Archive for the ‘Milchmarkt’ Category

Freihandel: Downtown macht’s sich zu einfach

März 15, 2013

Jedi-Ritter in the AgrojungleDie “Handelszeitung” hat diese Woche wieder einmal einen alten Klassiker reaktiviert: Landwirtschaftsbashing unter dem Titel “Wachstumsbremse Bauer”. Leider gibts von diesem Artikel online nur eine arg verkürzte Version. Und den Kauf am Kiosk kann ich auch nicht wirklich empfehlen, ist einfach etwas zu dünn die ganze Geschichte. Das Beste ist noch die Grafik auf der Front, wo Bauernpolitiker als uniformierte Muskelprotze (Jedi-Ritter? Private Sicherheitsleute?) posieren, darunter Markus Ritter, Res Aebi und Maya Graf.
Im Artikel wird den Bauern vorgeworfen, dass sie auf Kosten der übrigen Wirtschaft ihre Pfründen verteidigen. Das ist mit Verlaub wohl das Ziel einer jeden Interessengruppe in Wirtschaft und Politik, man denke nur an den kläglich gescheiterten Kampf von Economiesuisse gegen die Abzockerinititative, aber das nur nebenbei. Dass die Bauern hier besonders erfolgreich agieren ist altbekannt und wenn das kritisiert wird, steckt möglicherweise eher Neid als Sorge um wirtschaftliches Wohlergehen dahinter.
Aufgehängt ist die Geschichte am bäuerlichen Widerstand gegen Freihandelsabkommen aller Art. Sie beginnt ausgerechnet mit einer Episode vom Käsemarkt, wo Züger Frischkäse offenbar einen Auftrag in Südkorea verloren hat, da die EU mit dem Land neu ein Freihandelsabkommen ohne Agrarschranken unterhält. Ob es sinnvoll ist, Mozzarella nach Südkorea zu exportieren, muss Züger selber wissen. Käse ist aber das denkbar schlechteste Beispiel, um den Bauern Freihandelsphobie vorzuwerfen, unterhalten wir doch seit einigen Jahren ein solches Abkommen mit der EU in genau diesem Sektor, was der Leser des Artikels aber nicht erfährt, vermutlich hätte das die These tangiert.
Das Resultat des Abkommens ist bekannt. Die Schweiz wird geflutet mit ausländischem Billigkäse und die Exporte steigen in ebendiesem Segment, wo unterirdische Milchpreise bezahlt werden, während die traditionellen Sorten wie Emmentaler und Gruyère stagnieren. Soll mir einer sagen, warum man aufgrund dieser Erfahrungen aus bäuerlicher Sicht mit fliegenden Fahnen für Freihandel eintreten sollte. Zumal Handel und Industrie es ja nach wie vor vollkommen normal finden, dass importierte Produkte in der Schweiz aus reinen Profitgründen mehr kosten sollen, als im umliegenden Ausland, was bekanntlich nach wie vor auch für landwirtschaftliche Produktionsfaktoren gilt.
Item, der Artikel fährt dann fort mit einem Lamento über bäuerliche Widerstände gegen ein Freihandelsabkommen zum Beispiel mit China. Auch hier bin ich mir nicht sicher, ob sich die Landwirtschaft unkommentiert den Schwarzpeter zustecken lassen soll. Wenn ich mir vorstelle, wie die Reaktionen ausfallen, wenn nach dem Fallen der Importschranken der Kassensturz zum ersten Mal Bilder aus chinesischen Schweineställen aussendet, dann ist es vielleicht ganz gut, wenn die Hürden in diesem Bereich etwas höher sind.
Insgesamt macht es sich der Journalist der Handelszeitung zu einfach. Er präsentiert ein Amalgam aus den ewiggleichen klischierten Vorwürfen an die Landwirtschaft (Subventionsforderungen, Abwehrfront, Protektionismus, etcetc.) ohne dass er eineN einzigeN VerterterIn aus der Branche zu Worte kommen liesse. Dafür dürfen Industrievertreter hemmungslos jammern, ganz in Bauernmanier. Schade, dass soviel prominenter Platz im Blatt nicht besser genutzt wird. Denn eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Handelsfragen wäre durchaus wünschenswert, dann müsste man aber die Gesamtrechnung machen, eben beispielsweise unter Einbezug des Schweizer Kostenniveaus und der monetären Bewertung der Leistungen der hiesigen Landwirtschaft, auch vor dem Hintergrund von offenbar breit erwünschtem Landschaftsschutz und allerlei Lebensmittelskandalen.

Mittleres Erdbeben & ein Lehrstück am Milchsee

Februar 1, 2013

Medienkonferenz der SMP am 1.2.13Für die normalerweise eher träge vor sich hin drehende landwirtschaftliche Verbandswelt gleicht der Doppelrücktritt an der Spitze der Schweizer Milchproduzenten (SMP) einem mittleren Erdbeben. Der Präsident nimmt ausserterminlich den Hut und der 45-jährige Direktor, dessen Posten als Lebensstelle gedacht war, kündigt 20 Jahre vor dem geplanten Termin. Bei genauerem Hinsehen ist die personelle Palastrevolution aber nur der vorläufige Tiefpunkt beim Abrutschen des einst mächtigsten Landwirtschaftsverbands in die Bedeutungslosigkeit.
Als er noch Zentralverband der Schweizer Milchproduzenten hiess – böse Zungen sprachen vom Zentralkomitee der Milchwirtschaft -, machte er das (preislich dauerhaft gute) Wetter für die damals noch deutlich zahlreicheren Mitglieder.
Diese Zeiten sind längst vorbei. Innerhalb von wenigen Jahren ist die Marktmacht geschwunden, die SMP sind vom Politbüro zur gut dotierten Werbe- und Marketingagentur der Milchbranche geworden. Die zu vielen Mitgliederorganisationen, welche die Hoheit über die Preisbildung mehr schlecht als recht in die Hand genommen haben, scherten sich in den letzten Jahren keinen Deut mehr um die unter Ägide von Peter Gfeller und Albert Rösti gefassten Beschlüsse, im Gegenteil, sie hintertrieben sie und brachten die beiden willigen Verbandschefs an den Rande des Nervenzusammenbruchs, was sie denn anlässlich der Medienkonferenz von heute auch ausführlich dokumentierten. Dass sie nun geballt abtreten, dürfte mit dem Bedeutungsverlust des Verbands aber mindestens so viel zu tun haben, wie mit dem illoyalen Verhalten der Regionalfürsten.
Ganz nebenbei ist die Geschichte auch ein kleines Lehrstück in Sachen Agrarökonomie: Ein geschützter und krass asymmetrischer Markt wird geöffnet. Den verbliebenen rund 25000 Milchbauern stehen vier Verarbeiter und zwei Detailhändler gegenüber. Dazwischen hat sich eine Schicht von Milchhändlern etabliert, die – es ist zwar egoistisch aber nicht verboten – die Betriebe mit den grössten Mengen entlang von Autobahnen herauspicken und eine schonungslose Mengenstrategie fahren. Diese Profiteure der neuen Marktordnung werden nun allenthalben als Übeltäter an den Pranger gestellt. Damit machen es sich die klagenden Milchbauern (und die scheidenden Verbandsspitzen) allerdings etwas einfach.
Die Händler und die ihnen liefernden Bauern verhalten sich opportunistisch, so wie es für die Player in relativ freien Marktwirtschaften üblich ist. Die Milchbauern, die heute teilweise unter ihren Einstandskosten liefern, würden wohl liebend gerne einen besseren Preis lösen. Wenn sie aber individuell ihre Menge senken, nützt ihnen das gar nichts, wie Albert Rösti heute selber festgestellt hat. Deshalb bolzen sie weiter, auch weil es für sie keine alternativen Absatzmöglichkeiten gibt. Der Rücktritt von Gfeller und Rösti ist deshalb auch ein Eingeständnis, dass es dem SMP nie auch nur ansatzweise gelungen ist, die angedachten Alternativen mit höherer Wertschöpfung umzusetzen. Dies wird auch den Nachfolgern kaum gelingen, dem Verband kann man deshalb keine bessere Zukunft prognostizieren.

Kleine Reminiszenz an die Jekami-Zucht

Januar 18, 2013

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Dieser Tage ist mir ein schönes Kuhbild in den virtuellen Briefkasten geflattert, also eigentlich ein Bild von einem Kuhbild (merci Lukas!). Die Jubiläumsplakette zum 110-jährigen des Viehzuchtvereins Herrliberg verkörpert für mich eine schwer vom Aussterben bedrohte Kultur: Die Jeder-kann-mitmachen (Jekami)-Viehzucht.
Ich habe schöne Bilder im Kopf von den Viehschauen im Emmental. Nach nächtelangem Kuhputzen und -rasieren folgte am Morgen der von wildem Glockengeläut angefeuerte Sternmasch aller übermütigen Gemeinde-Kühe auf den Parkplatz vor dem “Rössli”. Meist musste man trotz improvisierten Zäunen noch 1, 2 ausgebüchsten Chuelis im Wald nachjagen. Dann folgte die endlose Jurierung von Experten in weissen Mänteln, ein schweres Mittagessen und gegen die Melkzeit band man die unterdessen lautstark muhenden Kühe wieder los. Diese hetzten dann stampedipede dem Stall zu, während wir mit leichter Schlagseite versuchten, die Pace mitzuhalten.
Nicht, dass es die klassischen Viehschauen nicht mehr gäbe, aber deren Zahl und diejenige der aufgeführten Kühe hat stark abgenommen. Die Viezucht wird zunehmend zu einem Geschäft für Spezialisten, die an amerikanisch inspirierten glamourösen Galashows ihre vierbeinigen Juwelen vorführen. Der Durchschnittsmilchbauer konzentriert sich derweil auf Gebrauchskreuzungen und es fehlt ihm oft die Zeit, ganze Tage auf dem Viehschauplatz zu verbringen.
Das kann man bedauern, aber letztlich ist diese Entwicklung symptomatisch für die generelle in der Landwirtschaft und deren ökonomische Zwänge. Was bleibt ist die Viehschau als Folkloreveranstaltung für Städter und es sind die Plaketten, wie diejenige aus Herrliberg. Wenn ich Euch wäre, liebe Antiquitätenhändler, würde ich langsam anfangen, diese zu horten. (Bild Lukas Egli)

Emmentaler: Verzögerungstaktik & Nebelpetarde

Dezember 29, 2012

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Mir als Halb- und Heimwehemmentaler lag das Schicksal des dort beheimateten Grosslochkäses schon immer am Herzen. Deshalb schmerzt es in ausländischen Super- und anderen Lebensmittelmärkten immer wieder leicht auf der Brust des Käsepatrioten. Entweder finden sich dort zu junger und übel zusammenvakuumierter Schweizer Emmentaler oder jede Menge Imitate des Originals. Dieser Tage gab es Anschauungsunterricht im Tirol, wo einer dieser Märkte rund ein halbes Dutzend solcher Kopien österreichischer Herkunft anbot (siehe Bilder). Das erinnert mich immer wieder daran, wie sorglos man es in der Schweiz vergeigt hat, den Emmentaler rechtzeitig ursprungstechnisch und markenrechtlich zu schützen. Wie stark der Name des Produkts ist, beweist ja gerade die Flut der Imitate.
Item, dieser Zug ist längst abgefahren, was bleibt ist der Fokus auf den inländischen Markt. Das Bild, das sich dort bietet ist allerdings eher noch erbärmlicher, als dasjenige im ausländischen Supermarkt. Ich will jetzt hier nicht noch einmal die altbekannten Fakten auftischen. Natürlich wurde der Emmentaler in Unionszeiten missbraucht als Mengenventil und eine Strukturbereinigung war unerlässlich. Das ist aber noch lange kein Grund, ihn jetzt komplett in den Boden zu fahren. Kürzlich hat sich die leider seit Anbeginn zerstrittene und zu wenig entschlossen geführte Sortenorganisation endlich einen Ruck gegeben und grossmehrheitlich beschlossen, beim Bundesrat Allgemeinverbindlichkeit für eine dringend notwendige Mengensteuerung zu beantragen. Der zuständige Agrarminister Schneider-Amman übt sich seither im Lavieren. Die jüngst ins Leben gerufene Task-Force Emmentaler ist ein für ihn typischer Weg, das Fällen eines Entscheids zu verschleppen. Zu dieser Verzögerungstaktik dürften zwei Gruppierungen massgeblich beigetragen haben. Da wäre erstens die Economiesuisse, die sich aus wettbeweblicher Sicht gegen Allgemeinverbindlichkeit ausgesprochen hat. Diese Stallorder scheint den Bundesrat zu beeindrucken, aber wenn seine Vorgänger ebenso folgsam auf diese falschen Freunde der Landwirtschaft gehört hätten, stünde der Bauernstand deutlich schlechter da, als es heute der Fall ist, darauf wette ich ein schönes Kälbli. Dass man Geld nicht auf einem Käseplättli servieren kann, wird man bei der Economiesuisse erst merken, wenn dereinst das letzte Dorf seine letzte Emmentalerkäserei verloren hat.
Die zweite Bremserfraktion stammt aus der Branche selber. Die Handelsfirmen Lustenberger & Dürst (L&D) und Bürki sowie ein paar ihnen zuliefernde Emmentalerkäser bekämpfen die Allgemeinverbindlichkeit ebenfalls. Das Motiv der ehemaligen Mitglieder der Käseunion: weil sie im Moment über ein ausgewogenes Verhältnis von Produktion und Absatz verfügen, fürchten sie die Mengenbeschränkung. Das mag auf den ersten Blick nachvollziebar sein, zeugt aber von mangelndem Weitblick und Solidarität. Wie das (Erfolgs-)Beispiel Gruyère zeigt, kann nur eine stramme Mengenführung über die ganze produzierte Menge funktionieren. Wenn L&D-Geschäftsführer Gander jetzt davon ausgeht, dass ein fortgestzter Zusammenbruch der restlichen Emmentaler-Branche seine vertikal integrierte Wertschöpfungskette “in der alle von der Kuh bis zum Verkaufspunkt weltweit eine Allianz bilden und am gleichen Strick ziehen” mittel- bis längerfristig nicht tangieren wird, dann ist das ein frommer Wunsch. Recht hat Gander dort, wo er strengere Produktionsbedingungen im AOC-Pflichtenheft fordert. Dass er dies nun aber mit der Mengenbeschränkung in Zusammenhang bringt, ist eine Nebelpetarde, mit der er die wahren Absichten zu verschleiern sucht.
Unter dem Strich bleibt für den zögerlichen Bundesrat aus dem Bernbiet nur ein Entscheid, um zu retten, was zu retten ist: Allgemeinverbindlichkeit beschliessen ohne mit Palaver Zeit zu verlieren. Anschliessend kann die Branche zeigen, dass sie mit dem Steilpass etwas anzufangen weiss, inklusive traumhaft schönem Abschluss mit Gander und Bürki in der Sturmspitze zum Beispiel.

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Die wundersame Genesung des Milchmarkts

Dezember 5, 2012

Milchmarkt im WinterSo schnell kann es gehen. Kaum hat im Land der Winter Einzug gehalten, präsentiert sich nicht nur die Landschaft zumindest im Gebirge im neuen Kleid, sondern auch der Milchmarkt. Offenbar übersteigt die Nachfrage mittlerweile das Angebot an Molkereimilch, laut dem Landwirtschaftlichen Informationsdienst bedingt durch einen Produktionsrückgang um lediglich 3 bis 5 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Gründe dafür sind die mangelhafte Qualität des im Sommer eingebrachten Futters und die sinkende Kuhzahl, dies wiederum eine Reaktion auf die schrittweise abgebauten Preise seit der letzte Knappheit im Dürrejahr 2007, das auch den Schweizer Produzenten eine Hausse bescherte.
Die Folgen sind wie folgt: Die Bauern verlangen wenig überraschend nach einem höheren Milchpreis, gemäss der “Bauernzeitung” um deren 5 Rappen. Die Chancen für eine Erhöhung scheinen aber gering. Derweil hat sich der Preis für sogenannte Spotmilch – also solche, die ausserhalb der Abnahmeverträge zwischen Produzentenorganisationen und Verarbeitern gehandelt wird – massiv erhöht, gemäss derselben Quelle um nicht weniger als 15 Rappen. Laut dem “Schweizer Bauer” – der Artikel ist online leider nicht erhältlich – liefern die POs mittlerweile so wenig wie möglich im Vertragsrahmen, um daneben möglichst viel auf dem Spotmarkt zu verkaufen.
Die Entwicklung bestätigt ein paar alte Weisheiten:
1. Der Grat zwischen Über- und Unterproduktion ist schmal. Aus meiner Sicht sollte dies die Produzenten und ihre Organisationen in der Überzeugung bestärken, die Menge straffer zu kontrollieren und dabei enger zu kollaborieren.
2. Die Verarbeiter kaufen in der Knappheit lieber zu teure vertragslose Milch ein, um sich nicht längerfristig zu höheren Preisen zu verpflichten. Sie gehen, so nehme ich an, davon aus, dass spätestens das Frühjahr eine neue Milchschwemme bringen wird. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich zeigen. Möglicherweise bleibt die Knappheit ein länger anhaltendes Phänomen, denn eine einmal gesenkte Kuhzahl lässt sich nicht so mir nichts, Dir nichts wieder eröhen.
3. Die Produzenten und ihre Organisationen geben relativ wenig auf Vertragstreue und pflegliche Beziehungen mit den Verarbeitern, sobald sie die Möglichkeit auf kurzfristigen Gewinn sehen. Natürlich habe ich Verständnis, dass jeder so viel wie möglich mit Spotmilch verdienen will. Allerdings dürfte man konsequenterweise beim nächsten Unterzug der Verarbeiter, er wird kommen, nicht allzu laut aufjaulen.
4. Trotz der verbesserten Marktsituation ist die Position der Branchenorganisation Milch nicht wirklich gefestigt worden. Der erfolgreiche Abbau des Butterbergs mittels Zwangsabgaben der Produzenten sei früher aus Produzentenhand deutlich günstiger bewerkstelligt worden, heisst es hinter vorgehaltener Hand. Und die Segmentierung, eines der Hauptinstrumente aus der BOM bewährt sich auch in der Knappheit nicht, weil die Verarbeiter den C-Milch-Anteil, also den Teil der Milch den sie unter dem Weltmarktpreis einkaufen, nach wie vor Aufrecht erhalten, dies, so heisst es im Artikel des LID, weil sie in den letzten Jahren Kanäle für Billigmilch-Verwertung aufgebaut haben, die sich nur mit Spottpreis-Rohstoff weiterhin bedienen lassen.
Bleibt zum Schluss noch eine Frage: Wer sitzt am Schluss mit abgesägten Hosen unter der Kuh? Auch wenn das Bild suggeriert, dass es der Bauer sein wird, möchte ich dafür noch nicht die Hand in die heisse Milch legen. (Bild LID)

Cheese-Awards: Vielfalt und Preis-Inflation

September 29, 2012

Am Freitag habe ich mich auf den Weg nach Bellinzona gemacht, nichts weniger als die Oscar-Night des Schweizer Käseschaffens war angesagt: Die Swiss Cheese Awards, ein Anlass der alle zwei Jahre stattfindet und dies bereits zum achten Mal. Leider hatte ich nur wenig Zeit, aber die paar Stunden waren intensiv. Es war eine eindrückliche Leistungsschau des Schweizer Käseschaffens mit viel positiven Eindrücken und ein paar Abstrichen. Aber der Reihe nach.
Auf der Piazza del sole unterhalb von einem der drei Stadtschlösser in der Tessiner Metropole herrschte am späteren Nachmittag reges Markttreiben. Die Vielfalt ist eindrücklich, Stand reiht sich an Stand, stellvertretend oben Seniorchef Hans Aschwanden von der gleichnamigen Bergkäserei in Seelisberg UR mit seiner Partnerin Vreni und unten (leider unscharf und mit unsichtbarem Angebot, wann kaufe ich endlich eine rechte Kamera?) meine alte Freundin und Ex-Chefin Claude Liengme und ihr Partner Hans-Peter Furrer, ein Gruyère-Crack aus Les Reussilles BE.
Mitten drin eine Bühne auf der eigentlich Landwirtschaftsminister Schneider-Ammann hätte referieren sollen, er schaffte es aber wegen einer Beerdigung nichts ins Tessin, weshalb der heimliche Landwirtschaftsminister Lehmann das Referat des Chefs verlas. Erster Abstrich: An einem Publikumsanlass sollte es nicht tönen, wie an der Versammlung eines Käservereins. Das ganze war zu technisch und die nicht fachkundige Besucherschar hätte man mit einem emotionalen Referat über den kulturellen Wert des Schweizer Käses wohl besser bedient. Aber die Musik war schön.
Später traf sich die versammelte Branche in einem eher trostlosen aber hübsch dekorierten Betonklotz zur Award-Night. Eine Jury aus mehreren Gruppen hatte am Tag zuvor nicht weniger als 714 Käse verkostet, ein schöner Beweis für den kulinarischen Reichtum im Käsebereich. Die Spannweite reichte in 27 Kategorien vom Emmentaler AOC via “übrige Alpkäse” (vielleicht nicht grad der geglückteste Kategoriename, man stelle sich einen Oscar für “übrige Schauspieler” vor), Blauschimmelkäse  bis zu den nicht mehr kategorisierbaren Innovationen. Es gab also nicht weniger als 27 Sieger auszuzeichnen. Das ist viel, es wäre ungerecht zu sagen zuviel, denn ein Hartkäse kann schlicht nicht mit einem Frischkäse verglichen werden. An einer Getränkedegustation vergleicht man schliesslich auch nicht Bordeaux mit saurem Most. Aber eben, 27 Gewinner gebührend zu würdigen, das braucht Können. Das ist aus meiner Sicht nicht ganz geglückt. Am Schluss war das Publikum derart ermüdet und hungrig, dass es kaum mehr einen rechten Applaus zu Stande brachte. Dem Vernehmen nach ist das jedesmal dasselbe, vielleicht könnte mans ja ein bisschen besser verteilen und dazwischen mal ein bisschen Käse servieren, zum Beispiel ein Teller mit ein paar Gewinnern drauf. Aber alles in allem: Chapeau Käsebranche.

 

Alpreportage(2&Saisonende): Res auf Chieneren

September 23, 2012

Zufälligerweise waren wir dieses Wochenende in Nidwalden. Einen idealeren Ort könnte man nicht auswählen, um das Ende der Alpsaison zu begehen. Dieser Minikanton besteht zu gefühlten 90 Prozent aus (Alp-)Weiden. Selbst im Hauptort Stans bimmelt hinter dem Turm der gross dimensionierten katholischen Kirche am Rathausplatz am Hang das Vieh mit seinen Glocken. Nach einem Kulturstück Käse der feinen Sorte (mehr dazu später in diesem Blog) fuhren wir dann am Sonntag aus der Nebelsuppe aufs Stanserhorn. Die neue Cabriobahn ist ein Reisli wert und der grosse Stolz der Stanser. Ziemlich spektakulär das Teil. Oben dann eine Art Minijungfraujoch mit bessererer Rundsicht. Stilecht finden ein paar Jodlerständli statt und das Restaurant ist wild auf Wild. Steile Treppen runter wandern wir Wirzweli zu. Durch sattgrüne Matten und einige Kuhherden bahnen wir uns den Weg. Der Hunger führt uns dann zum Glück auf Alp Chieneren (von Chie=Kühen auf Nidwaldnerisch). Inhaber und Käser Res Gut fabriziert hier aus der Milch von 160 Chie von acht Alpen im Sommer 30 Tonnen Käse. Und nicht irgendwelcher. Der Alpsbrinz ist dreijährig und von einer Qualiät, die man im Käseregal meistens vergebens sucht. Coop führt die harte Perle in seinem Slow-Food-Sortiment, siehe diesen zurecht schwärmerischen Artikel in der hauseigenen Zeitung. Wie gut gereift er ist, sieht man, wenn Res ein Stück abschneidet. Das braucht den vollen Körpereinsatz.
Vor drei Jahren hat Res beschlossen, die Käserei, die vorher von einem Angestellten geführt wurde, in eigene Hände zu nehmen. Die Qualität ist 1A, seis in festem oder geschmolzenen Zustand, wie uns der Bratchäs auf Brot im Gaumen bewies. Die 27 Kühe, die er im eigenen Stall versorgt, werden nun von einem Angestellten gemolken, die Milch der übrigen Alpen kommt per Kannen in die Käserei (Milchpreis 70 Rappen).
Die in der Käserei anfallende Molke fressen 130 Alpschweine, die sich teilweise gemütlich im Auslauf sonnen, an diesem schönen Sonntag. Für die Verwertung der Brosamen, die unter die Tischen des von einer sympathischen Angestellten (nach deren Name ich leider nicht gefragt habe) mit betreuten Alpbeizlis fallen, sind die frei zirkulierenden Hühner zuständig.
Der Alp-Sbrinz geht zu einem guten Teil an einen Händler, der wiederum Coop versorgt. Der Rest der Produktion geht in den Direktverkauf, zum Einheitspreis von 17 Franken, das geht einfacher zum Wägen. Die Bauern der Umgebung sind offensichtlich Stammkunden, zwei von ihnen decken sich während unserem Besuch gleich sackweise ein. Das ist immer ein gutes Zeichen.

(more…)

Der Emmentaler in gotthelfscher Milch-Sackgasse

September 12, 2012

Der Emmentaler ist – das ist keine Neuigkeit und stand hier schon öfters einmal zu lesen – ein Sorgenkind. Die Entwicklungen der letzten paar Jahre kurz zusammengefasst: Seit in den neunziger Jahren die Käseunion zerlegt worden ist, hat die Produktionsmenge, die einst gut 50000 Tonnen betrug um mehr als die Hälfte abgenommen. Die Zahl der Käsereien lag damals bei über 300, heute sind noch gut 100 Betriebe übrig geblieben. Der Milchpreis, der zu Beginn der 90er-Jahre einheitlich Fr. 1.07 betrug ist auf rund 50 Rappen abgestürzt. Obwohl die Emmentaler-Bauern silofreie Milch für einen Rohmilchkäse und damit das identische Produkt, wie die Gruyère-Bauern produzieren erhalten letztere 60 Prozent mehr für ihr Produkt.
Derzeit tobt branchenintern eine Auseinandersetzung um die Wiedereinführung einer zentralen Mengensteuerung. Davon erhofft sich die Sortenorganisation Emmentaler Switzerland einen Anstieg des Preises um rund einen Franken auf Fr. 6.50 franko Käserei. Angestrebt wird nun eine vom Bund zu verordnende Allgemeinverbindlichkeit. Argument: Der Preiszerfall kann nur aufgehalten werden, wenn die Produktion auf die Nachfrage abgestimmt wird. Leuchtet ein.
Dagegen wehren sich einige wenige Händler, sekundiert von den mit ihren vertraglich gebundenen Käsern, die durch die Neuregelung Einbussen befürchten. Lieber bei abstürzendem Preis volle Kanne produzieren, als durch Einschränkungen Volumen verlieren, lautet die Rechnung. Das leuchtet auf den ersten Blick ebenfalls ein, zeugt aber von wenig Weitblick und Solidarität, namentlich von Seiten der Käser und ihren Bauern. Denn die Händler profitieren durchaus von den horrend tiefen Einkaufspreisen, man denke an die Ladenpreise, die sich im Bereich zwischen 15 und 20 Franken pro Kilo bewegen.
Die ganze Situation erinnert erstens an den Industriemilchmarkt der Gegenwart, wo das genau gleiche Trauerspiel abläuft. Anstrengungen für eine zentrale Mengensteuerung durch die Produzenten wurden sabotiert und mit Unterstützung ihrer Produzenten überschwemmen relativ wenige Mengenbolzer unter den Händlern den Markt, was zu erodierenden Preisen führt. Diese sind zum Teil unter 50 Rappen pro Kilo gesunken. Es sollen hier jetzt nicht die Händler als Alleinschuldige an den Pranger gestellt werden. Sie können nur agieren, wie sie agieren, weil sie in den Milchproduzenten (und Käsern) willige und abhängige Erfüllungsgehilfen haben, produziert doch kein einziger Händler ein einziges Kilo Milch oder Käse.
Trotzdem erinnert die Situation zweitens an diejenige, die schon Gotthelf selig in seiner “Käserei in der Vehfreude” beschrieben hat. Gotthelf schildert in seinem Buch die Entwicklung in den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts, als die bis anhing auf die Alpen beschränkte Käseproduktion von der Alp ins Tal erweitert wurde. “Wie üblich im Bernbiet, wo man ehedem nicht auf jede neue Rarheit versessen war, betrachtete man anfangs die Sache mit großem Mißtrauen, es fand sich wenig Nachahmung”, schreibt Albert Bitzius. Namentlich die Händler rümpften die Nasen: Sie “gaben zu, daß die Dinger aussähen wie Käs, seien aber doch nicht Käs, könnten nicht in den eigentlichen Handel gebracht werden, wolle man nicht Ruf und Kredit der Emmentaler Käse gefährden in alle Ewigkeit hinaus”. Diese Ablehnung der neuen Produktionsweise geschah aber nicht ohne Hintergedanken, wie Gotthelf ausführt: “Indessen, die Käshändler sind sozusagen auch Menschen und dazu eben nicht dumm. Sie meinten nicht, daß man das, was man aushöhne, als könnte man Misthaufen und Jauchelöcher vergiften damit, ja selbst junge Zürcher unter zwanzig Jahren, ganz von der Hand weisen müsse, wenn irgendwie Vorteil daraus zu ziehen sei.” Besonders gut gefällt mir da natürlich der kleine Seitenhieb auf die Zürcher.
Aber darum geht es hier nicht, sondern um die Geschäftspraktiken der Händler, an denen in den letzten 200 Jahren offenbar wenig geändert hat, wie folgende Passage zeigt: “Die Käshändler machten nach und nach die Erfahrung, daß auch die feinsten Berliner und Petersburger Nasen den Unterschied zwischen Alpen- und Talkäs nicht merkten, daß der Käsereikäs ohne Kreditschwächung prächtig ins Ausland zu gebrauchen sei. Sie ließen es sich nicht merken, taten spröde, rümpften die Nase über solchen Käs wie siebenzehnjährige Mädchen über einen siebenzigjährigen hagern Hagestolz, aber sie taten doch immer mehr dr Gottswillen, das heißt sie kauften immer mehr solchen Käs so wohlfeil als möglich und suchten unter der Hand für die vermehrte Produktion größern, erweiterten Absatz.” Und so weiter und so fort. Falls Sie, liebe Leserinnen und Leser nun Lust verspüren, den ganzen Text zu lesen, hier gibt es ihn. Viel Vergnügen. Kleine Ironie der Geschichte: Die Sortenorganisation lässt derzeit unter anderem einen Emmentaler im Gotthelf-Look produzieren (siehe Bild). Wenn das nur kein böses Omen ist… (Bild Emmentaler Switzerland)

Karibische Geissenbilder der Woche

August 23, 2012

Dieser Tage habe ich ein Mail von Josi Patience aus Tobago erhalten. “Seit geraumer Zeit verfolge ich deinen Blog, manches sehr interessant auch für mich obwohl ich sehr weit weg wohne”, schreibt sie mir, “leider kann ich dir keine schönen Kuhbilder von Kühen unter Palmen oder am Strand schicken. Ich habe nur Ziegen.” Zunächst herzlichen Dank für die netten Worte, Josi, freut mich sehr, dass der Agroblog bis in die Karibik hinunter Anklang findet. Und was heisst denn da “nur Ziegen”. Selbstverständlich haben hier auch Ziegen ihren wohlverdienten Platz, wenn auch bisher leider zu selten.
  Josi bewirtschaftet seit einigen Jahren die Orange Hill Goat Dairy Farm auf Tobago. Auf ihrer schöne Webseite und im Blog von Geissbock Till finden sich alle Details. Neben der Geissenhaltung produziert Josi Joghurt und Feta aus Geiss- und Kuhmilch. Die Produkte haben sich, wie sie berichtet, zum Renner entwickelt. Das sei wenig erstaunlich im von industriellem Food geprägten Angebot der lokalen Supermärkte.
So idyllisch, wie das untenstehende Bild suggeriert ist es allerdings im Moment nicht, wie Josis Mail befürchten lässt: “Auch uns wird es eiskalt erwischen was die Dürre in den USA anbelangt”, schreibt sie. Ich hoffe, dass sich die Schäden in Grenzen halten, liebe Josi, und wünsche viel Glück im Stall auf Deiner Farm! (Bilder Josi Patience)

 

Die offene Kuh im Labor der Melkmaschinisten

August 17, 2012

Auf einem kurzen Abstecher nach Schweden zum Kongress der International Federation of Agricultural Journalists bot sich die Gelegenheit zur Besichtigung von Hamra Farm. Nun ist dies nicht irgendein Bauernhof sondern die laut Eigenwerbung “wichtigste Inspirationsquelle” der Firma DeLaval. Das Unternehmen ist 129-jährig und seit der Gründung durch Gustaf de Laval ein wichtiger Player in der Milchgewinnung- und Verarbeitung, namentlich im Bereich Melkmaschinen.
Der Besuch auf Hamra Farm war aufschlussreich. Im Ausstellungsbereich präsentiert das Unternehmen – es ist gemeinsam mit dem Verpackungsmulti Tetra Pak Teil der Gruppe Tetra Laval mit einem Jahresumsatz 2011 von gut zwölf Milliarden Franken und 32 000 Mitarbeitern – die neuesten Entwicklungen.
Sie zeigen exemplarisch, in welche Richtung die Milchwirtschaft sich entwickelt. Der Trend geht zu grösseren Herden und zunehmender Automatisierung. Im Roboterbereich, dessen Beginn DeLaval leicht verschlafen hatte und zunächst dem Landmaschinenhersteller Lely den Lead überlassen musste, hat DeLaval derzeit ein Eisen im Feuer, das umgekehrt die Konkurrenz noch nicht zur Entwicklungsreife gebracht hat: Das Melkkarussel AMR (Automatic Milking Rotary) ist seit 2010 praxisreif und derzeit auf 5 Betrieben weltweit im Einsatz. Geeignet ist es laut Gert Danneker, der uns das System vorstellte, für Herden zwischen 300 und 700 Kühen. Es bringt eine massive Kapazitätsausweitung: Während die klassischen Melkroboter (im DeLaval-Jargon heissen sie “Voluntary Milking System” oder freiwilliges Melksystem) 7 Kühe pro Stunde melken können, schafft AMR 90 Gemelke pro Stunde.
Melkkarusselle heissen so, weil die Kühe auf einem grossen sich drehenden Rad stehen, auf der einen Seite steigen sie ein, nach einer Drehung wieder aus. Das Karussell erlaubt eine kontinuierliche Melktätigkeit, anders als Melkstände, die in Chargen beschickt werden. Die vollständige Automatisierung, so betonte Danneker, diene nicht dazu, Arbeitskräfte abzubauen, sondern diese für andere Tätigkeiten in grossen Viehställen freizuschaufeln: Fütterung, Herdenbeobachtung, Tiere umstellen etc. Der Roboter erlaube es den Bauern so, die sinkenden Milchpreise aufzufangen.
Der Ersatz menschlicher Arbeit durch die Mechanisierung schreitet aber munter voran, wie der nächste Posten zeigte: Der “Herd Navigator” ist an sich ein Labor, sein Kernstück ist eine Analyseeinrichtung, die von jeder Zitze von jeder Kuh eine kleine Milchprobe auf drei Parameter testet: Eutergesundheit, Brunststadium und Ketosegefahr via die Messung von Zeigersubstanzen, wie beispielsweise dem Hormon Progesteron für die Trächtikeitschancen. Die täglichen Aufzeichnungen ermöglichem dem Landwirt eine Früherkennung, ohne dass er die Kühe noch gross beobachten müsste, wie heute. Mit dem neuen System könne der Produzent den Stoffwechsel permanent überprüfen und die Kuh so für sich quasi öffnen, sagte die DeLaval-Vertreterin in der Ausstellung.
Der langen Rede kurzer Sinn: Milchproduktion unter Kostendruck ist in zunehmendem Masse ein Geschäft mit anspruchsvoller Technik unter abnehmender menschlicher Beteiligung. Die einzelne Kuh in der 300-er Herde kennt der Bauer zwar nicht mehr, aber dafür der Computer um so besser.
Ich war beeindruckt von der Maschinerie, aber alle Aufrüstung wird nichts daran ändern, dass der Verdienst aus der Milchproduktion davon kaum profitieren dürfte, denn je günstiger die Produktion wird, je grösser die Herden werden, desto billiger kommt es, ein zusätzliches Kilo Milch zu produzieren, was auf die Menge durchschlägt, mit den bekannten Folgen. (Bild DeLaval)
PS. Am Rande der Veranstaltung sagte mir ein Kollege mit einem Lächeln auf den Stockzähnen, als nächsten Schritt werde man dann die Kühe wegrationalisieren, was dann wiederum, so folgerte er, das Ende des Agroblogs bedeuten würde…


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