Zum Abschluss der Agrotourismus-Recherchen (das Resultat findet sich am 24. Juli in der NZZ, inschallah) ein verlängertes Wochenende auf dem Podere Riparbella bei Massa Marittima in der Maremma. Nie gehört? Die Maremma liegt in der Südtoscana, zirka Höhe Elba.
Eine sehr empfehlenswerte Gegend mit schönen Beaches mit Pinienwäldern und einer wunderbaren, dünn bevölkerten Landschaft im Landesinnern. Die Dörfer thronen auf den Hügeln und dazwischen liegt viel Wald, Natur und Landwirtschaft. Zum Beispiel eben auf Riparbella, wo Veronica Malzacher und Christian Prohaska ihre Vorstellungen vom ökologischen Agrotourismus umgesetzt haben.
Seit etwas mehr als 10 Jahren kann man sich hier verwöhnen lassen. Der Betrieb liegt gut 20 Kilometer vom Meer entfernt im Landesinneren. Es gibt 11 gemütliche Zimmer mit den besseren Betten als Zuhause (zumindest bei mir), eine unglaublich feine Küche (innovativer Slow food wäre vielleicht die beste Art zu umschreiben, was Veronica aufs Teller zaubert) und den
eigenen Wein und das eigene Öl. Christian ist Qualitätsfanatiker und wer sich für die Geheimnissse der Qualität der Riparbella-Produkte interessiert, dem kann er stundelang erzählen. Zum Beispiel über die Gründe, warum das Label Extra Vergine beim Olivenöl ebenso abgeschafft gehört (wegen Missbrauch) wie die alten Steinmühlen für dessen Herstellung (weil die Qualität leidet, wenn während des Mahlprozesses Sauerstoff zum Rohstoff gelangt).
Archiv für Juni 2009
Riparbella: Slow holidays alla maremmana
Juni 30, 2009RoMania(3): Bauern wie einst – idyllisch aber hart
Juni 25, 2009
Zum Abschluss der kleinen Rumänien-Trilogie ein Blick auf den Alltag der Siebenbürger Landwirte: Für den Reisenden ist die Idylle perfekt, Pferdefuhrwerke allenthalben, kaum Maschinen und sehr viel Handarbeit. Das Mais – es bildet als Mamaliga (Polenta) die Basis der bäuerlichen Ernährung – wird meist von Hand zu Fuss gehackt. Die Mechanisierung im Bild oben ist deutlich überdurchschnittlich. Beim Heuet ist es ähnlich, mähen, wenden und laden erfolgen vorwiegend zu Fuss und mit den Händen, Ladewagen gibt es nicht und ich sah eine einzige antike Kleinballen-Presse. Das arbeiten unter brennender Sonne ist kein Schleck, das sieht man sogar aus dem fahrenden Auto. Und noch ein Wort zu den rumänischen Kühen, oft stehen sie mutterseelenalleine auf kleinen Blätzen und weiden dort so gut wie es geht, ohne Zaun. Ein selbständiges Tier, die rumänische Kuh.
Alp-Kuhbild der Woche – mit Symbolcharakter?
Juni 24, 2009
Trübe Aussichten für diese Chueli gestern beim Albbezug oberhalb von Adelboden. So hat man sich das im Stall unten wohl nicht vorgestellt. Aber lieber ein nebliger Start und ein schöner Sommer als umgekehrt. Kein Schelm, wer diesem Bild von der Engstligenalp Symbolcharakter für die Entwicklungen auf dem Milchmarkt zubilligt. Die Metaphern sind zu naheligend: Undurchsichtige Verhältnisse, keiner weiss vom anderen was er tut und die Zukunft ist nebulös. Für gerade diese Kühe beziehungsweise ihre Milch trifft das aber nicht zu. Berner Oberländer Alpkäse ist ein gefragtes Produkt mit Raritäten-Charakter, lange reifend, immer besser werdend, ein nachhaltiger Genuss und damit genau das Gegenteil der meisten Entscheide, die derzeit von den nervösen Akteuren im fiebrigen Milchmarkt gefällt werden. Sollte übrigens jemand eine Alpstelle suchen oder mindestens ein bisschen mit dem Gedanken spielen, dann empfehle ich die sehr schöne Website von Zalp. Hier gibt es neben vielen Jobs alles vom Alp-Solarkollektor bis zum Tipp für das gesunde Leben zwischen Hütte, Gipfeln und Vieh. (Bild Keystone/Peter Schneider)
RoMania(2): Das freiwillige Ökowiesenparadies
Juni 21, 2009
In Siebenbürgen kommt jedem Botaniker das Augenwasser, dafür würde ich die Hand ins Feuer oder besser in die Blumenwiese legen. Wenn man durch die wildromantische Kulturlandschaft kurvt, möchte man auch als wenig beleckter Blumenkenner ständig anhalten und ein weiteres tolles Bild schiessen von einem Bestand, für den einem hierzulande die Goldmedaille an der Wiesenmeisterschaft (das gibt es wirklich!) blühen würde. Allein in der Gegend von Sinca Noua, dem Kaff in dem ich kürzlich zu Besuch war, wurden bei einer Bestandesaufnahme 24 Orchideenarten gezählt, unglaublich. Zu verdanken sind diese über Jahrzehnte gewachsenen Bestände der extensiven Bewirtschaftung und dem späten Schnitt, der hier seit immer praktiziert wird. In der Schweiz waren die allermeisten Bauern nur unter (Direktzahlungs-)Zwang dazu bereit, spät zu mähen und so Arten zu erhalten, die ansonsten verschwinden würden. In Rumänien mähen die Bauern spät, weil sie der Meinung sind, dass sich die Futterqualität im Alter verbessert. Was den Proteingehalt angeht, mag das falsch sein, aber es soll niemand sagen, dass getrocknete Kräutlein dem Vieh nicht ebensogut tun wie seinem Besitzer. Neu – und das ist das schöne an der Geschichte, werden die rumänischen Bauern jetzt belohnt für ihre naturfreunliche Bewirtschaftung. Seit das Land EU-Mitglied ist, erhält man 190 Euro pro Hektar Ökowiese mit Schnitt nach 1. Juli. Damit kann sich manch ein prekär lebendes Selbstversorgungs-Bäuerchen über Wasser halten.
Dieser siebenbürgische Fuchs hat möglicherweise kein grosses Auge für die Pracht der Flora, aber als Tarnung ist sie mehr als willkommen. (Bild Henrik Sandstrom)
Was macht eigentlich der freie Milchmarkt?
Juni 19, 2009Seit bald zwei Monaten tobt der freie Milchmarkt. Höchste Zeit, sich wieder einmal diesem ziemlich unschönen Thema anzunehmen. Was ist passiert? Leider nur wenig überraschendes: die Bauern werden von den Verarbeitern und schlitzohrigen Milch-Zwischenhändlern nach allen Regeln der Kunst gegeneinander ausgespielt. Wenn es eng wird, dann ist – begreiflicherweise – jedem Landwirten das eigene Hemd am nächsten. Noch so gerne verlassen sie ihre Organisationen, um einen anderen zu liefern, wenn dieser nur minim mehr zahlt oder beliebig viel abnimmt. Von Mengendisziplin oder Pooling ist keine Rede mehr und der Preis kommt noch stärker unter Druck: Die grossen Verarbeiter wollen ihn demnächst auf fast-EU-Niveau senken ohne dass transparent wäre, warum dies plötzlich so dringend ist. An der Ladenfront ist nämlich rein gar nichts zu spüren von sinkenden Milchprodukte- oder Käsepreisen. Die landwirtschaftlichen Organisationen stehen derweil ziemlich ratlos daneben. Der Produzentenverband SMP kann sich höchstens damit trösten, die ungefreute Entwicklung korrekt vorausgesagt zu haben. Und der Schweizerische Bauernverband verschickte heute eine reichlich hilflos wirkende Pressemitteilung, in der er die Verarbeiter dazu auffordert, vor der geplanten Gründung einer Branchenorganisation am 29. Juni keine Preissenkungen vorzunehmen, ansonsten drohe der geplante Schulterschluss zu scheitern, bevor die Organisation ins Leben gerufen ist. Den Verarbeitern währe dies wohl noch so recht…
RoMania(1): Wo sich Bär und Schaf oft vertragen
Juni 17, 2009
Kurzer Ausflug nach Rumänien, dafür gilt es jede Gelegenheit zu nutzen. Der Grund ist diesmal ein Besuch auf dem Reiterhof Equus Silvania im südlichen Siebenbürgen für einen Artikel. Leider bin ich kein Reiter; es soll – so schwärmen die Eingefleischten – nichts schöneres geben als hoch zu Ross durch die wilde Natur von Transsylvanien zu reiten. Dafür gingen wir Bären beobachten, wilde. In einem kleinen Hochsitz schauten wir zu, wie die Braunbären den Mix aus Mais, Hafer und Abgang aus der Schokoladefabrik verzehren, die der Wildhüter vorher ausgestreut hat, um sie anzulocken. Ein sehr unvergessliches Bild. Einer um den anderen trotten sie aus dem Wald um sich gütlich zu tun am wenigen Futter. In Rumänien gibt es 5000 bis 6000 Bären. Anders als in der Schweiz wo der Problembär schliesslich weichen musste, gibt es hier kaum Probleme. Nicht dass alle Schafe die Begegnungen mit den Bären überleben würden. Aber die Hirten sind gewieft und wissen sich mit einfachen Methoden wie Lärmmachen und vifen Hunden zu verteidigen. Wird ab und zu eines oder mehrere Schafe gerissen, gibts kein Drama, sondern man geht zum Alltag über. Das gehört hier dazu. Ähnlich ist es mit den Wölfen, von denen 3000 in den rumänischen Wäldern herumstreichen. Kaum einer weiss mehr darüber zu erzählen als Christoph Promberger, der Equus Sylvania vor 5 Jahren mit seiner Frau Barbara aus dem Boden gestampft hat. Zuvor haben sie 10 Jahre Wildtierprojekte in Rumänien betreut. Christoph weiss zum Beispiel, wie man einen in einer Wildererschlaufe verhedderten Bären in einer 15 Meter hohen Tanne betäubt und anschliessend mit einem Autoabschleppseil runterlässt und so rettet.
Aus dem Hinterland an die Weltmarktspitze
Juni 14, 2009
Was man auf diesem Bild sieht, ist nicht etwa die Waschküche einer Gross-WG, sondern ein wichtiger Teil der Nematoden-Produktionsanlage von Andermatt Biocontrol. Das Unternehmen im beschaulichen Luzerner Hinterland, das wir mit den Schweizer Agrarjournalisten am Wochenende besucht haben, ist ein Nischenplayer mit Ambitionen auf die Weltmarkt-Leaderstellung. Andermatt produziert Nützlinge, eben beispielsweise Nematoden oder Viren, mit denen im Bio- und IP-Landbau Schädlinge bekämpft werden können. Das System tönt einfach: Man sucht in der Natur auf toten Schädlingen den Organismus, der diesen zu Tod gebracht hat und vermehrt diesen. Mit dem Produkt Madex, einem Virenpräparat, das im Kampf gegen den Apfelwickler zum Einsatz kommt, ist Andermatt in zahlreichen Ländern bereits Marktleader. Denselben Status strebt man für verschiedene Produkte an, insgesamt wolle man auf dem Weltmarkt für ökologische Schädlingsbekämpfungen an die Spitze des Weltmarkts. Die Strategie: “Wir wollen die billigsten sein”. Erstaunlich für eine Firma, die lediglich 80 Mitarbeiter hat und sich unter anderem mit chinesischer Konkurrenz misst. Grösstes Problem ist neben der komplexen Registrierung der Produkte das überraschende Auftreten von Resistenzen bei Viren. Andermatt ist aber intensiv am forschen, so dass beim ersten Vorkommen von resistenten Apfelwicklern sogleich ein neues Produkt nachgeschoben werden kann.
Auslandkuhbilder der Woche, warm und kalt
Juni 11, 2009
Zum Abschluss der Woche noch einmal etwas für Freunde der (stark) behornten Kuh. Danke herzlich, Georg, für die schönen Bildbeiträge aus dem wilden Osten. Das Bild oben stammt nämlich keineswegs aus Afrika, wie man zunächst meinen könnte, sondern es zeigt Graurinder beim Marsch durch die ungarische Puszta. Zur Abkühlung im Hinblick auf das bevorstehende heisse Wochenende folgt in ziemlich starkem Temperatur-Kontrast ein Winterbild von kälteresistenten Wisenten in Polen. Ich wünsche Ihnen ein schönes ausgewogenes Wochenende.
Kommt mit der “Abwrackprämie” der Kuhzyklus?
Juni 9, 2009
Ich gestehe zu, dass dieses Bild – obwohl es hier um Kühe geht – wohl eher ein Rind zeigt, auch wenn man es optisch nicht hundertprozentig erhärten kann. Das Bild des kneippenden Rinds war aber schlicht zu schön, um es nicht zu publizieren (danke an dieser Stelle an den LID für seine sehr praktische und umfangreiche Bildergalerie). Weniger schön ist das Thema, um das es hier geht, vor allem für einen Kuhfreund. Laut der Sonntagspresse - nach dem Sonntags-Blick berichtete nun eine Woche später auch die Sonntags-Zeitung darüber - soll es in der Schweiz plötzlich 20 000 Kühe zuviel geben. Gäbe es diese nicht, so wäre zumindest gemäss dieser Blätter die Mengenproblematik gelöst. Diese Behauptung ist nicht auf dem Mist der Sonntags-Journalisten gewachsen, sondern auf demjenigen von SVP-Nationalrat Josef Kunz. Dieser verfolgt nämlich handfeste Interessen, möchte er doch eine Schlachtprämie von 500 Franken für Milchkühe erkämpfen. Nun habe ich aber meine Zweifel, ob ein solches System funktionieren würde. Die Bauern würden höchstens ihre schittersten Kühe opfern, die sowieso wenig zur Produktion beitragen. Damit wäre der Produktionseffekt umgekehrt proportional zu den Kosten. Zudem wäre das öffentliche Echo auf eine solche “Abwrackprämie” zur Entsorgung von Kühen schlecht, wie ein Branchenexponent in einer Sendung von Radio DRS richtig bemerkt. Hätte die Prämie wider erwarten eine Auswirkung auf die Prouduktion, dann käme es zu einer instabilen und für die Produzenten wenig wünschbaren Marktlage, einem eigentlich Kuhzyklus, vergleichbar mit dem Schweinezyklus. Die Bauern würden nämlich plötzlich verzweifelt wieder Kühe suchen, wenn der Preis plötzlich steigt, was die Menge wieder steigern würde, was wieder mehr Prämien erforderte und so weiter und so fort. Verdikt für die Idee des wackeren Kämpen Kunz: untauglich.
Wer bauern will, muss Millionär sein
Juni 7, 2009Wer bauern will, so lautet das landläufige Klischee, der muss Frühaufsteher und ein Krampfer sein, tierfreundlich und flexibel, bescheiden und zufrieden mit einer Woche Ferien jährlich. Ein Aspekt wird kaum je erwähnt: Wer Bauern will, und kein Heimet erben kann, der muss vor allem solvent sein. Das obenstehende Inserat aus der Bauernzeitung – und es stellt keine Ausnahmeerscheinung dar - ist ein gutes Beispiel dafür. Der 26-Hektaren-Betrieb im Aargau kostet wahrscheinlich mindestens vier Millionen Franken, wenn man alleine an Eigenmitteln zwei “Kisten” aufbringen muss. Das ist ein unglaubliche Summe für einen Normalbürger, vor allem wenn man bedenkt, dass nach dem Kauf des Anwesens noch beachtliche Investitionen in Fahrhabe und Lebware, wie das so schön heisst, sowie eine ganze Reihe von anderen Produktionsmitteln nötig sind. Dies gilt auch für Pächter, die neu einen Betrieb übernehmen. Darum sage ich immer, wenn mich jemand fragt, warum ich eigentlich nicht längst Bauer sei, sorry, kann ich mir nicht leisten.





