Archiv für März 2012

SMP&Co: Organisationen im Karriereherbst

März 4, 2012


Am Freitag hat in Bern ein bescheidenes Grüppchen von geschätzten 250 Bauern auf Einladung von Uniterre unter anderem für einen fairen Milchpreis und Ernährungssouveränität demonstriert. Laut Medienberichten forderte Uniterre unter anderem eine aktivere Rolle der Schweizer Milchproduzenten (SMP). Man müsse der Organisation die Steuerung der Milchmenge übertragen. Das ist ein frommer Wunsch, denn dafür ist der Zug längst abgefahren. Schon kurz nach der Abschaffung der Milchkontingentierung 2009 zeigte sich leider, dass die Idee des Milchpools unter Ägide des Dachverbands zum Scheitern verurteilt ist. Der Milchhandel läuft heute über regionale Produzentenorganisationen, die direkt mit den wenigen grossen Abnehmern verhandeln. Die Meinung der SMP interessiert nur noch beschränkt. Als sie vergangenes Jahr unter Getöse aus der Branchenorganisation Milch (BOM) austraten, krähte ihnen dort kaum ein Hahn nach. Im Gegenteil, man zeigte sich bei den Zurückgebliebenen eher erleichtert, dass man nun ungestörter Tagen könne. Das Interesse an einer Rückkehr scheint bis heute limitiert. Dieses Desinteresse am Verband ist ein Zeichen für dessen reduzierte Relevanz, nicht nur für die Marktpartner, sondern auch für die Mitglieder. Die Zeiten als der Direktor der SMP mit Vertretern von Käseunion, Käsern und Bund in der sogenannte Viererbande den Milchpreis aushandelte kommen einem heute vor wie ein Märchen aus dem Band “1001 Landwirtschaftslegenden”. Trotz Finanzstärke läuft der Verband Gefahr, zu reinen Marketingorganisation mit Rezeptheft zu mutieren. Doch die SMP sind längst nicht die einzige Branchenorganisation, die im Herbst der Verbandskarriere angekommen scheint. Nehmen wir zum Beispiel die Sortenorganisation Emmentaler Switzerland. Die zerstrittene Interprofession ist eine zahnlose Verwalterin der Markenrechte, die im Marktgeschehen kaum mehr eine Rolle spielt. Forsche Käser, namentlich aus der Ostschweiz haben ihr Schicksal längst selber in die Hand genommen und verhandeln direkt mit dem Handel oder haben sogar selber Firmen gegründet. Das tangiert auch die Pläne des Käserverbands Fromarte. Dessen Projekt für die Gründung einer Einheitshandelsfirma für Emmentaler bleibt, wenn micht nicht alles täuscht, ein Papiertiger. Schwach auf der Brust ist auch die Switzerland Cheese Marketing (SCM). Ihre millionenschweren, vom Bund zur Hälfte mitfinanzierten Kampagnen für die wichtigsten Käsesorten verpuffen offenbar praktisch wirkungslos, verlieren diese doch auf den Exportmärkten an Boden. Derweil legen die unbeworbenen Nischenplayer zu. Böse Zungen werfen der SCM vor, zu stark in der Käseunions-Mentalität verhaftet zu sein und empfehlen augenzwinkernd eine Direktüberweisung der Marketingmittel an die darbenden Käser und Milchbauern. Die Uniterre-Demo übrigens zeigte auch die Probleme dieser oppositionellen Bauernvereinigung auf. Mit umstrittenen Aktionen, zum Beispiel erfolglosen Stiefelwürfen auf die damalige Landwirtschaftsministerin Leuthard und der Präsentation eines toten Kalbes auf dem Bundesplatz haben sie innerhalb der Branche viel Geschirr zerschlagen. Auch dieser Organisation kann man keine grosse Zukunft prognostizieren. Schade eigentlich, denn etwas mehr kreatives Kämpfertum würde dem betulichen Landwirtschafts-Millieu überhaupt nicht schaden. (Bilder Samuel Krähenbühl/”Schweizer Bauer”)
 

Roll Models: Velotransport à l’Africaine

März 1, 2012

Was Afrikaner alles mit dem Velo transportieren, hat mich schon immer fasziniert. Kein Drahtesel zu alt und zu geschunden, um ihm noch ein paar Säcke mit Waren aller Art aufzubürden. Letzte Woche berichtete NZZ-Afrikakorrespondent Markus Haefliger in einem sehr aufschlussreichen Artikel von einer besonders waghalsigen Variante. Zur Versorgung der burundischen Hauptstadt Bujumbura fahren Velokuriere mit Bananen, allerhand anderem Gewächs und Holzkohle im Garacho aus den umliegenden Bergdörfern zu Tal. 1400 Höhenmeter in 45 Minuten mit Lasten von bis zu 180 Kilo für einen fixen Preis. Anschliessend machen sich die mutigen Transporteure wieder auf den Rückweg, am Liebsten im Schlepptau eines Lastwagens. Quer zur Fahrtrichtung hocken sie auf der Lenkstange, liegen in die Kurven, wechseln ab und zu den Handgriff und unterhalten sich angeregt über Gott und die Welt. Hier noch ein paar weitere Impressionen.
Während der eine noch auf der Talfahrt ist, gehts für die anderen schon wieder Richtung Berge.
Aktive Verlagerung des Körpergewichts hilft…

… während bei Lastwagen älteren Baujahrs auch mal ein Blick zurück drinliegt. Man beachte die lockere Körperhaltung. Herzlichen Dank für die tollen Helgen, Markus! (Bilder Markus Haefliger/NZZ)


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