the verdict. So, it’s about time for a last qualified and legal bet. I bet hereby that it’s gonna be a No: 52.7 to 47.3 percent or somewhere around that. If I loose, I will blog daily next week and put up with a reason day by day why it’s ok to be independent for the Scots and their farm sector. You may call me opportunistic, but no, if it’s a Yes, all that remains (after the celebrations and mournings of course) will be to get up/come down and keep going.

Alex SalmondAnyway, meanwhile let me line up a few reasons, why it’s good that that it will be a No for scottish agriculture. To put it straight beforehand, I understand every Scotswoman and -man who prefers to be governed by an outspoken and witty guy like Alex Salmond instead of a public school boy like David Cameron. But unfortunately, a swallow doesn’t make spring, as we say in Switzerland. The lonely Salmond won’t save the whole Loch. He’s a great promise and talks the blue down from the sky (as far as there is any in Scotland). Still, he hasn’t got a clue about the consequences of Independece yet. When he talked to us a fortnight ago at the congress of the IFAJ in Aberdeen, he wasn’t able to make any clear statement about how a Yes would influence the future of his country very probably not to be.

He complained about the very low contributions the Scottish farmers are receiving from the EU honeypots (see the article of my colleague Jonas Ingold on Swiss agpress agency LID). That may be true, but I’m pretty sure that an independent Scotland will mean a lot of insecurity to the farmers whether at all they will get any money from Brussel in the next few years. And it’s always better to have the sparrow in your hand than the beautiful white dove on the roof, to use another Swiss saying.

Landscape to die forAnother thing I don’t understand from an agrocommercial point of view is why the Scots should build a frontier towards their most important market. In a world or at least a Europe where pulling down the borders has caused a few problems but has mainly prevented this agitated continent from more wars and bloodshed, I think it’s quite stupid to build toll stations and create free trade barriers. Notably because the Scots have a lot of excellent products to offer, eg Whisky, Salmon and Landscape to die for and some of the most excellent cattle (the Aberdeen Angus bull above for example) and sheep in the world to just mention the tip of the iceberg. And look (below) what they have made out of our Simmentals (the two bulls to the right) and you know immediately, what they are able to achieve.

This doesn’t mean that I think the whole idea of the Independence Referendum is wrong. I think Mr. Salmond and his pals are quite clever. They knew from the beginning, that it will be a No, but a tight one. And that bottom line, there will be an even higher level of independence within the UK once the whole thing is over. I would even go so far to say that the Salmonds are happier about a tight No than a tight Yes. But who knows, maybe I’m totyally wrong and will have to blog again tomorrow…
Simmental bulls

Scotland(1): Stolen memories

September 13, 2014

Ballen4Back from a few days in Scotland at the annual Congress of the International agricultural journalists (IFAJ) in Aberdeen.

It was a very interesting trip. Imagewise I was most impressed by the landscape, not really surprisingly. More surprising maybe: Best elements were the round straw- and haybails. They look really great, even the black wrapped ones on a bright green of a post-rainfall-sun reflecting. Great.

Ballen1

Unfortunately, the bus went too fast for a Bernese to get out his cam at the right time. Plus we stopped rarely when there were bails around. Anyway, I had to steal from some AgJournalist pals. Thanks a lot Debra Murphy from Saskatchewan (top picture) and Peter Lewis from down under!

Ballen2

Gute Ernte (2): Sommerweidetore aus Southwest

September 3, 2014

Weidetor1Zu einer gelungenen Agrofotosafari gehören immer auch ein paar Weidetore, dafür ist England verlässlich ein gutes Pflaster, diesmal der Südwesten. Den Auftakt der Serie macht das Hinfällige aber dafür umso Aussichtsreichere, von dem diesen Sommer nur noch der Umgehungskranz vorhanden war.

Weidetor2Das nächste war ein Grossartig angekündigtes.

Weidetor3Und es folgte ein Gitter, so perfekt, wie man es auch in der gepützelten Schweiz kaum sieht.

Weidetor5Da war man dann schon fast wieder froh um das Rustikal hölzerne, auch dieses in perfektem Zustand. Es darf nicht vergessen gehen, dass Devon gemeinsam mit Cornwall so etwas wie die Sonnenstube Englands ist, ideal auch für Londoner, die kaum länger zu fahren haben, als eine Reise jenseits des Gotthards dauert.

Weidetor6Weitverbreitet sind hier die architektonisch anspruchsvollen Übersteiger, da es immer wieder Mäuerchen zu queren gilt. Die englische Kulturlandschaft ist schon recht toll. Während bei uns alles ausgeräumt wurde, strotzt sie hier vor Hecken, Baumgruppen und Mäuerchen.

Weidetor7Zum Abschluss hier noch das vom Weidetor inspirierte schwenkbar Eingemeindete zum Schutz von God’s Acre, wie der Friedhof passend dazu gemäss Schild hier auch heisst.

Gute Ernte: Sommerkühe aus UK, CH, Tansania

August 30, 2014

Sommerkühe Helen

Liebe Leute haben mir viele schöne Kuhbilder geschickt in den letzten Wochen: zB. ölmalerisch pittoresk aus Cornwall …

OLYMPUS DIGITAL CAMERA… spektakulär perspektivisch aus dem Berner Oberland …

????????… kontemplativ weitsichtig aus dem Alpstein und …

Sommerkühe Susanna Tansania Saadani Nationalpark… exotisch bemutternd aus Tansania.
Danke Euch allen! (Bilder: Helen James, Monika Reize, Monika Schlatter, Susanna Müller)

Züchtigung der Züchter: Dreimal blättern genügt

August 24, 2014

BauZ1-1Manchmal ist die Zeitung schon nicht zu überbieten, und es wäre wirklich jammerschade, wenn sie dereinst aussterben würde. Ein schönes Beispiel, was die Zeitung in Sachen Leseraufklärung kann, lieferten vor etwa 10 Tagen die geschätzten KollegInnen von der Bauernzeitung, auch wenn es in diesem Fall wohl keine beabsichtigte Performance war.

Auf der Frontseite berichtet die BauZ über den geharnischten Protest von Bauernverband und Rinderzüchtern gegen die Verordnung über den Tierschutz beim Züchten von Tieren. Die neuen Bestimmungen seien “zu bürokratisch, nicht nachvollziehbar, realitätsfremd und nicht nötig”, beschwert sich der Bauernverband. Stein beziehungsweise Körperteil des Anstosses ist das Euter. «Übermässig ausgebildete Euter» führen laut Verordnung zur Behinderung der Fortbewegung und sind deshalb züchterisch zu vermeiden. In der rechten Spalte kommentiert Redaktorin Julia Schwery im Sinne des Bauernverbands. Die Verordnung sei unsinnig, schreibt Schwery, “Bäuerinnen und Bauern haben wohl kaum ein Interesse an Tieren, die nicht langfristig nutzbar sind”.

Soweit so gut. Dreimal umblättern reicht, um auf Seite 7 anzulangen und dort den lebendigen Beweis zu finden, dass die Verordnung keineswegs so unsinnig ist, wie Bauernlobby und Landwirtschaftsjournalistin auf der Frontseite behaupteten (siehe Bild unten). Hier sieht man einen profilierten Braunviehzüchter, der stolz mit einer seiner Spitzenkühe, beziehungsweise ihrem fast bildfüllenden Euter posiert.

Um zu sehen, dass dieses das Gehen der Kuh behindert und im Sinne der Verordnung überdimensioniert ist, braucht man kein Fachmann zu sein. Ganz offensichtlich ist der Züchter stolz auf diesen Zustand, sonst würde er wohl kaum auf diese Art mit dem Tier posieren und man kann davon ausgehen, dass auch bei den übrigen Kühen eine derartige Eutergrösse angestrebt wird.

Grosse Euter werden auch an den Spitzenschauen honoriert, was die Aussteller dazu verleitet, ihre Kühe vor der Präsentation lange nicht zu melken, um den Füllgrad des Euters zu erhöhen. Diese üble Praxis, welche nicht nur beim gehen behindert sondern wohl auch Schmerzen verursacht, kam möglicherweise auch in diesem Fall zur Anwendung, da der Züchter die Jungzüchter beeindrucken wollte.

Trotzdem kann ich die Kritik von Bauernverband und Züchtern ein Stückweit verstehen. Das überdimensionierte Euter wird nur von einer kleinen Elite derart forciert, die auch bei den Berufskollegen nur beschränkt Zustimmung findet. Gerade gestern habe ich mit einem Appenzeller Züchter über die entlarvende Kombination in der Bauernzeitung gesprochen. Er   findet überdimensionierte Euter und die künstliche Vergrösserung daneben, nicht nur aus tierschützerischen Gründen, sondern weil man den Kühen mit dieser Schaupraxis auch Schaden zufüge, der deren Langlebigkeit und Leistungspotenzial negativ beeinflusse.

Allerdings ist es in der Tierzucht so wie in allen anderen Lebensbereichen. Die Gesetze braucht es nur für eine Minderheit, die ohne künstliche Grenzen überborden würden, beziehungsweise bereits überborden und so erst den Gesetzgeber auf den Plan rufen. Das sind eigentlich die Leute, welche Bauernverband und -presse ins Visier nehmen müssten. BauZ2

 

Englisches Farmshoppingerlebnis

August 18, 2014

Padstow Farmshop2Grossbritannien hat ja kulinarisch nicht grad den besten Ruf. Zu Unrecht. Die Zeiten, als man sich mit Fish & Chips aus ranzigem Frittieröl begnügen und das ganze mit viel Ale runterspülen musste sind längst vorbei.

Padstow Farmshop5Padstow Farmshop3Das heisst nun aber nicht, dass zwischen Brighton und (noch) Aberdeen nur noch geschlemmt würde. Junk Food ist nach wie vor weit verbreitet (kann im Fall von gutem Frittierfisch durchaus lecker sein) und das Land hat eine der wohl härtesten Konkurrenzsituationen unter riesigen Supermarktketten von Tesco über Morrisons, Sainsbury bis zu Asda, dem Wal-Mart-Ableger auf der Insel.

Padstow FarmshopPadstow Farmshop4Trotzdem hält sich daneben eine sehr lebendige Farmshop-Szene, wie Schilder an den Strassen allenthalben beweisen. Kürzlich auf landschaftlich reizvoller Tour in Cornwall machte ich die Probe aufs Exempel im Padstow Farm Shop. Der Laden ist wenige hundert Metern von Discount-Konkurrenz entfernt, hält sich aber mit einem sehr regional verankerten Sortiment bestens. Leider schon auf der Heimreise war das Gepäckpotenzial für kräftige Einkäufe stark limitiert, gerne hätte man die letzten Pfunde allesamt hier liegen gelassen. Ein breites, anmächelig präsentiertes Angebot wurde charmant angepriesen von Locals, die zum Teil von der dazugehörigen Farm stammen.

Padstow Farmshop7Eines der interessanten Details, das man in England nicht gerade vermuten würde ist die Pastamaschine, mit der sich die Kundschaft aus lokalem Weizen die gewünschten Teigwaren produzieren lassen kann.

Das ganze ist enorm aufwändig, im Laden arbeitete etwa ein halbes Dutzend Personen, das heisst es muss ein beträchtlicher Umsatz aber auch viel mässig bezahlte Arbeit und damit eine gehörige Portion Idealismus vorhanden sein. Das Resultat lässt sich mehr als sehen. Ich zieh solch eine Fundgrube den Delicatessas aller Art in den Kellern unserer Grossverteiler in jedem Fall vor.

Yellingham1Yellingham2PS. Dass es die Bauern im touristisch sehr attraktiven Südwesten der Insel gecheckt haben, dass die Gäste mehr als das gute alte feisse Full english Breakfast, zeigte sich auch in der Yellingham Farm im nahen Devon. Schauen Sie sich mal das Müesli und das anschliessend präsentierte doppelte “poached egg” auf Spargeln an. Da muss der darauf folgende Tag einfach gut werden.

Käse: Gelbe Linie durch die Weisse Rechnung

Juli 25, 2014

mix_brands_0015Eher selektiv präsentiert die Marketingagentur Switzerland Cheese in einer Medienmitteilung ihre Halbjahreszahlen: “Wertmässige Steigerung der Exporte von Schweizer Käse” hiess es da. Der Titel verschweigt aber, dass die Exporte im ersten Halbjahr 2014 um gut 5 Prozent gesunken sind und dass die Wertsteigerung lediglich erhöhten Preisen zu verdanken war, die dann auf die Exporte drückten. Es sei einer Vermarktungsorganisation, die im Namen der Branche Marketinggelder des Bundes und eigene Mittel verteilt, nicht verwehrt, schönzufärben. Aber in diesem Fall wäre es vermutlich eher angezeigt, reinen Wein einzuschenken.

Das hiesse klar aufzuzeigen, was Sache ist und welche Strategien ergriffen werden sollten, um Gegensteuer zu geben. Die Fakten sprechen für sich: Der seit Jahren anhaltende Sinkflug des nach wie vor grössten Umsatzträgers Emmentaler ist brutal weitergegangen (-18,2% gegenüber der Vorjahresperiode) und die bisher fast stetig wachsenden anderen Spezialitäten wie Gruyère (-1,6%), Appenzeller (-1,5%),, Tête de Moine (-3,4%), Tilsiter (-13,1%) und Vacherin Mont d’or (-51,6%(!)) haben die Wachstumsgrenze erreicht oder überschritten, vom Sbrinz gar nicht zu reden (-12,5%). Ein schlechtes Zeichen ist auch, dass der sogenannte Switzerland Swiss, eine billige Emmentalerkopie ebenfalls nicht vom Fleck kommt (-0,7%), nachdem er letztes Jahr noch um 200% zugelegt hatte. Das zeigt, dass die Selbstkannibalisierung keine brauchbare Strategie ist.

Was heisst das unter dem Strich? Alles, worauf die Schweiz stolz war im Käseexport steckt in der Krise oder hat zumindest die Grippe. Gleichzeitig haben die Importe wert- und mengenmässig wie immer in den letzten Jahren zugelegt und zwar um 2,6%, am deutlichsten war die Zunahme interessanterweise bei den Hartkäsen, also unseren Topprodukten, die im Inlandabsatz auch eher zaghaft wachsen oder gar weiter schrumpfen.

Die ganze Situtation wird sich aufgrund der Aufhebung der Milchkontingente im nächsten Jahr in der EU vermutlich noch verschärfen. In der bäuerlichen Presse befürchtet man bereits eine Milchschwemme. Die Milch wird bei der zu erwartenden Überproduktion billiger, was nach Adam Riese garantiert auf die Produktepreise durchschlagen wird, was die Importkäse preislich für die Importeure noch interessanter und den Export noch tückischer macht.

Gleichzeitig liebäugelt der Bund mit Support der üblichen Souffleure mit einer Freihandelsstrategie bei der sogenannten Weissen Linie, also Frischmilchprodukte. In einem Kampf der Studien schlagen sich Befürworter und Gegner einer Marktöffnung die Zahlen um die Ohren. Zugunsten einer Liberalisierung wird gerne das Beispiel Käse angeführt, wo der Freihandel zu den eben aufgezählten Auswirkungen geführt hat. Ich sehe aus den Erfahrungen mit der “Gelben Linie” aber keinerlei positive Argumente in Richtung isolierter Marktöffnung erwachsen. Es bräuchte, wenn schon offene Grenzen für sämtliche Branchen, habe mir da schon öfter die Finger schusselig geschrieben. Solange Importeure von landwirtschaftlichem Gerät bis Medikamenten die höhere Schweizer Zahlkraft schamlos abschöpfen dürfen, ist es nicht sauber, die Bauern samt der nachgelagerten Sektoren in den Marktsturm zu stellen. Dass man das dann mit staatlichen Ausgleichszahlungen kompensieren muss ist ja irgendwie auch nicht das Gelbe vom Ei, wenn man von genau dieser Subventionspolitik eigentlich weg kommen möchte.

Item, ich melde mich mal für ein paar Wochen ab und werde möglichst viel Hartkäse essen, promise.

 

Die Kälber sind die neuen Hähne

Juli 20, 2014

Schwarzbuntes Closeup2Diese hübschen Close-ups von meiner treusten Kuhbildlieferantin laden geradezu ein zu etwas Schleichwerbung. Seit gut einem Jahr schreibe ich jetzt beim bioaktuell, dem Leader im Bioagrarmedienmarkt, der zugegebenermassen klein ist.

Mein letzter Artikel (das ganze Heft 6/14 findet sich bald hier) handelte von den Kälbern aus der Biomilchproduktion, die zu rund zwei Dritteln im konventionellen Kanal vermarktet werden. Warum ist das so? Der Hauptgrund: die Nachzucht der modernen Milchrassen – und hier kommen wir jetzt zu den Schwarzbunten – ist für extensive Mast, wie sie für Bio obligatorisch ist, unbrauchbar. Sie werden ohne massiven Milchpulverinput, wie er in konventioneller Kälbermast üblich und bei Bio verboten ist, schlicht nicht fleischig genug.

So weit wie in Neuseeland, wo solche für die Milchnachzucht nicht benötigten Kälber reihenweise und amtlich bewilligt direkt nach der Geburt getötet werden (hier ein interessanter Blogbeitrag eines Kollegen) sind wir in der Schweiz noch nicht. Eine Schwarzziffer gibt es, aber es ist sicher noch keine grosse Zahl von Kälbern.

Trotzdem zeigt das Phänomen der verschmähten Biokälber, dass die moderne Milchproduktion in diesem Punkt alles andere als nachhaltig ist. Das gilt auch für die konventionelle Mast von Milchtypen, die dafür nicht geeignet sind, da sie sehr hohen Futterinput benötigen. Wenn man nicht in die gleiche Bredouille geraten will, wie die Eierproduzenten mit den getöteten Eintages-Hähnen, sollte die Branche umgehend fleischbetontere Milchstiere einsetzen, damit würde man etwas Milch verlieren, könnte aber gleichzeitig ein potenzielles Reputationsrisiko entschärfen. (Bilder Monika Schlatter, besten Dank!)
Schwarzbuntes Closeup

KulturLandiVerlust: Wie die Bauern-Firma sündigt

Juli 8, 2014

Landi Neubau Rüderswil“Zu den obersten Geboten der Fenaco gehört der haushälterische Umgang mit landwirtschaftlich nutzbarem Boden”, sagt Fenaco-Präsident Lienhard Marschall laut einem Artikel unter dem Titel “Mit Augenmass bauen”, der im Herbst 2012 auf der Fenaco-Homepage veröffentlicht wurde.

Entweder gilt das Wort des Präsidenten nichts oder schon nicht mehr, oder dann ist das eine Selbstberuhigungspille in einer Zeit in der sich die Besitzer der Fenaco-Landi Gruppe, die Bauern, gerne hervortun mit besorgten Wortschwällen zum Kulturlandschutz. Die Lobag, der konservative bernische Bauernverband hat sich gar – in der Not frisst der Teufel Fliegen – mit den Grünen zusammengetan, um eine Kulturlandinitiative zu lancieren.

Landi RüderswilLandi Neubau WaldeggWenn man nämlich einfach mal Landi und Neubau in die Suchmaschine eingibt, kommt einem ein ebenso umfangreicher Schwall von Bildern mit üblen einstöckigen kulturlandfressenden Landi-Bauprojekten entgegen, dazu gehören immer eine Tankstelle und ein ausgedehnter Laden, alles natürlich einstöckig und architektonisch bestens geeignet, um die Landschaft zu verschandeln. Dazu ein paar zufällig ausgewählte Beispiele: Landi Rüederswil BE (siehe den Auftakt oben, hier links ein Bild von den Bauarbeiten und rechts das geplante Endaussehen).

Neubau Landi ReidenNächstes Beispiel ist die Landi Reiden LU. Hier der Humusabtrag…

Landi Reiden Neubau…und der prächtige Endausbau als Computeranimation.

Landi Neubau MühlethurnenEine weitere Augenweide im ehemaligen Landwirtschaftsland ist die Erweiterung der Landi Mühlethurnen mit Getreidesilos.

Landi Neubau KlingnauUnd hier zum Abrunden noch der Neubau in Klingnau…

Landi Neubau Eglisau

…und der Neubau in Eglisau. Erweiterung der Galerie ist jederzeit in beliebigem Umfang möglich. Insgesamt ein deprimierendes Bild, das zeigt, dass die Schere zwischen der auf der Homepage postulierten Aufmerksamkeit bezüglich Kulturlandverlust und der Realität erschreckend weit offen ist. Das nützt auch der schöne Nachhaltigkeitsbericht wenig, den die Fenaco hat erstellen lassen. Die Bauern täten gut daran, ihrem Unternehmen etwas besser auf die Finger zu schauen, wobei viele unter ihnen ja als Grossbaulandverkäufer selber viel zur Zersiedelung und zu architektonischen Einöde im Land beigetragen haben. (Alle Bilder und Illustrationen: Landi)


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