Emmi ist ein wichtiges Unternehmen für die Schweizer Land- und Ernährungswirtschaft. Ohne die stabile Performance der Luzerner in den Jahren des planwirtschaftlichen Zusammenbruchs Ende des letzten Jahrtausends gäbe es wohl einige Tausend Milchproduzenten weniger im Land. Aber allzu hoch loben wollen wir jetzt den Marktleader auch nicht. Vieles was damals aquiriert wurde, hat Emmi zu einem Spottpreis erhalten, man denke etwa an die gut gelegene und gut eingerichtete Toni-Molkerei im bernischen Ostermundigen, wo immer noch die legendären Joghurts im Glas hergestellt werden. Das soll aber den Erfolgsausweis nicht gross schmälern, seit Jahren wird hier solide gewirtschaftet, neuerdings vor allem von früheren oder späteren Migrosmanagern. Etwas weniger gefällt mir die Entfremdung des Unternehmens vom Bauernstand. Wie ich dieser Tage der Fachpresse entnommen habe, sind 62 Prozent des Emmi-Aktienkapitals in bäuerlichem Besitz. Davon merkt man nicht immer gleichviel. In der seit Jahren andauernden Instabilität am Milchmarkt gelingt es den Zentralschweizern prächtig, hinter den Kulissen mit eisernem Griff die Preise zu diktieren und vordergründig den schuldlos Unbeteiligten zu markieren, der sich lediglich nach den Verhältnissen des Marktes richtet. Schön exerziert das auch Verwaltungsratspräsident Konrad Graber in einem Interview im jüngsten “Schweizer Bauer” durch. Ich will heute aber eigentlich etwas anderes thematisieren, nämlich die Emmi-Reklame. Davon sieht man eigentlich relativ wenig, zumindest in den Publikationen und auf den Plakatwänden, die mir zu Gesicht kommen. Mehr Effort zugunsten der Milchwirtschaft schiene mir durchaus möglich. Nun ist mir doch wieder einmal eine Kampagne zu Gesicht gekommen und ich finde sie schwach (siehe Bild oben). Milch “von Kühen die Chuck, Bruce und Arnie heissen”, verspricht die Affiche für die Energy-Milch. Was soll das? Milch stammt immer noch von Kühen mit weiblichen Namen und nicht von solchen, die nach Actionhelden benannt sind, wenn schon müssten es dann weibliche Heldinnen sein, die gibt es nämlich auch, siehe zB. Angie (Jolie) oder Sandy (Bullock). Es sei denn man wolle die Energy-Milk jetzt im Stile eines Red Bull als Testosteron-Elixier für halsbrecherische Stuntpiloten positionieren. Das ist eine andere Art von Entfremdung von der Milchproduktion in einer Kampagne, die weder aufgeht, noch originell ist, obschon sie verzweifelt versucht, das zu sein und sich dabei auf eher peinliche Art und Weise anbiedert beim jungen Publikum. Das gilt auch für das zweite Sujet (siehe unten). Dass dann noch ein umweltschädlicher Flug in einem Jet als Preis ausgeschrieben wird, passt in das trübe Bild. Es gäbe in der Landwirtschaft weiss Gott genügend Kicks im naturnahen Rahmen, die ein bisschen Propaganda aus der eigenen Küche gut gebrauchen könnten. Wenn ich Emmi-Lieferant wäre, würde mich jeder der wahrscheinlich nicht zu knapp geflossenen Rappen reuen, der für diesen schwachen Testosteronschub ausgegeben wurde.
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Reklametion: Emmis schwacher Testosteronschub
Mai 21, 2012Wie die Biosphäre konventionelle Probleme löst
April 12, 2012
Wieder einmal etwas gelernt: Dieser Tage habe ich für meinen Arbeitgeber einen Artikel zur Eierproduktion verfasst, genauer zur “Verwertung”, um dieses wüste Wort zu brauchen, der Suppenhühner. Für diese gibt es in der Schweiz seit langem ungenügende Nachfrage, weil die KonsumentInnen lieber Pouletbrüstli aus der Schnellmast aus allen Herren Ländern verzehren, anstatt ein Huhn während Stunden gar zu kochen. Im besagten Artikel kam der Direktor der Branchenorganisation Aviforum ausführlich zu Wort. Er bestätigte, dass die Branche eine neue Lösung für den Absatz der Suppenhühner gefunden hat. Statt die knapp 2 Millionen ausgedienten Legehennen wie bisher zu vier Fünfteln in Biogas-Anlagen zu entsorgen, können neu zwei Drittel der Tiere der grössten Eierproduzenten in einem süddeutschen Unternehmen – interessanterweise eine verhältnismässig kleine Bio-Geflügelmetzgerei - geschlachtet, entbeint und anschliessend im Schweizer Markt für Charcuterie verwendet werden. Diese News verbreiteten auch der Sonntags-Blick und der Tages-Anzeiger, um nur diejenigen zu nennen, die mir aufgefallen sind. Nur wenige Tage nach der Publikation des Artikels am Oster-Dienstag habe ich nun eine wichtige Zusatzinformation erhalten: Den Weg für die neue Lösung haben die konventionellen Hühnerhalter nicht etwa selber gefunden, sondern vorgespurt erhalten: Initiantin für den sinnvollen Entsorgungsweg war die im Zürcher Oberland angesiedelte Hosberg AG, die grösste Handelsfirma für Bioeier, wie mir eine Mitarbeiterin berichtet. Das sind erfreuliche Nachrichten: die Biobranche spurt vor und die Konventionellen steigen aufs Trittbrett. Das zeigt auch, dass ökologische Bewirtschaftung und Tierhaltung weit über den eigenen Sektor ausstrahlen. Für mich war es eine Lektion, denn die Recherche war ungenügend. Immerhin kann ich mir zugute halten, dass ich beim Schlachthaus vorbeischauen wollte, dort allerdings wegen hoher Auslastung des Betriebs keinen Besuchstermin erhielt, das soll aber keine Entschuldigung sein. Auch für Hosberg gibts eine Moral in der Geschicht: Mehr reden über das Gute, das man tut. Wer sich übrigens interessiert für das Unternehmen, dem empfehle ich das grosse Fest zum 15-jährigen Bestehen am kommenden 9. Juni. Ideal kombinierbar mit einem schönen Wanderausflug im Zürcher Oberland. (Bild Hosberg AG)
Importgüggeli fliegt dem Rind um die Karnivohren
März 31, 2012
Der Branchenverband Proviande hat am Freitag die neueste Fleischstatistik veröffentlicht. Ergebnis: Der Konsum ist noch einmal angestiegen, um 0,8 Prozent auf 53,74 Kilo pro Person. Schweinefleisch ist nach wie vor der Leader, hat aber leicht verloren. Derweil ist Geflügel der Trendsetter, im Privathaushalt noch stärker als in der Ausserhausverpflegung und liegt erstmals an zweiter Stelle vor dem Rindfleisch. Was die Handelsbilanz angeht ist Rindfleisch geschwächt worden, die Importe haben um über 10 Prozent zugenommen. Der Inlandanteil beträgt aber nach wie vor über 80 Prozent. Ganz anders beim Poulet: hier werden 49,2 Prozent eingeführt. Das Fazit? Obwohl unterdessen ziemlich unbestritten ist, dass eine flächendeckende Ernährung der Menschheit längerfristig nur mit einer geringeren Fleischproduktion zu bewältigen ist, haben Herr und Frau Schweizer im Schnitt beim eigenen Ernährunsverhalten noch nichts geändert. Dass ausgerechnet das Pouletfleisch zulegt, zeigt zwei Dinge. Erstens wird rotes und fetthaltiges Fleisch von den Konsumenten, die sich um ihre Gesundheit sorgen nicht durch Gemüse, sondern durch Magerfleisch ersetzt. Zweitens sind ernhährungstechnische Fragen wichtiger als die Sorge um Umwelt und Tierwohl. Pouletfleisch erfordert einen hohen Getreide-Kalorieninput und die Importgüggeli wachsen grossmehrheitlich in industrieller Haltung. Wenn die Poulets in der Schweiz produziert werden, stammt ein Grossteil des Futters aus Importen, es ist also auch nicht wirklich Schweizer Fleisch. Etwas Gutes hat der Pouletfleisch-Boom aus meiner Sicht trotzdem: Es ist mehrheitlich ein derart geschmacksarmes Produkt, dass es dereinst, wenn die Fleischersatzforscher und -produzenten weitere Fortschritte machen, locker durch Tofu oder andere Substrate ersetzt werden kann; Hauptsache es hat ein bisschen Tandoori- oder Currysauce dran. Wobei das natürlich für die im Blitztempo vor sich hinwachsenden Masthybriden kein grosser Trost ist.
Was mich übrigens etwas wundert ist, dass sich Proviande nicht die Mühe nimmt, den Labelanteil auszuweisen, das scheint die Branche nach wie vor wenig zu interessieren. Wenn jemand dazu Zahlen hat, bin ich ein dankbarer Abnehmer. (Bild und Grafik Proviande)
Label Check: Aldi heizt den Orangen ein
März 7, 2012
Viel und gern haben die beiden etablierten Grossgrossverteiler Migros und Coop über Aldi und Lidl gewettert. Am weitesten ging vor gut zwei Jahren Migros-CEO Herbert Bolliger, der den deutschen Discountern in einem Interview allerhand Übeltaten, namentlich Preisdrückerei vorwarf. Nun, nach gut fünf Jahren in der Schweiz ist namentlich Aldi gut zuhause auf dem Schweizer Markt, während Lidl noch etwas Mühe hat. Der Markteintritt der deutschen Discounter war ein Segen für die preisbewussten Konsumenten. Plötzlich kamen bei der orangen Konkurrenz Preise ins Purzeln, die im ungestörten Duopol wohl weiter auf der alten Höhe geblieben wären. Wenn man heute in der Schweiz einen Aldi aufsucht, ist man als Migros-Coop-Langfristkunde schon erstaunt, zu welch günstigen Tarifen dort die Waren im Regal stehen. Das zeigt, dass bei den orangen Riesen immer noch ziemlich Speck in den Margen steckt, zumal eine Umfrage gezeigt hat, dass bei Aldi Suisse das Personal absolut vergleichbar bezahlt wie die Schweizer Traditionsunternehmen. Item. Auch im Labelsegment heizt der deutsche
Discounter Migros und Coop tüchtig ein. Nachdem man schon länger ein umfangreiches Biosortiment anbietet, kommt nun auch ein IP-Label dazu. NatureSuisse ist vergleichbar mit TerraSuisse von Migros und Naturafarm von Coop. Das NatureSuisse-Sortiment ist noch auf Fleisch beschränkt, ausschliesslich aus einheimischer Produktion. Die Anforderungen sind identisch mit den von Migros und Coop: Die Direktzahlungsprogramme Besonders tierfreundliche Stallhaltung (BTS) und Regelmässiger Auslauf ins Freie (RAUS). Im Internet ist NatureSuisse wie TerraSuisse mit eigener Adresse vertreten, während die Adresse naturafarm.ch zu einem Berner Biobauern mit politischen Ambitionen führt. Inhaltlich bietet Naturafarm auf der Homepage am meisten. Aldi hat aber anders als die Konkurrenz ein Rückverfolgbarkeitstool. Der interessante Ansatz ist allerdings ausbaufähig, denn noch kommt man - zumindest ich bei einem kleinen Test – nicht auf den einzelnen Betrieb, sondern höchstens in eine Region, aus der das Fleisch stammt. Inhaltlich am Schwächsten ist Terrasuisse, das auf viel Grafik, wenig Information und nerventötendes Vogelgezwitscher setzt, wobei man dieses, das sei fairnesshalber gesagt, auch abstellen kann. Unter dem Strich ist das Angebot von Aldi durchaus konkurrenzfähig. Jedenfalls kann man dem deutschen Discounter nicht vorwerfen, er erkaufe sich die Preisvorteile durch Einsparungen beim Tierwohl oder beim Umweltschutz.

Roll Models: Velotransport à l’Africaine
März 1, 2012
Was Afrikaner alles mit dem Velo transportieren, hat mich schon immer fasziniert. Kein Drahtesel zu alt und zu geschunden, um ihm noch ein paar Säcke mit Waren aller Art aufzubürden. Letzte Woche berichtete NZZ-Afrikakorrespondent Markus Haefliger in einem sehr aufschlussreichen Artikel von einer besonders waghalsigen Variante. Zur Versorgung der burundischen Hauptstadt Bujumbura fahren Velokuriere mit Bananen, allerhand anderem Gewächs und Holzkohle im Garacho aus den umliegenden Bergdörfern zu Tal. 1400 Höhenmeter in 45 Minuten mit Lasten von bis zu 180 Kilo für einen fixen Preis. Anschliessend machen sich die mutigen Transporteure wieder auf den Rückweg, am Liebsten im Schlepptau eines Lastwagens. Quer zur Fahrtrichtung hocken sie auf der Lenkstange, liegen in die Kurven, wechseln ab und zu den Handgriff und unterhalten sich angeregt über Gott und die Welt. Hier noch ein paar weitere Impressionen.
Während der eine noch auf der Talfahrt ist, gehts für die anderen schon wieder Richtung Berge.
Aktive Verlagerung des Körpergewichts hilft…

… während bei Lastwagen älteren Baujahrs auch mal ein Blick zurück drinliegt. Man beachte die lockere Körperhaltung. Herzlichen Dank für die tollen Helgen, Markus! (Bilder Markus Haefliger/NZZ)
Frau Professors Schuss in den BiOfen
Februar 27, 2012
Man ahnte schon nichts gutes, als die “NZZ am Sonntag” in der Samstagsausgabe des Mutterblattes grossbuchstabig von der grossen Bio-Illusion warnte. Auf der Frontseite der Zeitung ging es am Sonntag dann noch drastischer zu und her: Dort war die Rede von der Bio-Lüge, all das ohne Anführungszeichen. Etwas weiter hinten im Blatt tönts dann etwas moderater. “Pardon, das ist verrückt“, heisst hier der Titel über einem Interview mit Nina Fedoroff. Die reich dekorierte Professorin an der Penn State University ist heuer Präsidentin der AAAS, der weltgrössten akademischen Vereinigung. Deshalb hat ihr Wort einiges Gewicht. Im
Interview holt Fedoroff zum Rundumschlag gegen den Biolandbau aus. Die Produkte seien nicht nur nicht besser, sondern das System auch ineffizient und letztlich gefährlich, da es Lebensmittelvergiftungen zu Gevatter stehe. Ihre Vorwürfe untermalt sie mit Sprüchen im Stil von: “Wenn Sie einen Sack Dünger kaufen, müssen Sie kein Land freihalten, auf dem Sie Futter für Tiere produzieren”. Wäre die gute Frau Ökonomin, könnte man ihre Ignoranz gegenüber geschlossenen Kreisläufen und deren ökologischer und ökonomischer Vorteile ja locker verzeihen. Aber Fedoroff ist Pflanzenbiologin und offenbar eine der renommiertesten grünen Gentechnologinnen. Dabei scheint ihr bei der Forschungsarbeit genau das passiert zu sein, was sie den Konsumenten von Bioprodukten vorwirft, nämlich dass sie der Marketingindustrie auf den Leim gekrochen sind. Fedoroff ist derart einseitig von den Vorteilen der Pflanzen-Biotechnologie überzeugt, dass es ihr den Blick auf die Realitäten trübt. Nicht, dass ich die Bio-Landwirtschaft als Heilsbringerin für die weltweiten Ernährungsprobleme betrachten würde, aber ebenso unrealistisch ist die Position, dass dank Pflanzen-Gentechnologie die Ernährungssituation a priori besser wird. Bisher ist diese in erster Linie eine Cashcow für eine Handvoll Grosskonzerne, die leider auch einen Grossteil der entsprechenden Forschung – auch an den Universitäten – finanzieren, was dann derartige pauschale Abrechnungen zur Folge hat. Das habe ich schon im Agronomiestudium erlebt, als die ersten von der Basler Chemie gesponserten Biotechnologen angestellt wurden. Ich bin für Meinungsfreiheit. Aber dass die Kollegen der “NZZ am Sonntag” dieser Polemikerin eine derartige Plattform bieten, ohne dass irgendjemand Gelegenheit erhält, die Vorwürfe mit Argumenten zu parieren, dünkt mich handwerklich nicht grad besonders organisch. Ich hoffe, dass man sich in Bio-Kreisen diesen Schuss in den BiOfen nicht unwidersprochen bieten lässt.

Mit dem Rahmtaler zum Ramschtaler
Februar 2, 2012
Die Leidensgeschichte des Emmentalers ist lang und bekannt. Jetzt schlägt die Sortenorganisation Emmentaler Switzerland (ES) ein neues ungefreutes Kapitel auf. Sie lanciert den Rahmtaler, ein Emmentaler mit höherem Fettanteil, angeblich eine Spezialität aus alten Zeiten (16. Jahrhundert). Dass dessen Produktion aufgegeben wurde, hat gute Gründe. Das teilweise Abrahmen der Milch vor dem Käsen gibt dem Emmentalers, der in jungen Monaten sowieso unter chronischer Geschmacksarmut leidet, etwas schneller und etwas stärker die Rasse, die er im Alter entwickeln kann. Vor kurzem hatten das ausländische Publikum und ich an der Grünen Woche in Berlin erstmals Gelegenh
eit, das zu Recht vergessene und nun wieder auferstandene Produkt zu degustieren (siehe Bild rechts). Im Vergleichstest gegen Emmentaler Standard war er für mich klar unterlegen: die viel zitierte Gummikonsistenz verstärkt, die Geschmacksarmut evident. Daneben gibt es eine Reihe weitere Punkte, die gegen Rahmtaler sprechen. Er bringt keine neue Qualität (wer geschmacksarmen Emmentaler sucht, kann jungen kaufen), kannibalisiert das Original und verwässert sowohl die AOC (das Pflichtenheft musste für den Rahmtaler erweitert werden) wie auch das Erscheinungsbild, da mit Rahmtaler neben dem bisherigen Rot die neue Farbe blau eingeführt wird. Statt derartiger Pseudo-Innovationen sollte ES endlich versuchen, den Zusammenhalt im eigenen Lager zu stärken und den guten alten bewährten Käse besser zu vermarkten. Wie wäre es zum Beispiel, wenn man auf dem deutschen Markt, wo die Kunden ihren Käse in Scheiben geschnitten mögen (hierzulande offenbar auch, sonst würden nicht so viele zu teuren Industrie-Leerdammer kaufen), einen in Scheiben geschnittenen Emmentaler anbieten würde? Ich behaupte nicht, dass es einfach ist, meinen Lieblingskäse zu verkaufen. Aber mit Ideen wie dem Rahmtaler geht man weiter auf dem Weg Richtung Ramschtaler. Und das ist doch einfach schade.
PS. Heute vor drei Jahren erschien hier der erste Post, herzlichen Dank für Ihre Treue, liebe Leserinnen und Leser!
Die hornlose Konsequenz der Anglosachsen
Januar 3, 2012
Herzlich willkommen im neuen Blogjahr, geschätzte Leserschaft. Um den Kontakt zum vergangenen über die Jahresgrenze hinweg nicht ganz abbrechen zu lassen, widme ich mich noch einmal der Milch(-produkte-)werbung. Vor wenigen Tagen wurde hier moniert, dass die Schweizer Milchproduzenten inkonsequenterweise immer noch mit behornten Kühen werben, obwohl man sie heute im Feld fast mit der Lupe suchen muss. In England, wo ich den Jahreswechsel begossen habe, ist man da schon einen grossen S
chritt weiter. Es gibt auch in der Vermarktung nur noch hornlose Kühe. Das ist nichts als konsequent. Und wenn man das Resultat anschaut, sieht das ja gar nicht so übel aus, wie man befürchten könnte. Die konsequente Einführung der hornlosen Kuh in der Werbung braucht aber einen Effort und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema. Eine Übernahme von angelsächsisch-amerikanischer Werbeästhetik kommt ja für die Schweiz wohl eher nicht in Frage. Ein Problem, das mir spontan in den Sinn kommt ist das beliebte Sujet Alpaufzug/-abzug und die gesamte Romantik drumherum. Eine hornlose Kuh mit Treichel sieht in meinen Augen vollkommen grotesk aus. Hier wird man nach neuen Formen suchen müssen. Ich bin gespannt, wie die Branche diesen Problemkreis anpackt. Sollte man zum Schluss kommen, dass der Imageverlust mit hornlosen Kühen in der Werbung zu gross ist, dann wäre die Forderung nach Direktzahlungen für Hörner und Hornmilch die logische Konsequenz…

Die gehörnte Inkosequenz der Milchwerbung
Dezember 29, 2011
Als ich dieser Tage wieder einmal ins Kino ging, lief der neueste Milchspot aus dem Hause der Schweizer Milchproduzenten (SMP). Ich bin beim besten Willen nicht nachgekommen, was man mir sagen will. Eine Kuh wird begleitet von James-Bond-Musik an einem Gestältli in ein Silo abgeseilt. In der Tiefe lagert auf einem Tischchen ein Diamant, das Licht geht aus, und plötzlich steht auf dem Tischchen ein Glas Milch statt des Diamanten. Dann der Claim: “Milch echt stark”. Ich habe mir den Spot jetzt noch ein paar mal angeschaut, aber irgendwie wills mir immer noch nicht ganz einleuchten, wer da warum stark ist. Ist es die Kuh oder das Glas Milch? Nach langem werweissen bin ich zum 
Schluss gekommen, dass es die Kuh sein muss. Die Vermutung wird erhärtet durch den zweiten aktuellen Spot, den man auf der Website von Swissmilk findet. Er handelt von einer Kuh, die schneller auf dem Gipfel ist, als der versierte Kletterer. Als er abgekämpft oben ankommt steht die stolze Milchproduzentin schon auf dem Gipfel, daneben ein Stativ mit dem bereits bekannten Spruch. Hier ist es klar, die Kuh ist stark, und wie es sich für eine stolze starke Kuh gehört, ist sie, wie ihre Kollegin im Silo, behornt; und wie. Man muss schon fast von einem Geweih sprechen. Ich frage mich, wie lange die SMP noch mit gutem Gewissen Werbung mit behornten Kühen betreiben können. Bekanntlich sind über 80, eher 90 Prozent der Kühe heute enthornt. Und die Milchproduzentenorganisation ist nicht bekannt dafür, irgendetwas dagegen zu haben. Im Gegenteil, wenn man das Positionspapier vom August 2010 liest, tönt das wie ein Plädoyer für das Enthornen. Unter dem Titel “Bei der Hornfrage steht die Unfallprävention im Vordergrund”, heisst es dort unter anderem: “Kühe mit oder ohne Hörner? Diese Frage ist nicht neu und stellt sich jedem einzelnen Milchbauer spätestens dann, wenn er als Betriebsleiter für die Sicherheit und Unfallprävention auf seinem Betrieb verantwortlich und haftbar ist. Das Enthornen ist eine wichtige Massnahme zur Unfallverhütung in der Milchviehhaltung und wird bereits in den ersten Lebenswochen des Kalbes gemacht, unter Narkose und durch eine fachkundige Person.” Diese Position kann man schon einnehmen, aber konsequenterweise müsste man dann in der Werbung auch nachziehen. Im Auto-Werbespot fahren die Leute schliesslich auch angegurtet.

Adve(r)ntedankfest(23/24) adieu, et grand merci!
Dezember 25, 2011
Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche allerseits ein frohes Fest. Grad heute morgen habe ich von Ihnen allen ein tolles Geschenk erhalten: BesucherIn Nummer 100 000 hat vorbeigeschaut. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken, nicht zuletzt in Form des leicht retardierten letzten Adventsgeschenks, nämlich – ach wie kreativ - ein Kalender. Er kommt vom Landwirtschaftlichen Informationsdienst LID; eine andere Hand, die mich mit Substanz füttert, auch dafür wieder einmal herzlich merci! Den Kalender Faszination Landwirtschaft kann, wer ihn nicht hier gewinnt, hier bestellen. Diesen hier gibts wie gesagt geschenkt, er ist allerdings leicht manipuliert. Wer herausfindet, in welcher Art und mir das als erstes mitteilt, erhält den agrikulturellen Wandschmuck umgehend zugeschickt. Kleiner Tipp noch, ich will sie ja an Weihnachten nicht noch zusätzlich stressen, schon der letztjährige hatte denselben Makel…. Wenn wir schon bei früheren Jahren sind, aufmerksame LeserInnen werden jetzt monieren, wo den die 23. Adventstüre hinführe. Diese öffnet sich in die Vergangenheit. Via Twitter habe ich kürzlich Bauernfilme.ch kennengelernt. Markus Gerig (den ich persönlich zwar noch nicht kenne, aber dafür gibt es ja heute Twitter und Co.) und sein Team produzieren selber Filme, stellen aber auch Archivperlen ins Netz. Zum Beispiel eine Ausgabe der längst eingestellten Sendung Landwirtschaft heute, die einst allwöchentlich vom Schweizer Farbfernsehen ausgestrahlt wurde. Oder diese strammen Burschen beim Traktorgeschicklichkeitsfahren, oder diese Wochenschau-ähnliche Verherrlichung von gutbäuerlicher Tüchtigkeit aus dem Archiv der Firma Bucher. Vielleicht finden Sie ja bei Gelegenheit zwischen zwei Bräten eine halbe Stunde.
