Die Todesspirale im käsigen Paartanz

Auch beim Agrobloggen gibt es wie im Eiskunstlauf und sonst im Leben Pflicht und Kür. Zur ersteren gehört zweifellos der Milchmarkt. Seit Jahren schlägt man sich dort mit den gleichen weitgehend hausgemachten Problemen herum und dreht sich wie bei einer Biellmann-Pirouette mit viel Körpereinsatz im Kreis. Angesichts der enormen Bedeutung für die bäuerlichen Einkommen, kann man ihn trotzdem nicht einfach links liegen lassen. Bei der Konsummilch ist die BOM ein Komödiantenstadl, in dem sich die Bauern seit Anbeginn mit der Rolle des Narren abfinden. Im Käsemarkt hat man sich insbesondere beim alten Schlachtross Emmentaler brutal in den eigenen Laib geschnitten. Mit kräftiger Unterstützung des (Detail-)Handels bieten die Käser und Milchproduzenten in ihrem Paartanz eine eigentliche Todesspirale. Man produziert seit einigen Monaten ohne Mengenbeschränkung und ruiniert sich so den Markt freiwillig. Die Preise rasseln im In- und vor allem im Ausland in den Keller, ohne dass sich am Absatz etwas verbessern würde. Wenn es noch einen Beweis dafür gebraucht hätte, dass das nun vorgeschlagene Rezept der Milchbauern-Opposition nichts bringt, dann wäre er damit erbracht. Big M fordert einen Abbruch des Käse-Freihandels mit der EU. Natürlich ist die sportliche Herausforderung im hindernisfreien Warenaustausch beträchtlich. Aber an diesem internationalen Wettkampf liegt es sicher nicht, wenns nicht läuft, wenn man sich schon in der Schweizer Meisterschaft so unbeholfen gebärdet. Ebenso untauglich zur Bekämpfung der Probleme ist der nun neu lancierte Rahmtaler, ein Emmentaler mit höherem Fettgehalt. Dieses Produkt widerspricht modernen Ernährungstrends und wird den Normalemmentaler kannibalisieren. Man wird mir jetzt sagen, ich soll meinen Käse für mich behalten, wenn ich keine besseren Lösungen präsentieren kann. In der Tat habe ich auch nicht den perfekten Trainingsplan zur Hand, aber ich kann mich nur wiederholen: Ohne Selbstbeschränkung bei der Menge wird es nicht funktionieren, weder bei der Konsummilch, noch beim Käse. Und zum zweiten müsste man wohl, statt neue Produkte zu lancieren, zunächst mal die bestehenden besser positionieren, präsentieren und dann verkaufen. Dabei könnte man sich ja vielleicht auch an den erfolgreichen Beispielen kleingewerblicher Unabhängiger (z.B. Natürli) oder industrieller Grosser orientieren (z.B. Leerdammer, der als Fabrikware im Schweizer Detailhandel deutlich mehr kostet als gewerblicher Rohmilch-Emmentaler). (Bild Emmentaler Switzerland)

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6 Antworten zu „Die Todesspirale im käsigen Paartanz“

  1. adi (nicht krebs) sagt:

    Gut gebrüllt, Löwe!

  2. adriankrebs sagt:

    grrr

  3. Daniel sagt:

    Und wie soll die Selbstbeschränkung der Menge bei Konsummilch funktionieren, ohne dass von einer Neo-Kontingentierung und einem Angebotskartell in Produzentenhand die Rede ist?

  4. adriankrebs sagt:

    Da würde ich mich von wegen Nomenklatur nicht zu viele Sorgen machen, les chiens abboient, la caravane passe…

  5. Daniel sagt:

    Konkret: Unterstützt der Autor von “Die Todesspirale im käsigen Paartanz” die Motion Aebi?

  6. adriankrebs sagt:

    @Daniel Ich war schon immer und vor der Motion Aebi ein Befürworter der Mengensteuerung durch die Produzenten, ob dies nun die Milchbauern oder die Käser sind. Durch die Ereignisse auf dem Emmentaler- und dem Konsummilchmarkt fühle ich mich nur bestätigt. Idealerweise sollte immer ein Kilo zuwenig auf dem Markt sein. Der Milchmarkt ist derart unproportional aufgebaut, dass die Bauern (und die gewerblichen Käser) ohne eine Einigkeit bezüglich Menge am Schluss immer diejenigen sein werden, die von den Hunden gebissen werden.

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