Von der Titelseite des neuen “Schweizer Bauers” lachen mir zwei alte Bekannte entgegen: Anders Gautschi und Adolphe Fritschi. Nicht, dass ich Fritschi persönlich kennen würde, aber als schwergewichtiger Akteur im Fleischmarkt ist der langjährige Bell-Chef natürlich bestens bekannt. Fritschi sagte laut dem Artikel, er werde mit seinem Unternehmen ins Ausland abwandern, wenn man weiterhin gegen den Agrar-Freihandel mit der EU “maure”. Ausgerechnet Bell, bisher ist die Firma nämlich gut gefahren mit der Abschottung des heimischen Marktes, die Fritschi nun beklagt. Als Coop-eigener Verarbeiter schöpft man komfortabel ab. Die Margen von Grossmetzgern und Detailhandel sind in der Schweiz im Vergleich mit der EU um mindestens gleich viel höher wie die Produzentenpreise. Aber – und deshalb wohl Fritschis Forderung – bei einer vollständigen Marktöffnung würden Bell und Coop eher noch stärker profitieren. Die Margen auf importiertem Fleisch wachsen dank Abschaffung des Zolls, zudem kommen die Produzentenpreise auf dem Inlandmarkt durch die höheren Einfuhren unter Druck. Ein Grossteil dieser Vorteile wäre aber mit der Abwanderung weg. Höchst fraglich ist deshalb, ob sich das hierzulande gut gehaltene Unternehmen im rauen EU-Wind überhaupt halten könnte. Eine andere Strategie verfolgt Anders Gautschi, ein guter Bekannter und Agronomenkollege. Als neuer Verantwortlicher für die Agrarpolitik der Bergbauernlobby SAB will er die Bergprodukte besser vermarkten. Es sei schade um jeden Liter Bergmilch, der künftig nicht als solcher verkauft werde, sagt er. Dem Freihandel steht er als Bauernvertreter skeptisch gegenüber. Einführen dürfe man ihn nur mit Begleitmassnahmen und mit klarer Deklarierung. Gautschis Worte haben ein gewisses Gewicht, denn er hat anders als die meisten Schweizer Bewirtschafter EU-Erfahrung: Mit seiner Partnerin bewirtschaftet er in der Toscana einen Wein- und Olivenölbetrieb.