Archiv für Februar 2012

Frau Professors Schuss in den BiOfen

Februar 27, 2012

Man ahnte schon nichts gutes, als die “NZZ am Sonntag” in der Samstagsausgabe des Mutterblattes grossbuchstabig von der grossen Bio-Illusion warnte. Auf der Frontseite der Zeitung ging es am Sonntag dann noch drastischer zu und her: Dort war die Rede von der Bio-Lüge, all das ohne Anführungszeichen. Etwas weiter hinten im Blatt tönts dann etwas moderater. “Pardon, das ist verrückt“, heisst hier der Titel über einem Interview mit Nina Fedoroff. Die reich dekorierte Professorin an der Penn State University ist heuer Präsidentin der AAAS, der weltgrössten akademischen Vereinigung. Deshalb hat ihr Wort einiges Gewicht. Im Interview holt Fedoroff zum Rundumschlag gegen den Biolandbau aus. Die Produkte seien nicht nur nicht besser, sondern das System auch ineffizient und letztlich gefährlich, da es Lebensmittelvergiftungen zu Gevatter stehe. Ihre Vorwürfe untermalt sie mit Sprüchen im Stil von: “Wenn Sie einen Sack Dünger kaufen, müssen Sie kein Land freihalten, auf dem Sie Futter für Tiere produzieren”. Wäre die gute Frau Ökonomin, könnte man ihre Ignoranz gegenüber geschlossenen Kreisläufen und deren ökologischer und ökonomischer Vorteile ja locker verzeihen. Aber Fedoroff ist Pflanzenbiologin und offenbar eine der renommiertesten grünen Gentechnologinnen. Dabei scheint ihr bei der Forschungsarbeit genau das passiert zu sein, was sie den Konsumenten von Bioprodukten vorwirft, nämlich dass sie der Marketingindustrie auf den Leim gekrochen sind. Fedoroff ist derart einseitig von den Vorteilen der Pflanzen-Biotechnologie überzeugt, dass es ihr den Blick auf die Realitäten trübt. Nicht, dass ich die Bio-Landwirtschaft als Heilsbringerin für die weltweiten Ernährungsprobleme betrachten würde, aber ebenso unrealistisch ist die Position, dass dank Pflanzen-Gentechnologie die Ernährungssituation a priori besser wird. Bisher ist diese in erster Linie eine Cashcow für eine Handvoll Grosskonzerne, die leider auch einen Grossteil der entsprechenden Forschung – auch an den Universitäten – finanzieren, was dann derartige pauschale Abrechnungen zur Folge hat. Das habe ich schon im Agronomiestudium erlebt, als die ersten von der Basler Chemie gesponserten Biotechnologen angestellt wurden. Ich bin für Meinungsfreiheit. Aber dass die Kollegen der “NZZ am Sonntag” dieser Polemikerin eine derartige Plattform bieten, ohne dass irgendjemand Gelegenheit erhält, die Vorwürfe mit Argumenten zu parieren, dünkt mich handwerklich nicht grad besonders organisch. Ich hoffe, dass man sich in Bio-Kreisen diesen Schuss in den BiOfen nicht unwidersprochen bieten lässt.

Envy: Food and farming starring on BBC4

Februar 25, 2012

 

While specialised agricultural shows have long gone from Swiss TV- and Radio-Programmes, the broadcasting sky is much brighter for the british farm- and food-sector. At least on the radiowaves. As my british better half is very fond of BBC Radio 4, I myself have become a fan of it, mainly of the agricultural side, although I have to admit, that being a regular live listener of the BBC-”Farming-today”-show is hard work, because its broadcasted at 5.45 am GMT… Anyway, modern times make it easier to follow the interesting programme on a regular basis, as you can listen the conserve online, or download the podcast. Aditionally, there’s a round up with the weekly highlights presented on saturday. I’ve just consumed yesterdays quarter of an hour, and it was an interesting mix: Among other things a controversy between a professor and a soil-protection activist on the usefulness of organic agriculture and the perspective of a sheep farmer on the newcomer at the disease front called Schmallenberg-virus. The other big star on the BBC-countrylife-horizon is the renowned Food programme, broadcasted on sundays at consumerfriendly 12.32 GMT. Last sunday presenter Sheila Dillon came up with a bunch of informations about Food-coops and similar activities all over England. One of the main storys was dealing with the Reading-based True Food coop. Their interesting concept: The coop buys “a complete range of general groceries, including organic wholefoods, local fresh fruit and vegetables and environmentally friendly household products”. And sells them not only in the central shop but also in three neighbourhood community centres throughout Reading, where the “True-Food”-people turns up once a week on a late afternoon with their product range. By the way ”True Food” was one of the winners of the yearly “Food&Farming Awards” of the BBC. The coop was awarded as ”Retail-initiative-of-the-year”. Congratulations to True Food! And to BBC4 for all the effort they put into agricultural coverage and supporting the actors!
 

Afrique: Les voix paysannes chantent ensemble

Februar 23, 2012

Seit einiger Zeit habe ich den Newsletter der “Voix du paysan congolais” abonniert. Heute ist die Neuigkeit reingeflattert, dass die kongolesische Bauernstimme neu mit der “Voix du paysan” aus Kamerun zusammenarbeitet. Die beiden Stimmen, die von bäuerlichen NGOs herausgegeben werden wollen sich gegenseitig mit dem Austausch von Informationen stärken und zur Entwicklung der bäuerlichen Presse in Zentralafrika beitragen. (Im Wortlaut: “Les deux médias s’engagent à se renforcer mutuellement dans les domaines de la formation, des méthodes et outils de travail; à faire la promotion de leurs organes respectifs; à échanger des informations de manière régulière et œuvrer pour le développement de la presse agricole dans la sous-région Afrique Centrale). Den Schritt kann man nur begrüssen. Die Aufforstung des dünn bepflanzten afrikanischen Agrarpressewalds ist wichtig für die Prosperität der Bauern, die oft nur unzulänglich ausgebildet sind. Hier leistet die Beratung durch die Zeitungen Weiterbildung. Da die Distribution von Zeitungen auf Papier in Afrika extrem hindernisreich ist, pflegen beide Blätter für örtliche Verhältnisse neben dem Print sehr vorbildliche Internetauftritte (siehe Links oben). Der Blick in die beiden Internetportale zeigt interessante Parallelen. Die Frontseite der jüngsten Printausgabe der kongolesischen Bauernstimme (siehe oben) könnte ohne weiteres auch den “Schweizer Bauern” zieren: Massive Nahrungsmittelimporte bedrohen die örtliche Landwirtschaft. Dazu ein Editorial, das fragt: Hat man die Bauern vergessen? Das kamerunische Schwesterblatt dagegen macht mit einer Beratungsgeschichte zur Hühnerhaltung auf: “Verdienen Sie mit Riesenhühnern“, empfiehlt das Blatt seinen Lesern. Auch diese Story könnte man sich in der Schweiz vorstellen. Wenn man dann auf den Startseiten der Blätter weiter runterscrollt, kommen zwar klima- und einkommensbedingt bedingt andere, hierzulande weniger übliche Themen zur Sprache. Die Frucht des Monats Cassamango, die Holzköhlerei als Einkommensquelle, die Fütterung von Hühnern mit gemahlenen Muschelschalen. Derweil schlägt man sich im Kongo mit dem Rhinozeros als Pflanzenschädling herum. In der Schweiz gibt es vergleichbare Beratungsbedürfnisse: Im Zürcher Unterland übernehmen die Wildschweine den Rhinozeros-Part, die Fütterung mit günstigen Nebenprodukten kennen wir aus der Schlachtabfall-Diskussion und unsere Cassamango ist die neue Apfelsorte. Mich bestätigt die Lektüre dieser Voix paysannes in der Ansicht, dass die Bauern ungeachtet aller sehr grossen Mechanisierungs- und Einkommensunterschiede weltweit mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind: Sinkende Produktepreise, unterdurchschnittliche Einkommenssituation, Rationalisierungszwang und eine Armada von vor- und nachgelagerten Stufen, die möglichst grossen Profit aus der Arbeit der Landwirtinnen und Landwirte schlagen wollen. Es braucht noch mehr Stimmen im globalen ländlichen Chor. 
 

Woche der Kuhbilder(Epilog): Barbaras Tipp

Februar 20, 2012

Eigentlich wollte ich die Kuhwoche ja schon gestern beenden. Aber dieser Nachtrag war jetzt einfach unverzichtbar. Meine Agroblogger-Kollegin Barbara Kanzian aus dem sehr besuchenswerten über_Land hat mir einen Tipp mit Link geschickt: Die Bilder des finnischen Fotografen Tuukka Koski, die er für die Reklame des Eat&Joy-Farmersmarkets in Helsinki gemacht hat. “Die Kuh-Porträts sind ein Hammer!” ruft sie mir zu. ”A Must for any cowboy”, rufe ich zurück. Herzlichen Dank, Barbara! (Bilder Tuukka Koski)

Woche der Kuhbilder(5): Ernst Ludwigs Talent

Februar 19, 2012

Zum Abschluss der Kuhbildwoche eine kleine Überraschung, zumindest für mich wars eine. Auf einem Ausflügli nach Davos besuchten wir das Kirchner Museum. Eine Reise wert, würde ich sagen: Überblickbare Grösse, ein schönes Gebäude von Gigon/Guyer und tolle Kunst. Im Museumsshop zeigte sich, dass Ernst Ludwig Kirchner nicht nur ein begnadeter Maler, sondern auch ein beachtlicher Fotograf, ja sogar Kuhfotograf war. In seinen Davoser Exiljahren lichtete er aber nicht nur Vieh, sondern auch das Landvolk ab. Die Porträts aus den 1920er Jahren sind stark. Hier ein paar freihändig abfotografierte Beispiele aus dem Buch “Der Maler als Fotograf”:

Ein Landwirt…

…eine Jungbäuerin…
 …zwei Seniorinnen…
…und ein Alpöhi von altem Schrot und Korn. (Bilder Ernst Ludwig Kirchner, gescannt und abfotografiert aus dem Buch “Der Maler als Fotograf”)

Woche der Kuhbilder(4): Christians Kälber

Februar 17, 2012

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“Pünktlich zu deiner Kuhbildwoche habe ich ein paar frische Aufnahmen für Dich aus dem schönen Allgäu”, schreibt mir mein deutscher Agrarjournalistenkumpel Chritian Mühlhausen, Gründer und Inhaber der Agro-Bildagentur Landpixel. “In Kempten werden montags Kälber aus dem Gebiet des Herdbuchzuchtverbandes für Braunvieh angeliefert, dort – je nach Kundenauftrag – gewogen, gescannt, gekennzeichnet und zu passenden Chargen zusammengestellt. War ein spannender Vormittag – mit vielen netten Menschen und ebensolchen Motiven.” Indeed. Danke für die prompte Lieferung, Christian!

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Anlieferung…

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…scanning…

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…und was jetzt, grossflächig markiertes Kalb?

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Neue Freunde in der Charge suchen… (Bilder Christian Mühlhausen/Landpixel)

Woche der Kuhbilder(3): Daniels Passfahrt

Februar 15, 2012

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Zurück in den Schnee. Wetterblogger Daniel Gerstgasser macht nicht nur krasse Gewitterbilder sondern hat auch ein gutes Kuhauge. Er schickte mir diese schöne Serie und schrieb dazu: “Heute sind mir auf dem Albispass wieder einmal ein paar glückliche Kühe vor die Linse gekommen. Ich glaube die haben Schnee und Winter so gerne wie ich…” Das Gefühl habe ich ehrlich gesagt auch. Wir fangen diesmal im Detail an: Kuhkopf von rechts…

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…Kuhkopf von vorne…

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…Kuhkopf von links.

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So etwas wie das schwaze Schaf mit Hörnern. Interessant, einmal so genau zu sehen, was Kühe im Schnee für Spuren hinterlassen.

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Zum Schluss noch der Überblick, garniert mit etwas Hüslikrebs, wie üblich im Züribiet. Merci bestens, Daniel! (Bilder Daniel Gerstgasser/www.wetter-schweiz.blogspot.com)

Woche der Kuhbilder(2): Jonas’ Trip

Februar 13, 2012

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Szenenwechsel: Kürzlich hat mir mein Agrarjournalistenkollege Jonas Ingold ein paar Bilder von seiner letzten Reise geschickt. Nein, er war nicht im Emmental, wie man meinen könnte, sondern in Costa Rica. Aufgenommen hat er die Bilder zwischen Tilaran und Santa Elena, auf rund 1200 M.ü.M. Dort wird auch Milchwirtschaft betrieben.

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Je näher am Objekt, desto offensichtlicher die Differenz zum Emmental.

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Die Kühe hier, so schreibt mir Jonas, sind “Zebu- und Zebumabkömmling unterschiedlichster Couleur, oft Brahman, in der trockenen Provinz Guanacaste. Andere Kühe kommen dort nicht durch.”

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Zum Schluss noch ein costaricanisches Weidetor, dazu mein Gastkuhfotograf: “Das Weidetor ist für die eher schlanken Zebus allerdings nicht unüberwindbar und auch das Gitter überwinden sie mit einem Sprung.” Sportlich, sportlich. Herzlichen dank für die schöne Reportage! (Bilder Jonas Ingold/LID)

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Woche der Kuhbilder(1): Arnos Wurf

Februar 11, 2012

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Das Kuhbild der Woche wurde hier in letzter Zeit etwas vernachlässigt, deshalb gibt es jetzt eine Woche der Kuhbilder. Zum Auftakt ein saisongerechter Wurf von einem meiner Lieblingskuhfotografen, der bis über den grossen Teich Beachtung fand. Gratuliere, Arno! (Bild Arno Balzarini/Keystone)

Die Freeganer holen sich den Food Waste zurück

Februar 9, 2012

Mein Kollege Beat Grossrieder hat mich heute auf ein interessantes Phänomen aufmerksam gemacht: Die Bewegung gegen Food Waste, das Verschwenden von Nahrungsmitteln. Er hat kürzlich gemeinsam mit Claude Giger einen aufschlussreichen Artikel darüber in der Basler Tageswoche verfasst. Dieser enthält ziemlich erschreckende Zahlen: Ein Drittel der Schweizer Nahrungsmittel landet nicht auf dem Teller, sondern im Abfall. Dieselben Zahlen gelten weltweit. In ihrem Artikel beschreiben die Autoren nicht nur das Phänomen, sie porträtieren auch die USA-stämmige Baslerin Fay Furness, welche versucht, ohne irgendwo einzubrechen, einen möglichst grossen Teil des Speisezettels in den diversen Kanälen der Food-Entsorgung zu bestücken. Sie sieht sich dabei eher als Food-Waste-Aktivistin, denn als Vertreterin der Freeganer-Bewegung, wie sich die Container-Versorger mit Sinn für das eingängige Label bereits nennen. Furness will das Phänomen dokumentieren und so zu dessen Bekämpfung beitragen. Ihr grösster Fang bisher: Ein unversehrtes 100er-Pack mit Snickers-Riegeln. Wer sich – das nur nebenbei – für eine produzierende Landwirtschaft einsetzt, der müsste sich angesichts der Dimensionen auch für Food Waste interessieren. (Bild Claude Giger/Tageswoche) 


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