Archiv für die Kategorie ‘Detailhandel’

Leicht verschämtes Hoch auf Hors-Sol

Mai 18, 2013

Cherrytomaten Hors-SolEs war böse, als wir junge Agronomiestudenten waren. Von Hors-Sol wollten wir gar nichts wissen. Die bodenlose Anbaumethode mit Pflanzen im Substrat war der Inbegriff der Industrialisierung des Gemüsebaus.

Ich bin älter geworden und will hier 25 Jahre später ein leicht verschämtes Plädoyer für die Kulturtechnik placieren. Natürlich ist die im Hüsli im idyllischen Pflanzblätz unbegrenzt wurzelnde rare Tomate immer noch ein Ideal, aber zu fest idealisieren sollten wir es nicht.

Cherrytomaten Hors-Sol2Für die Tomate ist das Schweizer Klima, besonders in Jahren wie heuer, eine Grenzlage. Ohne Gewächshaus ist ein Tomatenproduzent heute chancenlos gegen die ausländische Konkurrenz. Und unter Dach macht ein Anbau im Substrat durchaus Sinn. Das ist mein bescheidenes subjektives Fazit einer Exkursion der Schweizer Agrarjournalisten ins Seeland, an der ich heute teilnahm.

Auf dem Betrieb von Thomas Hurni und Adrian Tschachtli in Kerzers erhält man einen guten Einblick in die Gemüse- und Beerenproduktion, neuester Stand. Von Gartenromantik ist da wenig mehr geblieben. Wer im Rennen um Grossverteiler-Regalplatz mithalten will, muss die Produktion mindestens ein Stück weit industrialisieren. Dabei machen geschlossene Kreisläufe wie Hors-Sol Sinn. Die Nährstoffapplikation kann genau dosiert werden, überschüssige Flüssigkeit wird aufgefangen und gelangt zurück in die Verteilzentrale. Das Substrat besteht aus Kokosfasern und das einzige was nicht rezykliert werden kann ist die Plastichülle der Substratballen und die synthetische Schnur, die verwendet wird, um die Tomaten hochzubinden im Gewächshaus, wie Hurni erläuterte.

Himbeeren Hors-SolDer Anbau im Boden soll hier nicht schlechtgeredet werden, aber auch dieser sieht nicht aus wie Grosis Gärtli, und die Nährstoffproblematik ist weniger kontrollierbar, mit entsprechenden potenziellen Auswirkungen auf das Grundwasser. Hurni und Tschachtli bauen übrigens auch Beeren im Hors-Sol-Verfahren an, mit denselben Vorteilen. Oben ein Himbeerenbestand, unten Erdbeeren in Hochlage mit ergonomisch idealer Position für die PflückerInnen.
Erdbeeren Hors-Sol

Ein Tag im Glashaus mit einem Konsumenten

Mai 4, 2013

NierstückDas Leben als sogenannt bewusster Konsument ist interessant aber nicht ohne Tücken. Nehmen wir einen Tag im Leben eines zufällig ausgewählten Konsumenten, aus naheliegenden Gründen mich, zum Beispiel heute.

Es fängt an mit dem Plakat vor dem Quartier-Coop. Ein weitgereistes Nierstück, denkt man sich, innerlich schon distanziert. Aber sicher nicht für mich. Und das schöne Märgeli für dich, gell Coop. Hier gibts für mich stattdessen heimische Bio-Milch und -Zopf . Das sorgt schon mal für ein gutes Gewissen. 

TomateWeiter gehts, Erwerb von Tomatensetzlingen von der Stiftung Arche am Viadukt, die dann auch umgehend eingepflanzt werden. Das verstärkt die Pluspunkte. Pflanzenmaterial aus einem Sozialprojekt im mit eigenem Kompost angereicherten Boden im Pot, das ist fast nicht zu toppen.

FussballplätzeNächster Stop: Migros Limmatplatz. Dort ein Plakat, wo Jeremy 140 Fussballfelder voll Bio-Weizen versprochen werden. Ob der sich freut? Der spielt wohl lieber Fussball, als sich über den umweltpolitisch korrekten Getreideanbau Gedanken zu machen.

Für mich dagegen die Qual der Wahl. Zum Znacht solls Paella, unter anderem mit Poulet, geben. Bei der Fleischtheke entscheide ich mich für das Aus-der-Region-Poulet aus Standardhaltung, besser als Brasilien. Es gäbe zwar auch Séléction-Pouletbrust Bio, aber die 15 Franken für gut 200 Gramm sind mir ehrlich gesagt zuviel, zudem will ich gar nicht Brust sondern Schenkeli.

PaellaDas Resultat. Neben dem Poulet wurden von den TischgenossInnen auch Crevetten gewünscht. Die sind zwar Bio, aber aus Vietnam. Zwar soll die Zucht dort einigermassen umweltverträglich sein (hoffentlich habe ich das nicht in der Coop-Zeitung oder im Migros-Magazin gelesen…), aber trotzdem nicht gerade ein Ruhmesblatt.

KompostDa kommt das Kompostieren grad kommod zur Gewissensberuhigung. Aber oha, zwischen heimischen Kartoffelschalen und Apfelkernen die Überreste der letzten Party: Limetten aus Brasilien… Zum Glück sind morgen die Läden zu.     

Selbst ist und plättelt die Bäuerin

März 12, 2013

Monika HauensteinFür einen Beitrag in einem Buch über das 175-Jahr-Jubiläum des Bauernverbands Aargau bin ich in letzter Zeit öfters in diesem (für mich) grossen Unbekannten von Kanton unterwegs. Auch heute wieder. Auf Umwegen hat es mich auf den Wochenmarkt in Wettingen verschlagen. Dort gab es – etwas verloren auf dem riesigen Platz vor dem Rathaus – zwar nur zwei Stände, aber vor allem der eine hatte es in sich.
Seit mehr als 20 Jahren bäckt Monika Hauenstein aus Tegerfelden Brot für Märit, zwei Läden und den eigenen stattlichen Haushalt. Dafür braucht sie “ein paar” der 6 Hektaren Weizen, die auf ihrem Betrieb in Tegerfelden angebaut werden. Das Geschäft läuft. Im Moment baut sie eine neue Backstube à 6 Steinöfen. Sie sei grad am plätteln, sagt sie nebenbei, das hat sie sich beigebracht im hauseigenen Partyraum mit 300 Quadratmetern Plättlifläche. Man spare halt schon viel, sagt die Wittwe, wenn man alles selber mache.
Das ist nur ein kleiner Ausschnitt ihrer Aktivitäten, ich war recht beeindruckt von ihrer Power und der Selbstverständlichkeit, mit der sie darüber berichtete. Und das Brot, ich habe es schon beim Kaufen geahnt, da könnte sich manch ein Beck eine Scheibe davon abschneiden. Die Nachfolge ist gewährleistet, die Schwiegertochter schlägt Monika nach: Neben dem Haushalt führt die zweifache Mutter Lastwagen und alles andere, was es an Motorisiertem im hauseigenen Lohnunternehmen so gibt. Das Buch übrigens erscheint am 9. August. Mehr Details dort.

Ein lernfähiger Detailhändler? Let’s hope so

März 7, 2013

What burgers have taught usAuf der britischen Insel ist der Rossfleisch-Skandal noch längst nicht verdaut. Als ich letztes Wochenende im englischen Nordosten in meinem Leibblatt blätterte, fand sich dort obenstehendes doppelseitiges Inserat vom Detailhändler Tesco, dem Marktleader in Grossbritannien sowie der Weltnummer drei hinter Walmart und Carrefour.
Tesco, wir erinnern uns, war von Anfang an betroffen, als im Januar in Irland die ersten Beefburger mit Pferdefleisch gefunden wurden. Das ist gegessen, interessant ist nun aber die Reaktion des Detailhändlers. In einem etwas länglichen aber bemerkenswerten Mea Culpa heisst es in dem Inserat unter anderem, man habe das Problem erkannt und “it has made us realise, we really do need to make it better. (…) We need to keep going, go further, move quicker.” 
Nach dem Selbstbekenntnis folgen die selbst auferlegten, wenn auch unter Druck beschlossenen Konsequenzen auf den Fuss: “We know that the more we work with british farmers, the better. We’ve already made sure that all our beef is from the UK and Ireland.” Tesco beschränkt sich also künftig auf Rindfleisch aus Grossbritannien und Irland und will diese Massnahme auch auf frisches Pouletfleisch ausdehnen, wie es in einem nächsten Inserat in der Sonntagspresse hiess. Ab Juli, so das Versprechen von Tesco, wird sämtliches Poulet von britischen Farmen stammen. Das Inserat endet mit drei weiteren bemerkenswerten Sätzen: “We are the biggest customer of UK agriculture, we need to be their biggest supporters too. This is it. We are changing.”
Ich bin immer vorsichtig, wenn die Detailhändler ihre PR-Maschinerien in Gang setzen und plötzlich medienwirksam die Bauernsame umarmen. Wer sich aber derart exponiert, wie Tesco hier, der wird sich von diesen Versprechen nicht ohne massiven Gesichtsverlust distanzieren können. Nachdem der sich brutalstens konkurrenzierende britische Detailhandel die Farmer in den letzten Jahren bis aufs Minimum und darunter geschröpft hat, ist Hoffnung erlaubt, dass das keine leeren Sprüche sind.
Insgesamt stehen die Selbstkritik  und das Bekenntnis des englischen Riesen zum heimischen Schaffen in wohltuendem Kontrast zur Reaktion der Schweizer Detailhändler auf den Pferdefleisch-Skandal. Coop, die eine Pferdefleisch-Lasagne aus dem Sortimennt nehmen musste beschränkte sich im Gefolge des Skandals auf das Lob der eigenen Kontrollen. Ein starkes Signal, wie es etwa der Verzicht auf verarbeitetes ausländisches Rindfleisch dargestellt hätte, blieb aus, von einer Ausdehnung auf das gesamte Sortiment inklusive Pouletfleisch gar nicht zu sprechen. Mindestens die Zeitungsinserate hätten wir gerne genommen.
Chicken are next 
    

PostkartE mit Hofladen(-Wettbewerb)

Februar 20, 2013

20130220-121141.jpg

Liebe BlogleserInnen
Ich bin in Bergün. Es ist sehr schön. Wir gehen jeden Tag in den Schnee. Vorher und nachher gibt es viel zu essen aus dem weitgereistesten Hofladen der Welt. Er ist ein alter Eisenbahnwagen von der Appenzeller Bahn und Romy, die Bäuerin hat extra ihre Garten gerodet für die Schienen. Ich finde das eine sehr coole Idee. Drum mache ich jetzt grad spontan wie man so ist in den Ferien einen Wettbewerb. Er heisst “Hofladen Of The Year Award” und geht ca. bis Anfang März. Schickt mir Bilder/Webadressen von Kandidaten an adimali@gmx.ch! Muss nicht immer grad fahrbar sein. Es gibt schöne Preisli für EinsenderInnen & SiegerInnen.
Viele liebe Grüsse von
Adi

20130220-121347.jpg

20 Jahre Naturaplan – und was gelernt?

Februar 17, 2013

20130217-001711.jpg

Doch nochmal Rossfleisch. Ich hoffe, Sie sind noch nicht überfüttert damit, liebe LeserInnen. Es war eine turbulente Woche für die Lebensmittelbranche und vor allem für Coop, die als einzige Detailhändlerin hierzulande mit undeklariertem Pferd ertappt wurde. Dass es ausgerechnet den ökologischen Musterknaben der Branche erwischt hat, entbehrt nicht einer gewissen Tragik, ist aber im besten Fall ein Lehrstück.
Aber der Reihe nach. Ich will den Gaul heute von hinten aufzäumen, beziehungsweise vor 20 Jahren beginnen. Mit grossem Trara feiert der orange Riese vom Rheinknie heuer zwei Jahrzehnte Naturaplan. Das Engagement zugunsten der ökologischen Landwirtschaft war damals im Jahr 1993 ziemlich pionierhaft und verhalf der Schweizer Biobewegung massgeblich zum Wachstum, während man bei der Migros-Konkurrenz noch Jahre später meinte, Bio sei ein kurzfristig abzuschreibender Spleen von einigen Fundis. Und damit massiv und teuer irrte, auch wenn das Wachstum des Marktes heute stagniert.
Dass es Coop nun gelungen ist, mitten im Jubiläumsjahr viel Geschirr, oder treffender, schachtelweise Bioeier zu zerbrechen ist Künstlerpech, das hätte nämlich gerade so gut einen x-beliebigen Konkurrenten treffen können. Im kommerziellen Kern funktionieren die Händler alle gleich. At the end of the day, um ein bisschen Managerslang zu brauchen, müssen die Zahlen stimmen. Ich respektiere das ökologische Engagement von Coop und Migros, aber all diese Programme sind von der ökonomischen Bedeutung her gering und primär der Imagepolitur dienlich.
Der Löwenanteil des Umsatzes stammt unverändert aus dem preissensiblen Massengeschäft und Produkten wie der nun verhafteten Fertiglasagne der Eigemarke “Qualité & Prix”. Warum setzt Coop dort auf ein Produkt eines ausländischen Händlers mit Fleisch unbekannter Herkunft? Ich gehe davon aus, dass Comigel das Produkt in der Submission um 50 Rappen billiger offerierte als der günstigste Schweizer Konkurrent. Diesen Batzen wollte sich Coop bei aller Liebe zur Natur nicht entgehen lassen. Selber schuld? Ja, fast, aber nicht ganz, denn auch die KonsumentInnen müssen sich von dieser Lasagne mit üblem Nachgeschmack eine Tranche verabreichen lassen. Sie sind es, die mit dem immer noch grossmehrheitlich preisgesteuerten Kaufverhalten das Sortiment markant beeinflussen. Trotzdem: Niemand zwingt Coop zu diesem riskanten Spiel, wer hoch auf dem Ökoseil tanzt, riskiert einen umso tieferen Fall. Ökologie und Nachhaltigkeit – und das ist wohl eine der Lehren aus diesem Debakel – halten den Stürmen nur Stand, wenn sie umfassend gelebt werden. Vielleicht klappts ja bis zum Jubiläum 50 Jahre Naturaplan. (Bild Coop)

Horseburger: Tip of the iceberg & a chip pass

Januar 29, 2013

Horses before becoming beef burgers2For almost two weeks now, a rather animalic scandal has been sending shockwaves through Englands meat processing and retail industry. When the Irish Food authority released the news about their finding horsemeat in some beefburgers on January 15th, the reactions among consumers and in the farming sector were strong. Unlike the Swiss habit, it’s apparently rather taboo to eat horse in Ireland and in the UK it’s not much more popular.
But even if the Irish would love horseburgers, this wouldn’t make things any better. False declaration is a hyper-sensitive matter in the food sector and for the big retailers involved, eg. Tesco and Aldi, it was and still is a very embarassing story. 
13 days after the start of this Burgergate, the  Irish Minister for Agriculture, Food and the Marine, Simon Coveney has published the “Final Update on Authenticity of Meat Products Investigation”. It confirms, that the source of the equine DNA in the burgers was an ingredient imported from Poland for the burgers of the ABP Food Group’s Silvercrest-Plant, a so called “beef filler made up of fat cuts and trims”. The responsible company reacts as expected: It is sacking a few people, restructuring the organisation, and auditing all third party suppliers, as the ”Farmers Guardian” reports.
What are the lessons out of the Horseburger-Scandal? There is a few. Firstly, the internationally dispersed assembling, processing and production of foods guarantee the lowest possible price, while there’s a higher risk of scandals like the one we’re talking of. A scandal that is costing the involved companies not only a lot of money but also - much more valuable – a lot of consumers trust. Many people are wondering why Ireland as one of Europes leading beef exporters is importing beef for hamburgers – the answer is simple: ABP can save a few pennies per Burger with this measure.
I bet, and the measures taken by ABP prove it, that nothing will change fundamentally about these procedures and the next food scandal will be coming as surely as the amen in the church. We’re talking of the tip of an iceberg here and one day it might destroy the Food-Industry, this multinational Titanic.
And here comes the chance – or as we call it in Switzerland the chip pass – for the british farmers, small processors and groceries. Scandals like this will help to convince a certain if probably small percentage of the consumers (probably at least all of the horse-friends) to no longer buy the cheapest burger at one of the big retailers outlets, but a pure british beef burger from a known source, like a local farmer and a local butcher.
Finally my favourite horseburger-joke: Tesco burger walks into bar. “Pint please”. “I can’t hear you” says barman. “Sorry” replies burger. “I’m a little bit horse”. (Bilder LID, The Grocer)
Horse before becoming beef burger  

Diese Wahl wird nicht an der Urne entschieden

Januar 16, 2013

Pouletmasthalle in NiedersachsenIn Deutschland ist die Landwirtschaft zur Zeit ein ziemliches Politikum. Leider nicht im positiven Zusammenhang. Zwar wird die Grüne Woche, die am Donnerstag eröffnet wird, viele schöne Bilder von Politikern im Ess- und Trinkeinsatz inmitten von feschen Produzenten und Verarbeitern in die guten Stuben bringen. Im Mittelpunkt wird dabei wie immer die Landwirtschaftsministerin stehen. CSU-Hoffnungsträgerin Ilse Aigner steht aber nicht nur an den Ständen im Mittelpunkt, sondern vor allem im Fokus der Kritik von Linken und Grünen, die die Landwirtschaft und namentlich die Tierhaltung und ihre Exzesse im kommenden Bundestagswahlkampf ins Zentrum stellen wollen.
Folgerichtig hat die Frau Minister denn dieser Tage auch den Dinosaurier-Preis des Naturschutzbunds erhalten und zwar für “ihr Festhalten an einer umweltschädlichen Agrarpolitik und ihr enttäuschendes Engagement für ein besseres Tierschutzgesetz”. In Niedersachsen, wo am Wochenende Landtagswahlen anstehen, nehmen die Grünen einen Testlauf vor, wie heute die FAZ anhand des lokalen Widerstands gegen einen gigantischen Hähnchenschlachthof aufzeigt. Die Rede ist hier von einer “Agrarwende”, die nun dringend notwendig sei. In das gleiche Horn blasen auch die in einem breiten Bündnis agierenden Organisatoren der traditionellen Demonstration am Rande der Grünen Woche, die am kommenden Samstag unter dem Motto “Wir haben es satt!” über die Bühne geht.
Der Einsatz der deutschen Umwelt- und Naturschützer für die Kreatur und eine umweltfreundliche Landwirtschaft ist löblich, nur wird sich weder an den niedersächsischen noch an den gesamtdeutschen Urnen entscheiden, ob es effektiv zu einer Agrarwende kommt. Vielmehr hängt dies davon ab, ob es die Konsumenten weiterhin normal finden, dass sie ihr Hähnchen zu 2 Euro 99 das Stück aus der Kühltheke fischen können, wie das im besagten Artikel geschildert wird. Das ist die Abstimmung mittels Einkaufswagen. Dabei sollten wir uns hüten, gönnerhaft Richtung Norden zu blicken. Auch in der Schweiz sieht es nicht viel besser aus. Das Pouletfleisch aus Labelproduktion muss man mit der Lupe suchen, während die Importe von wo auch immer, wie auch immer produziert bestens florieren. Von den Einkaufstouristen, die ennet der Grenze Poulets für 2.99 das Stück kaufen gar nicht zu reden. (Bild Theodor Barth/Laif/FAZ)

Emmentaler: Verzögerungstaktik & Nebelpetarde

Dezember 29, 2012

20121229-162625.jpg

Mir als Halb- und Heimwehemmentaler lag das Schicksal des dort beheimateten Grosslochkäses schon immer am Herzen. Deshalb schmerzt es in ausländischen Super- und anderen Lebensmittelmärkten immer wieder leicht auf der Brust des Käsepatrioten. Entweder finden sich dort zu junger und übel zusammenvakuumierter Schweizer Emmentaler oder jede Menge Imitate des Originals. Dieser Tage gab es Anschauungsunterricht im Tirol, wo einer dieser Märkte rund ein halbes Dutzend solcher Kopien österreichischer Herkunft anbot (siehe Bilder). Das erinnert mich immer wieder daran, wie sorglos man es in der Schweiz vergeigt hat, den Emmentaler rechtzeitig ursprungstechnisch und markenrechtlich zu schützen. Wie stark der Name des Produkts ist, beweist ja gerade die Flut der Imitate.
Item, dieser Zug ist längst abgefahren, was bleibt ist der Fokus auf den inländischen Markt. Das Bild, das sich dort bietet ist allerdings eher noch erbärmlicher, als dasjenige im ausländischen Supermarkt. Ich will jetzt hier nicht noch einmal die altbekannten Fakten auftischen. Natürlich wurde der Emmentaler in Unionszeiten missbraucht als Mengenventil und eine Strukturbereinigung war unerlässlich. Das ist aber noch lange kein Grund, ihn jetzt komplett in den Boden zu fahren. Kürzlich hat sich die leider seit Anbeginn zerstrittene und zu wenig entschlossen geführte Sortenorganisation endlich einen Ruck gegeben und grossmehrheitlich beschlossen, beim Bundesrat Allgemeinverbindlichkeit für eine dringend notwendige Mengensteuerung zu beantragen. Der zuständige Agrarminister Schneider-Amman übt sich seither im Lavieren. Die jüngst ins Leben gerufene Task-Force Emmentaler ist ein für ihn typischer Weg, das Fällen eines Entscheids zu verschleppen. Zu dieser Verzögerungstaktik dürften zwei Gruppierungen massgeblich beigetragen haben. Da wäre erstens die Economiesuisse, die sich aus wettbeweblicher Sicht gegen Allgemeinverbindlichkeit ausgesprochen hat. Diese Stallorder scheint den Bundesrat zu beeindrucken, aber wenn seine Vorgänger ebenso folgsam auf diese falschen Freunde der Landwirtschaft gehört hätten, stünde der Bauernstand deutlich schlechter da, als es heute der Fall ist, darauf wette ich ein schönes Kälbli. Dass man Geld nicht auf einem Käseplättli servieren kann, wird man bei der Economiesuisse erst merken, wenn dereinst das letzte Dorf seine letzte Emmentalerkäserei verloren hat.
Die zweite Bremserfraktion stammt aus der Branche selber. Die Handelsfirmen Lustenberger & Dürst (L&D) und Bürki sowie ein paar ihnen zuliefernde Emmentalerkäser bekämpfen die Allgemeinverbindlichkeit ebenfalls. Das Motiv der ehemaligen Mitglieder der Käseunion: weil sie im Moment über ein ausgewogenes Verhältnis von Produktion und Absatz verfügen, fürchten sie die Mengenbeschränkung. Das mag auf den ersten Blick nachvollziebar sein, zeugt aber von mangelndem Weitblick und Solidarität. Wie das (Erfolgs-)Beispiel Gruyère zeigt, kann nur eine stramme Mengenführung über die ganze produzierte Menge funktionieren. Wenn L&D-Geschäftsführer Gander jetzt davon ausgeht, dass ein fortgestzter Zusammenbruch der restlichen Emmentaler-Branche seine vertikal integrierte Wertschöpfungskette “in der alle von der Kuh bis zum Verkaufspunkt weltweit eine Allianz bilden und am gleichen Strick ziehen” mittel- bis längerfristig nicht tangieren wird, dann ist das ein frommer Wunsch. Recht hat Gander dort, wo er strengere Produktionsbedingungen im AOC-Pflichtenheft fordert. Dass er dies nun aber mit der Mengenbeschränkung in Zusammenhang bringt, ist eine Nebelpetarde, mit der er die wahren Absichten zu verschleiern sucht.
Unter dem Strich bleibt für den zögerlichen Bundesrat aus dem Bernbiet nur ein Entscheid, um zu retten, was zu retten ist: Allgemeinverbindlichkeit beschliessen ohne mit Palaver Zeit zu verlieren. Anschliessend kann die Branche zeigen, dass sie mit dem Steilpass etwas anzufangen weiss, inklusive traumhaft schönem Abschluss mit Gander und Bürki in der Sturmspitze zum Beispiel.

20121229-162702.jpg

ChinAg daily(2): Streetmarkets, night & day

November 7, 2012

Beijing has about 23 million inhabitants, those people have to eat everyday, and man, they like to eat. Wherever a round of chinese gather, it wont take long till they unpack a dozen of dishes in plastic jars, everybody taking from each plate picking with the sticks, that they manage artistically. Theres a wide variety of opportunities to cover your needs in food, one of them is the market(s, see last post) or the growing number of supermarkets of all kinds. Streetmarkets of the mobile kind are very common, too. The colleagues I met in Beijing told me, that they are acting in semi-legality. Sometimes you have to pack very quickly and disappear, sometimes you can solve the problem with a thicker or thinner bundle of Yuans… Above and below are few examples of these mobile salespoints. Nighttime doesnt stop the trading by the way, China is nowadays one of the most capitalistic, if not the most capitalistic country in the world. Business runs around the clock, often it’s survival of the fittest, which means for example for farmers, that if you want to make a good buck, you have to take the long journey to town to go get the best price from the urban population.
Clementines sold by a farmers couple. She is selling in the back while he is eating and collecting the money in the frontseat.
Mobile sweet potato frying and selling device.
Glazed chestnuts for tourists at Summerpalace.
Cucumbers sold peeled to eat like an ice cream, a refreshing and healthy snack, rare combination.


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Schließe dich 50 Followern an