Archive for the ‘Milchmarkt’ Category

Neue Talente(1): Arnos (& Bundesrat’s) Kalberete

Mai 17, 2014

1 vor der GeburtIm Moment fehlt mir grad etwas die Zeit für längere Ausführungen zu landwirtschaftlichen Themen. Nur ganz kurz ein paar Worte zum jüngst vom Bundesrat in einer Analyse geprüften und mit positivem Verdikt verabschiedeten Vorschlag, die sogenannte “Weisse Linie”, also die Industriemilch dem Freihandel mit der EU auszusetzen. Das ist keine sonderlich intelligente Idee, solange andere Branchen immer noch Heimatschutz, sprich Hochpreisprivileg geniessen und damit die Kosten-Ertragsschere bei den Bauern weiter geöffnet würde (was wiederum gemäss Bundesrat mit läppischen zusätzlichen 100 bis 150 Millionen Franken Direktzahlungen kompensiert werden müsste). Mit Joghurt und anderen Milchprodukten ist es deutlich schwieriger Mehrwert zu generieren, als mit Käsespezialitäten. Denen geht es übrigens auch alles andere als prächtig im Export, wie just diese Woche bekannt geworden ist. Kein sonderlich cleveres Timing, werter Bundesrat…

3 GeburtWenn wir schon bei Kalbereien sind, dann lieber ein gefreuteres Exempel. Ich habe dieser Tage von Arno, einem Kegelbahnkollegen, eine interessante Kuhbilder-Serie erhalten. Aber überlassen wir das Wort doch gleich ihm: “Thomas und Heidi führen einen biodynamischen Bauernhof in Adliswil. Als sie bei uns im letzten November Jassen waren, sind sie mit uns noch ansc5 schwieriges Aufstehenhliessend auf die nächtliche Weide gegangen, da eine Kuh kurz vor dem Kalberen war. Jedoch zeigte sich noch nichts. Am Sonntag sind dann Daniela und ich dreimal schauen gegangen und tatsächlich beim dritten Mal war es so weit: Wir durften eine Geburt auf der Weide miterleben.” Danke bestens, Arno, sie hat sich gelohnt, die Hartnäckigkeit. (Bilder Arno Kerst)
6 Tante Mutter Kind

Weltmeistertitel für einen schlecht Betreuten

März 23, 2014

Weltmeisteremmentaler Kopie

Diese Woche wurde der Emmentaler Weltmeister, nicht ein Schwinger oder ein Töfffahrer, s0ndern der beste Käse, den es eigentlich gibt, so man ihn den gedeihen lässt.

Zuerst einmal herzliche Gratulation an Gérard Sinnesberger aus Gams leicht östlich des Emmentals. Er holte sich mit seinem 100-Kilo-Laib die Goldmedaille am World Championship Cheese Contest im US-amerikanischen Wisconsin.

Das ist ziemlich bemerkenswert, standen doch über 2600 Käse aus aller Welt in der Auswahl. Für den Emmentaler per se gibt es allerdings wenig zu feiern. Der Preis hat sich zwar zuletzt dank allgemeinverbindlicher Mengensteuerung stabilisiert, aber nach wie vor leidet er unter struktureller Überproduktion, Käseunion lässt grüssen.

Dafür können die heute Verantwortlichen nicht viel, aber ein sonderlich brillantes Bild geben sie trotzdem nicht ab. Fangen wir mal an mit Emmentaler Switzerland: auf der Website der Sortenorganisation sucht man vergeblich nach dem kleinsten Anzeichen einer Erfolgsmeldung. Fehlt es da an Aufmerksamkeit oder Stolz oder beidem? Ein WM-Titel ist doch der ideale Steilpass für eine Marketingoffensive, man könnte Inserate schalten, in die Medien drängen, Social Media auf Hochtouren rattern lassen und so dem Vielgeschmähten virtuell die Rinde polieren.

EmmentalerFolepiFehlanzeige auch in den Läden, die Grossverteiler müssten jetzt den Drive ausnutzen und mal ein paar Käser aufbieten, die in den Läden promoten und zeigen, dass der weltmeisterliche Emmentaler ein aufwändig aus silofreier Rohmilch hergestetlles Handwerksprodukt und nicht industrielle Massenware ist. Genauso wird er nämlich vermarktet. Gestern in der Migros wurde man auf der Suche nach Beispielen sofort fündig: Aktion Emmentaler Surchoix (“erste Wahl”) für sage und schreibe 14 statt 18 Franken das Kilo, das grenzt an Verschleuderung. Derweil kostet das importierte Industrieprodukt Fol Epi 23 Franken pro Kilo. Dieses profitiert vom Marketingpotenzial des Konzerns Bongrain, inklusive TV-Spots, auch in der Schweiz. Deshalb muss man hier auch den mit Abstand grössten Käsehändler Emmi in die Pflicht nehmen, der mit seiner Marke Kaltbach aus der selber gebauten Höhle lediglich ein Mikrosegment des Marktvolumens puscht und für die Vermarktung der Dachmarke kaum einen Finger rührt.

Insgesamt scheint niemand grosse Motivation für aktive Marktbearbeitung zu haben. Ein Hauptgrund für das geringe Interesse von Seiten Handel und Detailhandel ist, dass die Margen bei anderen einheimischen Spezialitäten und Importkäsen deutlich besser sind, als beim seit Jahren mit Tiefpreisen entwerteten Flaggschiff, derweil die Sortenorganisation wieder einmal hauptsächlich mit internen Führungs- und anderen Problemen beschäftigt scheint und dort gar niemand merkt, dass es etwas potenziell publikumsträchtiges zu feiern gäbe.

Ouganda: “Une scène classique qui m’a frappée”

Dezember 3, 2013

Ouganda Transport de Lait 4Meine liebe Agrarjournalistenkollegin Claire Muller von “Terre et nature” hat mir diesen interessanten Artikel zukommen lassen. Unten finden Sie eine etwas gekürzte Übersetzung, herzlichen Dank Claire, spannend!

“Ce matin-là, Enos arrive parmi les derniers au local de coulage de lait. Il n’habite pourtant qu’à 2 km de la laiterie coopérative. Pendant que le responsable transvase sa livraison dans le tank après l’avoir filtrée, Enos échange quelques mots avec d’autres producteurs, tout en partageant une tasse de thé, devant le mur où sont affichées les mesures d’hygiène de traite élémentaires. Le sujet du jour? Le prix du lait, à la baisse depuis plusieurs semaines. Le ton monte, les visages s’animent. Fenêtres grandes ouvertes et radio à fond un camion arrive soudain. Il vient d’effectuer une tournée dans les fermes éloignées.

Cette scène aurait pu se dérouler chez nous, en Suisse, dans n’importe quel village. Mais je l’ai vécue à 9000km d’ici, en Afrique équatoriale, plus exactement en Ouganda. Malgré la distance et les différences culturelles, cette scène (trop) classique m’a frappée. Quelle similitude avec ce dont je suis témoin quotidiennement chez les producteurs laitiers suisses! Même sentiment d’injustice et d’impuissance, même impression de travailler dur, de se lever tôt de se coucher tard pour un salaire frolant parfois l’indécence, même déprise d’un produit devenu de consommation courante.

Enos Habyarimania me raconte qu’il possède huit vaches, et que pour la région, c’est beaucoup. Il est arrivé à vélo, une cordelette maintenant la boille à lait sur son porte-bagage. Ce matin, il a livré dix-huit litres. Le laitier l’a soigneusement noté dans un épais cahier, après avoir contrôlé l’absence d’eau rajoutée dans la livraison d’Enos. Cette semaine, Enos sera rémunéré à hauteur de 500 shillings ougandais/litre, soit 0,18 francs suisses. Le lait constitue près des deux tiers du revenu d’Enos et de sa famille. Alors la moindre fluctuation baissière est difficile à encaisser.

En parallèle, Enos et son épouse travaillent quotidiennement dans leurs plantations de 1,2 hectares de pois, de maïs, de sorgho et de manioc, qu’ils cultivent pour leur propre consommation et dont ils commercialisent les surplus au marché. A 25 ans, il ne se plaint guère de son quotidien. Il entretient même un bon espoir de voir sa situation s’améliorer. C’est que dans sa région, le sud ouest de l’ouganda, les producteurs s’organisent. La coopérative qu’ils ont créé vient de racheter le tank à lait à l’industriel qui le détenait jusqu’alors. “Nous allons être plus forts dans les négociations”, se réjouit Enos, qui me glisse encore que le rapport de force pourrait bien être en train de changer. Il est 9h, Enos enfourche son vélo et rentre chez lui.

Suite à son voyage en Ouganda organisé par la Fédération internationale des Journalistes Agricoles (IFAJ) et l’ONG néerlandaise Agriterra, Claire Muller publiera dans le courant du premier trimestre 2014 plusieurs articles sur l’agriculture ougandaise et les suisses qui sont partis là-bas.”

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Uganda : “Eine klassische Diskussion, die mich frappiert hat”

“An diesem Morgen kommt Enos als einer der letzten zur Milchsammelstelle, dabei wohnt er nur 2km von der Milchgenossenschaft entfernt. Während der Verantwortliche seine Lieferung filtriert und in den Tank leert, wechselt Enos einige Worte mit den anderen Produzenten, dazu trinken sie Tee vor der Mauer, wo die Hygienemassnahmen angeschlagen sind. Das Thema des Tages? Der Milchpreis, der seit einigen Wochen sinkt. Die Lautstärke der Diskussion nimmt zu, während der Sammellastwagen mit offenen Fenstern und Radio auf voller Leistung vorfährt.

Diese Szene könnte sich in jedem beliebigen Schweizer Dorf abspielen. Aber ich habe sie 9000 km von hier entfernt erlebt, in Uganda. Trotz der Distanz und den kulturellen Unterschieden, hat mich diese (zu) klassische Szene frappiert. Welche Parallele zu dem, was ich in meinem Alltag bei den Schweizer Milchproduzenten erlebe! Das gleiche Gefühl von Ungerechtigkeit und Machtlosigkeit, das gleiche Gefühl, hart zu arbeiten, früh aufzustehen und spät ins Bett zu gehen für einen erbärmlichen Lohn, die gleiche fehlende Wertschätzung für das Produkt.

Enos erzählt mir, dass er acht Kühe besitzt, und das sei viel für die Gegend. Er ist mit dem Fahrrad gekommen, die Milchkanne hat er mit einem Seil auf dem Gepäckträger befestigt. Diesen Morgen bringt er 18 Liter. Der Molkerist hat die Menge sorgfältig in einem Heft notiert, nicht ohne vorher geprüft zu haben, ob kein zusätzliches Wasser beigefügt worden ist. Diese Woche erhält Enos 500 Uganda-Shilling pro Liter, das sind 18 Rappen (also rund 100 Franken pro Monat). Die Milch liefert zwei Drittel von Enos Einkommen. Die kleinste Preissenkung ist deshalb schwierig hinzunehmen.

Daneben produzieren Enos und seine Frau auf ihren Äckern mit einer Fläche von 1,2 Hektaren Erbsen, Mais, Hirse, Maniok für den Eigenverbrauch und den lokalen Markt, wenn etwas übrig bleibt. Der 25-jährige beschwert sich nicht über seinen Alltag. Er hegt sogar Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation. Im Südosten Ugandas organisieren sich die Bauern. Die von ihnen gegründete Genossenschaft hat soeben den benützten Milchtank kaufen können. „Das wird unsere Verhandlungsposition stärken“, freut sich Enos. Die Kräfteverhältnisse würden sich dadurch verändern, ergänzt er noch, bevor er sich um 9 Uhr mit seinem Fahrrad auf den Heimweg macht.

Nach ihrer Ugandareise, die von der International Federation of Agricultural Journalists (IFAJ) und der holländischen NGO Agriterra organisiert wurde, wird Claire Muller in den nächsten Monaten einige Artikel über die Landwirtschaft in Uganda und verschiedene Schweizer, die dorthin ausgewandert sind, publizieren.”
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Muttergebundene Kälber mit etwas Reklame

November 26, 2013

DSC_0260kleinNachdem einem in diesem Kanal ja ungefragt Werbung unterjubelt wird, wird mir niemand zürnen, wenn ich heute ein bisschen Eigenwerbung mache. Es geht um einen neuen Twitteraccount namens Kuhbilder bzw. @DailyCow. Wie der Name schon sagt, kommt hier ein tägliches Kuhbild, kann man natürlich auch betrachten, ohne TwittererIn zu sein. Ich würde mich freuen, über die eine Followerin oder den anderen Follower. Bei Bedarf helfe ich gern beim Twitterstart, Mail reicht.

Zur Reklame hier ein Bild, das demnächst auch auf Twitter online gehen wird: Es stammt vom Schlatthof in Wolfwil. War ein schöner Betriebsbesuch bei Erwin Ackermann, der übrigens auch ausgezeichnete Milchprodukte macht. Habe noch selten einen so entspannten Betriebsleiter gesehen. Wieviele Kühe er habe? Das wisse er nicht genau, da müsse er in der Tierverkehrsdatenbank (sie heisst neuerdings Agate) nachschauen, aber es seien so knapp hundert. Bei der Stallbesichtigung, eine einfache helle Halle mit entspannter Stimmung (ausser dem Limousin-Muni, der nicht so Freude hatte über meinen Besuch und auf eine Art knurrte, wie ich es noch nie gehört habe), fiel mir bei näherem Hinschauen auf, dass hier und dort Kälber rumstanden und -lagen, mit einer Selbstverständlichkeit, die mir irgendwie ans Herz ging.

So etwas sieht man leider viel zu selten, aber bei der Muttergebundenen Kälberaufzucht, wie der technische Begriff heisst, gibt es zum Glück Fortschritte. Es gibt neben dem Schlatthof einige Betriebe, die hier Vorarbeit leisten, zum Beispiel derjenige von Karl Schenk in Madiswil, das Gut Fintan in Rheinau oder der Hof Gasswies im grenznahen Deutschland. Vom FiBL gibt es dazu ein Merkblatt, das man bei mir (mit Jubiläumsrabatt) bestellen kann. Was es braucht, ist eine gewisse Gelassenheit des Betriebsleiters oder der Betriebsleiterin, denn beim Milchwägen gibt es Einbussen, wenn das Kalb schon die Hälfte gesoffen hat. Mit dem muss man leben können, aber ich denke, es ist diesen Schönheitsfehler wert. Die Harmonie, die sich zeigt, wenn die Mutter oder Ammen mit ihren Jungtieren zusammenleben können, wiegt ihn bei weitem auf. Zudem muss man keine Kessel schleppen und das Kolostrum wandert mit garantierter Sicherheit und in der richtigen Temperatur in den Kälbermagen.

Ein Alp-Traum, der die Zeitung verdrängt

Oktober 8, 2013

Anna Mathis NesaDie Morgenlektüre ist bei mir seit den Zeiten als Zeitungsverträger reserviert für die Zeitung. Die Namen der Blätter haben gewechselt, die Politikerköpfe ebenfalls, aber das grossflächige Blättern in der Aktualität blieb unangefochten.

Cover Traum AlpBis vor einigen Tagen. Nun habe ich eine neue Leiblektüre zum Tee und wechselndem Zubehör: “Traum Alp – Älplerinnen im Porträt”. So heisst das Buch von Daniela Schwegler und Vanessa Püntener, die die Bilder gemacht hat.

Es ist erstens ein sehr schön gemachtes Buch und zweitens packt es mich inhaltlich. Nicht nur weil der (bisher unerfüllte) Traum Alp(-sommer) Agrobloggers Hirni schon lange invadiert hat, sondern auch, weil es gut geschrieben und sehr treffend illustriert ist.

Marisa Heller und Rosina SchaffnerEs sind 12 Alp- und 15 Älplerinnen-Porträts, 12 Rezepte und 12 Wandervorschläge (ins jeweilige Alpgebiet), welche die beiden talentierten Frauen zusammengetragen haben. Bild und Text erzählen zusammen die interessanten Geschichten von Frauen, die auf allen möglichen und unmöglichen Wegen auf die Alpen gekommen sind, die sie meistens nicht mehr loslassen.

Josi JauchIch freue mich auf Alp Malschüel, die es morgen zum Frühstück gibt. Dort alpen Renate Telser – Politologin, DJane, Sennin, Mélanie Charles – Landmaschinenmechanikerin, Landwirtin, Hirtin und Manuela Gentner – Hauswirtschaftsfachfrau, Familienhelferin, Bäuerin, Hirtin, so die jeweiligen Kurzbiografien im Inhaltsverzeichnis. Dieses allein zeigt, wie bunt die Älplerinnenwelt ist.

Neuerdings ist diese, auch diejenige der männlichen Pendants, auch wissenschaftlich vermessen. Ich empfehle allen Interessierten einen Blick auf die Homepage von “Alpfutur”, der Website des Projekts, das dieser Tage längst fällige Daten zur Alpwirtschaft geliefert hat.

Katia Boschi MühleisenDieses Bild zeigt Katia Boschi Mühleisen. Sie ist nach Drucklegung des Buchs “Ende Juli 2013 während des Alpsommers auf tragische Weise bei einem Felssturz ums Leben gekommen”, heisst es auf einem Zettel, der dem Buch beigelegt ist, “ihr sei dieses Buch gewidmet”. RIP. (Bilder Vanessa Püntener)

Vive le Gruyère, mais moins concentré, svp.

Juli 23, 2013

Gruyère comme il fautPour ce sujet là,il faut que j’essaye en français fédéral (deutsche Übersetung unten), éxcusez les puristes de la langue de La Fontaine. Le Gruyère, l’ancien petit frère de l’Emmental, devenu grand frère entre temps, nage sur une vague de succès. Grace à un contrôle de production et un carnet de charges très sévères, l’Interprofession et la branche réalisent des beaux profits pour tous les participants du marché avec un prix de lait au dessus de 80 centimes, pendant que les producteurs du lait pour l’Emmental doivent se contenter avec un peu plus que 50 centimes bien qu’ils produisent le même lait cru que les collègues outre Sarine.

Mais dans cette jolie histoire il y a une tâche noire, qui n’est pas aussi décorative, que sur la peau des vaches en Romandie. Il s’agit de l’affouragement. Jusqu’à ici le carnet de charge permet jusqu’à trente pourcents de concentrés dans la ration des productrices de lait (“Le 70 % de la ration calculée en matière sèche (MS) du bétail laitier dans son ensemble doit provenir de la surface fourragère de l’exploitation”). Cela veut dire, que pas moins d’un tiers du fromage peut consister indirèctement d’ingrédients qui sont produits des milliers de kilomètres loin de la zone de production. Un fait qui ne se fait pas très bien dans le joli prospectus du Gruyère AOC.

Un nouveau projet lancé cette année pourra peut-être changer ces conditions doutables. Il s’appelle “Progrès Herbe” et est porté par un groupe d’organisations largement basées (Prolait, IP Suisse, HAFL, Prometerre et FiBL). Le but: “soutenir les producteurs de lait vaudois dans leur démarche d’optimisation des fourrages locaux vers une autonomie fourragère croissante”. Je supporte ça. Il y a deux, trois facteurs qui me font optimiste. C’est pas un projet de “gauche”. Les traditionalistes y sont et ils supportent parce qu’ils ont realisé le danger potentiel pour leur cheval de garde, le Gruyère. Deuxièmement ont démarre gentiment avec une quinzaine d’exploitations et troisièmement c’est supporté finacièrement par les organisations et indirectement par l’état, ça aide toujours… (Image Laiterie de Belfaux)

Traduction:

Es lebe der Gruyère, aber mit weniger Kraftfutter, bitte

Die Erfolgsgeschichte des Gruyère ist geradezu beispielhaft dafür, wie man es auf dem Schweizer Milchmarkt richtig machen kann. Dank strengen Produktionsbeschränkungen und einem ebensolchen Pflichtenheft floriert der ehemalige kleine Bruder des Emmentalers, der diesen längst überholt hat. Während die Produzenten von Emmentalermilch gut 50 Rappen pro eingeliefertem Liter erhalten, sind es für die Gruyère-Produzenten über 80 Rappen, obwohl beide dieselbe Rohmilch produzieren.

Auf der schönen Weste des Westschweizer Vorzeigekäses gibt es aber einen dunklen Flecken, der sich weniger gut macht, als auf der Haut der Kühe ennet der Saane: Für die Produktion von Gruyère darf bis heute bis zu 30 Prozent der Ration als Kraftfutter verabreicht werden. Das heisst, rund ein Drittel des Käses kann indirekt aus Zutaten bestehen, die Tausende von Kilometern abseits des streng begrenzten Produktionsgebiets hergestellt wurden, kein Ruhmesblatt für den idyllischen Gruyère-AOC-Prospekt.

Nun scheint sich aber etwas zu tun. Eine Koalition von mehreren Organisationen aus dem Umfeld des Waadtländer Milchbauernverbands Prolait will mit Beteiligung von IP Suisse, Prometerre, HAFL und FiBL) für einen mindestens teilweisen Umschwung sorgen. Sie haben die Organisation Progrès Herbe (hier ein deutscher Beschrieb) gegründet. Diese will gemäss der Website Produzenten bei der Optimierung lokaler Futtermittel unterstützen, um so eine steigernde Futtermittel-Autonomie zu fördern. Das unterstütze ich. Drei Faktoren stimmen mich optimistisch. Erstens ist das Projekt breit abgestützt und nicht “links”. Zweitens beginnt man klein (mit 15 Betrieben) und will kontinuierlich wachsen. Drittens erhalten die Teilnehmer öffentliche Mittel zur Dämpfung der Kosten, das hilft immer…

Die Angst des Präsidenten vor dem Konflikt

Juli 3, 2013

Markus RitterVor wenigen Tagen hat anlässlich der Generalversammlung der Schweizer Agrarjournalisten ein sehr einvernehmliches Gipfeltreffen zwischen de-facto-Agrarminister Bernard Lehmann und Bauernverbandspräsident Markus Ritter stattgefunden.

Die nicht stattfindende Auseinandersetzung zwischen den beiden hat gezeigt, dass man sich weitgehend einig ist über die künftige Ausrichtung der Agrarpolitik. Zwar hat der Bauernverband ein paar Kröten schlucken müssen, aber insgesamt ist der Besitzstand gewahrt und am Schluss werden alle in mittlerer Unzufriedenheit feststellen, dass sie etwa gleichviel haben wie vorher, wie Ritter in einer an Kabarett-reifen Blitzanalyse der Situation auf dem eigenen Betrieb demonstrierte.

Für die fehlende Auseinandersetzung wird aber möglicherweise bald Realersatz geboten. Mitte Juli läuft die Frist für das Referendum, das ein paar desperate Splittergruppen gegen die Agrarpolitik 2014/17 ergriffen haben. Sollten die nötigen 50 000 Unterschriften zusammenkommen, was nicht unmöglich scheint, wenn man die prallvollen Leserbriefspalten in der bäuerlichen Presse als Gradmesser nehmen will, dann steht eine innerbäuerliche Auseinandersetzung auf dem nationalen Parkett, in TV-Arenen und grossflächigen Zeitungsinterviews bevor.

Diese Vorstellung scheint bei Ritter und so vermute ich mal an der versammelten Spitze des Bauernverbands akutes Unwohlsein auszulösen, um nicht von Angstzuständen zu reden. Der Schlachtplan ist bis ins letzte Detail ausgearbeitet, ein “maximaldemokratischer Prozess” mit einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung soll den befürchteten Flurschaden in Grenzen halten.

Ich verstehe den Stress nicht ganz. Klar ist es nicht ganz undelikat, wenn sich die Bauern gegenseitig Saures geben, andererseits gibt das Scheinwerferlicht der öffentlichen Aufmerksamkeit den modern denkenden Kräften an der Verbandsspitze Gelegenheit, zu zeigen, dass man das Vertrauen des Parlaments und letztlich des Volkes verdientermassen geniesst; dass man vernünftig genug ist, zu anerkennen, dass keine andere Branche, mal abgesehen von ausländischen Militärflugzeugherstellern und maroden Banken vom Staat derart gut gehalten ist, wie der Primärsektor. Und gleichzeitig zu beweisen dass staatlich geförderte Ökologie und unternehmerischer Erfolg durch Produktion der richtigen Lebensmittel eben kein Gegensatzpaar sein müssen.

Die aktuelle Entwicklung auf dem Milchmarkt zum Beispiel deutet darauf hin, dass cleveres Mengenmanagement für Betriebe mit Fokus auf Produktion deutlich wichtiger sein wird, als die Fixierung auf die Details der Direktzahlungs-Allokation, während eine andere Schicht von Bauern mit der Ökologisierung Bundesgelder optimieren und so ein Auskommen sichern kann. (Bild David Eppenberger)

Mehr oder weniger Milch produzieren reicht nicht

Mai 21, 2013

Fütterungssituation von Schweizer BetriebenIm Schweizer Milchmarkt scheint sich langsam eine Post-Kontingentsausstiegs-Normalität abzuzeichnen. Die gröbsten Exzesse beim Preisdumping sind eingedämmt, die Produktion orientiert sich stärker an den Preisen als auch schon und der vor Jahresfrist noch sich türmende Butterberg ist zu einem Hügelchen geschmort, wie uns der LID dieser Tage vorrechnete

Die Branchenorganisation Milch (BOM) konnte dank tieferer Produktion eine Richtpreiserhöhung durchsetzen, die langsam aber sicher auch wirksam wird. Vermutlich wird diese Preiserhöhung zu einer erneuten Erhöhung der Produktion führen, was wiederum die Produzentenpreise etwas erodieren lassen dürfte, wobei die Ausschläge nach unten kaum mehr derart grob ausfallen dürften wie bis anhin, nimmt doch die Kuhzahl tendenziell ab und lässt sich auf kurze Frist auch nicht beliebig erhöhen. Der Markt beginnt zu spielen und die Akteure scheinen etwas gelernt zu haben. Wenn heute die oppositionelle Big-M eine Medienmitteilung verschickt in der sie uns aufgrund einer Umfrage weis machen will, dass es für die Schweizer Milchproduzenten keine Zukunftsperspektiven gibt, bin ich deshalb völlig anderer Meinung.

Allerdings wird man für eine Milchproduktion mit Perspektiven schon etwas mehr tun müssen, als bei tiefen Preisen weniger und bei höheren mehr zu produzieren. Der Schweizer Markt für Frischmilch ist nach wie vor durch ein Importverbot geschützt. Dieses ist zwar noch nicht grad am Wackeln, aber sowohl im Parlament wie auch in der Branche gibt es mögliche Profiteure und Bestrebungen für die Liberalisierung der sogenannten “weissen Linie”. So haben etwa kürzlich die in der Fromarte zusammengeschlossenen Käser die Prüfung eine Erweiterung des Käsefreihandels auf eine sektoriellen Marktöffnung gegenüber der EU gefordert.

Käme eine solche, würde das den Markt noch einmal kräftig durcheinanderwirbeln. Milch ist Milch ist Milch, und diese ist im europäischen Umfeld definitiv billiger erhältlich als im Inland. Eine Chance hat die Schweizer Milchproduktion dann nur noch, wenn sie sich von derjenigen auf den Spotmärkten in der Nachbarn abheben kann. Zum Beispiel durch hohen Grasanteil bei der Fütterung, ein Erfolgsbeispiel ist die österreichische Heumilchbewegung.

Hierzulande tobt seit langem ein Glaubenskrieg um die “Graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion” (GMF). Ein Bericht im jüngsten “Schweizer Bauer” über eine gleichnamige Tagung an der HAFL in Zollikofen, so heisst das landwirtschaftliche Technikum mittlerweile, zeigt aufschlussreich, wie die Fronten verlaufen. Während die Zollikofer Forscher Peter Thomet sowie Fritz Rothen von IP Suisse und Urs Vogt von Mutterkuh Schweiz vereint für eine “Graslandbasierte Milch- und Fleischproduktion” plädierten standen Milchproduzentenvertreter Kurt Nüesch und UFA-Mann Samuel Geissbühler auf die Bremse. Das erstaunt nicht, ersterer muss aufpassen, dass er keine Mitglieder verärgert, zweiterer muss schauen, dass die Kraftfutterverkäufe weiter ansteigen.

Deren Niveau ist schon beachtlich, vor allem im Tal, wo der grösste Teil der Milch produziert wird. Wie eine kürzlich publizierte Studie von Agroscope zeigt, füttern hier 50 Prozent der Betriebe weniger als 70 Prozent Gras. Das oft bemühte Argument, Schweizer Milchproduzenten verabreichten nur in homöopathischen Dosen Kraftfutter, ist also in den meisten Fällen ein Märchen. Dabei ist die GMF in der Vollkostenrechnung durchaus konkurrenzfähig, wie der “Schweizer Bauer” eine Vollkostenrechnung von Markus Höltschi, LBZ Hohenrain LU zitiert. Neu will der Bund bei einem Anteil von mindestens 90 Prozent Grasfütterung (Gras, Heu, Grassilage) 200 Franken pro Hektare bezahlen. Zugreifen, würde ich sagen. (Grafik Agroscope/”Schweizer Bauer”)  

Neuer Trend: Internet-Viehschauen

Mai 11, 2013

Kuhwahl BiosuisseHeute eine kleine (unbezahlte) Werbepause. Anlass sind zwei Internet-Viehschauen. Ob das schon ein neuer Trend ist? Demokratischer wärs auf jeden Fall, ob fachfrau/männischer, das ist eine andere Frage. Trotzdem, dies nur als kleiner Einschub vor der Reklame, ich staune schon immer wieder, dass an den grossen Schauen ein einziger Richter das Wetter macht. Wenn der bloss nicht zu stark bearbeitet wird in den Hinterzimmern…

Item, in diesen Fällen hier ist nicht züchterisches Fachwissen, sondern Glück gefordert. Gefragt sind bei den ausgestellten Kühen nicht primär Tiefe im Pansenbereich, gut aufgehängte Euter und ein sauberes Fundament sondern Ausdauer im einen Fall und Aussehen im weitesten Sinn im zweiten Fall.

Biosuisse veranstaltet einen Kuh-Marathon (zu finden bis heute hier, ab Montag hier). Tierschützer gemach, das Vieh wird nicht etwa durch abgesperrte Strassenschluchten getrieben. Die 10 Kühe auf ebensovielen Höfen dürfen zuhausebleiben und werden mit GPS-Sendern ausgestattet. Wer als erste die Marathondistanz von gut 42 Kilometer absolviert hat, ist die Siegerin. Ziel des Anlasses ist aufzuzeigen, dass Bio-Kühe viel draussen unterwegs sind.

Denner wiederum wurde kürzlich von einer Kollegin bei der “Bauern-Zeitung” dabei erwischt, eine österreichische Kuh auf seiner Milchpackung abgedruckt zu haben, eine schöne Pinzgauerin. Nun sucht man in Zusammenarbeit mit der Zeitung ein neues Aushängeschild für die Verpackung. Bemerkenswerterweise ohne Horn. Da tut sich also auch was.

Während der Richter an der Viehschau neben seinem Salär hoffentlich nichts gewinnen kann (ausser Reputation natürlich), winkt den Teilnehmern an den Kuhwettbewerben zwar leider keine Kuh als Preis, aber immerhin Bioferien im einen Fall und ein elektronisches Spielzeug im anderen Fall. Ich wünsche viel Erfolg, sollten Sie Ihr Glück testen wollen.

PS. Natürlich darf man mir zum Dank für diese Reklame jederzeit eine Kuh zustellen, würd’s dann nicht an die grosse Treichel hängen.

Kuhwahl Denner

Agrarpolitik, endloses Drama in 4(-Jahres) Akten

März 22, 2013

Theater im VollbetriebEigentlich ist es ein politischer Alptraum: Vor gut drei Jahren hat das BLW die Grundzüge der Agrarpolitik 2014/17 präsentiert, damals unter dem Label Weiterentwicklung der Direktzahlungen (WDZ). Heute hat das Parlament die Gesetzesvorlage nach dem Verbrauch von Hunderten Tonnen von Papier und unzähligen Sitzungs-, Sessions- und Denkstunden von Herrscharen von Beamten, Politikern, Bauern, Öko- und Fleisch-Lobbyisten sowie Journalisten das Paket in der Schlussabstimmung durchgewinkt. Damit ist die Arbeit noch nicht zu Ende, es beginnt jetzt das vereinte Schleifen an den Verordnungen. Wenn alles gut geht, ist die Reform vier Jahre nach dem Startschuss unter Dach. Der neue Regulations- und Zahlungsrahmen ist dann ab 2014 für vier Jahre in Kraft. Und die Arbeit kann eigentlich grad wieder von vorne beginnen: Das neue Beschäftigungsprogramm für die Agrarbürokratie heisst fast gleich: Agrarpolitik 2018/21.
Das Resultat der aktuellen Reform ist guteidgenössische mittlere (Un-)Zufriedenheit. Die einen lamentieren über eine Schwächung der Produktion, die anderen über eine ökologische Erstarrung im Talgebiet. Das Referendum, mit welchem man namentlich in SVP-Kreisen liebäugelte, ist glücklicherweise gar nicht erst lanciert worden. Es hätte lediglich der politischen Profilierung der Partei gedient, ähnlich wie sie das mit einer nicht enden wollenden Flut von Volksbegehren in der Asylpolitik seit Jahren praktiziert. Der Bauernverband winkte erst am Tag vor der Schlussabstimmung ab und wollte wohl so den politischen Druck aufrecht erhalten, ohne dass die Drohkulisse allerdings sehr glaubhaft gewirkt hätte.
Ein Referendum hätte die nötige Weiterentwicklung unter Beibehaltung von Bewährtem lediglich verzögert und den Bauern mehr geschadet als genützt. Was soll das Stimmvolk von einer Branche denken, die jährlich rund drei Milliarden Franken aus der Bundeskasse absahnt und troztdem nicht zufrieden ist? Hier ist eine gewisse Selbstbeherrschung an der Scholle durchaus angezeigt.
Zum Schluss drängt sich die Frage auf, ob man diesen nicht enden wollenden Zirkus im Vierjahreszyklus nicht etwas einfacher organisieren könnte, im Dienste der Rechtssicherheit für alle Beteiligten und allen voran der Bauern und Bäuerinnen.
Die Antwort ist nein. Die Agrarpolitik ist wie ein Schauspielhaus, AP X/X+3 ist ein Drama mit den immer gleichen vier Akten: Im ersten Akt präsentiert die Administration ihre Vorstellungen, das Publikum klatscht zum kleinsten Teil und buht mehrheitlich. Dann folgt der Auftritt der Gegner und Befürworter, die auf der Bühne wild aufeinander einschreien und Weltuntergansszenarien an die Wand malen, im dritten Akt inszenieren Parteivertreter im Stöckli und der grossen Heubühne einen ritualisierten und etwas zivilisierteren Kampf mit Kartonschwertern, wobei der Ausgang längst abgekartete Sache ist. Dann folgt der Vorhang, begleitet vom bereits bekannten Mix aus Empörung und verhaltenem Applaus im bereits leicht ermatteten Publikum. Der vierte Akt folgt dann hinter den Kulissen, beim gemeinsamen Bier feilschen Politiker und Lobbyisten um die Details der Einnahmenverteilung. Das Stück war auch in der x-ten Vorführung erfolgreich, die Billetteinnahmen blieben unverändert, ja sie haben gar leicht zugenommen, und für die einzelnen Schauspieler bleibt etwas mehr übrig, nimmt doch ihre Zahl ständig ab. Und jedeR weiss, ohne diese Aufführung wären viele der Beteiligten beschäftigungslos und die Weiterexistenz des Theaters gefährdet. (Bild Parlament.ch)


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