Archiv für Januar 2010

DNA-Test für Symptombekämpfung bei Bananen

Januar 31, 2010

Die renommierte Landwirtschafts-Universität Wageningen (NL) meldet in einer Pressemitteilung, einen Durchbruch: Der Plant Science Group ist es gelungen, einen DNA-Test zu entwickeln, der innert eines Tages Aufschluss gibt, ob die Bananenpflanze von der gefürchteten Panamakrankheit befallen ist (Für Freaks: Hier gehts zur wissenschaftlichen Publikation). Dafür verantwortlich ist ein Fusarium-Pilz, der den Stengel befällt und die Pflanze verkümmern lässt. Hauptsächlich betroffen ist die wirtschaftlich wichtigste Sorte Cavendish. Dank dem neuen Test, kann man schnell Massnahmen ergreifen, das heisst die befallenen Pflanzen entfernen, denn ein Fungizid gegen Panama gibt es nicht. Bisher dauerte es vier Monate um den Pilz zu isolieren, zu kultivieren und anschliessend zu bestimmen. Fazit: Die vielgescholtene Gentechnologie produziert eine Anwendung, die der Landwirtschaft hilft. Doch leider handelt es sich nur um Symptombekämpfung. Das Problem ist, dass die Sorte Cavendish in der Plantagen-Produktion (siehe Bild oben aus Ecuador) praktisch konkurrenzlos ist. Die Monokulturen sind der ideale Nährboden für eine rasante Verbreitung der Panamakrankheit und weiterer Erreger. Die Züchtung resistenter Sorten haben die Multis wie Chiquita und Del Monte sträflich vernachlässigt und sind nun mit den Folgen konfrontiert, namentlich mit einem enormen Pestizidbedarf in der Bananenproduktion. Deshalb ist der “Durchbruch” aus Wageningen leider nur Symptombekämpfung, denn er erleichtert indirekt den weiteren Anbau von Cavendish, was die Probleme nur weiter verschärfen wird. (Bilder Reuters/Guillermo Granja, Universität Wageningen)

Gülle auf Schnee: Kein schönes Winterbild

Januar 27, 2010

Der Winter macht heuer wieder von sich reden. Er ist nachhaltig kalt und lässt es ausdauernd schneien. Auf vielen Höfen, vor allem im Berggebiet, steigt der Pegel in den Güllegruben parallel zur nervlichen Anspannung des Betriebsleiters. Denn das Ausbringen von Gülle auf gefrorenen, wassergesättigten oder schneebedeckten Boden ist aus Gewässerschutzgründen verboten. Zudem ist der braune Tolggen im winterlichen Reinheft keine Augenweide. Schon letzten Winter, ja er kommt alle Jahre wieder, gab es massive Probleme. Zur Erinnerung hier ein rund jähriger Artikel des landwirtschaftlichen Informationsdienstes. Die kantonalen Landwirtschaftsämter bemühen sich vielerorts, den Bauern aufzuzeigen, wie sie ihre überflüssige Gülle loswerden könne. Trotzdem gibt es immer noch Unbelehrbare. Eine Bekannte aus einem sehr grosszügig mit Direktzahlungen bedachten gebirgigen Kanton berichtet mir von einem Nachbarn, der am Hang notorisch zur Unzeit Gülle ausbringt. Die wüsten Bilder dazu will sie aber nicht veröffentlicht haben, weil ihr der Nachbar Retorsionsmassnahmen androht, falls sie ihn anzeigt. Das Beispiel zeigt nicht nur, dass das ökologische Bewusstsein bei einigen Bauern immer noch massiv unterenwickelt ist, sondern auch, dass der Vollzug teilweise mangelhaft ist. Wenn ein Landwirtschaftsamt gegüllte Flächen im Winter übersehen will, dann muss es die Augen schon gewaltig fest zudrücken. (Archivbild LID)    

Aus der Zweierkiste in den Kassenkampf

Januar 24, 2010

Da staunt der Laie: Der preislich recht oberklassig positionierte Coop will jetzt plötzlich der Billigste sein, oder zumindest billiger als der alte Hauptkonkurrent. Jahrelang hatte man es sich gemütlich eingerichtet in der Zweierkiste im Detailhandel. Migros war meistens etwa ein 10-Räppler pro Kilo günstiger, aber fest weh tun wollte man sich nicht im Preiskampf. Jetzt ist Bewegung in die Sache gekommen. Coop und Migros haben Aldi und Lidl zuerst ein bisschen belächelt, aber seit die beiden eingewanderten Deutschen mit durchaus konkurrenzfähigen Produkten sowie vergleichbaren Löhnen und Produzentenpreisen Druck machen, haben die zwei grossen Orangen plötzlich ihre Discounterqualitäten entdeckt. Coop heizte heute in der Sonntagspresse mit obenstehen Inserat ein. Migros will sich jetzt dafür stärker im Biobereich engagieren und dort Coop im Kassenkampf Paroli bieten. Da muss sie sich aber warm anziehen. Vor wenigen Tagen hatte Coop – zumindest in Zürich - eine Bio-Rüebliaktion. Ich packte ein Kilo ein, ohne das zu merken. An der Kasse sagt mir die Angestellte, ich könnte gratis ein zweites Pack mitnehmen (siehe Bild unten). Hoppla, das sind aber definitiv Discount-Methoden: 2 Kilo Bio-Rüebli für Fr. 2.95. Vergleich bei der Konkurrenz, die total zufälligerweise auch grad eine Bio-Rüebliaktion hat. Hier kostet das Kilo Fr. 2.40, aber es gibt keines gratis. Preisvergleich: 2 Kilo Bio-Rüebli im Coop 2.95, das gleiche im Migros 4.80. Preisdifferenz: 63 Prozent teurer bei Migros. Pikantes Detail: Die Rüebli stammten in beiden Läden vom gleichen Produzenten im Zürcher Weinland…

Verfängliches Tierschutz-Signal der Bauern

Januar 21, 2010

Am 7. März stimmt das Volk über die Tieranwalts-Initiative ab. Die Initianten möchten vorschreiben, dass in jedem Kanton ein solcher juristischer Beistand für das Wohl der Haus-, Hof und Wildtiere angestellt wird, wobei die Kantone auch übergreifend gemeinsam einen Anwalt anstellen dürfen. Heute hat der Schweizerische Bauernverband wenig überraschend kundgetan, dass er gegen die Initiative ist. In der Medienmitteilung heisst es, die Schweiz habe beim Tierschutz eine Vorreiterrolle, das entsprechende Recht zähle zu den strengsten weltweit und der strenge Vollzug sorge dafür, dass die Einhaltung der Vorschriften gewährleistet sei. Zudem fürchtet man beim SBV, dass die Kosten den Steuerzahler zu stark belasteten. Einmal abgesehen davon, dass der Verband einen Berufsstand vertritt, der die Steuerzahler alles andere als verschont, ist die Parole aus Brugg nicht gerade von grosser Weitsicht geprägt. Natürlich gibt es gute ordnungspolitische Argumente gegen die Initiative, aber aus Bauernkreisen ist das kein günstiges Signal an die Konsumenten und Stimmbürger. Wenn man überdies weiss, wie hoch und tobend die negativen medialen Wellen nach Tierschutz-Vorfällen gehen, sollte es auf die paar hunderttausend Franken mehr für die Anwälte nicht ankommen. Das ist gut investiertes Geld zur Bekämpfung der schwarzen Schafe unter den landwirtschaftlichen Tierhaltern. Dies mögen wenige sein, aber sie schaden dem Bauernstand überdimensional. (Bild LID)

Ein Heimatbild für Wintermüde und Alpfans

Januar 18, 2010

Kaum zurück aus dem Norden habe ich mir eine NZZ genommen und das obenstehende Bild von Stephan Bösch gefunden. Es illustriert einen Artikel über die Ausstellung Photo 09 in Zürich, die leider heute schon wieder schliesst. Prächtig, nicht? Ideal für die Bekämpfung von Winterkoller und bei denjenigen, die auf die Alp wollen, dürfte dieser Helgen die Vorfreude steigern. Bösch ist in St. Gallen beheimatet und macht oft schwarz-weiss-Bilder. “Die Fotografie ist für mich ein Mittel um Geschehnisse, Dinge und Menschen genauer zu betrachten und verstehen zu lernen. Oberflächliche Schönheit interessiert mich nicht”, schreibt er auf seiner Homepage. Dort gibt es noch mehr schöne Bilder von der Alp Loch im Toggenburg, Impressionen aus dem Leben der Älplerin im Stall, in der Käserei, auf der Weide und beim Ausruhen. Bösch nimmt sich Zeit für seine Aufnahmen: “Für mich braucht eine gute Fotografie Langsamkeit und Bedachtheit”. Das sieht man den Alpbildern an. Irgendwie hat man beim Anscheuen der Bilder das Gefühl, Bösch habe das Tempo dort oben angenommen und auch beim Fotografieren angewandt. Was jetzt nicht heissen soll, dass es auf der Alp nicht auch manchmal schnell gehen muss. Das ist ja beim Fotografieren übrigens auch so. Schnappschüsse sind häufig nicht ohne. Bösch nennt sie Momentaufnahmen.

Grüne Woche (4): “Und grüssen Sie die Schweiz”

Januar 16, 2010

Zuerst möchte ich hier einmal den Berlinern und Berlinerinnen ein Kränzchen winden. Wer immer einem begegnet, ist sehr zuvorkommend und nett. “Und grüssen Sie mir die Schweiz” sagen hier alle, sobald sie den urchigen Akzent aus dem Mund des Fremden entziffert haben. Da wird es einem fast ein wenig peinlich, wenn man denkt, dass zuhause über angeblichen deutschen Filz an den Unis debattiert wird. Apropos zuhause, was macht eigentlich die Schweiz in Berlin? Die Agromarketing Suisse ist zum 12. Mal vor Ort. Der Slogan heisst Grüezi Berlin und um diesen zu unterstreichen reisen die (Agrar-)politiker noch so gerne in die deutsche Hauptstadt und markieren dort unübliche Einigkeit (oben im Bild ”Landwirtschaftsminister” Manfred Bötsch und Bauernpräsident Hansjörg Walter mit der Tessiner Staatsrätin Laura Sadis). Sie tun aber auch andere Sachen, die Schweizer, zum Beispiel Raclette essen:
Die “Schweizerbauer“-Redaktoren Simon Marti und Stephan Jaun lassen es sich nach fast getanem Tagwerk schmecken. Derweil gönnen sich diese beiden Damen eine Pause, angelehnt an die Plastickuh, die auch eine Wettbewerbsurne ist. Uf widerluege Berlin.

Grüne Woche (3): Viele Tiere & eine neue Rasse

Januar 15, 2010

Neben einer Unmenge von flüssigen und festen Lebensmittel und viel theoretischem dazu, gibt an der Grünen Woche zum Glück auch viele Tiere. Diese sind am Donnerstag in allen möglichen Gefährten eingetroffen, so zum Beispiel auch diese beiden Schafe. In der Halle 25 bereitet man die Ausstellung “Robuste Fleischrinder” vor und ich entdecke auf den Plakaten eine vermeintlich wenig bekannte Rasse, die allerdings noch nicht angeliefert wurde: Salers (französisch ausgesprochen). Bei der Suche nach dem Bild (es stammt von Wikipedia) merke ich, dass es längst einen Salers-Verband gibt in der Schweiz.  Es handelt sich dabei um ein genügsames Rind aus der Auvergne. Dann entdecke ich aber doch noch etwas, das im Schweizer Organisationsdschungel – so glaube ich vermuten zu dürfen – noch keinen Niederschlag gefunden hat: Black Welsh. Ein Fleischrind aus Wales, prächtiges buschiges Fell, gutmütig aussehend. Hier ein exklusives Bild mit Bitte um Mitteilung, falls es schon einen Swiss Black Welsh Breeder Union geben sollte…
 
Daneben gibt es natürlich auch ein paar gute alte Bekannte, zum Beispiel zwei Herefordmunis vis-à-vis:

 

Grüne Woche (2): Aus Chaos wächst eine Messe

Januar 14, 2010

Offiziell wird die Grüne Woche zwar schon heute Abend eröffnet, aber das grosse Publikum erwartet man erst morgen. Keine 24 Stunden vorher herrscht in den Hallen noch ein ziemliches Durcheinander. Ich staune immer wieder, wie es den Messebauern gelingt in so kurzer Zeit soviel rauszuholen aus den im Rohzustand eher tristen Hallen. Ein paar Impressionen:
Karges ErlebnisSpeisen in der Halle von Mecklenburg-Vorpommern, Donnerstag, 13 Uhr 30. Richtig hart ist es, hungrig durch die unfertige Messe zu schlendern. Allenthalben werden Käse- und Wursttürme aufgetürmt, aber zu degustieren gibts noch gar nichts.
Auch im Fisch- und Wildrestaurant ist von Bedienung weit und breit keine Spur. Da muss sich die Standbetreuerin halt selber helfen:

Derweil die Jäger noch mit dem Aufbau ihres Reviers beschäftigt sind…
…und die Holländer an ihrem Blumenparadies bauen, …
…sitzt man bei der “Linken” bereits entspannt am Stand. Die Partei will in Koalition mit den Milchbauern für einen besseren Preis für das “Kulturgut Milch” kämpfen. Bestes Instrument dafür laut der Linken: Ein Mengensteuerungssystem. Das kommt einem irgendwie bekannt vor. Der Name des Zuständigen linken Bundestagsabgeordneten übrigens auch. Er heisst Ulrich Maurer…

Grüne Woche (1): Pressetraube um Frau Minister

Januar 14, 2010

Wie jedes Jahr trifft sich der Vorstand der Internationalen Agrarjournalisten an der Grünen Woche, Grund genug für den Beisitzer, ein kleines Berlin-Reisli zu unternehmen. Der Rahmen ist hier im Vergleich zu helvetischen Verhältnissen gigantisch. Wenn Frau Bundesagrarministerin Ilse Aigner zur Pressekonferenz ruft, kommen die Journalisten in Scharen, ich schätze, es sind gut 200. Und dies obwohl sie nur noch eine von 27 Co-Gestalterinnen der EU-Agrarpolitik ist. Entsprechend ist auch das Sicherheitsaufgebot. Einige Dutzend Uniformierte und diskret geschalte Aufseher sichern den Raum grossräumig ab. Man ist nervös weil letztes Jahr eine Demo stattgefunden hat. Heuer bleibt alles ruhig, und der Erregungsgrad über den Neuigkeitswert der Veranstaltung ist ebenso bescheiden. Interessanteste Aussage von Aigner: „Klimaneutrale Landwirtschaft und ausreichende Ernährung für alle sind kombiniert nicht vorstellbar, da sollte man ehrlich sein“, so die Ministerin. Ihre schönste Aufgabe: Verleihung des Journalistenpreises des Verbandes deutscher Agrarjournalisten an Zeit-Mitarbeiter Christian Schüle (siehe Bild unten mit Preisträger, links und Gerd Sonnleitner, deutscher Bauernpräsident, rechts), der zehn Tage auf einem Bauernhof gezogen ist, um dort über die Arbeit der Bauern zu recherchieren. Das Ergebnis sehen Sie hier. Ich werde es lesen, aber vorher muss ich nachschauen, ob die Messe mehr neues bietet, als der Medienanlass. Darüber lesen Sie später mehr, ich versuche mich heute und morgen im Powerblogging.  

Statt Freihandel: Vache en bois devant Chalet

Januar 10, 2010

Eigentlich wollte ich mich heute abend dem je nach Standpunkt sehr unterschiedlich bewerteten Erfolg des Käsefreihandelsabkommens mit der EU widmen, ein NZZ-Artikel hat da für einige hitzige Debatten gesorgt. Da Sonntagabend ist, war mir das Thema etwas zu streng, deshalb gibt es stattdessen ein Kuhbild mit meinem neuesten Küchenhilfsmittel, ein Holzbrettli, das noch zu schad ist, um es im Schneidedienst zu brauchen. Es ist jetzt dafür in dieser Agr’Installation “Vache en bois tachetée brune devant Chalet Samuel Buri”.


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