Heute hat der Tages-Anzeiger wieder einmal den Zweihänder ausgepackt: “Schweizer Bauern weniger öko als gedacht“, schrieb das Blatt. Schlechter als ihr Ruf seien die Landwirte. Der Artikel bezieht sich auf eine Vergleichsstudie von Agrofutura (Link zum Schlussbericht ganz unten) im Auftrag der Qualitätscrew im Bundesamt für Landwirtschaft. Darin wird das Umwelt- und Tierschutzniveau in der Schweiz mit demjenigen ausländischer Konkurrenz verglichen.
Der Artikel legt den Finger auf ein paar wunde Punkte: Die unterschiedliche Vollzugsqualität in der Föderalismushochburg, der hohe Tierbesatz mit den entsprechenden ökologischen Auswirkungen und ganz generell die hohe Intensität der Produktion im Vergleich zu anderen Regionen Europas in Frankreich, Deutschland und Österreich, nicht aber in Holland.
Zunächst ein paar Worte zur Verteidigung der heimischen Scholle: Erstens darf man daran erinnern, dass die innere Aufstockung der Betriebe mit der dazugehörigen Intensivierung jahrzehntelang oberste Maxime der Landwirtschaftspolitik war. Aus den durchschnittlich bescheiden bemessenen Heimetli sollte das Maximum herausgewirtschaftet werden. Dieser Strategie, die mit entsprechenden Anreizen ausgestattet wurde haben die Bauern lange erfolgreich nachgelebt. Die ökologischen Probleme heute darf man deshalb nicht ihnen alleine in die Schuhe schieben.
Zweitens ist man auf dem Weg zu einer umweltverträglichen Landwirtschaft angesichts dieser Ausgangslage schon recht weit, was im Agrofutura-Bericht ausführlich und im Artikel weniger gewürdigt wird: “Die Scheiz hat beim Tierschutz eine internationale Vorreiterrolle (…) und eine Vorbildfunktion bei der transparenten Kontrolle des Ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN)”, heisst es im Bericht etwa. Man darf ebenfalls daran erinnern, dass die EU daran ist, die Schweizer Agrarpolitik mit einem guten Jahrzehnt Rückstand in allen Bereichen quasi eins zu eins zu übernehmen.
Trotzdem tut man auch beim Schweizerischen Bauernverband (SBV), dessen Präsident die Interpretation des Berichts reflexartig zurückgewiesen hat, gut daran, die Vorwürfe ernst zu nehmen. Das Image ist eine labile Grösse. Um es hoch zu halten braucht es Vorausdenken. Richtigerweise hat der SBV auf das Referendum gegen die AP2017 verzichtet, welche eine bessere Verankerung und Kontroller der ökologischen Leistungen im Direktzahlungssystem mit sich bringen soll.
Es gibt nämlich noch beträchtliche Löcher im grünen Mantel der Schweizer Produzenten. Es besteht im bäuerlichen Millieu die Tendenz, sich auf den Lorbeeren, beziehungsweise den ökologisch bewirtschafteten Wegrändern auszuruhen. Der Tenor lautet etwa: wir haben jetzt genug ökologisiert, jetzt müssen wir zurück zur produzierenden Landwirtschaft, die sich nicht von Hecken und was darin kreucht und fleucht aufhalten lassen darf. Dabei steht man hier erst am Anfang eines Prozesses, Ökologisierung ist ein Langfristprojekt ohne Ende, so mühselig das auch sein mag.
Dazu gehört auch die Vermarktung des Geleisteten. Dafür braucht es nicht immer ein Bio-Label. Aber die Erkenntnis, dass Ökologie und Produktion kein Gegensatzpaar sein müssen. Und dass die Herkunft Schweiz allein, diese Prognose wage ich gerne, künftig nicht genügt, um die sensibilisierten Konsumenten in ihrer Mehrheit von der Qualität eines Produkts zu überzeugen. Schweiz heisst nicht einfach besser als Ausland. Ich rege mich immer auf, wenn in der Fleischdeklaration im Restaurant nur das Land steht. Das ist ein veraltetes Deklarationsniveau, ich will als mündiger Konsument nicht nur wissen, woher das Fleisch kommt (auch aus welcher Region), sondern auch aus welcher Art von Produktion.
Die Studie und ihre Interpretation durch ein populäres Publikumsmedium sind gute Warnschüsse gegen Selbstzufriedenheit. Der Druck auf die Landwirtschaft wird nicht kleiner, die Toleranz für Umweltschäden aber schon. Toll, dass das Image gut ist, aber mit geschickter PR alleine wird es nicht weiter florieren. (Bild Frey & Frey, Corporate Architects, Bern)

















