Archiv für die Kategorie ‘Nebenerwerb’

AgReminiszeNZZen aus 13 Jahren (10): Biogas

Juni 23, 2013

Biogas%20LindauAuch wieder ein Klassiker: Biogas und Geruchsemissionen, oder wie stark darf eine Umweltinvestition riechen?. Und das ausgerechnet in Lindau, wo alles was agrikulturell Rang und Namen hat logiert. Deshalb war ich wahrscheinlich in keiner Zürcher Gemeinde häufiger, natürlich auch dank meiner Teilzeit-Exkursion in den Lehrerberuf an den Strickhof (als Lehrbeauftragter für Medienkunde), etwas vom Anstrengenderen aber sicher Bereicherndsten, das ich in den letzten 13 Jahren gemacht habe.

Der Elan mit dem die jungen LandwirtInnen in der Fach- und Handelsschule zur Sache gingen war inspirierend, klar gab es ab und zu auch ein paar jassende Hinterbänkler, aber im Schnitt war die Motivation top. Nicht zufälligerweise begegne ich immer wieder Ex-Schüler, aus denen etwas mehr als Rechtes geworden ist. Zum Beispiel Chef von Jumi, um nur einen zu nennen.

Der Hofladen-Wettbewerb kommt an die Kasse

Juni 9, 2013

Hofladen Fuster AussenansichtRegelmässige BesucherInnen werden sich vielleicht noch erinnern mögen: Irgendwann im Februar habe ich mal einen Hofladen-Wettbewerb lanciert. Erst im Nachhinein dämmerte mir, dass dies möglicherweise nicht der ideale Zeitpunkt ist. Und da der Winter bis vor etwa einer Woche anhielt, blieb der Einsendeschluss von ca. Ende März unbenutzt.

Hofladen Fuster InnenansichtHofladen Fuster WürstePünktlich zum warmen Wetter ist jetzt ein zweiter Kandidat eingetroffen, dafür herzlichen Dank, Monika! Guter Moment, um den Wettbewerb neu zu lancieren. Er kommt jetzt langsam an die Kasse, ohne dass dies irgendwie negativ gemeint wäre. Die Teilnahmefrist wird jetzt massiv erstreckt, und zwar bis irgendwann im Spätsommer. Weitere Vorschläge sind herzlich willkommen, bevor die noch nicht gewählte Jury des ersten “Agroblog Hofladen of the year award” zur Tat schreitet.

Hofladen Fuster PlakateGuter Moment auch, um meinen eigenen zweiten Teilnehmer im Wettbewerb zu lancieren. Irgendwann im Frühling, ja den gabs auch mal, war ich in Gyrenbad im Zürcher Oberland. Dort hats ganz ein schönes Exemplar von Familie Fuster. Oben die Aussenansicht, seitlich die Innenansicht und ein paar gefährlich gute Würstli vom Rauchfleischspezialisten, der aber eine weit darüber hinaus reichende und sehr professionell präsentierte Produktepalette anbietet. Interessant fand ich die zwei Plakätli an der Türe. Sie zeigen exemplarisch zwei der wohl grössten Herausforderungen für Hofladenbetreiber: Die Diebstähle und die Erreichbarkeit, im Gyrenbad dokumentiert anhand des Postautos, dessen Kurse stark reduziert werden sollen.

Hoflädeli Rotzenwil InnenansichtDer zweite Kandidat für heute und der insgesamt dritte (nachdem ja auch schon der Eisenbahnwagen von Familie Schmidt-Amstad in Bergün im Rennen ist), wäre derjenige aus Rotzenwil im sanktgallischen Muolen. Er gehört mir unbekannten Bauern, deren Name ich dann im Falle eines Preisgewinns schon noch rausfinden würde. Der angejahrte Bauwagen namens “Gschänk-Treffpunkt” verströmt einen rustikalen Charme, der ihm im Rennen sicher hilft, vorne mitzumischeln. Besten Dank für diese erste Einsendung aus dem Publikum, wie gesagt, weitere Zusendungen auf adimali@gmx.ch wie gesagt sehr erwünscht! (Bilder unten Monika Schlatter)

Hoflädeli Rotzenwil

Ambrüf, bei den Königen des Wassers & des Weins

Juli 22, 2012

Das Wallis ist für mich wie eines dieser Länder, in die man schon lange will und es nie schafft. Dank zwei Terminen am gleichen Tag, der eine davon hier verarbeitet, kam ich unerwartet in den Genuss einer Reise hinter den Lötschberg, was ja heute dank dem neuen Basistunnel deutlich schneller geht als früher. Und es hat sich gelohnt, auch aus landwirtschaftlicher Sicht. Ein paar Dinge sind mir aufgefallen. Zu Beginn die intensive Bewässerung. Die erste sah ich im schmucken Städtchen Leuk, wo Reben aus vollen Rohren berieselt wurden (siehe Bild oben).
Später fuhr ich weiter nach Visperterminen, ebenfalls ein sehenswerter Ort mit einem intakten Kern, der wahrscheinlich auch dank bescheidenem Skigebiet nie verschandelt wurde. Auf der kurvenreichen Fahrt und im Dorf fiel mir auf, dass hier auf gut 1000 Metern sogar die Weiden und Mähwiesen bewässert werden und zwar mit fest installierten Leitungen. Dies ist für Schweizer Verhältnisse ziemlich aussergewöhnlich und hat mit zwei Dingen zu tun. Erstens ist das Wallis mit Wasser reich gesegnet. Wenn die Schweiz ein Wasserschloss ist, dann ist das Wallis der Krönungssaal. Zweitens ist das Klima praktisch mediterran, die Niederschlagsmenge ist nur rund halb so gross, wie in der “Üsserschwiz” und die Temperaturen erlauben den Aprikosen- und Rebbau bis auf über 1000 Meter (siehe Bild rechts). Deshalb ist Visperterminen bekannt für Europas höchsten Rebberg, der mit der lokalen weissen Gebirgs-Sorte Heida (auch als Savagnin bekannt) bestockt ist, drum heisst es auch Heidadorf. Aufgefallen ist mir auch, dass die Walliser seit langem daran gewohnt sind, auch noch aus dem letzten Flecklein Erde das Maximum herauszuholen. Jedes Vorgärtchen wird mit Kartoffeln bepflanzt, zwischen den hübschen Holzhäusern mitten im Dorf findet man immer wieder Gemüsegärten und kleine Getreideflächen von 100 Quadratmetern am Steilhang sind keine Seltenheit, natürlich alles bewässert.
Zu guter Letzt möchte ich noch den Wallisern selber ein Kränzchen winden. In der Deutschschweiz haben sie ja ein bisschen den Ruf, knorrige Bergler im Dauer-Weissweinrausch zu sein, die mit denjenigen hinter dem Berg möglichst nichts zu tun haben möchten. Alle denen ich begegnet sind waren einfach nett und unkompliziert, es war ein schöner Tag. Ich komme wieder ambrüf (rauf, für Nicht-Walliserditsch-Kundige).

Roll Models: Velotransport à l’Africaine

März 1, 2012

Was Afrikaner alles mit dem Velo transportieren, hat mich schon immer fasziniert. Kein Drahtesel zu alt und zu geschunden, um ihm noch ein paar Säcke mit Waren aller Art aufzubürden. Letzte Woche berichtete NZZ-Afrikakorrespondent Markus Haefliger in einem sehr aufschlussreichen Artikel von einer besonders waghalsigen Variante. Zur Versorgung der burundischen Hauptstadt Bujumbura fahren Velokuriere mit Bananen, allerhand anderem Gewächs und Holzkohle im Garacho aus den umliegenden Bergdörfern zu Tal. 1400 Höhenmeter in 45 Minuten mit Lasten von bis zu 180 Kilo für einen fixen Preis. Anschliessend machen sich die mutigen Transporteure wieder auf den Rückweg, am Liebsten im Schlepptau eines Lastwagens. Quer zur Fahrtrichtung hocken sie auf der Lenkstange, liegen in die Kurven, wechseln ab und zu den Handgriff und unterhalten sich angeregt über Gott und die Welt. Hier noch ein paar weitere Impressionen.
Während der eine noch auf der Talfahrt ist, gehts für die anderen schon wieder Richtung Berge.
Aktive Verlagerung des Körpergewichts hilft…

… während bei Lastwagen älteren Baujahrs auch mal ein Blick zurück drinliegt. Man beachte die lockere Körperhaltung. Herzlichen Dank für die tollen Helgen, Markus! (Bilder Markus Haefliger/NZZ)

Adve(r)ntedankfest(12/13): Stadtrandgeschichten

Dezember 13, 2011

Das schöne am Bloggen ist ja, dass es eine interative Aktivität ist. Das gilt natürlich auch für diesen Agrardventskalender. Jetzt habe ich sogar nämlich auch noch einen Preis gewonnen. Ursina, die schon einen Käse und ein Buch abgeholt hat, spendiert einem Agroblogleser, einer Agroblogleserin einen Eintritt an einen ganz besonderen Event: Kultur im Treibhaus, morgen abend an der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft SHL in Zollikofen bei Bern, die neuerdings HAFL heisst. Das heisst für nicht Eingeweihte Hochschule für Agrar-, Forst- und  Lebensmittel-Wissennschaften. Ursina schreibt mir: “Nächsten Mittwoch, 14. Dezember, wird Mario Batkovic sein Akordeon im Treibhaus der SHL in Zollikofen erklingen lassen. Kultur im Treibhaus, das hat zwar mit deinem Lieblingsobjekt Kuh nicht direkt was zu tun. Es ist aber exakt dieselbe Gefühlsecke unserer Kuhglockenromantik, die angesprochen wird, wenn wir unter einer Papaya in voller Früchtepracht sitzen und den Manjokblättern dabei zuschauen, wie sie zum Tackt der Musik wippen…” Tönt doch gut oder? Umso mehr, wenn man weiss, dass ab 18.45 Alpkäse von behornten Kühen aus Biasca kredenzt wird und vernimmt, dass Batkovic sein Akkordeon zum weinen bringen kann. Häb Dank, Ursina! Dem schnellsten Berner, der schnellsten Bernerin (geht das?) oder sonst jemandem, der Lust hat morgen an den Berner Stadtrand zu fahren, schenke ich diese Karte gerne. Ganz ohne Quizfrage. Viel Glück.
Das zweite Törli heute öffne ich nicht am Stadtrand sondern mitten in der Stadt: Genauer im Kreis 5 in Zürich. Hier hat Simone Tremp, eine Freundin von mir, ihr Atelier. Dort macht sie coole Sachen, zum Beispiel dieses Handtüechli mit einem Muni drauf. Oder Pantoffeln aus Ziegenfell und kleine feine Schäle aus Lammfell, sogenannte Lämmlihälse. Ihre Adresse: simonetremp@bluewin.ch. Das Tüechli hier übrigens, gibts natürlich zu gewinnen. Mit der richtigen Antwort auf eine Kreis-5-Frage: In unserem schönen Zürcher Viadukt gibt es einen Baselländer Ladeninhaber, der mit einer Berner Rose einen prächtigen Chlepfmoscht macht. Wer mir sagt wie dieser Schlossherr heisst, dem werde ich das Tüechli umgehend zuflattern lassen. (Bild oben pd)
   

Eine Milchkanne kann mehr als nur Bränte sein

März 29, 2011

Die Milchkanne ist in Zeiten der gekühlten Milchtanks und der Hofabfuhr ein langsam verschwindendes Symbol der Milchwirtschaft. Bevor sie nun ganz vom Gestell über dem Stallbänkli abgeräumt wird, setzt ihr die Multi-Kulturalistin Charlotte Wittmer (man kennt sie auch aus der Kapelle Sorelle) noch ein kleines Denkmal. In ihrem “Musikmilchtheater” Bränte entlockt sie den Kannen, oder eben, wie sie der Volksmund so schön nannte, den Bränten, allerlei Töne und benützt sie gleichzeitig als vielgestaltige Statistinnen in ihrer szenischen Kannnenparade. Charlotte verarbeitet darin auch ein Stück Familiengeschichte, ist sie doch als Tochter eines Molkereibesitzers aufgewachsen. Die nächste Gelegenheit für einen Besuch der eiweisshaltige Revue bietet sich am nächsten Freitag, 1. April, wenn “Bränte” in Liestal im Palazzo gastiert. Agroblog empfiehlt: Hingehen und zum Apéro ein Glesli Milch genehmigen. (Bilder Simon F. Egli)

SF bi de Landfroue: 3 Erkenntnisse in 5 Minuten

September 25, 2010

Bäuerinnen haben mich schon immer beeindruckt. Sie sind Kinderbetreuerinnen, Köchinnen, Gärtnerinnen, Managerinnen, Buchhalterinnen, Sekretärinnen, Raum- und Tierpflegerinnen, Melkerinnen, Traktorfahrerinnen, Sozialarbeiterinnen sowie Psychologinnen für die Angestellten und haben daneben meistens noch einen Job. Ein eindrückliches Portefeuille und Bonus gibts keinen, zumindest nicht in pekuniärer Form. Und das Umfeld findet das meistens völlig normal. Dass das manchmal nicht aufgeht, ist nicht verwunderlich. Ich kenne Geschichten von Bäuerinnen denen der Druck zu gross wurde aus dem Bekanntenkreis, am schönsten beschrieben wurde das Phänomen im Artikel “Vreneli geht” vor einigen Jahren im “Magazin”. Die meisten Bäuerinnen aber halten durch, chapeau! Bref, zufällig bin ich gestern endlich in die Sendung SF bi de Lüt reingezappt und sofort hängen geblieben. 7 Landfrauen kochen abwechslungsweise füreinander um die Wette und juryieren. Leider musste ich nach 5 Minuten gehen. Aber ich habe von Barbara Huber aus Welsikon ZH  trotzdem schnell drei Sachen gelernt: 1. Eine Zwiebel kann man schälen, indem man ihr den Spitz abschneidet und sie dann rausdrückt aus der Schale, 2. Wie ein Melkkarussell funktioniert, 3. Dass gemeinsames Melken ideal taugt als Ehetherapie. Wenn man das früher gewusst hätte… Die Sendung von gestern wird am Montag wiederholt, die nächste und 5. von 7 Folgen kommt am 8. Oktober.

Florierende Stadt-Landwirtschaft in “Farm City”

Juli 31, 2009

Novella Carpenter

Heute mache ich einmal ein bisschen Reklame für die Stadt-Landwirtschaft. Das ist ja ziemlich naheliegend für einen urban logierenden Agroblogger. In Amerika hat die Stadt-Landwirtin Novella Carpenter (im Bild) vor kurzem ein Buch herausgegeben. FarmcityEs heisst “Farm City” und befasst sich mit den Alltagsfreuden und -problemen des städtischen Bewirtschafters. Ich habe das Buch zwar noch nicht gelesen, aber ein Müsterli kann ich trotzdem schildern: Ein verstörter Beamter hat ihr aus dem Postbüro in Oakland, wo Carpenter in einer Sackgasse nahe der Autobahn in einem Hinterhof bauert, angerufen. Sie möge sofort ihr Paket mit den bestellten Bienen abholen. Diese zögen andere Bienen an und “are freakin’ everyone out”. Stadt-Landwirtschaft oder Urban Farming, wie man es dort nennt, ist vor allem in den USA ein grosses Thema, es gibt mehrere Blogs, zum Beispiel “City Farmer News” und eben Bücher. Praktiziert wird sie aber vor allem in der zweiten und dritten Welt, einige Beispiele gibt es in einem interessanten Wikipedia-Beitrag. Die Vorteile liegen auf der Hand: Schliessung von ökologischen Kreisläufen innerhalb der Stadt, kurze Transportwege, weniger landwirtschaftlicher Druck auf ökologisch wertvolle Flächen wie zum Beispiel Regenwälder oder andere Biotope. Es gibt aber auch gewichtige Probleme: Oft sind die Böden Altlasten-verseucht und das Land zu teuer für landwirtschaftliche Produktion. Aber man kann ja klein anfangen, zum Beispiel mit einem Kompost im Vorgärtli. Hier gehts zur Anleitung.

Osterferien auf dem Bauernhof – Ei, wie schön!

April 14, 2009

agristourism51

Die Osterferien haben wir auf dem Bauernhof verbracht. Im Katalog hat uns der Betrieb von Antonia und Fredi Messmer in Thal SG so gut gefallen, dass wir ohne grosses Federlesens gebucht haben, und es hat sich gelohnt. Das Wetter war prächtig (gut, dafür können selbst die besten Bauern nichts…), der Empfang sehr nett und unkompliziert, die Umgebung prächtig und der Erholungsfaktor für alle hoch. agristourism21Die Freibergerstute hielt sich zwar nicht ganz ans Drehbuch: Als wir am ersten Morgen aus den Federn stiegen war das Fohlen bereits geboren. Umso lustiger waren dann aber die ersten Gehversuche auf den langen Stelzenbeinchen. Gross war auch die Anziehungskraft des Trampolins in der Hofstatt, das die Kinder von früh bis spät belagerten, wenn sie nicht grad unter leichtem Protest (“wie viel lieber wären wir doch auf dem Hof geblieben!”) mit dem Velo dem schönen Bodensee entlang radeln mussten. Ideal ist der Bauernhof für Osternferien auch deshalb, weil man fast nirgends die Nester tückischer verstecken kann. Zur Nachahmung empfohlen. Die Angebote gibts zum Beispiel direkt auf agrotourismus.ch, bei  Reka oder auf biohöfe.ch.


Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 63 Followern an