Archiv für Februar 2011

Ferien(stoff) adieu: Pferde, Kälber & die Biomilch

Februar 27, 2011

Das wars dann schon. Die Zürcher Gräue hat uns wieder. Die bauernnahen Ferien mit viel Neuschnee sowie Milch, Alpkäse, Romys perfektem Joghurt, Salsiz und Gonfi vom Hof sind vorbei. Zum Abschied noch einmal zwei mal zwei Vierbeiner, ganz ohne Styling. Die zwei Bergüner Bio-Kälber passen zum LID-Artikel, der mir beim Abtragen der Zeitungsbeige als erstes auffiel: Die Biomilch ist in der Schweiz vor allem im Sommer zeitweise knapp, so knapp dass offenbar zuweilen importiert werden muss – im sogenannten Veredelungsverkehr. (Sie wissen nicht was das ist? Hier die paar Dutzend Paragraphen dazu. Einfach gesagt: Unternehmen, die verarbeitete Nahrungsmittel exportieren, dürfen die dazu nötige Rohstoffe zollreduziert importieren, Frischmilchimport ist für den Direktkonsum im Inland – Irrtum vorbehalten – nach wie vor verboten). Bref, in der gleichen Zeitung las ich dann die x-te Folge aus der beliebten Serie “Wie tilgen wir den Butterberg”, starring: Markus “overall” Zemp, BMO, SMP and WAK. Mir wirds in dieser Soap langsam langweilig. Ist da nicht jeder ein Kalb, der den Umstieg auf Biomilch nicht mindestens noch einmal durchrechnet?  

Ferienstoff (5): Täglich eine schöne Kuh

Februar 25, 2011

Die “Zeit” zum Rehli unter den Kühen (der Bauer im Bünder Bergdorf, der zwecks höherer Milchgehalte mit Jersey einkreuzt, sagt mir, seine Frau, die das Fleisch verarbeitet, habe sie nicht so gern, da nicht grad fleischig…): ”Dieses Rind heißt wie die Insel, von der es stammt: Jersey. Die britische Insel vor der Küste Frankreichs ist bekannt für ihre ausdrucksstarken Kühe. Die Menschen halten sie wegen ihrer Milch, die reich an Fett, Kalzium und Proteinen ist und sich daher besonders für die Erzeugung von Käse eignet. Jersey belegt auf der Weltrangliste Platz 2 unter den Milchkühen …” (Bild Jeremy Hopley & Andrew Perris aus “Schöne Kühe”)

Ferienstoff (4): Täglich eine schöne Kuh

Februar 24, 2011

Die “Zeit” zum Bild des Tages: Die Brahman-Rinder stammen aus Texas in den USA und aus Brasilien. Zu ihren Vorfahren zählen indische Zebu-Rinder, deren Erbgut findet sich in den heutigen Brahmanen. Auffällig sind vor allem der Buckel und die Falten am Hals – die sogenannte Wamme. Das Fell variiert und von Weiß bis Schwarz ist alles möglich, manche Rinder sind rot und weiß gescheckt. Die Brahmanen sind scheue Tiere und pflegen einen intensiven Kontakt zur Herde. (Bild Jeremy Hopley & Andrew Perris aus “Schöne Kühe”) 

Ferienstoff (3): Täglich eine schöne Kuh

Februar 23, 2011

Die “Zeit” zum Longhorn: Das Longhorn ist Großbritanniens erste richtige Rinderrasse. Sie wurde im 18. Jahrhundert von Robert Bakewell gezüchtet. Die eindrucksvollen Hörner des Rinds können in jede Richtung wachsen: nach unten – wie bei diesem Exemplar, nach oben, nach außen oder gar links und rechts in verschiedene Richtungen. Grasen die Rinder vor allem grüne Weiden ab, liefern sie mageres Fleisch. Sie sind eine reine Fleischrasse. Die Kühe geben nur Milch an ihre Kälber ab. (Bild Jeremy Hopley & Andrew Perris aus “Schöne Kühe”)

Ferienstoff (2): Täglich eine schöne Kuh

Februar 22, 2011

Die “Zeit” zum Texas Longhorn: “Das Texanische Longhorn wurde zum Symbol des Wilden Westens. Die Rinder kamen mit den Entdeckern Amerikas in den 1490er Jahren auf den Kontinent. Zuerst nach Santo Domingo, später dorthin, wo heute der US-Bundesstaat Texas liegt. Nach kleinen Ausflügen in die Unterhaltungsbranche findet das Texanische Longhorn wieder seinen Weg auf die Farmen zurück. Geschätzt wird es vor allem wegen seiner Robustheit und seines sehr fettarmen Fleisches.” (Bild Jeremy Hopley & Andrew Perris aus “Schöne Kühe”)

Ferienstoff (1): Täglich eine schöne Kuh

Februar 21, 2011

Vor kurzem ist im deutschen Landwirtschaftsverlag der hübsche Bildband Schöne Kühe erschienen. Das Buch von Valerie Porter mit Bildern von Jeremy Hopley und Andrew Perris kommt mir für die kommenden Tage wie geschliffen, wenig Zeit fürs Bloggen, aber trotzdem etwas fürs Auge. Die ”Zeit” hat verdankenswerterweise ein paar der Bilder publiziert, ich bediene mich gerne dort, danke liebe Kollegen. Wir fangen an mit dem Watussi. Viel Vergnügen.
Zum Watussi heisst es in der “Zeit”: “Kühe geben Milch. Exemplare wie dieses Watussirind (auch Akolerind) sehen noch dazu besonders gut aus. Sie stammen vor allem aus den Ländern westlich des Viktoriasees in Afrika: Uganda, Ruanda und Burundi. Die Tutsi halten die Rinder hier wegen ihrer fettreichen Milch und beeindruckenden Hörner, die bis zu anderthalb Meter lang werden können. Der Abstand von Horn zu Horn misst bis zu 180 Zentimetern. In Afrika wählten die Züchter die Watussirinder vor allem nach Farbe und Muster des Fells aus. Üblicherweise ist es dunkelrot, es kann aber auch schwarz, braun, gelb oder weiß sein, und – wie in diesem Fall – gescheckt. Die Kühe, wie wir sie heute kennen, stammen fast alle vom Auerochsen (Bos primigenius) ab, der mittlerweile ausgestorben ist. Die ersten Menschen begannen in Eurasien vor rund 8500 Jahren, die Tiere zu domestizieren.” (Bild Jeremy Hopley & Andrew Perris)

Coopmargen, Swisscomtarife und der Milchpreis

Februar 18, 2011

Die Bilanzsaison ist in vollem Gang. Ein Unternehmen ums andere präsentiert mehr oder weniger brillante Zahlen. Ganz dick angerichtet hat diese Woche Coop. Der Umsatz stieg erstmals über 20 Milliarden Franken, der Gewinn beläuft sich auf 470 Millionen (+9,3%) und die Marge ist auf 3,7 Prozent gestiegen. Interessant ist vor allem letzteres, weil Coop und Migros im gesamteuropäischen Vergleich wegen mangelhafter Konkurrenz ohnehin übedurchschnittliche Margen erwirtschaften. Gleichzeitig drückt man den Produzenten munter die Preise, zum Beispiel bei der Milch. Die klassische Industriemilch hat letztes Jahr preislich 5,3% eingebüsst. Diese Preissenkungen gibt man an der Ladenfront dann teilweise weiter und verkauft sie dort als eigene Einsparungen. Aus bäuerlicher Sicht ein frustrierendes aber weit über die Schweiz hinaus verbreitetes Syndrom. Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang das NZZ-online-Interview mit Swisscom-Chef Carsten Schloter. Angesprochen auf die im europäischen Vergleich enorm hohen Mobilfunktarife seiner Firma argumentiert er wortreich mit dem brutalen helvetischen Kostenumfeld in dem Swisscom agieren müssen. Argumente die aus dem Mund der Schweizer Bauern meist ungehört verhallen oder als billiges Argument für Direktzahlungserhöhungen abgetan werden. PS. Im Gegensatz  zu den Bauern aber, ist es für Swisscom kein Problem, die überhöhten Tarife zu applizieren, hat man sich doch, ganz ähnlich wie Coop mit Migros in der Prä-Aldi/Lidl-Zeit gemütlich eingerichtet in einem kleinen Anbieter-Grüppchen, das sich gegenseitig nicht wehtun will. Es bräuchte auch hier ein paar neue ausländische Player, um den Druck auf die Margen zu erhöhen.

Agroblogs à gogo: Die 50 Besten in Englisch

Februar 14, 2011


Als ich mit meinem Blog anfing, meinte ich, eine bisher kaum bewirtschaftete Marktlücke zu besetzen. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten belehrt mich wieder einmal eines besseren. Dieser Tage stolperte ich über eine der beliebten Bestenlisten: Die “50 Best Farm and Agriculture Blogs“. Vergeblich suchte ich nach Adi’s, doch das ist auch nur halb so tragisch, sind es doch nur, so anglozentrisch sind sie halt dann wieder, die Amerikaner, englischsprachige Blogs, die in die Auswahl kamen. Auf dieser Liste findet man allerhand Interessantes und Schräges. Farmblogs, Wissenschaftsblogs, Politikblogs (zum Beispiel Farmpolicy.com, der sich ausschliesslich mit Neuerungen in der amerikanischen Agrarpolitik befasst), aber auch einen Freak, der sich auf Traktorenbrände und ähnliche Unbill spezialisiert hat. Man könnte sich hier stundenlang vertörlen, jedenfalls bin ich schon nach wenigen Minuten abgedriftet und auf einen australischen Weizenfarmerblog geraten. Schon eindrücklich, wie anders es auf der Morvenvale-Farm der Gebrüder Ricardo in New South Wales aussieht und zu-und-hergeht.

A la romande: Les hommes et leurs vaches

Februar 11, 2011

Heute etwas Bildlastig. Mit gutem Grund: ich habe eine prächtige Serie von Menschen mit ihren schönsten Kühen gefunden, auf der Website der welschen Bauernzeitung Terre&Nature. Das war schon immer eine gute Adresse für bäuerliches Fotoschaffen. Dort hat zum Beispiel der legendäre und leider jung verstorbene Jean-Pascal Imsand jahrelang jede Woche ein sehenswertes Porträt veröffentlicht.

Diese Bilder stammen von der Swiss’Expo, eine der leading cowshows hierzulande -immer im Januar ein Must für Aficionados - und wurden gemacht von Jean-Luc Barmaverain, merci!

GVO-Weizen: Nützts nichts so schadets trotzdem

Februar 8, 2011

Vorneweg: Nichts gegen landwirtschaftliche Forschung auf höchstem Niveau, auch in einem Miniländli wie der Schweiz. Trotzdem ein paar Einwände zu den jüngsten Erfolgsmeldungen in Sachen Gentech-Weizen, die vergangene Woche von den Bundesforschungsanstalten verbreitet wurden. Während dreier Jahre hat man unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen gentechnisch fabrizierte Mehltau-resistente Weizenstämme im Freiland getestet. Die definitiven Ergebnisse stehen zwar noch aus, aber eine erste Bilanz ist gezogen: Der GVO-Weizen hat erstens weniger Ertrag gebracht und war zweitens weniger Mehltau-resistent als herkömmlich gezüchtete Sorten. Drittens konnten keine Schäden an Bodenorganismen festgestellt werden. Kurz zusammengefasst: Aus produktionstechnischer Sicht bringt der GVO-Weizen wenig bis nichts, aber er schadet auch nicht. Zumindest auf den ersten Blick. Denn sollte das Produkt erst einmal markttüchtig sein, dann werden die Schwierigkeiten erst auftauchen. Das Problem von GVO-Sorten ist nicht, dass sie Bodenorganismen tangieren. Vielmehr sind sie in ihrer Entwicklung derart teuer – das zeigten auch die Schweizer Versuche -dass sie einmal auf dem Markt zwecks Return on Investment brutal forciert werden. Das führt in der Folge zu riesigen Monokulturen, siehe Roundup-ready-Soja, und mit der Zeit zwangsläufig zu einer Zunahme von Resistenzen von Krankheitserregern und sogenannten Super-Unkräutern. Zu schlechter Letzt zielt die nun belobigte Forschungstätigkeit an den wahren Bedürfnissen der Schweizer Bauern vorbei. Ihnen wäre besser gedient mit der traditionellen Züchtung klimatisch angepasster Sorten mit breiten, horizontalen Resistenzen, die auf mehr als einem manuell eingebauten Gen beruhen. (Bild Brigitte Weidmann/LID)


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