Archiv für April 2009

Die Schweine, die Grippe und wir

April 27, 2009

schweinegrippegrafikEs steht mir fern, irgendetwas verharmlosen zu wollen in Bezug auf die Schweinegrippe. Die Todesfälle in Mexikon sind tragisch und die getroffenen Vorsichtsmassnahmen im Lande sicher gerechtfertigt. Schon problematischer scheint mir der Umgang hierzulande mit der Grippe – und so leid es mir tut - vor allem der Medien. Gestern nachmittag meldeten erste Onlineportale aufgeregt (auf 20minuten.ch hatte man das schon unter einem dramatischen Logo mit Schweinen präsentiert), dass es in der Schweiz bereits fünf Verdachtsfälle gebe. Schon am Abend folgte dann die Entwarnung. Bisher ist kein Fall in der Schweiz nachgewiesen, aber wenn man die Berichterstattung gewisser Medien verfolgt, erhält man das Gefühl, dass morgen bereits eine Schweinegrippe-Pandemie lawinenartig über das Land zu brechen droht. Auf Telezüri, dem Regionalsender von “Downtown Switzerland” empfahl der Zürcher Stadtarzt Albert Wettstein allen ernstes den Kauf von Atemschutzmasken. Das müsste dann wahrscheinlich bei jeder künftigen Grippewelle zur allgemeinen Massnahme gemacht werden, denn Todesopfer gehören immer zu den traurigen Begleiterscheinung, wenn die Grippe irgendwo grassiert, welcher Influenza-Erreger auch immer es dann ist. Ich wage jetzt einmal die Prognose, dass die Schweinegrippe-Aufregung ähnlich verlaufen wird wie bei SARS und Vogelgrippe. Die geschürten Befürchtungen über Grosspandemien werden sich nicht bewahrheiten und die Medien werden weiterziehen und sich an neuen Newstöpfen laben. Anders als bei der Vogelgrippe übrigens, wo die Zugvögel für die Verbreitung des Virus sorgten, kann man den Schweinen hier keinen Vorwurf machen. Sie halten sich still in ihren Ställen. Verantwortlich ist für eine allfällige Verbreitung der Mensch, der mit seinen Flügen für die Verteilung sorgt, wie Stadtarzt Wettstein auf Telezüri richtig bemerkte.   

Jungkuhbild der Woche

April 21, 2009

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Aufmerksame Agroblogleser und -leserinnen werden gemerkt haben, dass in der schon traditionellen Rubrik Kuhbild der Woche schon zum zweiten Mal ein Hochlandrind Aufnahme findet. Das ist eine Mischung zwischen Zufall und Zuneigung. Diesem Jungtier, leider weiss ich nicht mehr ob es ein Muneli oder ein Chüechalb war, konnte der Fotograf im Team nicht wiederstehen. Das Bild stammt vom Hof von Ruth Burch und Paul Scherer in Bauma. Sie halten seit einem Jahrzehnt Hochlandrinder und pflegen zu jedem Tier in der derzeit 29-köpfigen Herde ein individuelles Verhältnis, wie ein schöner Betriebsbesuch zeigte. Burch/Scherers sind zudem erfolgreiche Züchter und haben kürzlich an der Highlandcattle-Show in Cazis sehr gut abgeschnitten. Dort zeigten 70 Halter ihre schönsten Tiere. Mittlerweile ist der Bestand in der Schweiz auf 2500 Stück Hochlandrinder gewachsen. Unser Kuhstar der Woche wird sicher dazu beitragen, dass diese Erfolgsgehschichte weiter geht. Die Kuh im Hintergrund heisst übrigens mit Übernahmen Brätzeli und entspricht mit ihrer Hornform nicht ganz dem Zuchtziel der Baumer Bauern. Die Hörner müssen lang und leicht nach oben geschwungen sein. Die Leitkuh im Stall von Burch und Scherer erreicht eine Spannweite von gut 1 Meter 30 (!) 

Deutschland ist ein kleiner Fisch im GVO-Teich

April 17, 2009

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Dass die deutsche Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner diese Woche den Anbau von GVO-Mais der Firma Monsanto verboten hat, ist einigermassen erstaunlich. Wenn man jemandem einen solchen Schritt zugetraut hätte, wäre dies eher ihre Vorvorgängerin Renate Künast von den Grünen gewesen. aignerAigner dagegen stammt aus dem konservativen bayrischen Hinterland und zeigt sich gerne in der Tracht im Kreise ihrer Wähler (siehe Bild links). Nun dürfte der Druck der GVO-Gegner auf die Ministerin sicher immens gewesen sein, dies allein dürfte aber nicht gereicht haben. Dass ausgerechnet eine CSU-Frau diesen Schritt macht, zeigt, dass der Nutzen von Gentech-Crops zumindest in der Wahrnehmung der risikobewussten Kulturen Westeuropas in keinem Verhältnis steht zu den Risiken. Allerdings sollten sich die Gegner von GVO-Pflanzen nicht zu früh freuen. Deutschland ist mit seinen 3000 Hektaren Bt-Mais im Jahr 2008 ein Mikro-Fisch im Makro-Becken des GVO-Pflanzen-Anbaus. Dies entspricht 0,15 Prozent der gesamten Maisfläche und dementsprechend gering war wohl auch der Widerstand aus der deutschen Landwirtschaft. Ganz anders sind die internationalen Verhältnisse: Weltweit betrug die Anbaufläche im  vergangenen Jahr laut der informativen Website transgen.de 37,3  Millionen Hektaren, das sind 6 Prozent mehr als im Jahr zuvor und 23 Prozent der gesamten Maisflächen. In der EU betrug die mit Bt-Mais bebaute Fläche in den sieben Ländern, die dies erlaubten, gut 100 000 Hektaren, 80 Prozent davon in Spanien.

Osterferien auf dem Bauernhof – Ei, wie schön!

April 14, 2009

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Die Osterferien haben wir auf dem Bauernhof verbracht. Im Katalog hat uns der Betrieb von Antonia und Fredi Messmer in Thal SG so gut gefallen, dass wir ohne grosses Federlesens gebucht haben, und es hat sich gelohnt. Das Wetter war prächtig (gut, dafür können selbst die besten Bauern nichts…), der Empfang sehr nett und unkompliziert, die Umgebung prächtig und der Erholungsfaktor für alle hoch. agristourism21Die Freibergerstute hielt sich zwar nicht ganz ans Drehbuch: Als wir am ersten Morgen aus den Federn stiegen war das Fohlen bereits geboren. Umso lustiger waren dann aber die ersten Gehversuche auf den langen Stelzenbeinchen. Gross war auch die Anziehungskraft des Trampolins in der Hofstatt, das die Kinder von früh bis spät belagerten, wenn sie nicht grad unter leichtem Protest (“wie viel lieber wären wir doch auf dem Hof geblieben!”) mit dem Velo dem schönen Bodensee entlang radeln mussten. Ideal ist der Bauernhof für Osternferien auch deshalb, weil man fast nirgends die Nester tückischer verstecken kann. Zur Nachahmung empfohlen. Die Angebote gibts zum Beispiel direkt auf agrotourismus.ch, bei  Reka oder auf biohöfe.ch.

Iransichten (3): Farbige Eier schon an Neujahr

April 10, 2009

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Im Iran beginnt das neue Jahr (Noruz) mit dem Frühjahr. Der erste Tag des nun angebrochenen Jahres 1388 (nach Mohammed) war also nicht der 1. Januar, sondern der 21. März. Gefeiert wird am 20. März und zwar haargenau nach dem astronomischen Kalender, heuer war der magische Moment 15 Uhr 14 und 58 Sekunden. Man besucht oder empfängt Verwandte, isst viel und fein und lässt die Reden von Revolutionsführer und Präsident am TV über sich ergehen. Zum Neujahr gehört obligatorisch das Noruz-Tischchen. Kunstvoll arrangiert liegen und stehen hier zahlreiche Symbole für das neue unverbrauchte und spriessende. Immer dabei sind ein Minibeet mit Weizenkeimen, ein Glas mit Goldfischen, einige rote Äpfel, Kerzen, ein ganzer Knoblauch ein Spiegel und eben – lange vor unserer Ostern – bemalte Eier. Oft findet man auch einen Gedichtband des Nationaldichters Hafez und eine Beige mit neuem Geld, das dann von den Familienältesten mit Neujahrsgrüssen bekritzelt an sämtliche Kinder, Kindeskinder, Verwandte aber auch zum Beispiel den Wachmann in der Tiefgarage verteilt wird. Nach Noruz – bei dem man übrigens als textiler Ausdruck für die Erneuerung immer neue Kleider tragen sollte - haben die Iraner 13 Tage Ferien. Das halbe Land ist dann unterwegs und besichtigt die zahlreichen einheimischen Sehenswürdigkeiten. Ich wünsche auch Ihnen viele schöne farbige Eier und fröhliche Ostern. 

Kuh und Schwein- Mitarbeiter des Jahres 2008

April 8, 2009

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Die Schweizer Bauern haben ein gutes Jahr hinter sich. Während die Angestellten froh sein mussten, wenn sie sich den Teuerungsausgleich ergattern konnten, stiegen die Einkommen der Branche um knapp 10 Prozent, wie Agroscope Reckenholz-Tänikon gestern mitgeteilt hat. Diesen Erfolg haben die Bauern laut der Pressemitteilung vor allem höheren Erträgen aus Milch und Schweinefleisch zu verdanken. Der prozentuale Anstieg tönt massiv, allerdings ist das absolute Niveau von 67000 Franken pro Betrieb wiederum verglichen mit Angestelltenlöhnen relativ bescheiden, insbesondere wenn man weiss, dass häufig mehr als eine Vollerwerbsarbeitskraft dafür tätig ist, der Schnitt pro Familienarbeitskraft beträgt denn auch nur gut 43000 Franken. Prognosen für das laufende Jahr sind schwierig zu machen. Da sowohl der Milchpreis wie auch derjenige für Treibstoffe klar gesunken sind, wäre ein ungefähr gleiches Ergebnis nicht überraschend. Vielleicht noch ein Wort zur Tierhaltung: Während sich die Haltung bei den Kühen dank dem Bau von Laufställen und obligatorischen Laufhöfen für Anbindehalter stark verbessert hat, liegt beim Schwein immer noch vieles im Argen. Spaltenböden sind für schätzungsweise die Hälft der Mastschweine nach wie vor an der Tagesordnung, obwohl sich die Tiere auf den Propagandabildern wie dem untenstehenden meist im Stroh räkeln.  Vielleicht hilft eine weitere Erkenntnis von Agroscope Tänikon den Komfort des Durchschnitsschweins zu verbessern: Sägemehl ist billiger als Stroh, ist aber ebenso tierfreundlich wie die andere Unterlage.

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Iransichten (2): Das Datteldrama von Garmeh

April 5, 2009

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Zugegegeben, der Titel mag etwas reisserisch sein und das Problem geographisch eng begrenzt. Für die Dattelbauern in der iranischen Oase Garmeh war der vorletzte Winter aber mit einem dramatisch harten Schlag verbunden. Zwar ist es im Winter immer wieder einmal kalt dort, aber die -24 Grad in der kältesten Nacht im Winter 2008 waren zuviel, beziehungsweise zu wenig für die Dattelpalmen von Garmeh. Rund 70 Prozent der teilweise bis zu 1000-jährigen Bäume sind zerstört worden.  Die Oase, auf älteren Bildern ein Hort des Grüns inmitten der Wüste, bietet deshalb heute einen traurigen Anblick. Die Erträge – normalerweise liefert eine Palme bis zu 70 Kilo pro Saison – sind bei den betroffenen Palmen auf null abgesackt und einer der Bauern hat uns erzählt, dass er seine Schafherde vergrössern musste, um die Familie weiter ernähren zu können. Nicht alle Besucher lassen sich aber vom Verlust der Fruchtbäume gross beeindrucken: während unserem Spaziergang durch die Oase ertönte plötzlich lauter Technosound. Hinter einer Gruppe von verdorrten Palme tanzten einige Jugendliche – die Frauen ohne das obligatorische Kopftuch – wild um ihr Auto herum. Im Gottesstaat Iran muss sich die grosse Mehrheit der Bevölkerung, die sich für Religion nicht mehr interessiert als der Durchschnittsschweizer, die Freiheiten dort nehmen, wo man sie findet, und sei es in der relativen Diskretion einer heruntergekommenen Dattelplantage (siehe Bild unten).

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Milchmarkt: Harte Bandagen – alte Methoden

April 2, 2009

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Das Bild täuscht, auf dem Milchmarkt ist die Lage derzeit nicht sonderlich idyllisch. Wer braucht noch die Finanzkrise, wenn er schon diese Laktastrophe hat, fragte sich kürzlich ein nicht genannt sein wollender Sarkast. Es sind vor allem zwei Probleme, die beschäftigen: Die immer noch relativ ungeklärte Organisation des Marktes nach der Aufhebung der Kontingente per 1. Mai und die derzeitige offenbar ziemlich drastische Überproduktion. Möglicherweise – ist es Ironie des Schicksals? – hilft auch die Lösung des einen Problems diejenige des anderen voranzutreiben. In einem ungewöhnlichen Akt des Zusammenraufens haben gestern die Milchproduzenten (SMP), der ihnen nicht sehr eng verbundene Verein Schweizer Milch (VSM), der Verband der Milchindustrie (VMI) und der Bauernverband (SBV) mitgeteilt, dass sie mit subventionierten Vollmilchpulverexporten den Markt entlasten wollen. Möglicherweise kann diese seltene Harmonie auch bei der Organisation der Nach-Kontingentsära hilfreich sein. Die beschlossenen Massnahmen haben bereits Kritiker auf den Plan gerufen. Fromarte, der Verband der Käser, wirft den Marktentlastern vor, mit den alten Rezepten aus der Planwirtschaftszeit lösten sie eine Krise aus. On verra, vielleicht will Fromarte auch nur von den eigenen Problemen ablenken, das lahmende Paradepferd Emmentaler steckt seinerseits schwer in der Krise, wie der soeben beschlossene Preisabschlag zeigt.


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