Archiv für die Kategorie ‘Stallbau’

Diese Wahl wird nicht an der Urne entschieden

Januar 16, 2013

Pouletmasthalle in NiedersachsenIn Deutschland ist die Landwirtschaft zur Zeit ein ziemliches Politikum. Leider nicht im positiven Zusammenhang. Zwar wird die Grüne Woche, die am Donnerstag eröffnet wird, viele schöne Bilder von Politikern im Ess- und Trinkeinsatz inmitten von feschen Produzenten und Verarbeitern in die guten Stuben bringen. Im Mittelpunkt wird dabei wie immer die Landwirtschaftsministerin stehen. CSU-Hoffnungsträgerin Ilse Aigner steht aber nicht nur an den Ständen im Mittelpunkt, sondern vor allem im Fokus der Kritik von Linken und Grünen, die die Landwirtschaft und namentlich die Tierhaltung und ihre Exzesse im kommenden Bundestagswahlkampf ins Zentrum stellen wollen.
Folgerichtig hat die Frau Minister denn dieser Tage auch den Dinosaurier-Preis des Naturschutzbunds erhalten und zwar für “ihr Festhalten an einer umweltschädlichen Agrarpolitik und ihr enttäuschendes Engagement für ein besseres Tierschutzgesetz”. In Niedersachsen, wo am Wochenende Landtagswahlen anstehen, nehmen die Grünen einen Testlauf vor, wie heute die FAZ anhand des lokalen Widerstands gegen einen gigantischen Hähnchenschlachthof aufzeigt. Die Rede ist hier von einer “Agrarwende”, die nun dringend notwendig sei. In das gleiche Horn blasen auch die in einem breiten Bündnis agierenden Organisatoren der traditionellen Demonstration am Rande der Grünen Woche, die am kommenden Samstag unter dem Motto “Wir haben es satt!” über die Bühne geht.
Der Einsatz der deutschen Umwelt- und Naturschützer für die Kreatur und eine umweltfreundliche Landwirtschaft ist löblich, nur wird sich weder an den niedersächsischen noch an den gesamtdeutschen Urnen entscheiden, ob es effektiv zu einer Agrarwende kommt. Vielmehr hängt dies davon ab, ob es die Konsumenten weiterhin normal finden, dass sie ihr Hähnchen zu 2 Euro 99 das Stück aus der Kühltheke fischen können, wie das im besagten Artikel geschildert wird. Das ist die Abstimmung mittels Einkaufswagen. Dabei sollten wir uns hüten, gönnerhaft Richtung Norden zu blicken. Auch in der Schweiz sieht es nicht viel besser aus. Das Pouletfleisch aus Labelproduktion muss man mit der Lupe suchen, während die Importe von wo auch immer, wie auch immer produziert bestens florieren. Von den Einkaufstouristen, die ennet der Grenze Poulets für 2.99 das Stück kaufen gar nicht zu reden. (Bild Theodor Barth/Laif/FAZ)

Der leider falsch pfeifende Whistleblower

Juni 30, 2012

Dieser Tage habe ich wieder einmal die Nachrichten des von Erwin Kessler präsidierten Vereins gegen Tierfabriken (VgT) erhalten. Das Heft hat gemäss Angaben auf dem Titelblatt eine Auflage von 1,044 Millionen, was nach Coop-Zeitung und Migros-Magazin die drittgrösste im Lande wäre. Das zeigt, dass der VgT einige finanzkräftige Anhänger haben muss.
Bisher ist das Magazin bei mir bisher meist direkt ins Altpapier gewandert, Kessler ist mir einfach zu krass drauf. Der Mann ist von einer kompromisslosen Mission getrieben und das ist mir immer suspekt. Da ich grad Zeit hatte, habe ich die VgT-Nachrichten wieder einmal durchgeblättert. Der Inhalt ist immer derselbe. Die Sprache strotzt vor Kraftausdrücken in alle Richtungen: Fleischfressende Journalisten, die alles totschweigen, Schächtjuden, Grossverteiler, die verlogene Schreiben verschicken, egoistische Konsumenten, denen der Holocaust an den Nutztieren egal ist, etcetera etcetera. Kessler schlägt derart systematisch um sich, dass er ausserhalb seiner Entourage von laut VgT-Homepage 35 000 Mitgliedern kaum noch irgendwo Support findet. Selbst seinen Anhängern gegenüber gibt er sich unerbittlich. Ein Student der Lebensmittelwissenschaften, der in den neuesten Nachrichten grundsätzliches Einverständnis mit Kesslers Aktivitäten signalisiert, erklärt völlig zurecht, dass es unhaltbar sei zu behaupten, dass “Schweinefabriken schlimmer als KZs seien”, wie das der VgT immer wieder mal tut. In seiner Antwort fährt Kessler dem jungen Mann übers Maul und wirft ihm vor, gängige Klischees nachzureden und ein Opfer der suggestiven Indoktrinanion in den Mainstream-Medien zu sein.  
Eigentlich schade, dass Kessler ständig mit dem verbalen Zweihänder dreinschlägt, denn einige seiner Vorwürfe sind durchaus berechtigt. So kritisiert er im neuesten Magazin, dass in einem Auslaufstall für 18 000 Hennen nur ein kleiner Teil der Tiere jemals ins Freie gelangt. Das ist ein anerkanntes Problem. Weiter prangert er Bauern an, die ihre Kühe den ganzen Winter lang angebunden halten. Auch das ist eine Sauerei. Ausserdem gehe ich einig mit Kessler, dass die Schweinehaltung vielerorts ungenügend ist. Das Problem ist nur, dass die permanente Vollrohr-Offensive des Thurgauers kaum etwas bewirkt ausser Ablehnung und Gerichtsverfahren. 
Man muss ja als kämpfender Tierfreund nicht grad so staatstragend werden, wie der Schweizer Tierschutz und sein Geschäftsführer Hansuli Huber. Aber ein Franz Weber, ebenfalls kein Kind von Zahmheit, hat mit seiner Mischung aus Militanz und Konsens, aus zeitgerechtem Chambrieren und lautem Poltern viel mehr erreicht als Kessler, zum Beispiel unlängst den Sieg in einer Volksinitiative. Das ist noch nicht manchem Politaktivisten hierzulande gelungen. (Bild 20min.ch)

Hofreportage: Agrarchitekturikone im Ländle

Juni 6, 2012

Wenn ein Kind einen Bauernhof zeichnet, dann hat er immer ein Gibeldach. Ehrlich gesagt käme bei mir wohl auch nicht viel anderes raus, sollte ich heute noch aufgefordert werden, eine Farm zu malen, was allerdings selten vorkommt. Dank dem Blog lehrt man immer wieder Leute kennen, die einem den Horizont erweitern. Heute kam ich via Twitter in Kontakt mit dem österreichischen Landwirt Simon Vetter. Er wohnt auf dem gleichnamigen Hof im grenznahen Österreich, in Lustenau und bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Familie im Ländle – wie die Vorarlberger ihre Heimat nennen – einen ganz besonderen Hof. Dieser sieht eher aus, wie eine moderne Wohnüberbauung aus Holz. Das Pionierprojekt wurde schon 1996 vom renommierten Architekten und Professor Magister Roland Gnaiger entworfen und realisiert. Das gut gealterte Gebäude dient der Familie als Hort für den biologischen Acker- und Gemüsebau, sowie die Haltung von Rindvieh, Schweinen und Hühnern. Die Produkte werden via Hofladen und Gemüsekisten vertrieben. Zur Illustration nun noch ein paar Bilder, diese sind ein Raub aus dem Netz, genauer von Picasa. Gemacht hat sie einE gewisseR Caue 71. Ich bedanke mich herzlich! Sollte sie oder er diesen Beitrag lesen, bitte melden, es gibt dann Realien zwecks Bedienung des Copyrights, zum Beispiel ein Käse aus dem Ländle. Herzlichen Dank auch Simon für die Einladung, früher oder später wird sich Zeit finden für eine agrarchitektonische Exkursion. (Bilder Caue 71)
Der Wohnteil.
Ein hübsches Detail.
Ein Teil des Wirtschaftsteils.
Einladende Einfahrt.
Und der erholsam ausschauende Innenhof. Auf diesem Betrieb scheint man der Arbeits-Lebensbalance einiges Gewicht zu geben, das dünkt mich nachahmenswert.

Adve(r)ntedankfest(6/7/8): 1 Buch, 1 Käse, 1 Fest

Dezember 8, 2011

“Vom über alles verehrten, Leben und Fruchtbarkeit spendenden heiligen Tier bei Indern, Germanen, Kelten und Indianern zum Klimakiller und suventionsgestützten Symbol einer überholten Politik – ein wahrhaft weiter Weg, den die Kuh gegangen ist”. Dies ist ein kleiner Ausschnitt aus dem reichhaltigen Text im neuen Buch “Kühe verstehen” von Martin Ott. Der Autor ist ein ehemaliger grüner Kantonsrat und heute Mitbetreiber des Gutbetriebs der Stiftung Fintan in Rheinau, den der Zürcher Regierungsrat in einem sehr umstrittenen Entscheid Ott und seinen Kollegen vor 13 Jahren zur biologisch-dynamischen Bewirtschaftung überlassen hat. Leider bin ich noch gar nicht dazugekommen, das Buch mehr als anzulesen, aber ich werds mir zur Weihnacht wünschen und dazu ein paar Mussestunden für die Lektüre und die Bestaunung von Philipp Rohners Bildern. Rohner ist nicht nur der Neffe von Ott, sondern auch ein exzellenter Fotograf, für den die Kuh aber nicht ganz untückisches Neuland war, wie er mir kürzlich versicherte. Was ich Ihnen versprechen kann, liebe LeserInnen, ist ein ziemlich unorthodoxer Approach an die Kuh. Statt den ewigen Gesamtansichten, gehen Rohner und Ott ins Detail. Gewinnen kann das Buch wer als erstes mir sagt, welche keltische Göttin die Milch zum fliessen brachte, und wieviele Kühe sie hielt. Das war aber erst der erste Preis, und der zweite kommt sogleich: Wer kennt den Käser, der seinen Produzenten einen Rappen extra zahlt für Milch von behornten Kühen? Ja das gibts und dazu ein Tipp: Es ist in der Schweiz. Für die richtige Antwort – wie immer in die Kommentarspalte - gibts ein Stück Käse vom selbigem Käser. Viel Glück, wie immer. Und das dritte Törli heute hat auch mit Hörnern zu tun. Preisli gibts zwar keins mehr, aber dafür einen Tipp: Am kommenden Samstag, 10. Dezember, findet bei Fintan ein Hornfest statt. Das kann ich nur unterstützen. Dort kommt auch das besprochene Buch auf den Taufstein. Dazu gibts Musik und sicher fein zu essen. Und Kühe im hornfreundlichen Laufstall zu besichtigen. Und eine schöne Umgebung direkt am Rhein mit einer Klosterinsel. Gute Reise! Zum Abschluss noch einmal ein schöner Satz aus dem Buch: “Ich wage manchmal die Behauptung, dass in 100 Jahren in jedem Schulhaus eine Kuh stehen wird, die auf natürliche Weise den Kindern die Einhaltung eines rhythmischen Tagesablaufs und die Disziplin bei der Einhaltung von zeitlichen Vorgaben in einer natürlichen Weise vermittelt.”   

Klosterbrüderliche Wertschöpfung im Oberland

Juni 19, 2011

Ausflug in die Bündner Berge mit den Agrarjournalisten. Ein nicht ganz ungeplanter Glücksfall: In Disentis eröffnet am selbigen Wochenende die Sennaria. Jetzt muss ich etwas ausholen: Die Käserei ist ein Projekt des Bündner Architekten Gion A. Caminada, der sich bisher vor allem mit Holzbauten in seinem Heimatdorf Vrin im Lugnez einen Namen geschaffen hat. Aber auch in Beton und in Disentis hat er schon Spuren hinterlassen. Leicht unterhalb des imposanten Benediktinerklosters hat er ein Mädcheninternat gebaut. Item, Caminada und die Benediktiner kannten sich bereits und es lag deshalb auf der Hand, dass Caminada auch die landwirtschaftlichen Neubauten des Klosters plante. Vor knapp sechs Jahren brannte nämlich der klösterliche Betrieb bis auf die Grundmauern ab und nach einigem Hin- und Her ging man daran, einen Neubau zu planen. Caminada baute einen Freilaufstall für rund 40 behornte Kühe plus Jungvieh. Unser Begleiter Bruder Niklaus, er ist Statthalter im Stift und Projektverantwortlicher, erzählte uns dazu eine kleine Geschichte. Anfänglich sei er nicht sonderlich begeistert gewesen von der Idee für Hornvieh zu bauen und so den Preis wegen zusätzlichem Platzbedarf im Stall markant zu erhöhen. Dann aber habe man ihn aufgeklärt über das unterschiedliche Sozialverhalten in Herden mit und ohne Hörnern. Während bei Hornlosen die schwerste Kuh dank Körpereinsatz dominiere, genüge bei den Behornten ein kleiner Wink der Leitkuh mit dem grossen Gehörn, um die Untertaninnen in die Schranken zu weisen. Das habe ihn schliesslich vom Sinn der Zusatzinvestition überzeugt. Teil des Neubaus ist auch ein grosszügiger Veranstaltungsraum. Er wird vom Center Sursilvan d’agricultura betrieben. Ziel des breit abgestützten Vereins ist es, die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Tourismus in der Surselva zu verbessern, sowie mehr Wertschöpfung im Tal zu halten. Das vom Center mitinitiierte Projekt für die Sennaria mit Laden war ein Resultat dieser Bestrebungen. Heute liefern 30 Bauern ihre Milch ein, produziert werden Bündner Bergkäse und eine Reihe von Spezialitäten. Die Absatzkanäle sind noch weniger solid betoniert als die Käserei, aber man arbeitet daran. Da ist man in Surrein schon weiter. Im etwas talabwärts gelegenen Dorf produziert Familie Candinas in ihrer in einem sehenswerten Neubau untergebrachten Destillaria ein Sortiment mit 20 verschiedenen Schnäpsen, von der Vogelbeere über den Enzian bis zur Vieille Prune. Ergänzt wird das Angebot mit einem leichten Holunder-Sekt und Süssmost. Wir haben fast alles degustiert und es hat sich gelohnt. Familie Candinas arbeitet übrigens nicht nur mit dem Center sursilvan zusammen, sondern zudem in der Genossenschaft Amarenda mit fünf weiteren Bauernfamilien in der näheren Umgebung. Das Angebot ist vielseitig: Lamatrekking, Kosmetikprodukte, Schlafen im Stroh, Kartoffelwurst, Geschenkkörbe usw. Unbedingt ein Ausflug wert.  (Zweitoberstes Bild Heidi von Heidi’s Mist, grazcha fich!)

Kühe mit Hörnern – das geht

Februar 2, 2009

kuh_braune_21Als Freund der behornten Kuh hat mich diese Nachricht aus dem Stall des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FibL) gefreut:

Milchkühe mit Hörnern können problemlos im Laufstall gehalten werden, falls beim Bau des Laufstalls und beim Herdenmanagement gewisse Regeln beachtet werden. Beim Bau des Laufstalles müsse darauf geachtet werden, dass Tiere gar nicht erst in Situationen kommen können, in denen sie sich mit Hilfe ihrer Hörner Raum verschaffen müssen, heisst es in einer neuen Studie  des FibL. Zudem müssten beim Management der Herde Konkurrenzsituationen unter den Tieren und Unruhe in der Herde verhindert werden…

Dazu kommt natürlich die oft zitierte und sicher nicht vernachlässigbare Unfallgefahr mit Hörnern. Allerdings habe ich manchmal das Gefühl, dass viele Bauern weniger die Unfallgefahr, als das Aussehen ihrer Kuh im Auge haben. In Zeiten von Cowshows und Styling will jeder eine scharfe, amerikanisch aussehende Kuh. Da stören die Hörner, in der Reklame für die Milchprodukte sind sie dann aber wieder hochwillkommen.


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