Agrarjournalisten, die fotografieren gibt es viele. Die meisten sind vor allem Journalisten und erst in zweiter Linie Fotografen. Christian Mühlhausen zäumt das Pferd von hinten auf. Ich habe ihn kürzlich in Serbien an einem Agrarjournalistentreffen kennengelernt. Während die Crowd an den Lippen des jeweiligen Biobauern oder Himbeerproduzenten hing, war er plötzlich weg, auf der Pirsch nach Sujets. Das lohnt sich. Christian ist aber nicht nur ein guter Fotograf, sondern auch ein gewiefter Geschäftsmann. Er hat sich in eine Nische gewagt, die noch dünn besiedelt ist: Die der landwirtschaftlichen Bildagentur. Seine Firma ist Landpixel. Soeben hat er die Homepage aufgefrischt. Sieht sehr profimässig aus, finde ich. Christian macht neben den klassischen Fotos auch bearbeitete für den Symbolbildeinsatz (siehe oben). Kühe kann er auch gut:
Und Kühe mit Menschen:
Aber auch das Landvolk ohne Tiere:
Und natürlich Maschinen:
Bald wird sein Sortiment um eine geballte Ladung Kanada erweitert. Good luck, man!
Archiv für August 2011
Gast-Kuhbilder(3): Christians Sprung in die Nische
August 31, 2011Gast-Kuhbilder(2): Rubi und der Schatten-Schotte
August 29, 2011
Heute ein ganz kunstvoller Gegenlicht-Shot eines Zürcher Oberländer Highland-Rindes. Der Spender will lieber nicht namentlich erwähnt werden, darum der dankende Gruss anonym. Das zweite nicht minder schöne Bild kommt von einer Leserin, die gerne zu Fuss in den Högern ist (keine schlechte Voraussetzung für Kuhbild-Trouvaillen, hier vom Fuss des Berner Faulhorns) und mich drum via Thomas Widmers WWWanderblog gefunden hat. Auch Dir herzlichen Dank Monika für den Rubi. Ah, Sie wissen nicht was ein Rubi ist? Als ich in jungen Jahren im Emmental Ferien-Bauer war, da nannte man die Rinder mit rauhem Fell und Locken so. Nicht eben eine beliebte Eigenschaft, tendenziell versuchte man diese Tiere auszumerzen aus den Zuchtlinien, nicht zuletzt weil sie an der Viehschau weniger gut gestriegelt und geputzt präsentiert werden konnten. Heute ist man da wieder toleranter, so wies aussieht, und achtet bei den Simmentalern vermehrt auf die Fleischqualität, das scheint mir auch etwas wichtiger als die Frisur. (Bild unten Monika Schlatter)

Gast-Kuhbilder(1): Stadt-Adis Braunvieh
August 27, 2011
Es hat sich unterdessen ja ein bisschen rumgesprochen, dass ich gerne ab und an ein Kuhbild aufschalte. Schönerweise schicken mir drum liebe Leute immer wieder mal ein Foto aus dem eigenen Fundus. Grund genug für eine Mini-Serie. Zum Auftakt Stadt-Adis Braunvieh auf dem Stoos mit mythischem Hintergrund. Mein Namensvetter ist ein Arbeitskollege und als wir noch im gleichen Ressort waren, war er zwecks Unterscheidung Stadt-Adi und ich Land-Adi. Wobei Stadt-Adi eigentlich mehr auf dem Land ist als Land-Adi. Ein passionierter Wanderer, kennt die Innerschweiz (im Speziellen den Rigi) und den Uetliberg wie die Westentasche, wenn nicht besser. Hab dank für den prächtigen Helgen, Adi! (Bild Adi Kälin)
Nestlé: Caring for Water, Caring for Profit
August 25, 2011Am Mittwoch hat Nestlé an der jährlich abgehaltenen World Water Week den Stockholm Industry Water Award erhalten. Das ist die vorläufige Krönung des Engagements von Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck, den wir oben links im Bild sehen. Der Österreicher amtet seit seinem Abgang aus dem operativen Geschäft als Wanderprediger für die Privatisierung der Wasserversorgung weltweit (zum Beispiel hier). Seine Bestandesaufnahme ist richtig: Der Wasserverbrauch ist zu hoch und er wächst zu schnell, nicht zuletzt weil viel Wasser für Unnötiges verschwendet wird. Dazu zählt Brabeck unter anderem den Anbau von Biotreibstoffen, den er dieser Tage zum wiederholten Mal kritisierte. Und die Bewässerung von Golfplätzen (möglicherweise sollte er mal mit seinem CEO Paul Bulcke reden, der offenbar Golf liebt, wie die “Bilanz” schreibt, aber das nur nebenbei). In seiner Rede anlässlich der Preisübergabe wiederholte Brabeck noch einmal sein Wasserweltbild. Dort erklärte er unter dem Titel “Caring for water, Caring for Life” unter anderem auch, dass der fortgesetzt sorglose Umgang mit Wasser dazu führen werde, dass es früher ausgehen würde als Erdöl. Soweit so gut. Trotz den schönen Worten, kann ich Brabeck aber als Menschenfreund und Hüter des wertvollen Nasses nicht wirklich ernst nehmen. Was er in seiner Rede nämlich mit keinem Wort erwähnt, ist die Bedeutung des Wassers für seinen Konzern. Dieser machte 2010 gemäss
Hausmitteilung einen Umsatz von gut 9 Milliarden Franken (und eine Ebit-Gewinnmarge von 7,4 Prozent) mit dem Wassergeschäft, knapp 10 Prozent des gesamten Umsatzes. Nicht dass es verwerflich wäre mit Mineralwasser Geld zu verdienen. Aber ich werde den Verdacht nicht los, dass es Brabeck noch fast etwas stärker um die Profite geht, als um das Wohlergehen der Millionen, die keinen Zugang zu frischem Trinkwasser haben. Äusserst zweifelhaft scheint mir auch, ob durch eine Privatisierung eine flächendeckende Versorgung eher gewährleistet wäre. Würde dies stimmen, dann gäbe es theoretisch auch keine Hungernden mehr. Ich würde deshalb den Redentitel leicht anpassen: “Caring for water, Caring for Profit”. Kleines Detail am Rande übrigens noch. Nestlé ist Sponsor der World Water Week (siehe Screen-Shot rechts). (Bild oben Nestlé)
Urbane Jungbauern produzieren im Wohnzimmer
August 22, 2011
Stadtlandwirtschaft ist im Trend: Der Hühnerhof im Vorgarten, der Kompost auf dem Balkon und die Mitarbeit im lokalen CSA-Projekt gehören heute bei manch einer Städterin und bei vielen urbanen Jungspunden zum guten Ton. Nun ist es ja so, dass nicht jede Wohnung im Asphaltdschungel solche Aussenräume mit ausreichenden Ausmassen bereitstellt. Darum kommt jetzt schon der nächste Schritt: Die Indoor-Stadtfarm. Die deutsche Jungdesignerin Charlotte Dieckmann und ihr Kollege Nils Ferber haben einen Kompost für an den Küchentisch und ein Treibhaus für das Ikea-Regal kreiert. Der Kreislauf wäre somit innerhalb der Wohnküche geschlossen. Originelle Idee und schon recht weit durchdacht, wie die Homepage von Dieckmann zeigt. Fehlt eigentlich nur noch die Bonsai-Kunstwiese samt Mini-Kuh für die Wohnwand. Wer jetzt umgehend seine gute Stube umgestalten und das deutsche System einbauen möchte, muss sich noch etwas gedulden. Die “Parasite Farm”, wie die Designer ihren Stuben-Hof nennen ist erst als Prototyp vorhanden. (Bild Alexander Giesemann)
Weidtörli (Forts.): Diesmal der zentrale Süden
August 20, 2011
Ausdauernde Agroblog-Leser mögen sich vielleicht noch an die beliebte Weidetörli-Serie erinnern. Hier fand sich ein Vergleich zwischen den beliebtesten Modellen in Nordengland und Toggenburg, hier eine Fortsetzung aus dem helvetischen Nordwesten und in diesem Post ein kleiner Abstecher an den Walensee. Das ist alles schon eine Weile her und deshalb höchste Zeit für eine Fortsetzung, diesmal aus dem Oberalp-Gebiet an der Grenze zwischen Uri und Graubünden, man könnte sagen aus dem zentralen Süden. Wir fangen an, siehe oben, mit dem galant aufgehaltenen automobil befahrbaren. Als zweites ein innovatives Modell: das aufwandlos Übersteigbare (im Hintergrund übrigens die sehr empfehlenswerte SAC-Maighelshütte):

Das nächste ist ein einfacher Klassiker, den wir auch schon in anderen Landesteilen gesehen haben: Das anspruchslos Bedienungsfreundliche mit einem einfachen Griff zum öffnen und schliessen:
Und zum Schluss noch einmal ein omnipräsenter Klassiker: Das schrankenlos automobil Befahrbare, bei Bedarf wahrscheinlich auch als Bärenfalle benützbar.

Live-Kuhbild dank Smarties-Phone
August 17, 2011
Mongolei? Nein Val Maighels, sehr schön und fast live dank meinem Telefon, das offenbar auch bloggen kann. Apropos Smarties, fast so vielfarbig wie die Apps auf meinem Display sind hier auch die gealpten Rinder, inklusive einer für mich neuen Mischung: Brown Swiss x Jersey:
Zum Schluss noch ein kleines Suchbild: wheres the beef?

Fanfare für die Ritter des Fleisches
August 15, 2011
Schöne Überraschung am Samstagmorgen. Vor Markthalle in unserem Zürcher Viadukt steht ein neuer Anbieter. Und nicht irgendeiner: Markus und Theres Dettwiler von der Ormalinger Farnsburg kommen neu ab und zu am
Samstag hierher mit ihren Produkten. Für mich sind sie Legende, ein guter Freund, seines Zeichens Gourmet mit einem goldigen Händli fürs Fleisch, hat uns schon öfters mit Dettwilers Delikatessen von Weideschwein, Büffel und Galloway bekocht und es war immer vom Feinsten. Drum sitzt mir das Portemonnaie natürlich locker. Und ich bin schon reich belohnt worden. Zum Auftakt gabs gestern aus dem Galloway-Hackfleisch ein einfaches Tatärli (ca 200g Hackfleisch, ein Eidotter, Salz, Pfeffer, eine halbe Frühlingszwiebel, ein Viertel Peperoncino sowie je ein Schprutz Sojasosse und 66-er Armagnac, der mir leider nur noch in homöpathischen Dosen zur Verfügung steht). Ein rohes Vergnügen, und das zu einem anständigen Preis, das Qualitätshackfleisch gibts zu unter 30 Franken. Damit ist der kleine Kreis der Zürcher Top-Fleischlieferanten ab sofort um ein gewichtiges Mitglied erweitert. Wenn ich mir bisher etwas leisten wollte ging ich immer zur Fidelio-Metzgerei im Marinello im Kreis 6 und zu den Volketswiler Fiechter-Schwestern, die man freitags am Zürcher Helvetia-Platz und samstags in Oerlikon auf dem Markt findet. Empfehlen kann ich auch Alfred von Escher, der aus einem unscheinbaren Lokal in der Zürcher Enge Grosses vertreibt. Alle vier Quellen wissen, dass Geduld die wichtigste Eigenschaft bei der Fleischproduktion ist. Das Tier in freundlichem Umfeld und gemächlichem Tempo heranwachsenlassen lassen und dann – vor allem beim Rindfleisch – schön abhängen lassen.
Goats for rent – im Dienste des Brandschutzes
August 12, 2011
Dieser Tage ist mir ein interessanter Artikel ins Auge gestochen. In Los Angeles sorgt derzeit eine Geissenherde für Aufsehen. Eine Geissenherde in Los Angeles, werden Sie fragen. Genau daselbst. Die Riesenmetropole besteht ja nicht nur aus Beton und Asphalt, sondern vor allem an der Peripherie gibt es auchviel Grünland. Dieses halten die Behörden möglichst kurz. Zu oft haben verheerende Buschfeuer im südlichen Kalifornien für ebensolche Schäden gesorgt. Ist das Gras geschoren, so ist die Feuergefahr geringer. Diesen Sachveralt macht sich die Firma Environmental Land Management (ELM) Goats zu Nutzen. Das Unternehmen mit Sitz in San Diego vermietet Geissenherden für “environmentally conscious brush abatment”. Die umweltschonende Methode eignet sich vor allem für steiles Gelände, wie es am Stadtrand von LA häufig zu finden ist. Die in der “Times” besprochene Herde ist übrigens zu einer eigentlichen Attraktion für Familienausflüge geworden. Das schafft kein Motormäher. (Bild Monica Almeida/New York Times)
Yvonne bleibt im Wald – oder: das Reh in der Kuh
August 9, 2011
Man kann der Kuh Yvonne nicht vorwerfen, dass sie ihren Freiheitsdrang pünktlich aufs Sommerloch getimt hat. Sie lebt nämlich schon seit Mai im Wald nahe ihrem Heimatdorf Mühlheim und sämtliche Versuche, sie wieder dingfest zu machen sind bisher gescheitert. Trotzdem ist die Geschichte natürlich ein gefundenes Fressen für die Medien, umsomehr, als sich nun schicksalsschwere Wolken über dem behörnten Haupt des Simmentaler-Fleckviehs zusammenziehen. Vor 10 Tagen ist sie angeblich einem Polizisten über den Weg, beziehungsweise vor einem Polizeiauto über die Strasse gelaufen. Der Gendarm hat Meldung erstattet und nun eine Abschussbewilligung erwirkt. Die versammelte Jägerschaft im bayrischen Flecken lädt nun die Betäubungsgewehre, um das Tier auf Umwegen seinem Stall zuzuführen. Die Suche verlief aber bisher ebenso erfolglos, wie die Futterfallen und Lockrufe eines Stiers vergeblich waren. Unter dem Strich ist das ganze für alle Beteiligten aber eine klare Win-Win-Situation. Yvonne schlägt sich in Trappermanier durch, was ihr offensichtlich gefällt; die Medien – darunter der Agroblog – sind gefüttert (man betrachte sich auch diesen ausführlichen Beitrag von Spiegel TV), der Gnadenhof Gut Aiderbichl, der sich um die Rettung bemüht als ob Yvonne hilflos in der Eigernordwand hängen würde, erhält viel Publizität; der zuständige Landrat kann sich als entscheidungsfreudiger Politiker positionieren und der Fotograf Josef Enzinger, der in Paparazzo-Manier das obenstehende rare Bild von Yvonne geschossen hat, hat sich aus dem Nichts einen Namen als Star-Kuhfotograf geschaffen. (Bild Josef Enzinger)
PS. Gerade eben lese ich – es ist unterdessen der 29. August - dass Yvonne unbehelligt im Wald bleiben darf, die Abschussbewilligung sei aufgehoben. Toll für Yvonne, tragisch für die Boulevardmedien…

