Es war böse, als wir junge Agronomiestudenten waren. Von Hors-Sol wollten wir gar nichts wissen. Die bodenlose Anbaumethode mit Pflanzen im Substrat war der Inbegriff der Industrialisierung des Gemüsebaus.
Ich bin älter geworden und will hier 25 Jahre später ein leicht verschämtes Plädoyer für die Kulturtechnik placieren. Natürlich ist die im Hüsli im idyllischen Pflanzblätz unbegrenzt wurzelnde rare Tomate immer noch ein Ideal, aber zu fest idealisieren sollten wir es nicht.
Für die Tomate ist das Schweizer Klima, besonders in Jahren wie heuer, eine Grenzlage. Ohne Gewächshaus ist ein Tomatenproduzent heute chancenlos gegen die ausländische Konkurrenz. Und unter Dach macht ein Anbau im Substrat durchaus Sinn. Das ist mein bescheidenes subjektives Fazit einer Exkursion der Schweizer Agrarjournalisten ins Seeland, an der ich heute teilnahm.
Auf dem Betrieb von Thomas Hurni und Adrian Tschachtli in Kerzers erhält man einen guten Einblick in die Gemüse- und Beerenproduktion, neuester Stand. Von Gartenromantik ist da wenig mehr geblieben. Wer im Rennen um Grossverteiler-Regalplatz mithalten will, muss die Produktion mindestens ein Stück weit industrialisieren. Dabei machen geschlossene Kreisläufe wie Hors-Sol Sinn. Die Nährstoffapplikation kann genau dosiert werden, überschüssige Flüssigkeit wird aufgefangen und gelangt zurück in die Verteilzentrale. Das Substrat besteht aus Kokosfasern und das einzige was nicht rezykliert werden kann ist die Plastichülle der Substratballen und die synthetische Schnur, die verwendet wird, um die Tomaten hochzubinden im Gewächshaus, wie Hurni erläuterte.
Der Anbau im Boden soll hier nicht schlechtgeredet werden, aber auch dieser sieht nicht aus wie Grosis Gärtli, und die Nährstoffproblematik ist weniger kontrollierbar, mit entsprechenden potenziellen Auswirkungen auf das Grundwasser. Hurni und Tschachtli bauen übrigens auch Beeren im Hors-Sol-Verfahren an, mit denselben Vorteilen. Oben ein Himbeerenbestand, unten Erdbeeren in Hochlage mit ergonomisch idealer Position für die PflückerInnen.






















