Könnte man immer noch bringen, diese Geschichte. Weiss gar nicht, wann ich das letzte mal einen Bauer beim Heumähen mit Motormäher im Flachland gesehen habe. A propos Bild: Keine 10 Jahre ist es her, dass das Farbbild in der NZZ ausser in den Beilagen komplett Tabu war. Unterdessen ist schwarz-weiss eine rare Ausnahme.
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AgReminiszeNZZen aus 13 Jahren (3): Heuen
Juni 16, 2013Leicht verschämtes Hoch auf Hors-Sol
Mai 18, 2013
Es war böse, als wir junge Agronomiestudenten waren. Von Hors-Sol wollten wir gar nichts wissen. Die bodenlose Anbaumethode mit Pflanzen im Substrat war der Inbegriff der Industrialisierung des Gemüsebaus.
Ich bin älter geworden und will hier 25 Jahre später ein leicht verschämtes Plädoyer für die Kulturtechnik placieren. Natürlich ist die im Hüsli im idyllischen Pflanzblätz unbegrenzt wurzelnde rare Tomate immer noch ein Ideal, aber zu fest idealisieren sollten wir es nicht.
Für die Tomate ist das Schweizer Klima, besonders in Jahren wie heuer, eine Grenzlage. Ohne Gewächshaus ist ein Tomatenproduzent heute chancenlos gegen die ausländische Konkurrenz. Und unter Dach macht ein Anbau im Substrat durchaus Sinn. Das ist mein bescheidenes subjektives Fazit einer Exkursion der Schweizer Agrarjournalisten ins Seeland, an der ich heute teilnahm.
Auf dem Betrieb von Thomas Hurni und Adrian Tschachtli in Kerzers erhält man einen guten Einblick in die Gemüse- und Beerenproduktion, neuester Stand. Von Gartenromantik ist da wenig mehr geblieben. Wer im Rennen um Grossverteiler-Regalplatz mithalten will, muss die Produktion mindestens ein Stück weit industrialisieren. Dabei machen geschlossene Kreisläufe wie Hors-Sol Sinn. Die Nährstoffapplikation kann genau dosiert werden, überschüssige Flüssigkeit wird aufgefangen und gelangt zurück in die Verteilzentrale. Das Substrat besteht aus Kokosfasern und das einzige was nicht rezykliert werden kann ist die Plastichülle der Substratballen und die synthetische Schnur, die verwendet wird, um die Tomaten hochzubinden im Gewächshaus, wie Hurni erläuterte.
Der Anbau im Boden soll hier nicht schlechtgeredet werden, aber auch dieser sieht nicht aus wie Grosis Gärtli, und die Nährstoffproblematik ist weniger kontrollierbar, mit entsprechenden potenziellen Auswirkungen auf das Grundwasser. Hurni und Tschachtli bauen übrigens auch Beeren im Hors-Sol-Verfahren an, mit denselben Vorteilen. Oben ein Himbeerenbestand, unten Erdbeeren in Hochlage mit ergonomisch idealer Position für die PflückerInnen.

Hyperaktivität im Traktorenmuseum
April 18, 2013Noch nie habe ich in meinem Leben an einem einzigen Tag so viele Traktoren gesehen, wie heute in Serbien. Sie waren omnipräsent im Strassen- und Landschaftsbild. Es wurde an diesem sommerlich warmen Frühlingstag gepflügt, geeggt, gesät (Mais), gedüngt und gespritzt, was das Zeug, beziehungsweise die Traktorachse hielt. Die durchschnittliche Mototisierung liegt weit unter 50 PS und manch eine Komposition neigte sich ob dem angehängten Gewicht bedrohlich nach hinten Richtung Pony-auf-den-Hinterbeinen-Position.
Die mit Abstand am weitesten verbreiteten Marke ist IMT (siehe z.B. das Modell oben und unten), die Abkürzung für Industrija Mašina i Traktora Beograd, welche seit 1955 auch Massey-Ferguson-Lizenz-Traktoren produziert. Daneben verkehren allerlei Ein-und Mehrachser, die jedem Freund alter Landmaschinen das Wasser in die Augen treiben würde.
Die Erneuerungsrate ist vermutlich eher bescheiden, der serbische Kleinbauer schweisst lieber 15 mal, als einen neuen Schlepper anzuschaffen. Das hat natürlich primär ökonomische Gründe, die Traktorflotte im Land zeigt aber auch, wie langlebig Traktoren bei guter Pflege sind. Nicht nur deshalb kann ich jedem Schweizer Bauern eine Reise hierhin nur warm empfehlen.
Landgrabbing & GMO: Unheimliches Powercouple
März 28, 2013
Manchmal fragt man sich ja als Blogger im warmen Büro, ob die Positionen, die man so vertritt, zum Beispiel die kritische gegenüber GVO in der Landwirtschaft und dem Phänomen Landgrabbing, effektiv mit der realen Situation übereinstimmen. Der Film “Dritte Welt im Ausverkauf (Planete à vendre)” hat mich nur aus diesem Grund beruhigt, bestätigte er doch fast die ganze Palette von Argumenten, die ich hier schon mehrmals ausgebreitet habe. Im übrigen bietet dieser sehenswerte 90-minütigen Dokumentarstreifen, den man zumindest bis heute unter diesem Link anschauen konnte, vor allem Gründe zur Beunruhigung.
Die Protagonisten im erwähnten Film sind je ein Landgrabber aus Indien und Frankreich. Sie stehen symptomatisch für eine ganze Branche, die sich in diesem Business etabliert hat. In den letzten zehn Jahren sind in Entwicklungsländern 80 Millionen Hektaren Land verpachtet oder verkauft worden, das entspricht der landwirtschaftlichen Nutzfläche von Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und Italien zusammen. Die Pachtverträge sind oft 50-jährig oder länger.”Dritte Welt im Ausverkauf” zeigt, wie es in diesem Geschäft zugeht. Agrounternehmer wie der Inder Ram Karuturi oder Investoren mit viel Kapital im Rücken, wie der Franzose Olivier Combastet (siehe Bild oben) kaufen und pachten Flächen. Dazu gilt es zunächst die Behörden und Besitzer zu überzeugen. Ein schönes Beispiel dafür ist hier zu sehen, wo Karuturi in seinem Privatflugzeug einen eingeschüchtert wirkenden äthiopischen Provinzpolitiker einseift. Ein Blick in diesen Ausschnitt genügt, um zu wissen: Korruption ist hier Tür und Tor geöffnet.Leidtragende ist die Lokalbevölkerung, die nicht nur ihr Land verliert, sondern beispielsweise auch die Fusswege. Neue Jobs gibt es nur sehr beschränkt, denn die Bewirtschaftung ist stark rationalisiert und die Unternehmer sichern sich ab gegen sämtliche Risiken, so lässt etwa Combastet mit seiner Sparte Campos Orientales in Uruguay die Feldarbeit von Subunternehmern erledigen, aus finanziellen Gründen, wie er freimütig zugibt.
Die Bewirtschaftung erfolgt sowohl beim Rosenkönig Karuturi wie auch bei Combastet praktisch durchwegs in Monokulturen, letzterer setzt in Uruguay und Argentinien flächendeckend auf GVO-Soja und arbeitet hier, was wenig überrascht, eng mit Monsanto zusammen. Er testet in Zusammenarbeit mit der Herstellerin verschiedene Roundup-ready-Sorten und setzt dann flächendeckend auf diesen Kultivar. Hier hat sich eine unheilige ländliche Zweckehe, ein unheimliches Powercouple gebildet. Die Landbesitzer, häufig ahnungslos was Landwirtschaft betrifft, überlassen die agronomische Seite des Business mehr oder weniger einem Multi. Monsanto und verwandte Firmen übernehmen diese Rolle als polygamistische Braut noch so gerne, kombiniert mit einer vertikalen Integration von Saat bis Abfüllung auf das Schiff in den Häfen an der Atlantikküste, wo dann die Trauzeugen von Glencore und andere Rohstoffhändler die Ware übernehmen.
Insgesamt kein gefreutes Amalgam. Der Widerstand ist schwach organisiert und lastet meist auf den Schultern von Einzelmasken oder kleinen NGOs, wie der Film auch zeigt.
Zum Schluss noch ein bereits einmal verlinktes Video, das zeigt, dass auch Schweizer Firmen kräftig mitmischen in diesem höchst problematischen Business. Wenn wir nach dem Bankenstress heute von möglichen Problemen im Rohstoffhandel reden, prognostiziere ich schon mal das nächste Klumpenrisiko für unser Land: Landgrabbing. (Videostill aus “Dritte Welt im Ausverkauf)
Wenig Grund zum Feiern nach Elefanten-Adoption
Juli 30, 2012
Vergangene Woche haben die australischen Regulierunsbehörden die zweitletzte Hürde für eine Elefanten-Adoption aus dem Weg geräumt. Das nun noch notwendige Plazet durch die chinesischen Behörden dürfte nur noch eine Formalität sein. Danach wird Glencore gemeinsam mit zwei kanadischen Partnern den Getreidehändler Viterra übernehmen können. Viterra ist im Handel und der Lagerung von Getreide, die rund zwei Drittel des Umsatzes von gut 8,3 Milliarden USD im vergangenen Jahr ausmachten, aber auch im Verkauf von landwirtschaftlichen Produktionsfaktoren wie Dünger und der Lebensmittelverarbeitung engagiert, also sehr vertikal entlang der ganzen Wertschöpfungskette.
Das verstärkte Engagement von Glencore (Umsatz 2011: 186 Milliarden USD) in der Landwirtschaft ist eine der strategischen Stossrichtungen von Konzernchef Glasenberg. In einer Medienmitteilung rühmt der Rohstoffhändler mit Sitz in Baar bei Zug voller Euphorie die positiven Perspektiven, die sich durch die Übernahme für die Bauern auf tun werden. Ich bin da weniger optimistisch. Grundsätzlich beobachte ich die Aktivität der Rohstoffhändler mit Argwohn. Ihr Geschäftskonzept ist die Ausbeutung von Rohstoffen auf Kosten der Bürger der betroffenen Länder (einmal abgesehen von einer dünnen Crème de la crème an der Spitze dieser Staaten). Der Wertschöpfungsanteil, der in diesen Ländern verbleibt ist minim, dafür die Umweltbelastung gigantisch. Ich bin mit vielen weit besser informierten Experten überzeugt, dass diese Firmen der Schweiz, wo viele von ihnen ihren Hauptsitz haben noch viele Probleme bescheren werden. Probleme, welche die Aber-Millionen von Steuereinnahmen in Zürichsee-Gemeinden wie Rüschlikon längerfristig in den Schatten stellen werden.
Warum sollten sich diese Gesellschaften in der Landwirtschaft anders verhalten? Ihre Präsenz deutet darauf hin, dass sie sich vom Engagement an der Scholle raschen Gewinn versprechen. Dieser wird nicht bei den Bauernfamilien, sondern in Baar in der Kasse klingeln. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche. Möglicherweise werden einige Farmer dabei profitieren, aber mit Garantie wird eine grössere Zahl bei dieser Industrialisierungstendenz in der Landwirtschaft auf der Strecke bleiben. Schon heute sind viele von ihnen zu Angestellten von Glencore degradiert worden, bewirtschaftet das Unternehmen doch weltweit bereits 270 000 Hektaren selber.
Das grosse Problem ist, dass man Landwirtschaft nicht im gleichen Stil betreiben kann, wie das Banken- oder Rohstoffgeschäft. Es braucht ein langfristiges, nachhaltiges Engagement, das die Bodenfruchtbarkeit höher gewichtet, als das nächste Halbjahresergebnis. Diese Denkweise traue ich den Glencore-Managern nicht zu. (Bild WinterforceMedia)
Bergheimatliche Gefühle für Widerborstige
April 29, 2012
Seit Jahren versuche ich in dieser Endlos-Spalte so unübersehbar an meinem Image zu schleifen, dass ich endlich eine Homestory in der Agrarpresse kriege. Nun, ich verstehe diese Blätter, dass sie mich bisher konsequent ignoriert haben, ist ja eine harte Konkurrenz und die will man nicht noch freiwillig ins Scheinwerferlicht stellen. Die ganze Agrarpresse? Nicht ganz. Zwar haben mich die “Bergheimat-Nachrichten” nicht grad im Pijama im Schlafzimmer abgelichtet, das würde kaum in das Konzept des schlichten und informativen Verbandsorgans passen. Aber immerhin haben sie mir ein paar Zeilen gewidmet, was mich natürlich sehr gefreut hat. Deshalb, aber nicht nur deshalb, will ich der Herausgeberin des Blattes, der Bergheimat, jetzt auch einmal ein Kränzli winden. Die “Gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung kleiner und mittlerer Bio-Bergbauernhöfe” ist 1973 gegründet worden. Heute hat sie über 200 Mitgliederbetriebe, mit Schwerpunkten – logischerweise - in den gebirgigen Teilen des Landes. Zur Bergheimat gehören aber auch über 1000 nicht bauernde Mitglieder (zu denen ich auch seit längerem gehöre) und Gönner, die es der Organisation
ermöglichen, die bäuerlichen Mitglieder mit Betriebshelfern und zinsfreien Darlehen zu unterstützen, zum Beispiel für Bauprojekte. Dieses gemeinnützige Tun ist überlebenswichtig für die oft wenig ertragsreichen Betriebe in den Randregionen. Die Bergheimat ist auch Mitglied bei Biosuisse, dem Dachverband der Öko-Bauern. Und nicht das einfachste. Die Berheimätler legen Wert auf die reine Lehre, so wehrten sie sich nach Kräften, als Biosuisse – letztlich erfolgreich – UHT-Milch unter dem Knospenlabel zulassen wollte. Die widerborstigen Siedler von der Berheimat sind Pioniere. Viele von ihnen haben aufgegebene Heimetli, die längst als unrentabel galten, wieder in Betrieb genommen. Für diese im besten Sinne konservative Sisyphusarbeit haben sie meinen Respekt. Beim Suchen des Artikels ist mir übrigens noch der Einzahlungsschein für den Jahresbeitrag 12 in die Finger gefallen. Ein schöner Zufall, der Obulus folgt bald.
Gute Frage: Kann Bio die Welt ernähren?
März 28, 2012
Vor ein paar Tagen ist mir ein Prospekt des Hilfswerks Biovision ins Haus geflattert. Dieses wurde vom renommierten Schweizer Insektenforscher Hans Rudolf Herren gegründet und hat sich das Empowerment der Kleinbauern in der dritten Welt mit Hilfe von Biolandbau auf die Fahne geschrieben. Dort setzt Biovision an, weil 70 Prozent der Nahrungsmittel weltweit von Subsistenzlandwirten produziert werden. Soweit ich es beurteilen kann, haben die Projekte von Biovision Hand und Fuss. Man arbeitet mit einfachen Projekten: Mischkulturen, Schnellkomposter, geschlossene Kreisläufe auf den Betrieben. Nun postuliert die Organisation in ihrem Prospekt, dass Bio die Welt ernähren kann. Trotz meinem Respekt für die Seriosität der Arbeit von Herren und seinem Team sei die Frage erlaubt: Kann Bio wirklich die Welt ernähren? Hätte ich die korrekte Antwort parat, wäre mir ein Professorenpösteli an der ETH wohl sicher. Auf der Suche nach der richtigen Replik fand ich im Internet einen interessanten Artikel der linken deutschen “Tageszeitung” aus dem Jahr 2008. Darin kommen Agrarexperten laut dem Autor zu folgendem Schluss: “100-prozentig konventionell kann man die Menschheit nicht ernähren, ohne unvertretbaren Schaden anzurichten – aber 100 Prozent Öko geht auch nicht”. Dieselben Experten empfehlen eine wohldosierte Mischung von ökologischem und konventionellem Landbau. Wo immer möglich auf hofeigene Dünger setzen, mit Leguminosen den Stickstoffeintrag fördern und wo nötig mit synthetischen Düngern nachhelfen. Eine vollständige Umstellung von ganzen Drittweltländern auf Biolandbau würde diese noch tiefer in die Abhängigkeit von (meistens nicht biologisch erzeugten) Importen drängen, denn die Erträge sind im Biolandbau, das schleckt keine Geiss weg, tiefer. Umgekehrt ist die intensive konventionelle Landwirtschaft für die Kleinbauern ebenfalls kein vielversprechender Weg: Sie laufen Gefahr, sich mit Pestiziden zu vergiften, ihre Böden auszulaugen, in finanzielle Abhängigkeiten zu geraten und am Schluss mit abgesägten Hosen dazustehen. Gerade heute ist mir in der “Bauernzeitung” ein Artikel aufgefallen, der dies exemplarisch zeigt. In Argentinien, so berichtet Auswandererin Marianne Winkelmann aus der Region Entre Rios, haben die Bauern grosse Probleme mit der GVO-Soja, einem teuren Produkt aus dem Hause Monsanto. Nachdem man 10 Jahre herbizidresiste Roundup-Ready-Soja gesät hat, sind die Felder heuer überwuchert mit dem Unkraut namens Rama Negra, dieses ist nämlich unterdessen resistent gegen den Roundup-Wirkstoff Glyphosat.
Entscheidender als die Frage, ob Bio die Welt ernähren kann ist wohl diejenige, wie sich der Mensch künftig ernähren will, denn unbestrittenermassen kann die Welt auch die doppelte Menge Menschen ernähren. Allerdings wird dies sehr schwierig, wenn der Fleischkonsum, der für die Produktion bis zu 20mal mehr Fläche braucht als die Erzeugung pflanzlicher Kalorien, weiter ansteigt. Das Problem ist aber, dass mit steigendem Wohlstand, und diesen wollen wir niemandem in der zweiten und dritten Welt missgönnen, so sicher wie das Amen in der Kirche ein erhöhtes Bedürfnis nach Auto-Mobilität und Fleisch einhergeht.
Hier arbeitet Ihr Steuergeld(-Empfänger)
März 26, 2012
Es sind immer wieder ein wenig dieselben Diskussionen, die ich mit meinen Stadtfreunden und -bekannten haben. Ja, ja, diese Bauern, heisst es dann jeweils, sitzen auf ihren schönen Heimetli wenn möglich mit Seesicht und machen die hohle Hand, die Väterchen Staat zweimal jährlich gut füllt. Ich: Losit, liebe Leute, der Souverän hat der Agrarpolitik in der heutigen Form zugestimmt – am 9. Juni 1996, um genau zu sein – und die Landschaftspflege als eine der gemeinwirtschaftlichen Leistungen auserwählt, die der Bauernstand im modernen Bundesstaat erbringen soll. Das tut er mit Sicherheit günstiger, als wenn man ein Gartenbauunternehmen mit diesen Aufgaben betrauen würde. Man nehme zum Beispiel den Hochstaumobstbaum. Für mich ist das ein klarer Fall für ein wertvolles Landschafts-gestaltendes Element. Dazu sind die Bäume wichtige ökologische Nischen für die leidende einheimische Vogelpopulation. Ohne Direktzahlungen wären mit Sicherheit noch mehr dieser Bäume verschwunden, als dies ohnehin der Fall ist. Zuletzt hat sich der Rückgang - dank unter anderem dieser Zahlungen – verlangsamt. Diese sind übrigens bescheiden. Zusammen mit den Kantonsbeiträgen kann man maximal 55 Franken pro Baum kassieren. Dafür muss er aber gepflegt werden. Das ist nicht in fünf Minuten gemacht und ungefährlich ist es auch nicht. Die möglichen zusätzlichen Erträge sind bescheiden, trotz dem unterdessen gut etablierten Label Hochstamm Suisse. Hochstammobst eignet sich in den allermeisten Fällen aus qualitativen Gründen nicht für den Direktkonsum, dieses Obst stammt zu 99,9 Prozent aus Niederstammanlagen. Bleibt die Verwertung als Most- und Schnapsrohstoff. Der Aufwand fürs Einsammeln ist gross und das Brennen oder Pressen verursacht Zusatzkosten. Jammern will kaum einer der Bewirtschafter, aber wenn einer im Hochstamm-Geschäft mehr als 15 Fränkli Stundenlohn einstreicht, ist er wohl ein Genie. Für dieses Geld nimmt kein Gärtner eine Säge in die Hand, geschweige denn ein Bürolist. Ende der Predigt.
Für die Miniaturkuh läuft etwas goldrichtig
Januar 28, 2012
Im “Schweizer Bauer” ist diese Woche ein Leserbrief erschienen, der mir gefallen hat, drum habe ich ihn jetzt einfach abgeschrieben. Das Thema ist interessant, die Beschreibung detailliert. Machen Sie sich selber ein Bild:
“Eigentlich benütze ich die frühen Morgenstunden zum Schreiben, weil der Kopf noch klar ist. In der letzten Zeit bin ich aber immer im Stall. Dort wartet die kleine Caramba auf mich. Caramba ist ein Kalb, das am Neujahrsmorgen, wir schätzen um 4 Uhr, geboren wurde. Caramba wartet, und die Mutter Ostara wartet.
Ich bringe das im Moment 14-tägige Wesen aus dem Kälber-Kindergarten zu der Mutter aufs Läger, damit es sich am Euter satt trinken kann. Anschliessend wird das Kleine mit einem Kettchen angebunden und steht zwischen der Mutter und einer anderen Kuh wie eine Miniaturkuh. Caramba knappert – ob sie dies der Mutter abschaut? – bereits an Heuhalmen herum. Ostara, die Mutter, frisst in dieser Zeit, trinkt, wird gemolken und schleckt zwischendurch ihr Kalb. Bei Schluss der Stallarbeiten wird die kleine Potzblitz ( so heisst sie nämlich, wenn man Caramba aus dem Spanischen übersetzt) in den Kindergarten zurückgebracht. Das Ganze ist überaus einfach. Kein Wärmen der Milch, kein Waschen des Kübels. – Im Moment wird die Kleine auf dem Weg zur Mutter und während des Trinkens noch von mir überwacht. Später wird dies nicht mehr nötig sein. Dann kann sie das allein.
Jetzt schon begegnet sie nämlich der Situation mit sehr viel Verstand. Alle kleinen Tücken auf dem Weg – eine Stufe an einem Ort, an dem es nicht sonderlich hell ist, der manchmal nasse und rutschige Stallgang – hat sie sich schon gemerkt und verhält sich richtig. Gestern senkte sich das Mäulchen beim Vorbeigehen in das Kraftfutter-Wägelchen. Man entschuldige, dass ich von den Entwicklungsschritten so begeistert bin wie eine Mutter von denen ihres ersten Kindes. Ich weiss, das die Umwelt das jeweils nicht recht nachvollziehen kann…
Caramba wurde, wie gesagt, am Neujahrsmorgen in der Gebärbox geboren, weshalb wir auch die Geburtszeit nicht genau kennen. Die fast 10-jährige Ostara, eine Brown Swiss, hatte alles allein vorgenommen. Der Vater von Caramba ist ein Original Brauner; seit einiger Zeit wird auf unserem auf diese Rasse zurückgezüchtet. Es hat zuzeit wenig Platz im Stall, die Gebärbox wurde für die jüngsten zwei Kälbchen gebraucht, und schon am 3. Januar hörte ich Ostara muhen. Mutter und Kalb waren getrennt worden. Diesen Ruf der Mütter kenne ich, in meinen Ohren tönt es verzweifelt. Ich kann es offen gestanden nicht hören.
Nach der Trennung hatte Caramba – ich war nicht dort – vier Liter Kolostralmilch aus dem Kübel getrunken. Als ich sie zum ersten Mal zu ihrer Mutter brachte, denn ich war fest entschlossen, mit der muttergebundenen Kälberaufzucht anzufangen, rann mir der Kot bereits über die Hand, mit der ich sie am Hinterteilchen vorwärtsschob. Der Kot wurde immer dünner, war schliesslich weiss wie Milch, ich musst mich nach jeder Begegnung neu einkleiden, schliesslich musste die Tierärztin kommen (eine überbesorgte “Mutter”, man verstehe), und Enolyt wurde verabreicht.
Jetzt wollte ich erst recht nicht aufgeben. – Inzwischen hat sich alles zum Guten gewendet. Carambas Stuhl wurde sehr schnell normal und geformt, obschon sie sich zweimal am Tag an der Mutter völlig satt trinkt. Ostara versteht, dass das Kalb immer wieder kommt. Sie muht zuweilen, wenn es Essenszeit ist, aber nicht verzweifelt, sondern weil es Zeit ist. Dazwischen ist sie völlig ruhig. Ihr Auge zu sehen, wenn sie säugt, ist etwas Ergreifendes. Sie bekommt einen nach innen gekehrten, man könnte sagen, einen verklärten Blick. Ich hab das Gefühl, dass hier etwas richtig, ja goldrichtig läuft.”
(Bild und Text Meta Denoth-Studer, Ftan GR)
Mit dem Manna kommt die Flugzeit der Händler
Dezember 27, 2011
Es nähert sich das Jahresende und damit die Zeit, wo die Bauern ihre zweite Direktzahlungstranche erhalten. Immer im Juni und im Dezember sind deshalb die Lieferanten der Bauern besonders aktiv. Legendär ist dies bei Traktoren- und Maschinenhändlern, die rechtzeitig zum Geldsegen - bei grösseren Betrieben fliessen da gerne 50 000 Franken und mehr auf einmal aufs Konto - rastlos über Land ziehen, um ihre teuren Gerätschaften an den Landmann zu bringen. Ähnlich verhält es sich mit den Futtermittellieferanten, die zum Jahresende gerne noch den einen oder anderen lukrativen Vertrag abschliessen möchten. Das schlägt sich auch in den Inserate- und PR-Spalten der Landwirtschaftspresse nieder, wo die Maschinenhändler derzeit Messen en masse ankünden (siehe Bild unten) und die Müller auf Anbiederung machen. Ein besonders schönes Beispiel ist der Text von Peter Stadelmann, seines Zeichens Geschäftsführer des Futtermüllers Kunz Kunath AG (oben rechts), der in einem bezahlten Beitrag im “Schweizer Bauer” gegen den “falschen Weg der fortgesetzten Ökologisierung” wettert und gleichzeitig das Hohelied auf den steigenden Selbstversorgungsgrad und die produzierende Landwirtschaft singt (der integrale Text findet sich hier im Kundenmagazin von Kunz Kunath auf Seite 3). Das geschieht natürlich nicht ganz uneigennützig, sind doch die grössten Nutzniesser der intensiven Landwirtschaft die Lieferanten von Futtermitteln, Düngern und Landmaschinen. All das liefert als Marktleader unter einem Dach die Fenaco, die jährlich allein mit Verkäufen an die Bauern 1,5 Milliarden Franken umsetzt und dieser Tage ein Firmenfilmchen in Umlauf gebracht hat, das – man höre und staune – ebenfalls zur Lobhudelei auf die produzierende Landwirtschaft ansetzt. Dass all diese Firmen das Manna auf ihre Mühlen umlenken wollen, ist ihr gutes Recht. Man wird aber in diesem Zusammenhang daran erinnern dürfen, dass sie neben den Bauern die grossen Profiteure der Direktzahlungen sind. Das ist ein Aspekt, der in den Diskussionen um die Agrarpolitik oft zu kurz kommt.



