Archiv für die Kategorie ‘AgriKulturelles’

Neuer Trend: Internet-Viehschauen

Mai 11, 2013

Kuhwahl BiosuisseHeute eine kleine (unbezahlte) Werbepause. Anlass sind zwei Internet-Viehschauen. Ob das schon ein neuer Trend ist? Demokratischer wärs auf jeden Fall, ob fachfrau/männischer, das ist eine andere Frage. Trotzdem, dies nur als kleiner Einschub vor der Reklame, ich staune schon immer wieder, dass an den grossen Schauen ein einziger Richter das Wetter macht. Wenn der bloss nicht zu stark bearbeitet wird in den Hinterzimmern…

Item, in diesen Fällen hier ist nicht züchterisches Fachwissen, sondern Glück gefordert. Gefragt sind bei den ausgestellten Kühen nicht primär Tiefe im Pansenbereich, gut aufgehängte Euter und ein sauberes Fundament sondern Ausdauer im einen Fall und Aussehen im weitesten Sinn im zweiten Fall.

Biosuisse veranstaltet einen Kuh-Marathon (zu finden bis heute hier, ab Montag hier). Tierschützer gemach, das Vieh wird nicht etwa durch abgesperrte Strassenschluchten getrieben. Die 10 Kühe auf ebensovielen Höfen dürfen zuhausebleiben und werden mit GPS-Sendern ausgestattet. Wer als erste die Marathondistanz von gut 42 Kilometer absolviert hat, ist die Siegerin. Ziel des Anlasses ist aufzuzeigen, dass Bio-Kühe viel draussen unterwegs sind.

Denner wiederum wurde kürzlich von einer Kollegin bei der “Bauern-Zeitung” dabei erwischt, eine österreichische Kuh auf seiner Milchpackung abgedruckt zu haben, eine schöne Pinzgauerin. Nun sucht man in Zusammenarbeit mit der Zeitung ein neues Aushängeschild für die Verpackung. Bemerkenswerterweise ohne Horn. Da tut sich also auch was.

Während der Richter an der Viehschau neben seinem Salär hoffentlich nichts gewinnen kann (ausser Reputation natürlich), winkt den Teilnehmern an den Kuhwettbewerben zwar leider keine Kuh als Preis, aber immerhin Bioferien im einen Fall und ein elektronisches Spielzeug im anderen Fall. Ich wünsche viel Erfolg, sollten Sie Ihr Glück testen wollen.

PS. Natürlich darf man mir zum Dank für diese Reklame jederzeit eine Kuh zustellen, würd’s dann nicht an die grosse Treichel hängen.

Kuhwahl Denner

Farmart: Gerster über Weizenfeldern, revisited

März 19, 2013

Erntemuster in der Pampa, Argentinien, 1967, Copyright Georg GersterMan kennt sie hinlänglich, die Luftbilder von Georg Gerster, vom Wartezimmer beim Zahnarzt, von der Swissair-Werbung und aus Heerscharen von Kalendern. Aber sie sind zeitlos gut, und zeigen die Bauern als unfreiwillige Farmartists. Oben ein Beispiel aus Argentinien, unten ein versalzenes Weizenfeld in Australien. Die Bilder kann man wiederentdecken in einer grossen Ausstellung in der Winterthurer Fotostiftung. “Unter dem Titel ‘Wovon wir leben. Flugbilder von Georg Gerster’ geht es dabei um das Thema Welternährung, ein Schwerpunkt in seinem Schaffen”, heisst es in der Medienmitteilung. Neben einigen Ikonen präsentiere die Schau auch viele unbekannte Werke des Winterthurers. Ich habe mir fest vorgenommen, das Reisli zu machen, ist sowieso immer eines wert, Winterthur. Die Zeiten als das Beste dort der Schnellzug nach Zürich war, wie böse (Zürcher) Zungen lästerten, sind definitiv vorbei.Versalztes Weizenfeld bei Katanning, Westaustralien, 1989

Ein Bärlauch macht noch nicht ganz den Frühling

März 10, 2013

BärlauchMeine verdiente Gastkuhfotografin Monika Schlatter kann auch anders. Dieser Tage hat sie mir dieses Bild vom ersten Bärlauch im Schlieremer Wald zugeschickt. Herzlichen Dank! “Obwohl auf den Wegen noch Schnee liegt – so ist der Frühling doch in Reichweite!” schreibt sie mir dazu. Das ist so, allerdings werden wir zuvor nochmal einen kleinen Kälteeinbruch überstehen müssen. Grosso modo aber kommt er unaufhaltsam. Deshalb hier mal zur Abwechslung ein kleines Rezept, für Bärlauchpesto: Blätter sammeln, aber nur solche, die so penetrant riechen, wie der Bärlauch halt muss, sonst droht Vergiftungsgefahr. Die Blätter waschen, fein hacken, am Besten mit einer Gnippe, Olivenöl drüber und für einen etwas nordeuropäischen Touch Kürbis- statt Pinienkerne und Sbrinz statt Parmesan dranraffeln. Sowieso sollte man mehr Sbrinz brauchen, ist ein Superkäse.
Falls Sie etwas spät dran sind und beim Bärlauch die Blütenstiele rausstossen, kein Problem, im Gegenteil, bevor sie aufgehen kann man diese brauchen wie Kapernäpfel, zum Beispiel in einer rassigen Oster-Vinaigrette mit einem gehackten gekochten Ei und vielen Kräutern. Guten Frühlingsanfang allerseits!  (Bild Monika Schlatter)

 

Eine Lanze für das Pferd(-ebuch)

Februar 14, 2013

Rossbuch in GesellschaftDas Pferd muss dieser Tage schwer unten durch. Sein Fleisch, etwas vom Feinsten aus meiner karnivoren Sicht, wird als Verschmutzung europaweit ins Reagensglas von Laboruntersuchungen genommen und bei Vorhandensein abqualifiziert, als wäre es mindestens Arsen. Dabei ist das Problem ein anderes: Skrupellose Fleischmafiosi deklarieren falsch und geldgierige Detailhändler (leider aus der Schweiz ausgerechnet derjenige mit dem grünsten Mäntelchen) drücken die Preise und sich selber um die Rückverfolgung der Spuren ihres Billigfleisches. Diese Falschkocher gehören bestraft. Zu befürchten ist, dass am Schluss irgendwo in den Karpaten ein Schlachtbetrieb geschlossen wird und dann der Mantel des Schweigens über die vernichteten Lasagneberge gelegt wird. Bis zum nächsten Fleischskandal.
Item, in diesen schwierigen Zeiten für das Ross per se will ich einen kleinen Gegenakzent setzen und einen Pferderoman über den grünen Klee loben. “Half Broke Horses” (Auf Deutsch: ”Ein ungezähmtes Leben“) ist das ideale Buch für den Alltag: eine gute Geschichte mit kurzen Kapiteln über eine toughe Frau, ihre Pferde und die Art, wie sie diese zureitet. Daneben viel Drama, das ohne jeden Firlefanz an die Leserschaft gebracht wird. Literaturkritiker werden monieren, ihnen seien die Figuren in diesem Western zuwenig komplex konstruiert. Genau diese spröde Art, mit der Jeannette Walls in Ich-Form das Leben ihrer Protagonistin Lily Casey Smith (die Grossmutter der Autorin) und das von deren Entourage beschreibt, gefällt mir. Hier wird kein Wort zuviel verloren und der Rhythmus der Sätze ist bestechend. Mit fast jedem Abschnitt aus “Half Broke Horses” könnte man einen Country-Song machen, wenn man es könnte. Zum Schluss der Anfangssatz, einer der besten, den ich je gelesen habe für einen Kuhfreund wie mich: “Those old cows knew trouble was coming before we did.”   

Kleine Reminiszenz an die Jekami-Zucht

Januar 18, 2013

20130118-134953.jpg

Dieser Tage ist mir ein schönes Kuhbild in den virtuellen Briefkasten geflattert, also eigentlich ein Bild von einem Kuhbild (merci Lukas!). Die Jubiläumsplakette zum 110-jährigen des Viehzuchtvereins Herrliberg verkörpert für mich eine schwer vom Aussterben bedrohte Kultur: Die Jeder-kann-mitmachen (Jekami)-Viehzucht.
Ich habe schöne Bilder im Kopf von den Viehschauen im Emmental. Nach nächtelangem Kuhputzen und -rasieren folgte am Morgen der von wildem Glockengeläut angefeuerte Sternmasch aller übermütigen Gemeinde-Kühe auf den Parkplatz vor dem “Rössli”. Meist musste man trotz improvisierten Zäunen noch 1, 2 ausgebüchsten Chuelis im Wald nachjagen. Dann folgte die endlose Jurierung von Experten in weissen Mänteln, ein schweres Mittagessen und gegen die Melkzeit band man die unterdessen lautstark muhenden Kühe wieder los. Diese hetzten dann stampedipede dem Stall zu, während wir mit leichter Schlagseite versuchten, die Pace mitzuhalten.
Nicht, dass es die klassischen Viehschauen nicht mehr gäbe, aber deren Zahl und diejenige der aufgeführten Kühe hat stark abgenommen. Die Viezucht wird zunehmend zu einem Geschäft für Spezialisten, die an amerikanisch inspirierten glamourösen Galashows ihre vierbeinigen Juwelen vorführen. Der Durchschnittsmilchbauer konzentriert sich derweil auf Gebrauchskreuzungen und es fehlt ihm oft die Zeit, ganze Tage auf dem Viehschauplatz zu verbringen.
Das kann man bedauern, aber letztlich ist diese Entwicklung symptomatisch für die generelle in der Landwirtschaft und deren ökonomische Zwänge. Was bleibt ist die Viehschau als Folkloreveranstaltung für Städter und es sind die Plaketten, wie diejenige aus Herrliberg. Wenn ich Euch wäre, liebe Antiquitätenhändler, würde ich langsam anfangen, diese zu horten. (Bild Lukas Egli)

Das gewichtige kulinarische Erbe der Alpen

Januar 5, 2013

Staunende KuhDas kulinarische Erbe der Alpen” ist ein gewichtiges Werk und hat meine zugegebenermassen limitierte Küchenwaage überfordert, da sie nur bis zwei Kilo anzeigt. Schätzungsweise 2,1 Kilo bringt der Band von Dominik Flammer und Fotograf Sylvan Müller auf die Waage. Und er ist jedes Gramm wert. Flammer ist mir schon vor ein paar Jahren mit seinem Standartwerk “Schweizer Käse” aufgefallen, später sah ich ihn an einem Kurzseminar an der Zürcher Slow-Food-Messe. Schon bei seinen damaligen Ausführungen über Sauerkäse habe ich gedacht, dass sich da einer recht fundiert mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Jetzt doppelt Flammer nach, unterstützt von den starken aktuellen Bildern von Sylvan Müller und den eindrücklichen historischen Helgen, welche die Historikerin Monica Rottmeyer ausgegraben hat.
Das kulinarische ErbeMan weiss gar nicht recht, wo anfangen. Am Besten beim Vorwort: “Geschmack überwindet jede Grenze und bleibt in der Erinnerung wie ein erster Kuss”, heisst es da. Ich mag mich ehrlich gesagt nicht mehr an meinen ersten Kuss erinnern, aber an Geschmäcker sehr wohl. Zum Beispiel an die legendären Trüffel-Nudeln beim Künstler Hofkunst, oder an Pas Bouillabaise, oder an Grossvatis unersetzlicher aber leider für immer aufgegessener Honig, oder an das absolut unvergessliche Carne Cruda beim grössten Fleischkoch aller Zeiten, der zum Glück auch noch ein guter Freund ist. Oder kürzlich, ich weiss es ist umwelttechnisch nicht so gut, aber es war nicht viel, an den rohen Lachs und Schwertfisch beim Helen, mit ein bisschen Reis, himmlisch. 
Aber ich will nicht abschweifen, nur den Autoren recht geben, wenn sie weiter schreiben: ”Von allen Sinnen gräbt sich unser Geschmack am hartnäckigsten in unser Erinnerungsvermögen ein. So tief, dass keine noch so raffinierte Geschmacksmanipulation ihn nachhaltig gefährden kann. Sofern wir bereit und in der Lage sind, uns auf diese Urgeschmäcker unseres kulinarischen Erbes überhaupt einzulassen.” Dann geht es los, quer durch den Alpenbogen, von Beaufort d’Alpage im Westen bis zu dem alten Bohnensorten in den tschechischen Karpaten lassen die beiden nichts aus, das eine kulinarische Reise ins Gebirge lohnen würde.
Jürgen und Murnau-Werdenfelser-RindIch hatte leider bisher noch wenig Zeit, ins Detail zu gehen mit Lesen, dafür sollte man am besten eine Woche Ferien machen, wenn nicht zwei, kombiniert mit einer Spurensuche entlang des kulinarischen Erbes. Zu den Höhepunkten, von dem was ich bisher gesehen habe gehören die Doppelseiten, links das Produkt, rechts der Hersteller, oft auch mit dem Tierli bei sich, dass dann eines Tages zerlegt auf der linken Seite landet. Das gehört eben auch dazu, das Abschied nehmen und Metzgen, auch bei Ruben Lazzoni aus dem Aostatal, der das Titelbild ziert und dessen gemsfarbige Ziege nach dem Schlachten und Trocknen unter anderem eine Keule ergibt, die so aussieht, wie sie unvergessliche Geschmackserlebnisse hinterlassen könnte. Oder bei Jürgen Lochbihler aus dem oberbayrischen Warngau und seinem Murnau-Werdenfelser-Rind (gar nicht gewusst, dass es diese Rasse gibt, merci).
Viel mehr sage ich jetzt nicht mehr zu diesem Buch, mich dünkt fast, es sei zu gewichtig, um es da in paar Zeilen zu beschreiben. Man muss es irgendwie in den Fingern halten und schauen. Ernährungstypen, wie ich einer bin, kann ich es vorbehaltlos empfehlen. Der lieben Schenkerin sei hier noch einmal von Herzen gedankt.
Tina Hauser aus Näfels und ihre Gewürze  

Zum Rutsch die Agro-Kalender meines Vertrauens

Dezember 25, 2012

Ganz-Kuh-KalenderGerade weil heute jede Frau ihren Kalender digital im Täschli und jeder Mann den seinigen in der Hosentasche mit sich herumträgt, sollte man die schöne Tradition des Wandkalenders trotzdem nicht als hinfällig betrachten. Zumal für diese monatlich wechselnden Bilderreigen nach wie vor viel Sorgfalt und Zeit aufgewendet wird, ist eine Honorierung dieses Schaffens mehr als angesagt. Gesagt getan: Ich empfehle Ihnen auf den Jahreswechesl hin zwei Kalender meines Vertrauens.
Da wäre einmal “Ganz Kuh 2013″. Der Kalender aus dem Fona-Verlag, den man hier bestellen kann, fokussiert ganz auf die behornte Kuh. Er ist nicht nur geeignet für den Landwirt mit Hornkuh, sondern auch für denjenigen mit hornlosem Bestand zum Bekämpfen von allfälligem Phantomschmerz im Hornbereich. Ebenso schön macht sich der Jahresbegleiter im urbanen Haushalt, der vom abwechslungsreichen Landleben im Alltag nur wenig mitkriegt.
Das gilt auch für meine zweite Empfehlung: Faszination Landwirtschaft. Ein schönes Kaleidoskop aus dem Hause LID, das man hier bestellen kann. In diesem Klassiker finden der und die etwas weniger Kuh-fokussierte auch Bilder von Pferden, Geissen (siehe unten) und prächtigen Landschaften.
Beide Kalender sind übrigens auch Teil des Gabentempels im Kuhbild-Wettbewerb. Die Einsendefrist ist abgelaufen, die Jury tagt voraussichtlich noch vor Ende Jahr. Bleiben Sie auf diesem Kanal dran. Ich wünsche weiterhin frohe Festtage!
LID-Kalender   

Eldorado fotografico espanol para Agroblogger

Juni 27, 2012

Meine in Spanien lebende Kollegin Brigitte Kramer hat mir soeben den Schlüssel zu einer Schatzkammer geschickt. Heute kommen diese in Form eines Links. Das Spanische Institut für Agrarforschung hat vor Kurzem 21 000 Fotos aus mehr als 100 Jahren Land-, Forst und Meliorationswirtschaft online gestellt. Da weiss einer wie ich gar nicht mehr wo schauen. Hier eine kleine Auswahl. Das Bild oben zeigt eine Bodenbearbeitungsszene. Der Chef – so sieht er jedenfalls aus – überwacht, den rustikalen Akt höchstpersönlich. Das Bild steht stellvertretend für viele andere. Spanien ist ein steiniges Pflaster und es ist nicht einfach, dem Terrain landwirtschaftliche Nutzfläche abzugewinnen. Natürlich gibt es auch jede Menge schöne Tierbilder. Vom bulligen Stier bei der Kampfvorbereitung in freier Natur bis zur Eichelmast von Pata-Negra-Schweinen, aus denen dieser absurd gute Schinken stammt.
Wichtiger Bestandteil des Archivs sind auch Bilder zur flächendeckenden Aufforstung (siehe unterstes Bild). Dazu schreibt mir Brigitte: “Erstaunlich ist, wie kahl das Land früher war. Darin kann man die Veränderung der Landschaft erkennen, besonders der agrarischen Nutzflächen. Abholzung war im 19. Jahrhundert für Großgrundbesitzer, Minenbauer und Viehzüchter ein Weg zu Wohlstand. Francos Wiederaufforstungsplan ab den 1940er Jahren - als Arbeits-Beschaffungsmaßnahme für die Landbevölkerung – wird bis heute in Folgeprogrammen weiter geführt. Das Resultat ist toll, Spanien ist heute nach Schweden und Finnland das meistbewaldete Land Europas, mit 54% der Gesamtfläche Wald.” Immer schön, wenn ein Diktator neben allem Schaden wenigstens eine positive Spur hinterlässt. Herzlichen Dank für die bebilderte Geschichtslektion, Brigitte!

Bosnische Nachkriegs-Lektion für Liberalisierer

Juni 22, 2012

Für eine Reportage bin ich dieser Tage mit dem Bus nach Bosnien gereist. Das war aus landwirtschaftlicher Sicht nur mässig ergiebig, da die Reise von Zürich nach Sarajevo führte und die Halte dazwischen mehrheitlich aus Raststätten bestanden. Trotzdem gab es Interessantes zu sehen, wenn auch nur durch ziemlich beschlagene Scheiben, deshalb ist auch die Bildqualität nicht gerade bestechend.
Am spannendsten war der Kontrast zwischen der Republika srpska, dem von Serben dominierten Teil Bosniens mit der Haupstadt Banja Luka und dem von Muslimen und Kroaten bewohnten Gebiet der Föderation mit Sarajevo als Hauptort. Das Gebiet der Republika Srpska war einst mehrheitlich von Kroaten bewohnt. Diese wurden im Krieg, der vor 20 Jahren begonnen hat, praktisch zu 100 Prozent vetrieben und kehrten auch nicht mehr zurück. Ihre Häuser wurden nur zum Teil von Serben übernommen, da sie mehrheitlich zerschossen oder ausgebrannt waren und bis heute als bedrohlich wirkende Mahnmale für einen unsinnigen Krieg in der Landschaft stehen. Diese letztere ist ebenfalls gezeichnet vom Krieg. Da Landwirtschaft nur mässig profitabel ist und die Bauern verschwunden sind, hat sich niemand mehr um die Bewirtschaftung von riesigen Flächen gekümmert. 20 Jahre später zeigt sich, was passiert, wenn die Natur übernimmt. Ein gigantisches Experiment in Sachen Vergandung. Bis nahe an die bewohnten Siedlungen muss der Mensch kämpfen, das Gewucher unter Kontrolle zu halten. Es fängt immer gleich an, Verunkrautung, dann Verbuschung und zum Schluss Verwaldung. Obwohl ich ein grosser Freund des Grüns bin, war das in meinen Augen kein schöner Anblick. Es ist als ob die vernachlässigte Landschaft ihre Seele verloren hätte.
Das ganze ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie sich die Kulturlandschaft verändert, wenn die Bauern einmal weg sind. Zu ihren Aufgaben gehört es ja gemäss nationalem Verfassungsartikel, die Landschaft zu pflegen (“Der Bund sorgt dafür, dass die Landwirtschaft durch eine nachhaltige und auf den Markt ausgerichtete Produktion einen wesentlichen Beitrag leistet (…) zur Pflege der Kulturlandschaft (und) zur dezentralen Besiedelung des Landes.”
Die grossen Liberalisierer, etwa von Economiesuisse, welche die staatliche Unterstützung für die Landwirtschaft immer wieder gern und wortreich ins Pfefferland wünschen, wohnen ja bevorzugt im Grünen – sei es im Erst- oder Zweitwohnsitz. Ich bin überzeugt, dass sie als erste lamentieren würden, wenn plötzlich die Verbuschung an den Rändern ihrer geräumigen Gärten nagen würden, oder der erste Jungwald ihre Aussicht zu trüben begänne.
Wie wichtig die Präsenz von motivierten Bewirtschaftern ist, zeigte sich in Bosnien kurz nach dem nicht markierten Grenzübetrtitt von der Republika in die Föderation (siehe zwei Bilder unten). Dort sind die Vertriebenen wieder zurück gekehrt, man sieht kaum noch Ruinen, die Flächen sind bis heran ans Flussufer gepflegt und das Ganze zeugt von Aufbruch und Optimismus. Für Wald übrigens und anderes unkontrolliert wachsendes Grün, bleibt trotzdem noch mehr als genug Platz.
  

Hofreportage: Agrarchitekturikone im Ländle

Juni 6, 2012

Wenn ein Kind einen Bauernhof zeichnet, dann hat er immer ein Gibeldach. Ehrlich gesagt käme bei mir wohl auch nicht viel anderes raus, sollte ich heute noch aufgefordert werden, eine Farm zu malen, was allerdings selten vorkommt. Dank dem Blog lehrt man immer wieder Leute kennen, die einem den Horizont erweitern. Heute kam ich via Twitter in Kontakt mit dem österreichischen Landwirt Simon Vetter. Er wohnt auf dem gleichnamigen Hof im grenznahen Österreich, in Lustenau und bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Familie im Ländle – wie die Vorarlberger ihre Heimat nennen – einen ganz besonderen Hof. Dieser sieht eher aus, wie eine moderne Wohnüberbauung aus Holz. Das Pionierprojekt wurde schon 1996 vom renommierten Architekten und Professor Magister Roland Gnaiger entworfen und realisiert. Das gut gealterte Gebäude dient der Familie als Hort für den biologischen Acker- und Gemüsebau, sowie die Haltung von Rindvieh, Schweinen und Hühnern. Die Produkte werden via Hofladen und Gemüsekisten vertrieben. Zur Illustration nun noch ein paar Bilder, diese sind ein Raub aus dem Netz, genauer von Picasa. Gemacht hat sie einE gewisseR Caue 71. Ich bedanke mich herzlich! Sollte sie oder er diesen Beitrag lesen, bitte melden, es gibt dann Realien zwecks Bedienung des Copyrights, zum Beispiel ein Käse aus dem Ländle. Herzlichen Dank auch Simon für die Einladung, früher oder später wird sich Zeit finden für eine agrarchitektonische Exkursion. (Bilder Caue 71)
Der Wohnteil.
Ein hübsches Detail.
Ein Teil des Wirtschaftsteils.
Einladende Einfahrt.
Und der erholsam ausschauende Innenhof. Auf diesem Betrieb scheint man der Arbeits-Lebensbalance einiges Gewicht zu geben, das dünkt mich nachahmenswert.


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 50 Followern an