Archive for the ‘Marketing’ Category

Englisches Farmshoppingerlebnis

August 18, 2014

Padstow Farmshop2Grossbritannien hat ja kulinarisch nicht grad den besten Ruf. Zu Unrecht. Die Zeiten, als man sich mit Fish & Chips aus ranzigem Frittieröl begnügen und das ganze mit viel Ale runterspülen musste sind längst vorbei.

Padstow Farmshop5Padstow Farmshop3Das heisst nun aber nicht, dass zwischen Brighton und (noch) Aberdeen nur noch geschlemmt würde. Junk Food ist nach wie vor weit verbreitet (kann im Fall von gutem Frittierfisch durchaus lecker sein) und das Land hat eine der wohl härtesten Konkurrenzsituationen unter riesigen Supermarktketten von Tesco über Morrisons, Sainsbury bis zu Asda, dem Wal-Mart-Ableger auf der Insel.

Padstow FarmshopPadstow Farmshop4Trotzdem hält sich daneben eine sehr lebendige Farmshop-Szene, wie Schilder an den Strassen allenthalben beweisen. Kürzlich auf landschaftlich reizvoller Tour in Cornwall machte ich die Probe aufs Exempel im Padstow Farm Shop. Der Laden ist wenige hundert Metern von Discount-Konkurrenz entfernt, hält sich aber mit einem sehr regional verankerten Sortiment bestens. Leider schon auf der Heimreise war das Gepäckpotenzial für kräftige Einkäufe stark limitiert, gerne hätte man die letzten Pfunde allesamt hier liegen gelassen. Ein breites, anmächelig präsentiertes Angebot wurde charmant angepriesen von Locals, die zum Teil von der dazugehörigen Farm stammen.

Padstow Farmshop7Eines der interessanten Details, das man in England nicht gerade vermuten würde ist die Pastamaschine, mit der sich die Kundschaft aus lokalem Weizen die gewünschten Teigwaren produzieren lassen kann.

Das ganze ist enorm aufwändig, im Laden arbeitete etwa ein halbes Dutzend Personen, das heisst es muss ein beträchtlicher Umsatz aber auch viel mässig bezahlte Arbeit und damit eine gehörige Portion Idealismus vorhanden sein. Das Resultat lässt sich mehr als sehen. Ich zieh solch eine Fundgrube den Delicatessas aller Art in den Kellern unserer Grossverteiler in jedem Fall vor.

Yellingham1Yellingham2PS. Dass es die Bauern im touristisch sehr attraktiven Südwesten der Insel gecheckt haben, dass die Gäste mehr als das gute alte feisse Full english Breakfast, zeigte sich auch in der Yellingham Farm im nahen Devon. Schauen Sie sich mal das Müesli und das anschliessend präsentierte doppelte “poached egg” auf Spargeln an. Da muss der darauf folgende Tag einfach gut werden.

Käse: Gelbe Linie durch die Weisse Rechnung

Juli 25, 2014

mix_brands_0015Eher selektiv präsentiert die Marketingagentur Switzerland Cheese in einer Medienmitteilung ihre Halbjahreszahlen: “Wertmässige Steigerung der Exporte von Schweizer Käse” hiess es da. Der Titel verschweigt aber, dass die Exporte im ersten Halbjahr 2014 um gut 5 Prozent gesunken sind und dass die Wertsteigerung lediglich erhöhten Preisen zu verdanken war, die dann auf die Exporte drückten. Es sei einer Vermarktungsorganisation, die im Namen der Branche Marketinggelder des Bundes und eigene Mittel verteilt, nicht verwehrt, schönzufärben. Aber in diesem Fall wäre es vermutlich eher angezeigt, reinen Wein einzuschenken.

Das hiesse klar aufzuzeigen, was Sache ist und welche Strategien ergriffen werden sollten, um Gegensteuer zu geben. Die Fakten sprechen für sich: Der seit Jahren anhaltende Sinkflug des nach wie vor grössten Umsatzträgers Emmentaler ist brutal weitergegangen (-18,2% gegenüber der Vorjahresperiode) und die bisher fast stetig wachsenden anderen Spezialitäten wie Gruyère (-1,6%), Appenzeller (-1,5%),, Tête de Moine (-3,4%), Tilsiter (-13,1%) und Vacherin Mont d’or (-51,6%(!)) haben die Wachstumsgrenze erreicht oder überschritten, vom Sbrinz gar nicht zu reden (-12,5%). Ein schlechtes Zeichen ist auch, dass der sogenannte Switzerland Swiss, eine billige Emmentalerkopie ebenfalls nicht vom Fleck kommt (-0,7%), nachdem er letztes Jahr noch um 200% zugelegt hatte. Das zeigt, dass die Selbstkannibalisierung keine brauchbare Strategie ist.

Was heisst das unter dem Strich? Alles, worauf die Schweiz stolz war im Käseexport steckt in der Krise oder hat zumindest die Grippe. Gleichzeitig haben die Importe wert- und mengenmässig wie immer in den letzten Jahren zugelegt und zwar um 2,6%, am deutlichsten war die Zunahme interessanterweise bei den Hartkäsen, also unseren Topprodukten, die im Inlandabsatz auch eher zaghaft wachsen oder gar weiter schrumpfen.

Die ganze Situtation wird sich aufgrund der Aufhebung der Milchkontingente im nächsten Jahr in der EU vermutlich noch verschärfen. In der bäuerlichen Presse befürchtet man bereits eine Milchschwemme. Die Milch wird bei der zu erwartenden Überproduktion billiger, was nach Adam Riese garantiert auf die Produktepreise durchschlagen wird, was die Importkäse preislich für die Importeure noch interessanter und den Export noch tückischer macht.

Gleichzeitig liebäugelt der Bund mit Support der üblichen Souffleure mit einer Freihandelsstrategie bei der sogenannten Weissen Linie, also Frischmilchprodukte. In einem Kampf der Studien schlagen sich Befürworter und Gegner einer Marktöffnung die Zahlen um die Ohren. Zugunsten einer Liberalisierung wird gerne das Beispiel Käse angeführt, wo der Freihandel zu den eben aufgezählten Auswirkungen geführt hat. Ich sehe aus den Erfahrungen mit der “Gelben Linie” aber keinerlei positive Argumente in Richtung isolierter Marktöffnung erwachsen. Es bräuchte, wenn schon offene Grenzen für sämtliche Branchen, habe mir da schon öfter die Finger schusselig geschrieben. Solange Importeure von landwirtschaftlichem Gerät bis Medikamenten die höhere Schweizer Zahlkraft schamlos abschöpfen dürfen, ist es nicht sauber, die Bauern samt der nachgelagerten Sektoren in den Marktsturm zu stellen. Dass man das dann mit staatlichen Ausgleichszahlungen kompensieren muss ist ja irgendwie auch nicht das Gelbe vom Ei, wenn man von genau dieser Subventionspolitik eigentlich weg kommen möchte.

Item, ich melde mich mal für ein paar Wochen ab und werde möglichst viel Hartkäse essen, promise.

 

Rumäniens bedrängte Kofferraum-Marktwirtschaft

Mai 11, 2014

Schweinemarkt HodacNochmal ein kurzer Ausflug nach Rumänien und in die Marktwirtschaft, vor allem die am Strassenrand. Hier reicht als Laden ein Kofferraum, eine Ladefläche oder eine (soeben zum Abtransport verladene) Kiste, wie hier auf dem Bild vom Markt im siebenbürgischen Hodac, wo ein paar Ferkel angeboten werden.
Märit HodacViel zum Einsatz kommen auch schlichte Lieferwagen, aus deren Tiefe dann Getreide aller Art, Mehl oder andere Ware en gros angeboten werden.
KäsemarktManchmal braucht es auch nur ein Tischen mit einer Waage und einem Käse, wie dieses Bild, ebenfalls aus Hodac, zeigt.
On the roadDaneben gibt es unzählige einfache Verkaufsstellen am Strassenrand. Etwa hier, wo Wein, Früchte und Gemüse im Sortiment sind. Ich vermute, dass dies hier anders auf dem Markt, wo Abgaben zu bezahlen sind, sehr informell läuft, allenfalls, wird man dem Eigentümer des Grundstücks einen Batzen in die Hand drücken…
Honig…oder im Falle dieser Verkäuferin, die auf dem freien Feld aus dem Wohnwagen Honig verkauft, ein Glas für den lokalen Polizisten bereithalten.
Angst2Nur damit jetzt nicht der Eindruck entsteht, Rumänien werde ausschliesslich von idyllischen Bauernmärkten und Strassenverkäufern versorgt, hier noch ein Bild aus Bukarest, wo die rumänische Tochter der Zürcher Metzgerei Angst in Zusammenarbeit mit Carrefour einen schmucken Mini-Supermarkt eröffnet hat. Das Geschäft steht bezeichnenderweise im gedeckten Teil eines ehemaligen Frischmarkts, wo die Bauern und Bäuerinnen aus der Umgebung ihre Milch- und Fleischprodukte zu verkaufen pflegten. Das ist leider eine verschwindende Kultur. Das Land wird im Schnellzugstempo überzogen von mitten ins Kulturland gepflanzten gigantischen Supermärkten, wobei deutsche Ketten auffällig omnipräsent sind. Kein schönes Bild, aber bei uns in der Agglo sieht es ja auch nicht besser aus.

 

Kuhwoche (3): Selbsthilfe-Wettbewerb

Mai 1, 2014

Stettbach2Natürlich braucht so eine Kuhwoche auch noch einen Wettbewerb. Wer mir als erstes meldet, was das für eine Rasse ist, der erhält ein Priisli. Ich habe ehrlich gesagt selber keinen blassen Schimmer. Deshalb eine Art Selbsthilfe-Wettbewerb, viel Glück!

Noch schwieriger wäre übrigens wäre zu erraten, wo das Bild aufgenommen wurde, aber das verrate ich jetzt: Stettbach am Zürcher Stadtrand, aber schon Dübendorf, merci no mal vilmal, Monika! (Bild: Monika Schlatter)

Weltmeistertitel für einen schlecht Betreuten

März 23, 2014

Weltmeisteremmentaler Kopie

Diese Woche wurde der Emmentaler Weltmeister, nicht ein Schwinger oder ein Töfffahrer, s0ndern der beste Käse, den es eigentlich gibt, so man ihn den gedeihen lässt.

Zuerst einmal herzliche Gratulation an Gérard Sinnesberger aus Gams leicht östlich des Emmentals. Er holte sich mit seinem 100-Kilo-Laib die Goldmedaille am World Championship Cheese Contest im US-amerikanischen Wisconsin.

Das ist ziemlich bemerkenswert, standen doch über 2600 Käse aus aller Welt in der Auswahl. Für den Emmentaler per se gibt es allerdings wenig zu feiern. Der Preis hat sich zwar zuletzt dank allgemeinverbindlicher Mengensteuerung stabilisiert, aber nach wie vor leidet er unter struktureller Überproduktion, Käseunion lässt grüssen.

Dafür können die heute Verantwortlichen nicht viel, aber ein sonderlich brillantes Bild geben sie trotzdem nicht ab. Fangen wir mal an mit Emmentaler Switzerland: auf der Website der Sortenorganisation sucht man vergeblich nach dem kleinsten Anzeichen einer Erfolgsmeldung. Fehlt es da an Aufmerksamkeit oder Stolz oder beidem? Ein WM-Titel ist doch der ideale Steilpass für eine Marketingoffensive, man könnte Inserate schalten, in die Medien drängen, Social Media auf Hochtouren rattern lassen und so dem Vielgeschmähten virtuell die Rinde polieren.

EmmentalerFolepiFehlanzeige auch in den Läden, die Grossverteiler müssten jetzt den Drive ausnutzen und mal ein paar Käser aufbieten, die in den Läden promoten und zeigen, dass der weltmeisterliche Emmentaler ein aufwändig aus silofreier Rohmilch hergestetlles Handwerksprodukt und nicht industrielle Massenware ist. Genauso wird er nämlich vermarktet. Gestern in der Migros wurde man auf der Suche nach Beispielen sofort fündig: Aktion Emmentaler Surchoix (“erste Wahl”) für sage und schreibe 14 statt 18 Franken das Kilo, das grenzt an Verschleuderung. Derweil kostet das importierte Industrieprodukt Fol Epi 23 Franken pro Kilo. Dieses profitiert vom Marketingpotenzial des Konzerns Bongrain, inklusive TV-Spots, auch in der Schweiz. Deshalb muss man hier auch den mit Abstand grössten Käsehändler Emmi in die Pflicht nehmen, der mit seiner Marke Kaltbach aus der selber gebauten Höhle lediglich ein Mikrosegment des Marktvolumens puscht und für die Vermarktung der Dachmarke kaum einen Finger rührt.

Insgesamt scheint niemand grosse Motivation für aktive Marktbearbeitung zu haben. Ein Hauptgrund für das geringe Interesse von Seiten Handel und Detailhandel ist, dass die Margen bei anderen einheimischen Spezialitäten und Importkäsen deutlich besser sind, als beim seit Jahren mit Tiefpreisen entwerteten Flaggschiff, derweil die Sortenorganisation wieder einmal hauptsächlich mit internen Führungs- und anderen Problemen beschäftigt scheint und dort gar niemand merkt, dass es etwas potenziell publikumsträchtiges zu feiern gäbe.

Wie Raili mit Sauerteig ein Business erbacken hat

Januar 18, 2014

Railis Kallavus mit Brot kleinDie Grüne Woche (IGW) in Berlin, wo ich dieser Tage wieder mal bin, hat heuer 1650 Aussteller und Ausstellerinnen. Da ist es natürlich schwierig den Überblick zu behalten. Deshalb hier statt irgendwelcher Gesamtbetrachtungen ein Schlaglicht auf Raili Kallavus aus Estland, neben der ich, der Zufall wollte es, an der Eröffnungsveranstaltung zu sitzen kam.

Sie hat mir eine interessante Geschichte erzählt: Ihre Jobs als Deutschehrerin an einem Gymnasium in Tartu und später als Consulterin für NGOs hat sie an den Nagel gehängt, es hat sie gelangweilt. Jetzt bäckt sie seit gut drei Jahren Brot. Mit grossem Erfolg. Die halbe Stadt deckt sich bei ihr mit Sauerteigbrot ein und das mit Gründen: Es schmeckt ausgezeichnet, wie die Degustation am Stand des diesjährigen IGW-Gastlandes aus dem Baltikum zeigte.

Raili Kallavus mit Sauerteig kleinRaili, die viel jüger aussieht, als sie ist, hat sich das Fachwissen im Selbststudium angeeignet. Aus Büchern und dem Internet. Dann hat ihr eine Bekannte etwas Sauerteig (wie das aussieht, siehe Bild rechts) zugesteckt und damit arbeitet sie seither. Verkaufsstelle ist ein als Genossenschaft organisierter Bauernmarkt in der zweitgrössten Stadt des Landes, interessanterweise angesiedelt im Foyer eines grossen Einkaufszentrums. Den Ofen stellt ihr das Einkaufszentrum zur Verfügung. Der Duft des frischen Brotes sei der ideale Lockstoff für die Konsumentinnen versichert sie schmunzelnd. Zu ihren KundInnen gehörten Leute “die viel Wert auf Gesundheit legen, die Handarbeit schätzen und einheimische Produkte mögen”, fährt sie fort. In estnischen Supermärkten stamme das Brot häufig aus anonymer Industrieproduktion mit unklarer Herkunft des Rohstoffs.

Das ist bei der umtriebigen Jungunternehmerin anders: Sie bezieht den Roggen aus lokaler Produktion von einem Bauern aus dem benachbarten Landkreis , den sie auf einem anderen Bauernmarkt kennengelernt hat. Die Sonnenblumen- und Kürbiskerne, mit denen sie einen Teil der Produktion verfeinert sei leider noch nicht aus dem Inland, da ein entsprechendes Angebot fehle, bedauert die spätberufene Bäckerin. Die handwerkliche Produktion führt dazu, dass ihr Brot nicht ganz billig ist, der 300g-Laib kostet 1 Euro 50, das verfeinerte Modell, welches neben Kernen auch Malz enthält, 2 Euro. Der Vorteil sei aber, dass ihr Brot neben den erwähnten Qualitäten auch deutlich länger frisch bleibt aus die Ware aus den Kaufhäusern.

Raili Kallavus macht einen sehr zufriedenen Eindruck, der berufliche Umstieg hat sich gelohnt, sie verdiene mehr als vorher, “wobei ich natürlich auch mehr arbeite als vorher”, wie sie ergänzt. Das Betreiben einer eigenen Firma mit dem Label Koduleib (estnisch Hausbrot), inspiriert von den Vornamen der Grosseltern, macht ihr ebenso Spass, wie das kneten des Teigs, das sei fast wie im Sandkasten spielen. Es sei aber nicht das Backen, das sie motiviert, sondern das Ergebnis: das Geld, die Dankbarkeit und die frohen Gesichter der Kundschaft, etwa dasjenige der Enkelin, wenn sie zufrieden Grossmutters Brot verspeist.
Railis Koduleib klein

Ouganda: “Une scène classique qui m’a frappée”

Dezember 3, 2013

Ouganda Transport de Lait 4Meine liebe Agrarjournalistenkollegin Claire Muller von “Terre et nature” hat mir diesen interessanten Artikel zukommen lassen. Unten finden Sie eine etwas gekürzte Übersetzung, herzlichen Dank Claire, spannend!

“Ce matin-là, Enos arrive parmi les derniers au local de coulage de lait. Il n’habite pourtant qu’à 2 km de la laiterie coopérative. Pendant que le responsable transvase sa livraison dans le tank après l’avoir filtrée, Enos échange quelques mots avec d’autres producteurs, tout en partageant une tasse de thé, devant le mur où sont affichées les mesures d’hygiène de traite élémentaires. Le sujet du jour? Le prix du lait, à la baisse depuis plusieurs semaines. Le ton monte, les visages s’animent. Fenêtres grandes ouvertes et radio à fond un camion arrive soudain. Il vient d’effectuer une tournée dans les fermes éloignées.

Cette scène aurait pu se dérouler chez nous, en Suisse, dans n’importe quel village. Mais je l’ai vécue à 9000km d’ici, en Afrique équatoriale, plus exactement en Ouganda. Malgré la distance et les différences culturelles, cette scène (trop) classique m’a frappée. Quelle similitude avec ce dont je suis témoin quotidiennement chez les producteurs laitiers suisses! Même sentiment d’injustice et d’impuissance, même impression de travailler dur, de se lever tôt de se coucher tard pour un salaire frolant parfois l’indécence, même déprise d’un produit devenu de consommation courante.

Enos Habyarimania me raconte qu’il possède huit vaches, et que pour la région, c’est beaucoup. Il est arrivé à vélo, une cordelette maintenant la boille à lait sur son porte-bagage. Ce matin, il a livré dix-huit litres. Le laitier l’a soigneusement noté dans un épais cahier, après avoir contrôlé l’absence d’eau rajoutée dans la livraison d’Enos. Cette semaine, Enos sera rémunéré à hauteur de 500 shillings ougandais/litre, soit 0,18 francs suisses. Le lait constitue près des deux tiers du revenu d’Enos et de sa famille. Alors la moindre fluctuation baissière est difficile à encaisser.

En parallèle, Enos et son épouse travaillent quotidiennement dans leurs plantations de 1,2 hectares de pois, de maïs, de sorgho et de manioc, qu’ils cultivent pour leur propre consommation et dont ils commercialisent les surplus au marché. A 25 ans, il ne se plaint guère de son quotidien. Il entretient même un bon espoir de voir sa situation s’améliorer. C’est que dans sa région, le sud ouest de l’ouganda, les producteurs s’organisent. La coopérative qu’ils ont créé vient de racheter le tank à lait à l’industriel qui le détenait jusqu’alors. “Nous allons être plus forts dans les négociations”, se réjouit Enos, qui me glisse encore que le rapport de force pourrait bien être en train de changer. Il est 9h, Enos enfourche son vélo et rentre chez lui.

Suite à son voyage en Ouganda organisé par la Fédération internationale des Journalistes Agricoles (IFAJ) et l’ONG néerlandaise Agriterra, Claire Muller publiera dans le courant du premier trimestre 2014 plusieurs articles sur l’agriculture ougandaise et les suisses qui sont partis là-bas.”

Ouganda Transport de Lait 2
Uganda : “Eine klassische Diskussion, die mich frappiert hat”

“An diesem Morgen kommt Enos als einer der letzten zur Milchsammelstelle, dabei wohnt er nur 2km von der Milchgenossenschaft entfernt. Während der Verantwortliche seine Lieferung filtriert und in den Tank leert, wechselt Enos einige Worte mit den anderen Produzenten, dazu trinken sie Tee vor der Mauer, wo die Hygienemassnahmen angeschlagen sind. Das Thema des Tages? Der Milchpreis, der seit einigen Wochen sinkt. Die Lautstärke der Diskussion nimmt zu, während der Sammellastwagen mit offenen Fenstern und Radio auf voller Leistung vorfährt.

Diese Szene könnte sich in jedem beliebigen Schweizer Dorf abspielen. Aber ich habe sie 9000 km von hier entfernt erlebt, in Uganda. Trotz der Distanz und den kulturellen Unterschieden, hat mich diese (zu) klassische Szene frappiert. Welche Parallele zu dem, was ich in meinem Alltag bei den Schweizer Milchproduzenten erlebe! Das gleiche Gefühl von Ungerechtigkeit und Machtlosigkeit, das gleiche Gefühl, hart zu arbeiten, früh aufzustehen und spät ins Bett zu gehen für einen erbärmlichen Lohn, die gleiche fehlende Wertschätzung für das Produkt.

Enos erzählt mir, dass er acht Kühe besitzt, und das sei viel für die Gegend. Er ist mit dem Fahrrad gekommen, die Milchkanne hat er mit einem Seil auf dem Gepäckträger befestigt. Diesen Morgen bringt er 18 Liter. Der Molkerist hat die Menge sorgfältig in einem Heft notiert, nicht ohne vorher geprüft zu haben, ob kein zusätzliches Wasser beigefügt worden ist. Diese Woche erhält Enos 500 Uganda-Shilling pro Liter, das sind 18 Rappen (also rund 100 Franken pro Monat). Die Milch liefert zwei Drittel von Enos Einkommen. Die kleinste Preissenkung ist deshalb schwierig hinzunehmen.

Daneben produzieren Enos und seine Frau auf ihren Äckern mit einer Fläche von 1,2 Hektaren Erbsen, Mais, Hirse, Maniok für den Eigenverbrauch und den lokalen Markt, wenn etwas übrig bleibt. Der 25-jährige beschwert sich nicht über seinen Alltag. Er hegt sogar Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation. Im Südosten Ugandas organisieren sich die Bauern. Die von ihnen gegründete Genossenschaft hat soeben den benützten Milchtank kaufen können. „Das wird unsere Verhandlungsposition stärken“, freut sich Enos. Die Kräfteverhältnisse würden sich dadurch verändern, ergänzt er noch, bevor er sich um 9 Uhr mit seinem Fahrrad auf den Heimweg macht.

Nach ihrer Ugandareise, die von der International Federation of Agricultural Journalists (IFAJ) und der holländischen NGO Agriterra organisiert wurde, wird Claire Muller in den nächsten Monaten einige Artikel über die Landwirtschaft in Uganda und verschiedene Schweizer, die dorthin ausgewandert sind, publizieren.”
Ouganda Transport de Lait 1

Trashiges aus’m internetten Agrarvideoschaffen

November 30, 2013


Aus aktuellem Anlass heute mal ein kleiner Blick auf paar Agrarvideos im weiten Netz. Seit heute erscheint die Bauernzeitung online im neuen Kleid. Das ist nicht schlecht gelungen. Nicht, dass man das Internet neu erfunden hätte, aber im Vergleich zum Steinzeitauftritt von zuvor ein klarer Gewinn, sauber aufgeräumt, recht gut aktualisiert und mit allerlei neuen Features, zum Beispiel einem Blog des Chefredaktors, willkommen Kollege!

Das eindeutig aufsehenerregendste neue Format ist aber der Marktkommentar von Redaktor Hans Rüssli. Gefilmt vor einem naturgewaltigen düsteren Ölgemälde und geziert von der für helvetische Agrarexponenten fast obligaten Edelweisskrawatte verliest er ungerührt Marktentwicklungen im Fleischbereich, ohne die Kamera eines Blickes zu würdigen, während ihm eine unsichtbare weibliche Stimme aus dem Off die Stichworte liefert. Das ganze ist videotechnisch und punkto Regie derart steinzeitlich, dass es fast schon wieder gut ist. Ob das emotionsarme Format grad Kultcharakter entwickeln wird, wie man in der Redaktion vermutet, wird sich weisen müssen.


Der Video-Marktkommentar in der “BauZ” ist kein schlechter Ausgangspunkt für einen kleinen Tour d’horizon in Sachen Agarvideoschaffen im Internet. Da war namentlich der “Schweizer Bauer” einst pionierhaft. Als Redaktor K. vor gefühlten zehn Jahren an Pressekonferenzen statt zu fotografieren die Kamera erstmals auf ein kleines Stativ stellte, endlose Statements aufnahm und dann am Schluss noch ein freches Videointerview führte war das eine ziemliche Revolution im Agrarsektor. Leider ist es den Pionieren nicht gelungen, ihre Innovation zu professionalisieren und führend zu bleiben. Das Traktorfilmli oben ist ein gutes Beispiel. Präsentatorin Andrea macht ihre Sache zwar nicht einfach schlecht, aber sie war offensichtlich sich selber überlassen und das Fehlen von Regie macht das ganze hölzern. Dazu kommen komische Bildeffekte, die vermutlich aus einem Freeware-Programm stammen.


Da sind andere deutlich weiter, zum Beispiel die Firma bauernfilme.ch von Markus Gerig, der den beiden grössten Agrarblättern längst das Wasser abgegraben hat, dort wo es überhaupt nötig war. Seine Filme wirken wie aus einer anderen Welt. Man schaue beispielsweise obenstehenden Film, der für ein Lohnunternehmen realisiert wurde. Die Aufnahmen, viele davon mit einer Kameradrohne, einem sogenannten Quadrocopter realisiert haben schon fast glamourösen Charakter. Schöner könnte das auch kein Kanadier inszenieren.


Dasselbe gilt für das österreichische Portal landwirt.com, notabene ebenfalls Sprössling einer traditionsreichen Landwirtschaftszeitung. Die Printherkunft muss also keineswegs dazu führen, dass das Videoschaffen wirkt, als ob es aus dem letzten Jahrhundert (und nicht den letzten Jahren davon) käme. Was man allenfalls kritisieren kann ist, dass wie im eingebetteten Beispiel eine einzige Maschine im Mittelpunkt steht, was den Vergleich mit anderem Gerät ausschliesst. Und wiederum den Nutzen für den Seher dadurch stark reduziert wird.


Da lob ich mir den Youtube-Kanal vom FiBL, und zwar nicht nur weil ich dort jetzt Lohn nehme. Mein Kollege Thomas Alföldi ist ein Selfmade-Talent, das sich aber bei schwierigeren Fällen nicht scheut, Hilfe von Profis, zum Beispiel bauernfilme.ch, anzufordern. Das Resultat sind für Internet-Verhältnisse sehr solid gemachte Filme, die gleichzeitig Vergleichsmöglichkeiten bieten.

“Glyphosat macht Baby tot.” Ja, das darf man

November 1, 2013

Glyphosat-BabyNach den Ferkeln kürzlich nochmal kurz nach Deutschland: Auch die bäuerliche Szene kann Shitstorm. Seit etwa zwei Tagen tobt auf Twitter und Youtube, in Zeitungen und auf Lobbyportalen agrarische Empörung.  Auslöser ist ein Video des deutschen Bundes für Umwelt und Naturschutz (kurz Bund). Mit diesem Filmchen (oben ein Still unten das Video) illustriert die NGO eine neue Kampagne unter dem Titel “Pestizide. Hergestellt um zu töten“. Im Visier hat Bund dabei primär Glyphosat (besser bekannt unter dem Monsanto-Markennamen Roundup).  Mit der Kampagne will der Bund erreichen, dass der Einsatz von Glyphosat in Hausgärten und die sogenannte Sikkation auf Bundesebene verboten werden. Dabei handelt es sich um die Behandlung von Kulturen kurz vor der Ernte, um so die Abreife zu beschleunigen.

Das Video ist keine Minute lang und zeigt kurz zusammengefasst, wie halb in der Erde eingegrabene Babys zuerst fröhlich mit Dreck und Stecklein spielen, nur um kurz darauf nach drohendem Grollen von einem Sprühflugzeug überflogen und eingenebelt zu werden. Dann der Titel der Kampagne: Pestizide. Hergestellt um zu töten.

Ist das geschmacklos? Ja, indirekt wirft der Bund den Bauern vor, mit ihren Praktiken Babys zu töten. Das ist ein ziemlich starkes Stück, ist doch bis heute ein fundierter Beweis noch ausstehend, dass Glyphosat effektiv Embryonen schädigt. Soweit ich im Bild bin, setzt die Mehrheit der Landwirte Pestizide so ein, dass sie damit weder sich selber noch die Umwelt schädigen, oder sie streben dies zumindest an. Zudem darf man dem Bund und den pestizidkritischen Konsumenten getrost unter die Nase reiben, dass eine Lebensmittelproduktion ohne Pestizide teurer ist. Und dass trotz dem Vorhandensein der Alternative, nämlich Bio, nur eine mickrige Minderheit bereit ist, mehr zu zahlen, um die eigenen Babys zu schützen. Erwähnen muss man in diesem Zusammenhang auch, dass selbst in Bio-Kreisen umstritten ist, ob es möglich wäre, die Welt mit Bio alleine zu ernähren.

Darf man trotzdem eine solche Kampagne machen? Ja, klar. Solange es der Industrie erlaubt ist, mit verharmlosender Propaganda so zu tun, als ob der Profit das nebensächlichste der Welt wäre (wie zum Beispiel hier) und als ob sie stattdessen prioritär die Welt retten und umfassend ernähren möchte, wird es auch einer NGO noch erlaubt sein, polemische PR zu betreiben. Ganz argumentenfrei steht der Bund nämlich keineswegs da, (obwohl man natürlich der Gerechtigkeit halber erwähnen muss, dass auch der Bund Geld verdienen muss, um seine Geschäftsstelle und Kampagnen zu finanzieren). Eine kürzliche Untersuchung des Verbands hat gezeigt, dass 70 Prozent der Urinproben von Konsumenten aus 18 europäischen Städten Glyphosat enthalten. Zudem gibt es zweifelsfrei Probleme mit dem massierten Einsatz des Produkts, vor allem in den Weltgegenden, wo es flächendeckend zum Einsatz kommt, zum Beispiel in Argentinien, wo sich ganze Dörfer im Protest gegen die rücksichtslose Applikation von Glyphosat aus der Luft wehren. Die Pueblos Fumigados (gespritzte Dörfer) sind zu einer kraftvollen Bewegung geworden, die auf dem besten Weg sind, Erfolge zu erringen, zum Beispiel grössere Sicherheitsabstände zwischen bewohnten Gegenden und gespritztem Kulturland. Diese Terraingewinne wurden nur möglich wegen offensichtlicher Zunahme von Gesundheitsschädigungen, zum Beispiel diverse Krebstypen und Fehlgeburten. Daran sind auch wir hier mitbeteiligt, gehört Europa doch zu den grossen Abnehmern lateinamerikanischer Soja.

Also, liebe empörte Bauern und Industrievertreter, nach Abebben der grössten Aufregung empfehle ich, die Energie für die Verminderung und die Verbesserung des Pestizideinsatzes sowie für den Ersatz der Importsoja durch einheimische Eiweissträger einzusetzen (gilt übrigens für die Schweizer Branche genauso). Das Video des Bund wird Euch vorkommen wie ein mildes Herbst-Lüftchen gegenüber dem Orkan, der sich erheben wird, sobald die erste Missbildung eines Embryos durch Glyphosat wissenschaftlich belegt ist.

Syngentas grünes Mäntelchen und was drunter ist

September 21, 2013


Diese Woche hat Syngenta ihren “Good Growth Plan” vorgestellt. Der Papier liest sich wunderbar und im Video mit viel schönem Bildmaterial und Verbalpathos von Seiten des CEO Mike Mack, wird das reich dekorierte grüne Mäntelchen auch optisch leicht tragbar präsentiert (siehe Video oben). Hier die sechs Punkte des Plans:

  1. Nutzpflanzen effizienter machen: Die durchschnittliche Produktivität der weltweit wichtigsten Nutzpflanzen um 20 Prozent steigern, ohne mehr Ackerland, Wasser oder andere Ressourcen einzusetzen
  2. Mehr Ackerland bewahren: Die Fruchtbarkeit von 10 Millionen Hektar degradiertem Ackerland verbessern
  3. Biodiversität fördern: Die Artenvielfalt auf 5 Millionen Hektar Ackerland erhöhen
  4. Kleinbauern Hilfe zur Selbsthilfe bieten: 20 Millionen Kleinbauern erreichen und sie befähigen, ihre Produktivität um 50 Prozent zu steigern
  5. Gute Arbeitsschutzpraktiken vermitteln: 20 Millionen Feldarbeiter in Arbeitssicherheit schulen, insbesondere in den Entwicklungsländern
  6. Engagement für jeden Arbeiter: Auf faire Arbeitsbedingungen im gesamten Netzwerk unserer Lieferkette hinarbeiten

Ich bin immer skeptisch, wenn die Saatgut- und Pestizidmultis plötzlich ihre umwelt- und menschenfreundliche Ader entdecken. Aber überlassen wir das Wort doch noch einmal Mike Mack. Im untenstehenden Video kommentiert er während einer guten Viertelstunde das Jahresergebnis 2012. In dieser Zeit hört man nichts vom oben erwähnten Feuerwerk der Nachhaltigkeit. Hier geht es um Dividend, Balance Sheet, Market Shares, Aquisitions, Price Opportunities, Strategic Crops, und vor allem Percent, Percent, Percent und davor natürlich immer ein Plus.

Das ist nicht erstaunlich, ist doch das Schicksal des Managers primär abhängig vom Jahresergebnis und vom erwirtschafteten Shareholdervalue. Die Bauern und Landarbeiter als wichtigste Stakeholder, die man ja angeblich stärken will, sind für Syngenta, wenn man Mack zuhört, nur als Umsatzgeneratoren interessant, und das heisst dann, wenn sie eingebunden sind in die integrierten Systeme (ein anderer wichtiger Terminus aus dem unteren Video) von Syngenta. Von den Problemen, die der Monokulturanbau der strategischen Pflanzen zur Folge hat, zum Beispiel Erosion oder Superunkräuter, die gegen die Pestizidresistenz erwachsen, hört man von Mack nichts. 

Man verstehe mich nicht falsch. Ich weiss, dass Syngenta keine karitative Organisation ist. Man will Geld verdienen – das ist zurecht nicht verboten -, aber letztlich spielt es keine Rolle, was die Flurschäden sind, solange es das Unternehmen direkt oder indirekt nichts kostet. Dafür ist neben der Strategie auch das Image entscheidend. Mein Fazit nach Konsum der kommunizierten Inhalte und der beiden Videos: Dessen Politur ist das einzige Ansinnen hinter dem “Good Growth Plan”. Das ist mager. Ich würde gerne Taten zugunsten der Nachhaltigkeit sehen, die ihre Spuren im Jahresergebnis hinterlassen, das würde die Glaubwürdigkeit des Plans massiv erhöhen. 


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