Archiv für April 2012

Bergheimatliche Gefühle für Widerborstige

April 29, 2012

Seit Jahren versuche ich in dieser Endlos-Spalte so unübersehbar an meinem Image zu schleifen, dass ich endlich eine Homestory in der Agrarpresse kriege. Nun, ich verstehe diese Blätter, dass sie mich bisher konsequent ignoriert haben, ist ja eine harte Konkurrenz und die will man nicht noch freiwillig ins Scheinwerferlicht stellen. Die ganze Agrarpresse? Nicht ganz. Zwar haben mich die “Bergheimat-Nachrichten” nicht grad im Pijama im Schlafzimmer abgelichtet, das würde kaum in das Konzept des schlichten und informativen Verbandsorgans passen. Aber immerhin haben sie mir ein paar Zeilen gewidmet, was mich natürlich sehr gefreut hat. Deshalb, aber nicht nur deshalb, will ich der Herausgeberin des Blattes, der Bergheimat, jetzt auch einmal ein Kränzli winden. Die “Gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung kleiner und mittlerer Bio-Bergbauernhöfe” ist 1973 gegründet worden. Heute hat sie über 200 Mitgliederbetriebe, mit Schwerpunkten – logischerweise - in den gebirgigen Teilen des Landes. Zur Bergheimat gehören aber auch über 1000 nicht bauernde Mitglieder (zu denen ich auch seit längerem gehöre) und Gönner, die es der Organisation ermöglichen, die bäuerlichen Mitglieder mit Betriebshelfern und zinsfreien Darlehen zu unterstützen, zum Beispiel für Bauprojekte. Dieses gemeinnützige Tun ist überlebenswichtig für die oft wenig ertragsreichen Betriebe in den Randregionen. Die Bergheimat ist auch Mitglied bei Biosuisse, dem Dachverband der Öko-Bauern. Und nicht das einfachste. Die Berheimätler legen Wert auf die reine Lehre, so wehrten sie sich nach Kräften, als Biosuisse – letztlich erfolgreich – UHT-Milch unter dem Knospenlabel zulassen wollte. Die widerborstigen Siedler von der Berheimat sind Pioniere. Viele von ihnen haben aufgegebene Heimetli, die längst als unrentabel galten, wieder in Betrieb genommen. Für diese im besten Sinne konservative Sisyphusarbeit haben sie meinen Respekt. Beim Suchen des Artikels ist mir übrigens noch der Einzahlungsschein für den Jahresbeitrag 12 in die Finger gefallen. Ein schöner Zufall, der Obulus folgt bald.

Die kaum genutzte Win-win-win-win-win-Chance

April 26, 2012

Die eierlegende Wollmilchsau gibt es bekanntlich ja nicht. Sehr wohl aber die ohne Kraftfutter Milch gebende Kuh: Am Mittwoch hat das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) die ersten Ergebnisse des Projekts “Feed no Food” vorgestellt und damit auch einiges Medienecho erzeugt (zum Beispiel hier und hier). Die Resultate sind keine Überraschung: Kühe können auch ohne Kraftfutter (dabei handelt es sich um Getreidemischungen, die teilweise energetisch zusätzlich aufgewertet werden) bis zu 8000 Liter Milch pro Jahr geben. Die eingesparten Futterkosten vermögen die reduzierten Einnahmen aus der Milchproduktion zu decken. Daneben hat sich bestätigt, dass man mit der auf Grünfutter (Gras, Heu und Grassilage) beschränkten Diät nicht nur Futterkosten, sondern auch Tierarzthonorare sparen kann. Ohne Kraftfutter ernährte Kühe hatten in den FiBL-Versuchsreihen etwas bessere Werte bei der Konstitution und bei der Eutergesundheit, als die Vergleichsgruppe mit Kraftfutter. Diese Ergebnisse bestätigen, die Erkenntnisse, die man mit neuseeländischer Genetik sowohl in deren Heimatland, sowie auch in der Schweiz gewonnen hat.
Viel überraschender als das Resultat ist für mich der Fakt, dass im Milchbereich nur ein verschwindend kleiner Teil der Bauern auf eine reine Grasfütterung setzt. Mit dem System lassen sich nämlich einige Fliegen auf einen Schlag erledigen. Ergänzend zu den erwähnten Kosten-Vorteilen, punktet Grünland-basierte Landwirtschaft in weiteren Bereichen, die für das Image der Landwirtschaft wichtig sind. Wer den Tieren kein potenziell für die menschliche Ernährung geeignetes Getreide vorsetzt (eben “Feed no Food”), hilft damit zumindest indirekt, die prekäre Ernährungssituation eines nach wie vor grossen Teils der Weltbevölkerung zu lindern. Zudem tragen diese Bewirtschafter stärker als ihre Kraftfutter-Kollegen dazu bei, dass die grossen Gebiete der Schweiz, wo nur Gras wachsen kann (zirka ein Viertel der Oberfläche), auch längerfristig bewirtschaftet werden. Damit leisten sie einen Beitrag zum Erfüllen der Verfassungsgrundlage der hiesigen Bauern. Ein weiterer Punkt schliesslich ist, dass mit dem gesenkten Leistungsdruck bei den Kühen der Antibiotikaeinsatz reduziert und damit Resistenzen vorgebeugt werden kann. Unter dem Strich würde ich sagen ist ”Feed no Food” etwa eine Win-win-win-win-win-Situation. Warum also die Zurückhaltung im Primärsektor? Ein Grund dürfte sein, dass die Kraftfutterindustrie nicht nur mit den landwirtschaftlichen Organisationen eng verbandelt ist, sondern auch ein gewichtiger Inserent der Landwirtschaftsblätter ist. Deshalb geht man dort sehr spartanisch um mit dem Thema und reagiert eher gereizt auf die entsprechenden Forschungsergebnisse. Bin mal gespannt, was uns “Bauernzeitung” und ”Schweizer Bauer” in den nächsten Ausgaben berichten werden… (Bild FiBL)     

Der freizügige Schnitt ins eigene Fleisch

April 23, 2012

Vor wenigen Tagen hat der Bundesrat das Ventil bei der Personenfreizügigkeit selektiv verengt. Die Langzeit-Bewilligungen vom Typus B werden für acht osteuropäische Länder (die baltischen Republiken, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien) beschränkt. Zwischen Mai 2011 und März 2012  waren gemäss “Schweizer Bauer” 6568 Arbeitskräfte aus den genannten Ländern in der Schweiz tätig. Für die nun folgende Jahresperiode vom Mai 2012 bis zum Mai 2013 beschränkt dier Bundesrat die Zahl der Arbeitskräufte aus den sogenannten EU-8-Ländern auf 2179, ziemlich genau ein Drittel.
Die Ventilklausel ist eine Beruhigungsspritze für das Volk. Soll mir keineR weismachen wollen, dass 4000 Arbeitskräfte mehr oder weniger für die Schweizer Wirtschaft irgendeinen makroökonomischen Effekt haben sollen. Zumal es sich bei diesen Arbeitskräften mehrheitlich um Leute handelt, die gar nicht längerfristig bleiben, sondern in der Schweiz ein Polster schaffen wollen für Investitionen in der Heimat, wo sie nach der Rückkehr in den mehrheitlich gut funktionierenden Volkswirtschaften vielleicht ein Haus bauen oder in Land(-maschinen) investieren wollen. Das Ventil ist für die Bauern ein überschaubares Problem, so hört man vom Bauernpräsidenten. Zwar wird die Rekrutierung teurer, aber grundsätzlich könnten die nun ausfallenden B-bewilligten einfach durch L-bewilligte Arbeitskräfte ersetzt werden, die maximal ein Jahr bleiben dürfen.
Zwei Dinge stören mich an dieser Haltung. Zum Ersten zeugt sie von geringer Loyalität gegenüber den teilweise langjährigen Arbeitskräften. Der Knecht hat keine Bewilligung mehr, er kann nun gehen. Und stattdessen holt man einen wo möglich noch billigeren Ersatz. Zum zweiten ist die ausschliesslich auf den eigenen Bauchnabel bezogene Ausländerpolitik kurzsichtig. Dass das Ventil nun betätigt wurde, dazu haben die Bauern das ihrige beigetragen. Zwar haben sie aus Eigennutz für die Freizügigkeit gekämpft, aber gegen die übrigen ausländerfeindlichen Initiativen und Vorstösse der SVP, der unter anderem der Präsident des Bauernverbands und des Gemüseproduzentenverbands angehören, haben sie nichts unternommen. Das stetige Lamentieren der Partei hat zu einem Klima des “wachsenden Unbehagens in der Bevölkerung” beigetragen, mit dem gerne argumentiert wird, wenn Schritte wie die Betätigung der Ventilklausel getätigt werden. 
Für mich ist der Umgang mit den ausländischen Arbeitskräften unter dem Strich ein weiteres Beispiel, wie wenig vernetzt die landwirtschaftlichen Interessenvertreter mehrheitlich immer noch denken. In der Politik kommt man meist nicht sehr weit, wenn die Interessen nur bis an den Zaun des eigenen Obstgartens verteidigt werden. Wechselnde Koalitionen, notfalls -horribile dictu - auch mit der Linken, werden für die Bauern künftig nötiger denn je sein, um sich im Haifischteich der steigenden Zahl von Landwirtschaftskritikern das Überleben zu sichern. (Bild Gaëtan Bally/Keystone) 

Suppenhuhn in Action: Heidi machts vor

April 20, 2012

Heidi – bekannt aus der digitalen Welt dank ihrem Blog Heidis Mist - geht mit gutem Beispiel voran: Sie hat mir als erste ein fertiggekochtes Suppenhuhn präsentiert. Ist das Bild nicht hübsch? Heidi gewinnt einen Preis bei der Aktion “Hühnervogel zurück auf den Tisch”, die ich kürzlich hier (in den Kommentaren) lanciert habe. Nur kurz zur Erinnerung: Bei der Eierproduktion fallen jedes Jahr knapp zwei Millionen Suppenhühner an. Bisher wurden sie grossmehrheitlich in der Biogasproduktion verwertet. Jetzt geht neuerdings ein Grossteil in die Charcuterie, aber etwa ein Fünftel wandert immer noch am Teller vorbei. Das sollte man ändern und Heidi, wie gesagt, ist eine Pionierin. Am besten überlasse ich grad ihr das Wort: “Gestärkt von einer Hühnersuppe schreibe ich das Mail an dich in der Hoffnung, die erste zu sein. Sie schmeckte ausgezeichnet, das Fleisch war zart und bei diesem kalten Regenwetter wirkt sie vielleicht auch vorbeugend gegen Erkältung. Es gibt ein bebildertes Rezept bei Brigitte.de. Hier habe ich gelernt, dass ich den Bürzel abschneiden und den Schaum auf der Oberfläche abschöpfen muss. Natürlich habe ich Bio-Knoblauch der Familie Bucher hinein getan”, schreibt mir meine Bündner Blogkollegin. Sie betont im Weiteren einen wichtigen Aspekt: ”Beim Einhalten der Hygienevorschriften war es mir ein bisschen mulmig, denn weil ich etwas spät dran war, konnte ich weder das Geschirr zuvor waschen, noch alle Zutaten und Kochutensilien im voraus richten, so dass ich zwischendurch (mit nicht heiss gewaschenen Händen eine Schublade ziehen musste). Empfehlenswert: Einweghandtücher.”  Hab Dank für die umfassende und reich bebilderte Einführung ins Suppenhühnerwesen, ich hoffe auf Nachahmungseffekt, auch bei mir selber. (Bilder Heidi)
 

Mini-Gastkuhstall(2): …in den kühlen Norden

April 18, 2012

Brüsker Szenenwechsel: Von Ägypten nach Island. Aus diesem fernen Winkel Skandinaviens erreicht mich ein Mail von Agrarjournalisten-Kollege Christian Mühlhausen aus Deutschland, regelmässigen Lesern bereits bekannt als talentierter Agrofotograf und Inhaber der Bildagentur Landpixel. “Wie könnte ich eine Region der Welt bereisen und beim Anblick von Kühen nicht an Dich bzw. Deinen Blog denken?”, schreibt mir Christian. Er schickt mir aber nicht nur Bilder, sondern auch eine veritable Minireportage zur isländischen Landwirtschaft: “Dort gibt es viel Lava, viel Steinwüste, einige Gletscher, wenig Acker und einiges Grünland. Das wird zwar überwiegend von Schafen und Islandpferden beweidet, aber dennoch gibt es einige Milchvieh- und Mutterkuhbetriebe. Reykjavik und Selfoss beherbergen Molkereien und das Land ist stolz, sich weitestgehend selbst mit Molkereiprodukten zu versorgen. Nun hat Island zwar nur gut 300 000 Einwohner, aber ebenso viele Touristen pro Jahr. Auch beim Gemüse ist man autark: Dank der reichlich vorhandenen und billigen Geothermie gedeihen in Gewächshäusern Tomaten und Gurken und andere Genüsse. Sogar Getreideanbau gibt es auf Island, jedoch nur Sommerungen. Das Steak auf dem Teller sieht aus wie Rind, schmeckt ähnlich (fast noch besser) als Rind, ist aber Zwergwal. Ob politisch korrekt oder nicht: gebraten wahnsinnig lecker, die (extrem stark) geräucherte Variante schmeckt mir auch – für viele Mitteleuropäer ist es jedoch gewöhnungsbedürftig. Auch Papageientaucher und Islandpferdfohlen, Lamm und Hai standen neben reichlich Fisch auf meiner Speisekarte, alles sehr zu empfehlen und eine Erfahrung wert.” Mangelnde gastronomische Abenteuerlust könnte man dem Autor also nicht vorwerfen. Ich hoffe, dass noch viele Reisen folgen und danke Dir herzlich, Christian. Zum Abrunden noch ein paar schöne Kulturlandschaftsbilder von der Insel.
Die Isländer haben die an sich wenig attraktiven Siloballen farblich offensichtlich perfekt auf die Gebäude abgestimmt.
Die Vegetationsperiode ist so kurz wie das Graswachstum bescheiden. (Bilder Christian Mühlhausen)
 

Mini-Gastkuhstall(1): Vom heissen Süden…

April 16, 2012

Es ist wieder einmal Zeit für Gastkuhbilder aus der weiten Welt. Eine Miniserie aus zwei Teilen. Zum Auftakt ein magerer blauäugiger Wasserbüffel (mit dem schönen lateinischen Namen Bubalus arnee) aus Ägypten, nicht zu verwechseln mit dem Bison oder dem afrikanischen Büffel. Dazu ein paar interessante Zahlen zur wirtschaftlichen Bedeutung der Büffelmilch. 17 Prozent der weltweit produzierten Milch stammt von Büffelkühen. Die grössten Bestände finden sich in Asien (145 von 150 Millionen Tieren), namentlich in Indien, so berichtet mir Wikipedia. Die Büffelmilch ist deutlich inhaltsreicher als diejenige der Kuh, der Fettgehalt ist etwa doppelt so hoch, der Eiweissgehalt liegt rund 30 Prozent höher, wie man dieser interessanten Tabelle entnehmen kann. (Bild Schwester von einer Freundin von einer Freundin, merci Brigit für die Vermittlung!)

The lawn has to go for our little yardfarm

April 14, 2012

This would probably be a major sacrilege, if we were living in England: Last tuesday, a tiny bulldozer entered our building-coops yard and started removing the lawn, well, just some of it. And for a good purpose. Some young families on the hood have initiated a cityfarming project, and the administration liked it. In an untipically fast decision process – for swiss habits – the whole thing was started. After the lawn had been carried out on a lorry, the workers brought in some humus. Meanwhile compost containers were built up and after the earthmoving process had been finished, the young urban gardeners started making patches and filled the pathes with wood chips. I was following the whole process from my kitchen window and thinking, wow, what a great idea and was not really sure whether I should ask if they need a hand from a seasoned agronomist and allotment gardener (a failed one, though), but didn’t dare to. Well, at that moment, one of the crew came up to my window, knocked on it and asked if I wanted to take part and work one of the patches. Hey sure, I said, make my week. And here I am with a ca 7 square meter vegetable garden. Now there remains some work to be done. Will keep you posted on the progress…

Wie die Biosphäre konventionelle Probleme löst

April 12, 2012

Wieder einmal etwas gelernt: Dieser Tage habe ich für meinen Arbeitgeber einen Artikel zur Eierproduktion verfasst, genauer zur “Verwertung”, um dieses wüste Wort zu brauchen, der Suppenhühner. Für diese gibt es in der Schweiz seit langem ungenügende Nachfrage, weil die KonsumentInnen lieber Pouletbrüstli aus der Schnellmast aus allen Herren Ländern verzehren, anstatt ein Huhn während Stunden gar zu kochen. Im besagten Artikel kam der Direktor der Branchenorganisation Aviforum ausführlich zu Wort. Er bestätigte, dass die Branche eine neue Lösung für den Absatz der Suppenhühner gefunden hat. Statt die knapp 2 Millionen ausgedienten Legehennen wie bisher zu vier Fünfteln in Biogas-Anlagen zu entsorgen, können neu zwei Drittel der Tiere der grössten Eierproduzenten in einem süddeutschen Unternehmen – interessanterweise eine verhältnismässig kleine Bio-Geflügelmetzgerei - geschlachtet, entbeint und anschliessend im Schweizer Markt für Charcuterie verwendet werden. Diese News verbreiteten auch der Sonntags-Blick und der Tages-Anzeiger, um nur diejenigen zu nennen, die mir aufgefallen sind. Nur wenige Tage nach der Publikation des Artikels am Oster-Dienstag habe ich nun eine wichtige Zusatzinformation erhalten: Den Weg für die neue Lösung haben die konventionellen Hühnerhalter nicht etwa selber gefunden, sondern vorgespurt erhalten: Initiantin für den sinnvollen Entsorgungsweg war die im Zürcher Oberland angesiedelte Hosberg AG, die grösste Handelsfirma für Bioeier, wie mir eine Mitarbeiterin berichtet. Das sind erfreuliche Nachrichten: die Biobranche spurt vor und die Konventionellen steigen aufs Trittbrett. Das zeigt auch, dass ökologische Bewirtschaftung und Tierhaltung weit über den eigenen Sektor ausstrahlen. Für mich war es eine Lektion, denn die Recherche war ungenügend. Immerhin kann ich mir zugute halten, dass ich beim Schlachthaus vorbeischauen wollte, dort allerdings wegen hoher Auslastung des Betriebs keinen Besuchstermin erhielt, das soll aber keine Entschuldigung sein. Auch für Hosberg gibts eine Moral in der Geschicht: Mehr reden über das Gute, das man tut. Wer sich übrigens interessiert für das Unternehmen, dem empfehle ich das grosse Fest zum 15-jährigen Bestehen am kommenden 9. Juni. Ideal kombinierbar mit einem schönen Wanderausflug im Zürcher Oberland. (Bild Hosberg AG)

Auf dem Milchmarkt wirds bald ruhigair

April 10, 2012

Meine treue Kuhbild-Lieferantin Monika Schlatter hat mir dieser Tage wieder einmal eine Perle zukommen lassen: “Habe die Aufnahme am vergangenen Freitag in der Nähe des Soppensees (LU) gemacht, fand die Originalaufnahme aber etwas ‘gewöhnlich’. Ich habe deshalb ein bisschen daran ‘herumgebastelt’…”, schreibt sie mir. Danke bestens Monika! Auch für den Steilpass, den Du mir zuspielst, um wieder einmal den Milchmarkt zu thematisieren. Zu diesem Bild gibts wohl keine naheliegendere Metapher als das Schwarz-Weiss-Denken. Aber der Reihe nach: Je länger das Gezänk um die richtige Höhe eines “fairen” Milchpreises andauert, desto mehr erinnert es mich an die Diskussion um die “faire” Lärmverteilung rund um den Flughafen Zürich, die ich rund 10 Jahre lang als Redaktor begleitet und wortreich beschrieben habe. Unterdessen hat mir das Glück eine neue Aufgabe beschert und ein sehr talentierter junge Kollege hat sich des leidigen Themas angenommen. Geändert hat sich an der Lage aber nichts. Die Positionen sind bezogen, man hat sich die Welt eingeteilt in Gut und Böse, eben Schwarz und Weiss; es ist niemand bereit einen Schritt auf den anderen zu zu machen und das Resultat ist am Ende ein Status Quo, mit dem die wichtigsten Player einigermassen leben können, obwohl sie für die Kulisse noch ein wenig Lärm machen. 
Interessant ist vielleicht noch die Rollenverteilung in diesem Vergleich. Der Bund ist in beiden Konflikten der Bund. Im Fluglärmkonflikt ist seine Rolle noch etwas aktiver als bei der Milch, aber die Verhandlungserfolge gegenüber der deutschen Seite sind derart gering, dass er sich wohl ebensogut raushalten könnte. Der Flughafen erinnert mich an die Branchenorganisation Milch (BOM). Er organisiert den Verkehr und kann gut leben mit der Situation, immerhin hat ihm das deutsche Powerplay ermöglicht, neue Flugrouten zu öffnen. Das gilt auch für die Mehrheit der BOM-Mitglieder, der grösste Störefried ist mit den Schweizer Milchproduzenten ausgeschieden und man arrangiert sich ganz flott mit der Situation. Die Rolle der Deutschen im Fluglärmkonflikt gehört im Milchstreit den Molkereien und Milchhändlern. Sie machen Druck auf den Preis und schaden damit ihren Eigentümern, den Bauern. Beim Lärmkonflikt ist es der deutsche Staat, der mit seiner Korsettpolitik die eigene Fluggesellschaft, die Lufthansa, in die Enge treibt. Die Milchproduzenten und ihre Organisationen schliesslich, sind mit den Anwohnern rund um den Flughafen und ihren Bürgerinitiativen zu vergleichen. Sie lamentieren zwar noch, aber mit abnehmender Intensität. Die Zeit der grossen Aufmärsche ist allmählich vorbei und man findet sich mit den Zuständen ab, ohne dass man dies offen zugestehen würde. So, genug der Vergleiche. Zum Schluss lasse ich noch einmal Monikas Bild sprechen. Ich habe ein bisschen darum herumgebastelt, nicht etwa weil es zu gewöhnlich gewesen wäre, sondern weil es sich einfach grad so anbot. Finde den Unterschied… (Bild Monika Schlatter)
  

Oh Mali…

April 7, 2012

Keine Angst, bald kommt hier auch wieder einheimisches Schaffen zum Tragen. Aber jetzt ist noch einmal Afrika an die Reihe. Genauer Mali. Die Nachrichten aus dem westafrikanischen Land überschlagen sich dieser Tage. Putsch kurz vor der Präsidentschaftswahl, Eroberung von Städten im Norden durch Tuareg und islamistische Zellen, Machtübergabe der Putschisten an eine zivile Regierung, Unabhängigkeitserklärung der Eroberer im Norden. Die Details finden sich hier und hier.
Mir gehen diese Nachrichten recht nahe. Mali hat es mir angetan, als ich vor gut 5 Jahren dort als totaler Naseweiss ein knapp zweimonatiges Praktikum bei der Privatradiostation Kledu absolvierte (hier mein Web-Tagebuch). Es war eine enorm eindrückliche Zeit. Um soviel zu erleben brauche ich zu Hause normalerweise mehrere Jahre. Ich lernte beruflich und menschlich viel. Das Leben in Mali ist für die Leute dort kein Schleck, das Klima ist hammerhart (aktuell droht in der ganzen Sahelzone wegen fehlener Niederschläge eine Hungersnot) und die wirtschaftlichen Umstände für die grosse Mehrheit schwierig bis miserabel. Die jüngste Entwicklung wird daran gar nichts ändern, im Gegenteil, die politische Unruhe wird den Alltag weiter erschweren, die wenigen Investoren irritieren und potenzielle Geldgeber fernhalten. Manchmal fragt man sich schon, wie ein Land und seine Bewohner soviel Pech haben können. Aber die Leute die ich dort getroffen habe, waren nicht nur grossmehrheitlich sehr nett und hilfsbereit, sondern machten auch einen zähen Eindruck. Ich bin optimistisch, dass sie auch diesem Sturm irgendwie trotzen werden. Stürme gab es schon viele auf dem Gebiet des heutigen Mali, ein paar davon finden sich im interessanten Roman “Segu” von Maryse Condé, der leider, so wies aussieht nur noch antiquarisch erhältlich ist.
Aus aktuellem Anlass habe ich noch einmal ein bisschen in den alten Fotos rumgestöbert, natürlich mit Suchkriterium Landwirtschaft. Das Bild oben zeigt einen Melker am Stadtrand der Hauptstadt Bamako. Zum Thema Milchwirtschaft möchte ich auf das Projekt Pro Milch Mali verweisen. Ein Schweizer Agronom und ein malinesischer Kollege produzieren Pastmilch, eine gute Sache und ein Beispiel dafür, dass es in aller Stagnation auch immer Bewegung gibt.
Typische Strassenszene in Bamako, der Kuhfreund kommt hier gut auf die Rechnung.
Die Kinder werden früh in den Arbeitsprozess integriert, diese jungen Fruchtkäuferinnen boten die Ware gemeinsam mit der Mutter an, was wohl aus ihnen geworden ist?
Ein Händler auf dem Viehmarkt in Kati, etwa 30 entfernt von der Hauptstadt. Mali ist ein hartes Pflaster für den Tierfreund und vor allem für das Vieh selber. Man geht hier unzimperlich um mit der Kreatur.
Seis bei der Haltung…
…seis beim Transport von Lebware…
…seis bei der Schlachtung (hier Poulets in Bamako)…
…oder seis bei der Präsentation im Geschäft.
Ein ländliches Ehepaar auf der Niger-Fähre in Ségou.
Fischerin in Mopti.
Ein Bub in Timbuktu vor einem der typischen Privat-Backöfen.

…und ja, davon wird es viel brauchen für die Malinais(es). Je vous souhaite bonne chance sur le chemin d’or!


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