Der Tanz auf der Nase ist noch nicht vorbei

Man lasse sich vom pittoresken Kuhbild von der Zürcher Goldküste (ja, es ist noch nicht alles zubetoniert dort) nicht täuschen. Es geht hier nicht um Idyllisches. Aber immerhin um einen längst fälligen, wenn auch wahrscheinlich zu späten Gesinnungswandel. Die Schweizer Milchproduzenten (SMP), oder zumdindest ihr Vorstand, wollen sich nicht länger auf der Nase rumtanzen lassen und haben deshalb den Ausstieg aus der Branchenorganisation Milch (BOM, auch bekannt als BOMerang) beschlossen, sekundiert wurden sie dabei vom Bauernverband (SBV), der sich via Medienmitteilung lauthals über den neuesten Coup der BOM, eine Richtpreissenkung um 4 Rappen beklagt hat. An sich ist es begrüssenswert, dass die Produzentenvertreter den Tanz auf ihrer Nase beenden wollen. Allerdings ist das nicht so einfach, wenn dort schon fast so etwas wie eine Discothek eingerichtet worden ist. Das Tanzorchester hört nicht einfach auf zu spielen, da kann der Besitzer der Nase noch so lange die Polizeistunde ausrufen. Der Verbandsführung (der SMP und des SBV) fehlt der nötige Einfluss auf die Mitglieder. Wenn es dazu noch eines Beweises gebraucht hätte, dann wurde er an der letzten Vorstandssitzung der BOM geliefert: 8(!) von 10 Produzentenvertretern stimmten dort für die Preissenkung. Das zeigt, wie weit sich die Bauern von einer brancheninternen Solidarität entfernt haben, die nötig wäre, um gemeinsam eine Mengenkontrolle durchzusetzen. Leicht wehmütig erinnert man sich da an Kanada, wo die Milchproduzenten mit einem straffen Supply Management dafür sorgen, dass immer ein Liter Milch zu wenig auf dem Markt ist. Der Preis liegt über demjenigen hierzulande. Ohne dass dies den Staat einen Dollar kosten würde. (Danke Lukas und Monika für die flotten Helgen aus Herrliberg und dem Engadin!)
    

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Eine Antwort zu „Der Tanz auf der Nase ist noch nicht vorbei“

  1. rolandwyss sagt:

    Die Milchbauern wollen mit ihren Marktorganisationen möglichst viel am Markt heraus­holen. Und mit ihren Verbänden wollen sie politisch möglichst viel herausholen. Das passt je länger je weniger zusammen…
    Dazu empfehle ich den geneigten Agro-Blog-LeserInnen die nächste Nummer von alimenta.

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