Kurzes Ausflügli nach Braunwald. Während sich die Unterländer im Schnee tummeln ist der Bauer auf dem Hof wenige Meter neben der Talstation am Arbeiten. Klauenschneiden ist angesagt. Das Tier im Klauenschneidstand scheint nicht eben erbaut über die Pedicure:
Nach dem Klauenschnitt wird es der lustig gemusterten Kuh aber sicher besser gehen, es gibt fast nichts schlechteres für Vierbeiner, als auf zu langen Zehen durch die Welt zu gehen. Interessant ist, wie sich über die Jahre die Technik des Klauenschnitts verändert hat.
Als ich als Schulbub dem Spektakel beiwohnte, befestigte man die Kuh an einem gebremsten Brückenwagen, legte den Fuss auf einen Holzklotz, wo er vom Bauer gehalten und vom Klauner mit allerhand Handwerkzeug bearbeitet wurde. Heute stehen die Kühe in einem Stand wie oben und die elektrisch angetriebene Schleifscheibe gehört offenbar zum Standardequipment. Das Klauenschneiden ist nur eine von diesen Arbeiten, die dem Bauern auch die Altjahrswoche bestens füllen; Holzspalten, Spinnhupelen runterholen, kaputtgegangene Treppen, Stallwände und Böden reparieren, Motoren de- und remontieren, es hört nie auf. Ich gehöre eher der anderen Gruppe an, derjenigen, die an der Talstation ansteht und übers Neujahr ein paar Tage abwandert. Deshalb ist das wohl der letzte Blogeintrag heuer. Ich danke allen Leserinnen und Lesern für das Interesse und wünsche Ihnen einen guten Rutsch in ein fröhliches und glückliches neues Jahr!
Archiv für Dezember 2009
Auch in der Altjahrswoche zu tun – z.B. Pedicure
Dezember 28, 2009Kein gutes Jahr für die Bauern, und 2010?
Dezember 25, 2009
Das Bauernjahr 2009 war wirtschaftlich etwa gleich trüb wie das Wetter aus diesem Bild aus dem Baselländischen. Die EU-Agrareinkommen sind im Schnitt um 12,2 Prozent eingebrochen, in den USA sank das Nettoeinkommen von 87 auf 57 Milliarden Dollar, wobei 2008 ein Rekordjahr war. Aber auch über die letzten 5 Jahre gemittelt liegt der Rückgang bei rund 15 Prozent. Da kamen die Schweizer Landwirte mit knapp 7 Prozent Rückgang glatt noch gut weg. Nun kommt ja nach jedem Regen – bzw. saisongerecht Schnee - wieder die Sonne, und in der Tat scheinen sich die Anzeichen zu verdichten, dass sich die Preise im nächsten Jahr etwas erholen könnten, namentlich bei der Milch. Euphorie wäre aber wohl fehl am Platz. Die neue Harmonie am Schweizer Milchmarkt ist wohl prekärer als man auf den ersten Blick hätte meinen können. Die Branchenorganisation Milch hat sich noch nicht auf einen Preis für das neue Jahr einigen können. Hoffnung aber ist durchaus erlaubt, vor allem in den Festtagen. Man betrachte – als Symbol – das karge Bäumlein im Vordergrund. Es wird schon in wenigen Monaten wieder kräftig spriessen und später Früchte tragen, Schneee und Regen zum Trotz. Ich wünsche ihnen eine gemütliche optimistische Weihnachtszeit!
Das Weichnachtskarten-Kuhbild der Woche
Dezember 21, 2009
Jetzt flattern wieder die Weihnachtskärtchen mit allerlei Glückwünschen ins Haus, beziehungsweise ins Büro. Denn während zum Beispiel in England die Fracht von Weihnachstkarten meist reicht um die halbe Wohnung zu tapezieren, wird dieser Brauch hierzulande fast nur noch im Geschäftsleben gepflegt. Nun, das ist ja immerhin besser als nichts, kann man sagen, ich freue mich jedenfalls immer, wenn ich in meinem Büro eine kleine Ausstellung mit den mehr oder minder geschmackvollen Sujets aufbauen kann, was leider meine vis-à-vis sitzende Kollegin nicht im selben Ausmass von sich behaupten kann. Aber die Kärtchen-Saison ist ja zum Glück kurz. Nun, zurück zum Inhalt. Wenn es so etwas wie einen Weihnachtskarten-Award gäbe, würde ich ihn heuer dem Landwirtschaftlichen Informationsdienst (LID) verleihen. Das prächtige Highland-Porträt hat bei mir auf dem Gestell natürlich einen Ehrenplatz erhalten. Gleichzeitig macht es dort und nun auch hier im Blog Werbung für das neueste Produkt des LID-Shop: Ein Kartenset mit Mutterkuh-Sujets, kann ich warm empfehlen.
Bauern & Klima: Wenig Konkretes in der Pipeline
Dezember 18, 2009
Zum Abschluss von “Kopenhagen” noch einmal ein Schlaglicht auf die Rolle der Landwirtschaft beim Klimawandel. Der Dachverband der europäische Bauern und Landwirtschaftsgenossenschaften Copa-Cogeca (sorry für diesen Bandwurm, aber so heissen die nun mal) hat am Klimagipfel eine Veranstaltung durchgeführt. In der Pressemitteilung dazu heisst es, dass die Bauern weltweit als erste betroffen sind vom Klimawandel. Sicher wahr, vor allem diejenigen in der dritten Welt. Und was schlägt die Vereinigung vor? Generalsekretär Pekka Pesonen: „Wenn wir zum Beispiel neue Kulturpflanzen einführen können, die der Wasserknappheit oder feuchten Witterungsbedingungen besser standhalten, werden wir dazu beitragen, die Treibhausgasemissionen über einen wirksameren Einsatz energieintensiver Betriebsmittel wie Düngemittel zu reduzieren. Des Weiteren sollten auch Abmilderungsoptionen, die vielfältige Umweltvorteile bringen, begünstigt werden. Zum Beispiel können weidebasierte Systeme der Tierhaltung gleichzeitig zur Stickstoffbindung, zum Schutz der Artenvielfalt, zur Wasserlagerung und zur Vermeidung von Bränden, Überflutungen und Erosion beitragen.” Tönt ja nicht schlecht, aber ist alles furchtbar unkonkret. Können tönt hier eher nach könnten. Lesen Sie selbst den ganzen Text, ich habe nach der Lektüre den Eindruck, dass man sich in der Branche noch nicht wirklich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Immerhin, als kleines Trösterchen, noch so etwas wie eine Entwarnung punkto Methan-Belastung durch furzende Kühe. Dies soll alles halb so wild sein, lernt uns der Climateblog in einem interessanten Beitrag. Das tat er übrigens schon vor zwei Jahren, lange vor Kopenhagen. (Bild: Climateblog)
Swiss Herdbook und anderes Kunstnamenpech
Dezember 16, 2009
Bei der Lektüre der letzten Bauernzeitung habe ich mich wieder einmal köstlich amüsiert. Der Schweizerische Fleckviehzuchtverband heisst jetzt neuerdings Swiss Herdbook. Da ist den Verbandsoberen der Marken-Gaul ziemlich aus dem Geschirr gelaufen. Erstens ist der neue Name anmassend. Man fragt sich, warum ein Verband der gar nicht alle Schweizer Viehzüchter vertritt plötzlich so tut als ob er das einzige und wahre Herdenbuch hierzulande führen würde. Das ist etwa ähnlich, wie wenn sich die katholische Landeskirche neu Swiss Church nennen würde, oder die Fussballverband Swiss Sport. Zweitens ist der neue Name skurril. Warum heisst ein Verband plötzlich so wie das Gefäss in dem er seine vierbeinigen Mitglieder vereint? Wenn alle so möchten, dann könnte der Verlegerverband künftig Swiss Bookshelf heissen oder die nationale Musikindustrie könnte man auf Swiss I-Pod reduzieren. Immerhin muss man den Fleckviehzüchtern zugute halten, dass sie das heute offenbar obligate Englische korrekt anwenden. Andere haben da bös daneben gegriffen. Nehmen wir zum Beispiel die Kartoffel-Branchenorganisation. Sie heisst Swisspatat, furchtbar. Noch schlimmer ist Swisscofel, der Kunstname für den Verband der eidgenössischen Kartoffel-, Früchte- und Gemüsehändler. Ein sprachlicher Zwitter ist auch Swissgranum, das als Dach über der Getreidebranche thront. Ma foi, wird sich das neu im Swiss Herdbook vereinte Rindvieh denken.
Schaf auf Schnee unter Strom und ein Plädoyer
Dezember 13, 2009
Passend zum richtigen Winteranfang mit sibirischer Kaltluft ein Bild von einem Schaf auf Schnee unter einer Starkstromleitung. Das Schaf ist schön aber die Stromleitung ist hässlich. Ich plädiere im Dienste eines anständigen Landschaftsbilds für eine unterirdische Führung der Höchstspannungsleitungen. Das ist durchaus realisierbar: “Seit knapp zehn Jahren ist es technisch möglich, 220- und 380-kV-Höchstspannungsleitungen mit kunststoffisolierten Kabeln unterirdisch zu verlegen. Beispiele sind die 380-kV-Durchmesserleitung in Berlin, die Leitungen beim Flughafen Madrid sowie die 9 Kilometer lange 380-kV-Leitung zwischen Mendrisio und dem italienischen Cagno”, heisst es in einem Artikel des BAFU. Unterdessen ist ein Verein namens Hochspannung unter den Boden entstanden, der sich für die unterirdische Verlegung der Leitungen einsetzt. Auf dessen Homepage steht, dass letzte Woche ein Erfolg zu verbuchen war: Der Berner Grosse Rat, nicht gerade ein linksgrün dominiertes Parlament, hat eine Motion überwiesen, die die unterirdische Verlegung der Leitung Mühleberg-Wattenwil verlangt. Wahrscheinlich wird es aber noch eine Weile dauern, bis die Stromlobby ein Einsehen hat; die unterirdische Leitungsführung ist teurer als die Verschandelung der Landschaft. Das Bild stammt übrigens aus Lindau ZH. Und wenn wir grad dort sind: Die Strickhofschüler haben neu einen Blog. Viel Vergnügen bei der Lektüre.
Brazil Beef im Migros – ein M klimafeindlicher
Dezember 11, 2009
Unsere beiden orangen Gross-Grossverteiler brüsten sich ja gerne und vollmundig mit ihrem Engagement zugunsten der Umwelt. Auch in den Tagen vor der Kopenhagener Klimakonferenz sind die Seiten der beiden Gratis-Blätter aus den Häusern Coop und Migros fast übergequellt mit besorgten Berichten über den Zustand der Erd-Atmosphäre. Guter Grund also, die Umweltapostel unter den Detailhändlern beim Wort zu nehmen. Das obenstehende Bild habe ich heute abend im Migros (Werbespruch: “Ein M besser”) am Zürcher Limmatplatz. In Aktion gibt es dort zurzeit brasilianische Rindshuft. Klimafeindlicher gehts kaum. Das Fleisch stammt von Tieren, die häufig auf ehemaligen Regenwaldflächen geweidet und/oder Soja gefressen haben die auf ebensolchen angebaut wurde. Die Regenwald-Abholzung des CO2-absorbierenden Regenwalds ist eine der wahrscheinlichen Hauptursachen für den Klimawandel. Später wurde das Fleisch in die Schweiz geflogen, was seine CO2-Bilanz auch nicht eben aufpolieren dürfte. Direkt daneben gabs dann auch noch eine Aktion für konventionelles Schweizer Rindshackfleisch. Dieses stammt nicht von der Weide sondern aus Ställen, wo ebenfalls häufig mit Brazil-Soja zugefüttert wird. Dies alles ist nicht verboten. Aber man soll nicht ständig mit dem Ökomäntelchen in der Gegend herumstolzieren, wenn man darunter ein paar M klimafeindlicher agiert.
Spermasexing: Teure Schöpfungsarbeit im Stall
Dezember 8, 2009
Seit einiger Zeit flattert mir das Magazin Toro ins Haus. Es ist dies das offzielle Organ der Firma Swissgenetics, die sich auf den Verkauf von Stierensamen spezialisiert hat. Immer öfter findet man darin Inserate für das Produkt SeleXion (siehe Bild). Dahinter verbirgt sich der Handel mit sogenannt gesextem Samen. Gesexte Samen sollen bei der Befruchtung mehr oder weniger garantieren, dass ein Kuhkalb und kein Stierlein resultiert. Damit soll dem Bauern zu weiblichem Nachwuchs von den besten Tieren verholfen werden. Das ganze Sexing hat aber eine Reihe von gewichtigen Nachteilen. Der Auftritt des Bauers als Schöpfer kommt ihn erstens teuer zu stehen. Nehmen wir zum Beispiel den Brown-Swiss-Stier Vasir. Eine normale Samendose von diesem Muni kostet den Bauern 55 Franken, eine “SeleXion”-Portion aber 120. Zweitens ist die Erfolgsquote mit gesexten Samen deutlich geringer. Nehmen wir das Beispiel von Toni Zwahlen aus Gümmenen BE.
Er hat laut “Toro” 11 Tiere besamt, 8 wurden trächtig und zwei gebaren. Dies waren zwar beides Kuhkälber, aber wenn er alle Kühe mit normalen Dosen besamt hätte, wäre die Erfolgsquote wohl mindestens so hoch gewesen. Swissgenetics empfiehlt, nur die fruchtbarsten Tiere mit gesextem Samen zu befruchten, nämlich vorwiegend Rinder. Tiere also, die noch nie gekalbt haben und von denen man noch gar nicht weiss, ob sie soviel Milch geben, wie ihr Stammbaum erwarten lässt. Unter dem Strich spricht bis heute alles für konventionelle Technik und gegen die künstliche Schöpfertätigkeit.
Hängt hier das Elfenbein der Zukunft?
Dezember 5, 2009
Man soll ja nicht zu fest übertreiben. So wertvoll wie Elfenbein oder Nashorn werden Kuhhörner wohl kaum. Aber möglicherweise seltener als die schönste Hirschtrophäe. Denn anders als beim geweihtragende Rotwild ist die Dezimierung beim Rindvieh mit Gehörn nicht reguliert. Mit der zunehmenden Enthornung werden logischerweise auch die Hörner rarer. Während man sie früher sackweise und (fast) kostenlos im Schlachthaus abholen konnte, sind sie heute schweieriger erhältlich. Vor kurzem kam mir die Geschichte einer Schmuckbastlerin zu Ohren, die aus Kuhhorn Ringe und andere Preziosen herstellt. Der Preis für ihren Rohstoff habe massiv zugenommen in den letzten Jahren. Möglicherweise sollte man jetzt also statt in Gold zu investieren, das Geld in eine behörnte Kuhherde stecken. Das macht zwar zugegebenermassen mehr Arbeit, aber sicher auch mehr Freude.
Schrumpfende Barrieren für Grüne Gentechnik
Dezember 2, 2009
Die politischen Widerstände gegen die grüne Gentechnologie nehmen ab. Zu diesem Schluss komme ich nach der Lektüre zweier NZZ-Artikel von gestern. Im ersten stand, dass die EU die Einfuhr von Syngenta-GVO-Mais MIR604 als Lebens- und Futtermittel zulässt. Diese Genehmigung gilt als Präzedenzfall, der voraussichtlich auch den bisher nicht tolerierten Importen von GVO-Soja den Weg ebnen wird. Die zweite Meldung kam aus dem Ständerat. Dieser hat der Verlängerung des Gentech-Moratoriums um drei Jahre zugestimmt. Das tönt nach einer Fortsetzung der kritischen Politik, wenn man allerdings ins Kleingedruckte einsteigt, erfährt man das Gegenteil. Der Ständerat verlangt vom Bundesrat, dass er schon zum Ende des Moratoriums die nötigen Ausführungsbestimmungen für die Inverkehrsetzun von GVO bereithält. Der angepeilte Kurs ist also klar. Ich gehe davon aus, dass Anbau und Einfuhr von GVO-Produkten in 10 Jahren business as usual sein werden. Daran wird die Schweiz nicht zu Grunde gehen. Die Freisetzung wird die Eidgenossenschaft sicherheitstechnisch kaum gefährden. Das Problem ist einfach, dass die GVO-Kulturen keines der Probleme lösen, dass sie anzupacken vorgeben, im Gegenteil. Das Resultat der bisher marktreifen Produkte sind teures Saatgut, Monokulturen (siehe Roundup-Ready Soja in den USA und Brasilien) und damit mit Sicherheit mittel- bis längerfristig eine Zunahme der Resistenzen von allerhand Unkraut und -geziefer, was wiederum höheren Pestizideinsatz zur Folge haben wird. Wenn jemand davon profitiert sind es die (Agro-)Chemie-Multis, aber sicher nicht Konsumenten und Landwirte. (Bild Keystone/Jochen Zick)
