Archive for März 2011

Agri-Kultur(2): “HundKatzeMaus”, und eine Kuh

März 31, 2011

Ausstellungen mit – auch landwirtschaftlichem – Getier scheinen Hochkonjunktur zu haben. Jüngstes Beispiel: “HundKatzeMaus” im Kunstmuseum Zürich. Sie eröffnet am 1. April. Neben den Pets kommen zum Glück auch Nutztiere zum Zug. Zum Beispiel der “Mann mit Kuh”, von Stephan Balkenhohl aus dem Jahr 1995. Eine andere Ausstellung mit bäuerlichem Fokus geht am Sonntag übrigens schon wieder zu Ende: “Beruf Bauer” im Kunstmuseum Thun. Und keine Angst, der Agroblog wird nicht zum Feuilledung, ist bloss eine zufällige Häufung. (Bild Alessandro Della Bella/Keystone)

Eine Milchkanne kann mehr als nur Bränte sein

März 29, 2011

Die Milchkanne ist in Zeiten der gekühlten Milchtanks und der Hofabfuhr ein langsam verschwindendes Symbol der Milchwirtschaft. Bevor sie nun ganz vom Gestell über dem Stallbänkli abgeräumt wird, setzt ihr die Multi-Kulturalistin Charlotte Wittmer (man kennt sie auch aus der Kapelle Sorelle) noch ein kleines Denkmal. In ihrem “Musikmilchtheater” Bränte entlockt sie den Kannen, oder eben, wie sie der Volksmund so schön nannte, den Bränten, allerlei Töne und benützt sie gleichzeitig als vielgestaltige Statistinnen in ihrer szenischen Kannnenparade. Charlotte verarbeitet darin auch ein Stück Familiengeschichte, ist sie doch als Tochter eines Molkereibesitzers aufgewachsen. Die nächste Gelegenheit für einen Besuch der eiweisshaltige Revue bietet sich am nächsten Freitag, 1. April, wenn “Bränte” in Liestal im Palazzo gastiert. Agroblog empfiehlt: Hingehen und zum Apéro ein Glesli Milch genehmigen. (Bilder Simon F. Egli)

Komposternte: Kleinstbauern-Freude herrscht

März 27, 2011

Soeben ein Kübeli Kompost vom Feinsten aus dem selber gebastelten Schnell-Komposter geerntet. Gutes Gefühl für einen Alt-Mäpplibauer. Einzig die Eierschalen müssten wohl noch feiner sein, um anständig zu verrotten in nützlicher Frist. Ist das am Ende ein Fall für den Fleischwolf, oder den Mixer? Etwas Verbesserungspotenzial muss ja noch sein. Jetzt stellt sich nur noch die Frage nach der Verwertung. Kürbis oder Kabis, Tomate oder Tagetes? Und Rasen pflügen oder Vertical Farming? 

Nachhaltige Investition mit Fleisch am Knochen

März 24, 2011

Dass Bauern in der Sonntagspresse inserieren, kommt nicht alle Tage vor. Deshalb ist mir die Affiche in der NZZ am Sonntag unter dem Titel “Eine Aktie namens Lotti” mit einem Hochlandrind auf hoher Weide sofort aufgefallen. Dahinter steckt die Firma Natur Konkret und ein ganzes Konzept. Geschäftsführer und Inhaber Guido Leutenegger ist kein eigentlicher Bauer. Der ehemalige Lehrer und Politiker kommt aus dem Naturschutz und war lange Geschäftsführer und Präsident der Pro Natura Thurgau. Leutenegger und seine acht Angestellten halten im Tessin unterdessen 500 Hochlandrinder, das ganze Jahr draussen. Diese beweiden dort Alp- und Gemeinschaftsweiden in 25 Gemeinden. Die ideal adaptierten Highlander sorgen für die Offenhaltung des Kulturlandes und  produzieren gleichzeitig Freilandfleisch. Für die Absatzförderung hat sich “Natur konkret” etwas besonderes Einfallen lassen: Das im Inserat beworbene Kuhinvestment. Für 2500 Franken erhält man als “return on cow-investment” zehn Jahre lang Fleisch im Wert von 350 Franken, also 250 Franken Kreditamortisation und 100 Franken Zins in Fleischform. Leutenegger ist zwar nicht der erste, der Tiere “verleast”. Andere tun dasselbe mit Kühen, zB. mit Käse-Zins oder mit Hühnern. Das Besondere hier: Hier werden nur Muttertiere verleast. Hochlandrinder werden 25 Jahre alt und das Investment garantiert damit für Langzeit-Identifikation. Der Investor erhält neben einem Namen auch die Nummer auf der Ohrmarke und bei allfälligem Konkurs der Firma stellt das Tier die Garantie dar. Die Kehrseite dieser Investitionsmodelle: Man hat neue Shareholders, die sich in den Betrieb einmischen. Zum Beispiel fragen sie sich, ob es “ihrer” Kuh nicht schadet, wenn sie den ganzen Tessiner Bergwinter im freien Verbringen muss. Leutenegger hats abklären lassen: Eine Studie der Universität Zürich habe gezeigt, dass die ganzjährig weidenden Rinder höheres Wohlbefinden hätten als die teilzeitlich weidenden. (Bilder Ulrich Pfändler/Oekoinfo, Natur Konkret)
PS. Einen interessanten Bericht über Natur Konkret von meinem Kollegen und NZZ-Tessin-Korrespondenten Peter Jankovsky finden Sie hier.

Flieg, BOMerang, flieg! (Folge 227)

März 21, 2011

Im Gegensatz zum Zeitungsjournalisten habe ich als Blogger das Privileg nur dann über Sachen zu schreiben, wenns mir grad passt. Drum musste der Milchmarkt hier jetzt ziemlich lange ruhen. Die beliebte Soap: “Flieg, BOMerang, flieg ” (in Deutschland unter dem Titel. “Im Frühtau zu Butterberge wir gehn, fallera”) lief ohne mich weiter. Diese Woche schaute ich mir wiedermal eine Folge an. Und es geht immer noch ums gleiche. Der Plot kurz zusammengefasst:
1. Der Butterberg wächst.
2. Die bäuerliche Mengensteuerung ist trotz einem aufwändigen Umweg übers Bundeshaus und massivem Lobbying der Bauernvertreter Wunschdenken geblieben.
3. Die Branchenorganisation (BOM) ist für die Bauern eine Sackgasse geblieben. Die Verwerter und Milchhändler geben offensichtlich den Ton an. Diese profitieren von den Mehrheitsverhältnissen und geben die Bauern schon fast der Lächerlichkeit preis. Anders ist nicht zu erklären, dass die Verwertungsmassnahmen für die Butter ausschliesslich von den Produzenten getragen werden sollen. Begründung: Die Verwerter würden eine allfällige Abgabe ohnehin an die Bauern weiterverrechnen.
4. Die Bauern suhlen sich im Selbstmitleid, statt endlich die Initiative zu übernehmen und die Menge zu kontrollieren, z.B. durch eine koordinierte Verminderung der Kuhzahl. Das wird allerdings so gut wie unmöglich bleiben, solange es Powermelker gibt, die meinen, Milch zu jedem Preis quasi auf Halde zu produzieren, sei die Krönung unternehmerischen Verhaltens.
Ich mache es mir unterdessen gemütlich auf dem Sofa und erspare mir die nächsten paar Folgen gemütlich schlummernd. Bonne nuit. (Bild Georgios Kefalas/Keystone) 

Vielfrager Josef Kunz sägt am eigenen Ast

März 18, 2011

SVP-Nationalrat Josef Kunz ist ein Agrarlobbyist der alten Schule. Als Präsident des erzkonservativen Bäuerlichen Zentrums Schweiz kämpft er mit allen Mitteln für die Bewahrung des Status quo an der landwirtschaftlichen Front. Ab und an ist er auch offen für neue Ideen und ungewöhnliche Koalitionen, zum Beispiel beim Einsatz für ein Gentech- Moratorium an der Seite der Grünen, wie man im unterhaltsamen Dokumentarfilm “Mais im Bundeshaus” verfolgen konnte. Nun hat sich der kämpferische Luzerner Landwirt einen Gegner der gröberen Sorte ins Visier genommen: Das Bundesamt für Landwirtschaft. Kunz kritisiert die Administration seit langem, weil sie angeblich ohne ausreichende Autorisation Mehrmengen in der Milchproduktion bewilligt hat. Seine entsprechende Aufsichtsbeschwerde hätten die BLW-Beamten mit Arroganz und Nervosität behandelt, klagt Kunz in der “Bauernzeitung”. Den nächsten Streich liess er gleich folgen. Laut demselben Blatt hat der Ex-Filmstar nun eine Motion eingereicht, die eine Reduktion der BLW-Beamten um 10 Prozent innert 5 Jahren fordert. Die Ironie an der Geschichte ist, dass Kunz mit seinen Vorstössen wohl auf eigene Faust rund 10 Prozent der Arbeitszeit des BLW in Anspruch nimmt. Seit seinem Eintritt in den Nationalrat hat er gut 70 mal interpelliert, postuliert, motioniert und gefragt. Der grösste Teil der Vorstösse betrifft landwirtschaftliche Fragen. Darunter solche zu drängenden Themen wie “Urproduktion-Transporte. Befreiung von der LSVA” oder “Vollmilch. Reduktion des Fettgehaltes”. Alt-Bundesrat Merz hätte bei der Beantwortung wohl von “Vo-Vo-Vo-Vollmilch” gesprochen… (Bild Pat Lüthy/Imagopress)

Diese Kuh ist keine Klima-Killerin, & die anderen?

März 16, 2011

Diese Kuh (merci Chrigel!) ist mit Sicherheit keine Bedrohung für unsere Atmosphäre, höchstens vielleicht, wenn sie dereinst den Gang alles Irdischen gehen muss. Damit unterscheidet sie sich markant von ihren Artgenossinnen in Fleisch und Blut, die in der Klimadiskussion gerne als Methanschleudern beschrieben werden. Vor einigen Monaten hat die deutsche Tierärztin Anita Idel mit ihrem Buch “Die Kuh ist kein Klima-Killer!” einen Kontrapunkt gesetzt. Ihre These kurz zusammengefasst: Wenn die Kuh artgerecht und in nachhaltiger Landwirtschaft vorwiegend auf und von Grünland ernährt wird, kann sie dem Klimawandel vorbeugen. Denn das bewirtschaftete Grünland bindet Kohlenstoff und bildet Humus. Somit könne man dem Rindfleisch-Esser nicht vorwerfen, dass er indirekt zuviele Kalorien verspeise, die der menschlichen Ernährung dienen könnten. Das heisst, die Erde braucht das Rindvieh schon fast, um sich über Wasser zu halten. Idels Gedanken sind interessant, allerdings beschränkt sich deren Gültigkeit auf die Minderheit (auch hierzulande, übrigens) der Kühe, die (fast) ausschliesslich von Gras(-silage) und Heu leben. Sobald nämlich Mais, Soja und anderes Getreide verfüttert wird, verschlechtert sich die Ide(a)l-sche Ökobilanz rapide. Namentlich der Maisanbau ist stark humuszehrend und setzt damit viel CO2 frei, nicht zu reden von synthetisch hergestelltem Stickstoff, der sich teilweise in stark klimaschädliches Lachgas umwandelt. (Bild Christian Beutler)

Ivoirischer Kakao, die Bauern und die Parallelen

März 13, 2011

Der Kakao ist in der Côte d’Ivoire zur Munition im politischen Kampf verkommen. Das wichtigste Exportprodukt des Landes macht immerhin einen Drittel des gesamten Weltmarktvolumens aus.  Die politische Krise hat der Reihe nach und stark verkürzt dazu geführt, dass die EU ein Import-Embargo gegen ivoirischen Kakao verhängt hat, dass der gewählte aber an der Ausübung des Amtes gehinderte Präsident Ouattara ein Exportverbot verordnet hat und dass der amtierende aber abgewählte Präsident Gbabgo nun seinerseits mit einer massiven Steuer auf den Lagerbeständen seine Liquidität aufbessern will. Das alles kann man detaillierter nachlesen in interessanten Artikeln von TA und NZZ. Markttechnisch absurd ist der folgende Sachverhalt: Obschon der Kakaopreis auch wegen der Krise an der Elfenbeinküste auf bisher unbekannte Höhe geschnellt ist, sind die Bauern mit einem massiven Preiseinbruch konfrontiert. Die Händler begründen dies mit den unbekannten Risiken der politischen Wirren. Der Bauer muss also den potenziellen Schaden durch Absatzprobleme oder nachträgliche Besteuerung präventiv übernehmen. Diese Ausbeutung führt dazu, dass in ganzen Dörfern zum Beispiel die Schulgelder nicht mehr bezahlt werden können. Das ganze ist übrigens symptomatisch für die Situation der Bauern weltweit. Selbst in der Schweiz wird man auf der Suche nach Parallelen fündig. Man nehme die Gemüseproduktion. Zuhanden der Grossverteiler produziert der Bauer hektarenweise Salat, das Risiko trägt er aber alleine. Übersteigt das Angebot die Nachfrage, dann können die Gemüsler die bereitgestellten Wagenladungen gleich wieder unterpflügen, ohne dafür entschädigt zu werden. (Bilder Emanuel Ekra/AP, Luc Gnago/Reuters (2, Mitte), Ahmed Jallanzo/Epa)

Wunsch-Kuhbild der Woche & ein fieses Grinsen

März 10, 2011

Auf vielseitigen Wunsch wieder mal ein Bild von meinem Lieblings-Agentur-Kuhfotografen Arno Balzarini. Dass es genau dieses Bild ist, ist kein Zufall. Es war kürzlich im “Tages-Anzeiger” abgebildet. Die Legende darunter hiess: “Die Idylle täuscht: In der Schweizer Milchbranche herrscht gegenwärtig wenig Einigkeit.” Der Artikel dazu widmete sich dem Milchmarkt und war wie folgt betitelt: “Milchbauern, Markt nein danke”. Blöd nur, dass es sich beim fotografierten Getier um eine Mutterkuhherde handelt, die anno 07 auf der Alp Zavraga im bündnerischen Obersaxen weidete. Das steht eigentlich alles im Text, den die Agentur zum Bild liefert. Solche Böcke können ja passieren, das weiss ich gut genug aus dem Redaktionsalltag. Trotzdem kann ich mir ein hämisches Grinsen auf den Stockzähnen nicht verkneifen. Man doziert aus sicherer Distanz zum Geschehen vollmundig über die Schwächen des Milchmarkts und kann dann nicht einmal eine Milchkuh- von einer Mutterkuhherde zu unterscheiden. Aber dafür gibts ja unter anderem auch diesen Blog… (Bild Arno Balzarini/Keystone)   

Leserbrief der Woche – Dank nach Burgdorf

März 7, 2011

Als emotional schollengebundener Mäpplibauer hat mans in einer liberal gesinnten Zeitungsredaktion nicht immer einfach. “Nüt gäge d’Pure” ist mein Lieblingsspruch, wenn wieder einmal einer der Kollegen zum Subventionsbashing ausholt. Leider nützt es nicht immer. Vorige Woche hat das Schwesterblatt vom Sonntag die Direktzahlungsstatistik ausgebreitet: Fast 500 000 Franken erhalte der grösste Betrieb im Jura. Das ist wahrlich keine grosse Überraschung, und wenn man bedenkt dass in Betriebsgemeinschaften – um eine solche handelte es sich beim Grösstbezüger – auch einmal ein halbes Dutzend Familien von einem Betrieb leben muss und darf, dann relativieren sich die Zahlen schnell. Überraschend war am Artikel einzig, dass Bauernverbandspräsident Hansjörg Walter so tat, als ob er es nicht gewusst hätte. Falls das stimmt, stellt ihm das kein gutes Zeugnis aus. Item, das Ziel, Empörung zu schüren, hat die NZZaS nur sehr beschränkt erreicht. Von fünf Leserbriefschreibern vermochten sich nur zwei halbwegs aufzuregen. Die anderen drei äusserten sich im Sinn der Bauern. Am schönsten Hermann Dür aus Burgdorf. Er schrieb unter dem Titel “Danke, liebe Bauern!”: “Im Sommer vergangenen Jahres machte meine Familie einen Zweitages-Ausflug in den Jura. Wir staunten über die hervorragend gepflegte Landschaft, die Waldränder, die abfallfreien Wiesen, die goldenen Weizenfelder, die Hecken und zahlreichen Tiere, die wir antreffen durften. Auch wenn die Kinder zuvor noch lieber Gameboy gespielt hätten, waren wir uns am Schluss völlig einig: Dies waren vielleicht die schönsten Tage für unsere Familie im ganzen Jahr gewesen. Es ist mir ein grosses Bedürfnis, den Bauern an dieser Stelle endlich einmal öffentlich dafür zu danken, dass sie uns Steuerzahler so reich belohnen. Ob sie von diesen öffentlichen Geldern auch profitieren? Ich hoffe es, denn wir taten es ganz gewiss.” Danke, lieber Herr Dür! Schöner kann man es nicht sagen, zumal es wohl weit über drei Milliarden Franken jährlich kosten würde, wenn man das Grünland durch Gartenbauunternehmen bewirtschaften lassen möchte… (Bild Christof Sonderegger/Schweiz Tourismus)


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 69 Followern an