Archiv für die Kategorie ‘Stadt-Landwirtschaft’

Wasserbüffel zum Sonntag

April 12, 2014

Wasserbüffel 2Heute wieder mal ein Kuhbild, einfach so, bzw. ein Büffelbild. Meine bewährte Bildkorrespondentin Monika Schlatter war zum Glück wieder einmal wandern, diesmal in Ftan. Ich danke Dir herzlich Monika!

Das hat mich dann inspiriert, noch schnell ins Archiv zu steigen, um nach meinen Wasserbüffelchen zu suchen, die mir vor nicht allzu langer Zeit an einer Landwirtschaftsausstellung unweit von Zürich vor die Linse gekommen sind, sie sehen aus wie Labradore, wenn auch nur bis die Hörner wachsen. ZürcherInnen, die auf dem Sonntagsspaziergang ein paar dieser urtümlichen Mütter (samt Kälbern und Muni) des weltbesten Mozzarellas besichtigen möchten, rate ich den Weg zum Riedenholzhof in Seebach unter die Füsse zu nehmen.
WasserbüffelchenPS. Wenn Sie übrigens täglich mit Kuhbildern versorgt werden möchten, empfehle ich Ihnen nicht ganz uneigennützig @dailycow auf Twitter.

Die Fasnacht als Konsumenten-Fiebermesser

März 11, 2014

Fleischindustrie“Die drei scheenschte Däg” (für Nicht-Basler: die Fasnacht) sind noch in vollem Gang. Endlich hab ichs mal an den Morgeschtraich geschafft. Die brutal frühe Tagwache – punkt vier am Montagmorgen wird abmaschiert – hat sich gelohnt: Ein nur auf den ersten Blick chaotisches durcheinander paradieren von farbenfrohen Cliquen, die sich allenthalben auf Brücken, Boulevards und in engsten Gässchen kreuzen, ein Feuerwerk von Kreativität und viele fröhliche, wenn auch öfters ziemlich müde Menschen.

Fast jede dieser Cliquen führt eine sogenannte Laterne mit. Das ist ein bisschen untertrieben umschrieben, denn dabei handelt es sich oft um übermannsgrosse Leuchtkästen, deren Wände mit primär politischen und ätzend sarkastischen bis zynischen Messages aller Art dekoriert und beschriftet sind. Heuer dick im Kurs: Der Verbotsstaat, der den Baslern ziemlich auf die Nerven zu gehen scheint, der (amerikanische) Schnüffelstaat und die eigene Politikerkaste in den reichlich vorhandenen Fettnäpfen.

BienensterbenDiese in hunderten von freiwilligen Arbeitsstunden in den Cliquenkellern brikollierten Laternen sind nicht nur optisch spektakulär, sondern auch politisch interessant, man darf sie sicher so als eine politische Fiebermesser betrachten. Deshalb nahm’s mich natürlich wunder, ob auch die Landwirtschaft Fett abkriegt. Und wurde prompt fündig. Am meisten scheint die Fasnächtler das Bienensterben zu beschäftigen, es ist mir etwa drei mal begegnet. Hier das drastischste Bild, welches den Einsatz von Pestiziden thematisiert (Basel ist dafür sicher nicht der ungeeignetste Ort), auf der anderen Seite der Laterne prangte eine gekreuzigte Biene. Zwei weitere Laternen kritisierten den übermässigen Fleischkonsum (siehe Bild ganz oben).

Beeindruckt hat mich auch das kunstvolle Maskenschaffen. Aber bitte, liebe Nicht-BaslerInnen, nennen Sie eine Maske hier nie Maske, es sind in der strengen Fasnachts-Nomenklatur nämlich Larven! Hier waren die Nutztiere gut vertreten. Stellvertretend hier eine Kuh, daneben gab es nicht zu knapp Schaffe, Hühner und wenn ich mich richtig erinnere, mindestens ein Kamel.
Kuhmaske

Hörnerfranken: Öko-, Risiko- und Tourismusbonus

Dezember 8, 2013

Sibylle im MedienfokusAm Freitag ist in Bern an einer Bundeshaus-Hintertüre die Petition für den Hörnerfranken eingereicht worden. Schwer beladen mit 18’000 Unterschriften wanderte die prominente Kuh Sibylle (Ex-Wetten, dass…?-Siegerin) an der Spitze eines kleinen Trüppchens von Hornfreunden unter der Ägide von IG Hornkuh und unterstützt von KAGfreiland und Demeter vom Bärengraben zur Ochsenscheune, wie das Parlamentsgebäude in bäuerlichen Kreisen ab und an auch genannt wird.

Dass der Hörnerfranken dereinst Platz findet in der Direktzahlungsverordnung ist eher mässig wahrscheinlich. Höchste Zeit deshalb für ein kleines Plädoyer zugunsten dieses Batzens zugunsten der Viehhalter mit behornten Kühen (1 Fr. pro Kuh und Tag) und Geissen (20 Rappen).

Ich würde niemandem Hornvieh vorschreiben wollen, es gibt eine ganze Reihe von Gründen, die zum Entscheid des Enthornens führen können: die Unfallgefahr ist vorhanden und es braucht im Stall nicht nur mehr Platz sondern auch ein etwas zeitaufwendigeres Management.

Wer sich aber auf freiwilliger Basis dafür entscheidet, seine Tiere im natürlichen Kopfschmuck-Zustand zu belassen, der sollte dafür entschädigt werden. Dies vor allem aus drei Gründen.

1. Ökologie. Die Enthornung ist ein ziemlich happiger Eingriff in die körperliche Integrität des Tiers. Wer das optisch und physiologisch dokumentiert haben möchte, dem und der empfehle ich den Konsum des Films “Das liebe Rindvieh” von Bertram Verhaag. Darin zeigt eine Bäuerin anhand der Schädel von einer enthornten und einer behornten Kuh die Unterschiede auf. Die enthornte Kuh entwickelt einen regelrechten Höcker, den man an jeder kurz geschorenen Elitekuh zwischen den Hornansätzen gut beobachten kann. Dieser entwickelt sich gemäss der Bäuerin aufgrund des nötigen Volumens für die Zirkulation des Methans im Körper. Sind die Hörner vorhanden, bietet sich dieser Raum in den Hornzapfen, sind diese weg, braucht es eine Ausweichvolumen.

2. Risiko und Mehraufwand. Genau wie ein Bergbauer, der mit den Bergzonen-Beiträgen für die Erschwernisse und Gefahren von steilen Lagen sowie kurzen Vegetationszeiten entschädigt wird, haben die Hornviehhalter aufgrund ihrer Wahrung der Komplettheit des Tiers Anspruch auf eine Abgeltung für erhöhtes Risiko und zusätzlichen Arbeitsaufwand, zumal diese Leistungen mindestens bis heute auf dem Markt nur ungenügend und partiell durch bessere Preise abgegolten werden.

3. Tourismusförderung. Der Spaziergang mit Kuh durch die Berner Altstadt hat gezeigt, dass behorntes Vieh beim Publikum, zumindest beim urbanen, fast durchwegs auf begeisterte Zustimmung stösst. Besonders auffällig war die Faszination, die Sibylle bei ausländischen Zaungästen auslöste. Ich bin überzeugt, dass behornte Kühe auf den helvetischen Weiden eine Attraktion darstellen, die hornloses Vieh nicht im gleichen Ausmass auszulösen vermag, allein für dieses Engagement im Dienste des Fremdenverkehrs wäre der Hörnerfranken mehr als verdient.

Die Kosten für den Hörnerfranken wären überblickbar. Von den rund 670’000 Kühen im Land (inkl. Mutterkühen) tragen nurmehr rund 10 Prozent Hörner. 67’000 mal 365 gibt 24,455 Millionen Franken, ein paar Hunderttausend Franken kämen noch für die Geissen dazu. Das ist im Verhältnis zu den jährlichen Landwirtschaftskosten von rund 3 Milliarden und angesichts des breiten Nutzens für Tier, Image der Landwirtschaft und Tourimsusindustrie ein bescheidener und gut eingesetzter Betrag. Dass dieser stark wachsen würde, ist überdies kaum anzunehmen, denn der Zustupf wäre dann doch zu bescheiden für eine breite Wiederbehornungswelle.

Grüssen über den Hag – zum Beispiel in Suberg

November 5, 2013

Über den Hag grüssen in Suberg Es wird ja langsam definitiv ganzabendlich finster und deshalb Zeit für einen Filmtipp. Ich empfehle “Zum Beispiel Suberg” von Simon Baumann, und zwar keineswegs nur weil er der Sohn von meinem geschätzten Bloggerkollegen Ruedi Baumann ist (dazu später mehr).

“Suberg” ist ein weiterer Streifen, der das alte Klischee des Schweizer-Film-Erlebnisses vergessen macht, das im wesentlichen daraus bestand, dass man mit fünf anderen im ansonsten leeren Saal sass und am Schluss lange nach dem Abspann mutterseelenallein darin erwachte.

Plakat SubergSuberg ist ein Kaff in der Berner Kornkammer, “475 Meter über Meer, 612 Einwohner. Ein Schulhaus, ein Bahnhof, ein Schulhaus, eine Beiz und eine Düngerfabrik. Ein mittleres Dorf im Schweizer Mittelland”, wie Baumann einleitend cool zusammenfasst. Er habe das Dorf 31 Jahre lang erfolgreich ignoriert. Dabei wären die Voraussetzungen für eine bessere Integration nicht schlecht gewesen: Die Grosseltern wichtige Stützen des Dorflebens, er Musikant und vielfach ehrenamtlich aktiver Landwirt, sie als gschaffige Bäuerin. Auch die nächste Generation blieb an der Scholle tätig. Nur entwickelten sich Simons Eltern Ruedi und Stephanie schnell zu rotgrünen Tüchern für die Mehrheits-Suberger, als Powercouple mit Doppelmandat im Nationalrat sorgten sie auch auf lokaler Ebene für nachhaltige Animositäten, wie Simon am eigenen Leib erfährt.

Dieser hat nämlich unterdessen beschlossen, Suberg im Selbstversuch zu erkunden, auf der Suche nach dem verlorenen Dorfleben. Längst hausen die Bewohner entfremdet voneinander hinter wohlgetrimmten Hecken. Während ihm die einen die Hand schütteln, jagen ihn die anderen abrupt zum Teufel. Unbeirrt stellt sich Baumann samt Bänkli und Sonnenschirm an die Bahnschranke, den letzten verbliebenen Treffpunkt, und verteilt den im Auto auf den Zug Wartenden Nussgipfel. So richtig warm wird aber niemand mit dem freundlichen Angebot. Integration erfährt der Suchende erst im Männerchor, wo man ihn nach anfänglichem misstrauischem Beschnuppern schlussendlich freudvoll als bei weitem jüngstes Mitglied und Nachwuchshoffnung aufnimmt.

Simon Baumann im KornfeldBaumanns Selbsterfahrungs-Experiment ist gewagt, er stellt sich prominent in den Mittelpunkt des Films und das könnte auch nerven. Tut es aber nicht, kein bisschen. Ich habe mich bestens unterhalten und gleichzeitig immer wieder gedacht, dass man diesen Streifen in ca 2000 anderen Schweizer Gemeinden drehen könnte. Zersiedelung, Motorisierung (inkl. Lädelisterben), Rationalisierung, Vereinzelung – Suberg ist überall. Im Gespräch wirken die meisten der redebereiten Suberger etwas verloren, man zieht sich zurück in die eigenen vier Einfamilienhüsli-Wände, wüsste auch gar nicht mehr wohin, wenn man jemanden treffen wollte, die letzte Beiz ist längst ein gestopfter Laden für mehrbessere auswärtige Gourmets.

Was das alles mit Landwirtschaft zu tun hat, werden Sie sich fragen, liebe LeserInnen. Sehr viel. Die rapide Aggloisierung der Dörfer geht immer einher mit einem Bauernsterben. Für mich zeigt dieser Film wieder einmal archetypisch, wie wichtig eine lebendige bäuerliche Gemeinschaft für ein Dorf ist. Sie ist nicht nur Stütze des Gesellschaftsleben sondern auch Garantin, dass im Dorf konsumiert und gelebt und eben nicht nur geschlafen wird. Nicht, dass es in Suberg keine Bauern mehr gäbe, ein paar sind noch geblieben, darunter auch Simons Bruder Kilian (die Eltern sind längst nach Frankreich ausgewandert, was man hier schön illustriert täglich mitverfolgen kann). Aber irgendwie sind sie selber an den Rand gedrängt worden, kämpfen um ihre knappen Margen und letztlich das Überleben, was nur wenig Zeit fürs Leben lässt. Filmstart ist am 28. November, nicht verpassen.

The Pros and Cons of Backyardchickens

Mai 29, 2013

Backyardchicken in Gränichen, Aargau, SwitzerlandThe most frequent search term, that people get on my blog with, is “Hühnerhaus selber bauen” (german for “Build your own Henhouse”). The popularity of the subject of backyardchickens seems enormous. And at the same time, the idea of keeping a few hens in your more or less limited suburban space, is politically so correct, that I’ve never ever heard anybody say anything bad about it.

That’s why, it got really alert, when I saw the  following Headline in the Facebook-Timeline of a colleague in the far Canadian west: “You Absolutely Should Not Get Backyard Chickens”, it read. The link led to a very interesting blog, called “Northwest Edible Life” by Erica, who says about herself: “I grow, I cook, I save and I try to stay slowish in a very fast world.” Sounds good.

But anyway, back to the backyardchickens. I’m not gonna retell the whole story, it’s a very worthy entertaining read. Just shortly, Erica says, don’t even thing of buying a “half-dozen cute peeping balls of fluff” to grow them into chicken when you’re not ready to either keep them as long as they live, even when they stop laying eggs, or culling them yourself, when they no longer supply you with eggs.

Erica, who is a seasoned owner of chickens in the backyard herself, says this, because a friend of hers wants to buy some balls of fluff so badly. But she only thinks of the eggs, and not of the consequences that their production has. The productive phase of hens, even if they are kept like pets, is relatively short, 3 years, sometimes a little more. But they can live much longer. 20 year old hens are not unheard of.

The 5 to maybe 10 years, that you only feed the postproductive hen, cost you hundreds of dollars, as my blogging colleague calculates. Her friend isnt’r really ready to dispense so much. But on the other hand she wouldn’t be able to do any damage to her hen, not talking of killing her for a tasty chicken stew.

So the only alternative would be to give away the chicken to some kind of old hens home. Lack of responsability, says Erica. With a certain right, I think, either you go the full way with your chicken, or you absolutely shouldn’t get backyardchickens. Thanks for the interesting thoughts, Erika, always good to look at a worldwidely praised phenomenon from another angle. 

Thermofarming: Neues Business im Untergrund?

März 25, 2013

Thermofarming St. GallenDieses Wochenende hat es mich nach St. Gallen verschlagen. Der dortige Brückenweg  ist eine hochinteressante, streckenweise spektakuläre Zeitreise und ein Muss für jeden Brückeningenieur. Aber auch landwirtschaftlich hat das Türli einiges zu bieten. Zu Beginn findet man sich unvermittelt im Appenzeller Grünland wieder, wo statt weidender Kühe ein bellender Bläss für Aufsehen sorgt.
Deutlich weniger idyllisch ist es dann im Sittertobel, wo es neben dem Festivalgelände für das alljährliche Openair neuerdings auch eine Attraktion für Geologen gibt.
Die Stadt St. Gallen macht hier eine Geothermie-Bohrung bis in 4000 Meter Tiefe, wo man heisses Wasser vermutet, dass dereinst über 20000 Haushalte versrogen könnte. Derzeit steht man bei knapp 1000 Metern.
Etwas verschupft steht neben dem grossen Areal ein Bauernhöfli, das durch die danebenstehende Abwasserreinigungsanlage zusätzlich bedrängt ist. Nicht unbedingt ein schönes Bild, und doch denke ich mir, könnte das ja eines Tages eine neue Einkommensquelle für Landwirte sein. In einer Zeit, wo Einfamilienhausbesitzer im Vorgärtli eine Bohrung machen können, um die Stube zu heizen, sollte das doch auch für Bauern in geologisch geeigneten Gegenden möglich sein: Wenn nicht Warmwasser aus dem Boden pumpen, so doch wenigstens das kühle Nass mittels Wärmepumpe erhitzen und umliegende Haushalte mit diesem versorgen und eventuell noch ein Sprudelbad für die Gäste auf dem Hof . Mit Thermofarming wäre auch schon das passende Label gefunden.  
Das kleine Hirngespinst haben offenbar auch schon andere gehabt, selbigen Abends finde ich im “Schweizer Bauer” einen Artikel über mögliche neue Energiequellen für Landwirte im Kanton Aargau. Auch die Geothermie kommt im Eldorado der Sprudelbäder kurz zur Sprache. Der Kanton hat soeben ein Geothermie-Gesetz verabschiedet. Das Eisen, oder besser das Wasser ist also heiss, wird allerdings noch viel Anlass zu Kontroversen bieten: Einerseits hat eine grossangelegte Geothermiebohrung in Basel vor einigen Jahren zu einem Erdbeben geführt und andererseit befürchtet man eine Vermengung mit allfälligen Probebohrungen für Fracking, die SP ist jedenfalls schon mal präventiv aufgeschreckt. 

Homepagereportage: Stadtgmües für Landei

Juni 10, 2012

Bald ist es schon wieder Montag, der Kühlschrank leer. Das erstere ist unverrückbar, sollte zweiteres bei Ihnen der Fall sein und es kommt noch der Wohnort Zürich dazu, dann habe ich etwas Schönes für Sie. Heute Abend entdeckt, dank einer frischgebackenen Facebook-Freundin (Danke Tanja!): “Stadtgmües“. Das ist eine Homepage auf der sämtliche Hofläden und andere Direktverkaufsstellen auf Stadtboden zusammengestellt sind, das sind immerhin deren 14. Das sind dann im Falle des Dunkelhölzlis (ja derart düstere Flurnämen gibts im Millionenzüri) so aus:
Hinter dem cleveren Projekt steht Georgiana Ursprung. Über sie steht folgendes auf der Homepage: “Begonnen hat alles mit ihrem Umzug an den Stadtrand. Bald waren die Hofläden der umliegenden Bauernhöfen entdeckt und den direkten Kontakt zu den Produzenten im Quartier wurde schätzen gelernt. Da es erstaunlich viele Direktverkaufsorte in Zürich gibt, aber bloss wenig Leute davon wissen, war die Idee schnell geboren, diese Orte auf einer Webseite bekannter zu machen.” Das alles in Fronarbeit, häb Dank Georgiana!

Und wenn wir noch grad bei der Stadtlandwirtschaft sind. In Zürich gibts  noch 900 Hektaren Landwirtschaftliches Nutzland (pro Jahr werden 10 überbaut), bewirtschaftet von 27 Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben sowie 10 Hobbylandwirten, darunter zum Beispiel der Riedenholzhof, welcher unter anderem Wasserbüffel hält und aus deren Milch Seife und Mozzarella herstellt bzw. herstellen lässt. Aus den Büffeln selbst gibt es zum Beispiel Salami und Landjäger. Die 10 stadteigenen Betriebe bewirtschaften zwei Drittel der Fläche. Neun davon sind verpachtet und nach Vorschrift der Stadt biologisch bewirtschaftet, was nun nicht heisst, dass dies die Pächter als Pflicht betrachten. Nur ein einziger, der Juchhof wirtschaftet konventionell, weil ums Haus mitten im Limmattal zuwenig Weiden für die Kühe zur Verfügung stehen, und überdies ist man sich nicht sicher, ob die von dort aus organisierte Bewirtschaftung der Friedhöfe Bio-kompatibel sei, sagte der Direktor von Grün Stadt Zürich kürzlich an einer Veranstaltung. (Bild unten Nicolas Y. Aebi/20Minuten online).

The lawn has to go for our little yardfarm

April 14, 2012

This would probably be a major sacrilege, if we were living in England: Last tuesday, a tiny bulldozer entered our building-coops yard and started removing the lawn, well, just some of it. And for a good purpose. Some young families on the hood have initiated a cityfarming project, and the administration liked it. In an untipically fast decision process – for swiss habits – the whole thing was started. After the lawn had been carried out on a lorry, the workers brought in some humus. Meanwhile compost containers were built up and after the earthmoving process had been finished, the young urban gardeners started making patches and filled the pathes with wood chips. I was following the whole process from my kitchen window and thinking, wow, what a great idea and was not really sure whether I should ask if they need a hand from a seasoned agronomist and allotment gardener (a failed one, though), but didn’t dare to. Well, at that moment, one of the crew came up to my window, knocked on it and asked if I wanted to take part and work one of the patches. Hey sure, I said, make my week. And here I am with a ca 7 square meter vegetable garden. Now there remains some work to be done. Will keep you posted on the progress…

Vorgarten-Landwirtschaft(2): Hoffnung ist grün

Januar 26, 2012

Vor einigen Tagen ist in der NZZ ein hochinteressanter Artikel unter dem Titel “Die Schrebergärtner von Mexiko-Stadt” erschienen. Der Autor Alex Gertschen beschreibt zunächst die Ausmasse des Molochs: Die mexikanische Hauptstadt hat 20 Millionen Einwohner und 4,5 Millionen Autos, Tendenz steigend. Dann verlässt er die verstopfte Hauptstrasse und begibt sich in den Garten La Romita von Sembradores Urbanos. Die kleine Frauengruppe betreibt hier mitten im städtischen Getümmel auf lediglich 200 Quadratmetern einen Garten. Mit Unterstützung der Stadt. Diese hat dem Projekt 10000 Franken Starthilfe zugesprochen. Damit haben die Stadtgärtnerinnen einen staubige Brache in eine kleine grüne Oase verwandelt. Die Förderung der Stadt-Landwirtschaft ist Teil der Bemühungen von Stadt- und Zentralregierung, die Metropole nachhaltiger und lebenswerter zu gestalten. Carolina Lukac (oben links im Bild) und ihre Kolleginnen bewirtschaften aber nicht nur die knapp bemessene Fläche, sondern tragen ihr Wissen weiter. Sie haben seit der Gründung 2007 an 20 Schulen Kleingärten eingerichtet. Inbegriffen war die Weiterbildung für Lehrer und Schüler. Der Garten ist in den Augen der Sembradores nicht nur Produktionsstätte für frische Lebensmittel, sondern auch Erholungsort, Begegnungsstätte und Therapie. Zu den Kunden der Sembradores gehören auch Jugendgefängnisse, “wo sie minderjährigen Delinquenten übers Gärtnern einen konstruktiven Umgang mit der Umwelt aufzeigen wollen”. Lukac und ihr Team sehen grosses Potenzial für das spriessen des Grüns. Es gebe noch zahlreiche brachliegende Flächen, die man der Gemüse- und Früchteproduktion zuführen könnte. Die Illusion, dass die wachsende Stadt eines Tages autark ist, haben sie nicht. Aber einen Farbtupfer mit Multiplikationswirkung setzen sie in der Grossstadt auf jeden Fall. Derzeit ist die Begrünung von Dächern ein grosser Trend, so liest man weiter. Kürzlich hat Präsident Calderón das einst staubige und jetzt frisch begrünte 5000 Quadratmeter grosse Dach der staatlichen Wohnbauförderung der Produktion übergeben. Erneut mit positiven Nebenwirkungen. Dank der Begrünung lassen sich im heissen Mexiko-Stadt die Temperaturen und damit die Kühlungskosten für die darunter liegenden Räume deutlich reduzieren. Eine Win-win-Situation der grünen Art. (Bild Alex Gertschen/NZZ)

Vorgarten-Landwirtschaft(1): Kompost-Kommerz

Januar 18, 2012

Was Sie hier sehen, liebe Leserinnen und Leser ist nicht etwa eine Waschmaschine aus den fünfziger Jahren, sondern ein Komposter. Er wird propagiert auf dem Domaphile-Blog, dessen in New York logierender Autor und Inhaber sich schwergewichtig mit Hinterhof-Landwirftschaft und der Verwertung der daraus stammenden Produkte spezialisiert hat. Das ist im Moment ein Megatrend, wie der Marketingexperte sagen würde. Wer nur einen Balkon hat, produziert Tomaten in Kisten und sammelt die Speisereste im Tischkompost. Wer wenigstens ein Vorgärtli hat, legt dort ein Beet an und hält womöglich ein Huhn. Natürlich ruft dieser Trend nach Kommerzialisierung und natürlich haben die USA hier die Nase vorn. Mit einem einfachen Kompostgitter arbeiten heute ennet dem grossen Teich die wenigsten Kleinstgärtner, ein Hobby darf kosten und das nicht zu knapp. Der Jora JK270 Composter oben schlägt beim Spezialisten “Eartheasy” mit nicht weniger als  365 US-Dollar zu Buche. Die “Wormfactory” im Bild hier links, welche man lustigerweise bei Amazon bestellen kann, gibts schon für gut 100 Dollar. Auch in der Schweiz versuchen die Hersteller, Kapital zu schlagen aus den Kleingärtnern. Die Schnellkomposter kosten zwischen 70 und etwa 130 Franken. Ich erinnere bei dieser Gelegenheit gerne an meinen Eigenbau, hergestellt aus einem einfachen Gartenkübel mit Deckel: Umkehren, auf den Boden stellen und mit Metallhaken etwas befestigen, Loch mit rund 40 cm Durchmesser aus dem Boden (der jetzt oben liegt) schneiden und einfüllen. Nach einigen Monaten kann man unten den fertigen Kompost rausnehmen, dafür braucht es allerdings einen Deckel, für den ich ein Scharnier montieren musste. Kostenpunkt insgesamt vielleicht 30 Franken und etwa eine Stunde Arbeit. Das Kompostieren ist für mich mittlerweile zum Ritual geworden und die Ernte gehört zu den Höhepunkten im Kleinstgärtnerleben. Aber der Freude muss man viel rechnen. Nicht nur das Basteln des Komposters, auch das zerschnipseln des Grünzeugs gibt einiges zu tun.
 


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