WEF: Eine Agro-Vision für die Füchse

Das heurige WEF hat sich auch der Landwirtschaft angenommen. Sichtbarstes Resultat der Beschäftigung der Leaders mit der Bauernsame ist ein Report namens “Putting the New Vision for Agriculture into Action: A Transformation is happening”. Übersetzt in etwa: “Die Neue Vision für die Landwirtschaft in die Tat umsetzen: Eine Umgestaltung ist im Gang”. So weit, so schwülstig. Dahinter steht die “New Vision for Agriculture Initiative”. Sie wird getragen von 26 Firmen: Vom Traktormulti AgCo über BASF, Bayer, Coca-Cola, DuPont, Heineken, Kraft, Monsanto, Nestlé und Pepsi bis zu Swiss Re, Syngenta, Unilever und Walmart. Diese illustre Gesellschaft hat bisher herzlich wenig zu einer Umgestaltung der Landwirtschaft beigetragen, welche die Lebensbedingungen der Kleinbauern (“sustainable livelihoods for several hundred smallholder farmers”) und die Ökosysteme verbessern hilft. Das sind nur zwei der ambitiösen Ziele der “Neuen Vision”. In einem Kommentar von Alliance Sud, der kürzlich im “Tages-Anzeiger” erschienen ist, heisst es dazu: “Das als ‘neue Vision’ präsentierte WEF-Landwirtschaftspaket entpuppt sich als alter Wein in neuen Schläuchen, der erst noch von jenen Weinhändlern verkauft wird, die zuvor den Rebberg vergiftet haben.” Das mag etwas derb ausgedrückt sein, aber die Autorin, sie ist Präsidentin von Alliance Sud, hat nicht unrecht. Man mag dieser Vision nicht recht trauen. Wenn man das Papier liest fällt zunächst die Sprache auf: Viel Selbstlob (“tremendous leadership”), viel Pathos, viele Leerformeln, viele Versprechungen (“increased employment, expanded access to nutritious and healthy food and sustainable resource use”). Dazu ein paar ebenso holzschnittartig simplifizierende Grafiken (siehe Beispiele). Inhaltlich fiel mir auf, dass als eines der Hauptanliegen mehrfach “a major increase in investment” genannt wird. Die angestrebte massive Zunahme der Investitionen in die Landwirtschaft, verheisst für die Kleinbauern und die Konsumenten nicht viel Gutes. Der Einzug von Spekulanten, welche die Nahrungsmittelmärkte seit einigen Jahren mit allerlei derivativen Produkten überziehen, hat zu volatilen Preisen und einer Zunahme des Land-Grabbings geführt. Profitieren werden von der Präsenz grosser Investoren primär die grossen Player, und das sind genau unsere 26 visionären Wohltäter. Mich erinnern sie an ein Rudel Füchse, das sich in den schönsten Farben als Sicherheitsdienst für den Hühnerstall anerbietet. Er will dafür sorgen, so mein Verdacht, dass lediglich die ihnen vorbehaltenen schönen Hennen noch ein bisschen fetter werden. Die anderen Stakeholder, von denen im Bericht viel die Rede ist, müssen dann mit den mageren Suppenhühnern vorlieb nehmen. Keine schöne Vision.

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2 Antworten to “WEF: Eine Agro-Vision für die Füchse”

  1. Plies Says:

    Well done!

  2. adriankrebs Says:

    Merci, Plies!

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