Archiv für die Kategorie ‘Tierhaltung’

AgReminiszeNZZen aus 13 Jahren (3): Heuen

Juni 16, 2013

HeuenKönnte man immer noch bringen, diese Geschichte. Weiss gar nicht, wann ich das letzte mal einen Bauer beim Heumähen mit Motormäher im Flachland gesehen habe. A propos Bild: Keine 10 Jahre ist es her, dass das Farbbild in der NZZ ausser in den Beilagen komplett Tabu war. Unterdessen ist schwarz-weiss eine rare Ausnahme.

AgReminiszeNZZen aus 13 Jahren (1): Viehschau

Juni 14, 2013

Viehschau MettmenstettenHeute ist mein letzter Tag als NZZ-Journalist. Zeit für einen kleinen Rückblick: 13 Jahre in 13 Tagen. Eine ziemlich zufällige aber wohl doch recht repräsentative Auswahl. Zum Auftakt mein Bericht von der Viehschau in Mettmenstetten anno 2001.

Seltene Gäste, heute aus Umbrien

Juni 1, 2013

Pferde in Umbrien

Das Pferdebild ist hier ein selten gepflegtes Genre. Zum Glück ist meine bewährte Gastkuhfotografin Monika Schlatter auch Ross-afin, sonst ginge sie kaum so nahe an die Herde hinan, respect. Diesmal hat es die passionierte Wandererin nach Italien verschlagen, genauer auf den Monte Subasio ob Assisi in Umbrien. Die Bilder lassen erahnen, was in einer Pferdeherde alles so abgeht in Sachen sozialer Interaktion. Und wie schön die Gegend ist: ein weiterer Eintrag auf der langen Wo-man-unbedingt-mal-hinsollte-um-zu-wandern-Liste. Herzlichen Dank, Monika!
Pferde mit Himmel auf dem Monte Subasio

The Pros and Cons of Backyardchickens

Mai 29, 2013

Backyardchicken in Gränichen, Aargau, SwitzerlandThe most frequent search term, that people get on my blog with, is “Hühnerhaus selber bauen” (german for “Build your own Henhouse”). The popularity of the subject of backyardchickens seems enormous. And at the same time, the idea of keeping a few hens in your more or less limited suburban space, is politically so correct, that I’ve never ever heard anybody say anything bad about it.

That’s why, it got really alert, when I saw the  following Headline in the Facebook-Timeline of a colleague in the far Canadian west: “You Absolutely Should Not Get Backyard Chickens”, it read. The link led to a very interesting blog, called “Northwest Edible Life” by Erica, who says about herself: ”I grow, I cook, I save and I try to stay slowish in a very fast world.” Sounds good.

But anyway, back to the backyardchickens. I’m not gonna retell the whole story, it’s a very worthy entertaining read. Just shortly, Erica says, don’t even thing of buying a “half-dozen cute peeping balls of fluff” to grow them into chicken when you’re not ready to either keep them as long as they live, even when they stop laying eggs, or culling them yourself, when they no longer supply you with eggs.

Erica, who is a seasoned owner of chickens in the backyard herself, says this, because a friend of hers wants to buy some balls of fluff so badly. But she only thinks of the eggs, and not of the consequences that their production has. The productive phase of hens, even if they are kept like pets, is relatively short, 3 years, sometimes a little more. But they can live much longer. 20 year old hens are not unheard of.

The 5 to maybe 10 years, that you only feed the postproductive hen, cost you hundreds of dollars, as my blogging colleague calculates. Her friend isnt’r really ready to dispense so much. But on the other hand she wouldn’t be able to do any damage to her hen, not talking of killing her for a tasty chicken stew.

So the only alternative would be to give away the chicken to some kind of old hens home. Lack of responsability, says Erica. With a certain right, I think, either you go the full way with your chicken, or you absolutely shouldn’t get backyardchickens. Thanks for the interesting thoughts, Erika, always good to look at a worldwidely praised phenomenon from another angle. 

Neuer Trend: Internet-Viehschauen

Mai 11, 2013

Kuhwahl BiosuisseHeute eine kleine (unbezahlte) Werbepause. Anlass sind zwei Internet-Viehschauen. Ob das schon ein neuer Trend ist? Demokratischer wärs auf jeden Fall, ob fachfrau/männischer, das ist eine andere Frage. Trotzdem, dies nur als kleiner Einschub vor der Reklame, ich staune schon immer wieder, dass an den grossen Schauen ein einziger Richter das Wetter macht. Wenn der bloss nicht zu stark bearbeitet wird in den Hinterzimmern…

Item, in diesen Fällen hier ist nicht züchterisches Fachwissen, sondern Glück gefordert. Gefragt sind bei den ausgestellten Kühen nicht primär Tiefe im Pansenbereich, gut aufgehängte Euter und ein sauberes Fundament sondern Ausdauer im einen Fall und Aussehen im weitesten Sinn im zweiten Fall.

Biosuisse veranstaltet einen Kuh-Marathon (zu finden bis heute hier, ab Montag hier). Tierschützer gemach, das Vieh wird nicht etwa durch abgesperrte Strassenschluchten getrieben. Die 10 Kühe auf ebensovielen Höfen dürfen zuhausebleiben und werden mit GPS-Sendern ausgestattet. Wer als erste die Marathondistanz von gut 42 Kilometer absolviert hat, ist die Siegerin. Ziel des Anlasses ist aufzuzeigen, dass Bio-Kühe viel draussen unterwegs sind.

Denner wiederum wurde kürzlich von einer Kollegin bei der “Bauern-Zeitung” dabei erwischt, eine österreichische Kuh auf seiner Milchpackung abgedruckt zu haben, eine schöne Pinzgauerin. Nun sucht man in Zusammenarbeit mit der Zeitung ein neues Aushängeschild für die Verpackung. Bemerkenswerterweise ohne Horn. Da tut sich also auch was.

Während der Richter an der Viehschau neben seinem Salär hoffentlich nichts gewinnen kann (ausser Reputation natürlich), winkt den Teilnehmern an den Kuhwettbewerben zwar leider keine Kuh als Preis, aber immerhin Bioferien im einen Fall und ein elektronisches Spielzeug im anderen Fall. Ich wünsche viel Erfolg, sollten Sie Ihr Glück testen wollen.

PS. Natürlich darf man mir zum Dank für diese Reklame jederzeit eine Kuh zustellen, würd’s dann nicht an die grosse Treichel hängen.

Kuhwahl Denner

Ein Tag im Glashaus mit einem Konsumenten

Mai 4, 2013

NierstückDas Leben als sogenannt bewusster Konsument ist interessant aber nicht ohne Tücken. Nehmen wir einen Tag im Leben eines zufällig ausgewählten Konsumenten, aus naheliegenden Gründen mich, zum Beispiel heute.

Es fängt an mit dem Plakat vor dem Quartier-Coop. Ein weitgereistes Nierstück, denkt man sich, innerlich schon distanziert. Aber sicher nicht für mich. Und das schöne Märgeli für dich, gell Coop. Hier gibts für mich stattdessen heimische Bio-Milch und -Zopf . Das sorgt schon mal für ein gutes Gewissen. 

TomateWeiter gehts, Erwerb von Tomatensetzlingen von der Stiftung Arche am Viadukt, die dann auch umgehend eingepflanzt werden. Das verstärkt die Pluspunkte. Pflanzenmaterial aus einem Sozialprojekt im mit eigenem Kompost angereicherten Boden im Pot, das ist fast nicht zu toppen.

FussballplätzeNächster Stop: Migros Limmatplatz. Dort ein Plakat, wo Jeremy 140 Fussballfelder voll Bio-Weizen versprochen werden. Ob der sich freut? Der spielt wohl lieber Fussball, als sich über den umweltpolitisch korrekten Getreideanbau Gedanken zu machen.

Für mich dagegen die Qual der Wahl. Zum Znacht solls Paella, unter anderem mit Poulet, geben. Bei der Fleischtheke entscheide ich mich für das Aus-der-Region-Poulet aus Standardhaltung, besser als Brasilien. Es gäbe zwar auch Séléction-Pouletbrust Bio, aber die 15 Franken für gut 200 Gramm sind mir ehrlich gesagt zuviel, zudem will ich gar nicht Brust sondern Schenkeli.

PaellaDas Resultat. Neben dem Poulet wurden von den TischgenossInnen auch Crevetten gewünscht. Die sind zwar Bio, aber aus Vietnam. Zwar soll die Zucht dort einigermassen umweltverträglich sein (hoffentlich habe ich das nicht in der Coop-Zeitung oder im Migros-Magazin gelesen…), aber trotzdem nicht gerade ein Ruhmesblatt.

KompostDa kommt das Kompostieren grad kommod zur Gewissensberuhigung. Aber oha, zwischen heimischen Kartoffelschalen und Apfelkernen die Überreste der letzten Party: Limetten aus Brasilien… Zum Glück sind morgen die Läden zu.     

Kuhmpetition: Was ist denn das?

April 27, 2013

RätselküheHeute wieder mal ein kleines Kuhrätsel. Das Bild stammt von Monika Schlatter, die schon wieder schwer am Wandern ist und natürlich auch wieder fündig wurde im Viehbereich: “Endlich wieder mal Kühe im Freien! Ich ging gestern von Trogen über den Gäbris und Sommersberg nach Gais hinunter. Auf Sommersberg habe ich diese Kühe fotografiert”, schreibt sie mir, um dann zu fragen: ”ist das eine eigene Rasse??”

Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung und setze einmal auf Followerpower, wie man die Leserumfrage in der sozialmedialen Welt heute neudeutsch nennt. Hat irgendjemand eine Ahnung? Ist es am Ende eine ausländische Rasse und deren Kreuzung mit Braunvieh? Um sachdienliche Hinweise wird gebeten. Und natürlich kann man/frau auch etwas gewinnen, wenn es dann stimmt. Hier zur Konfusion noch ein zweites Bildli aus dem Kühlschrank, das mir grad verdächtig ähnlich vorkam. Dies dürfte vermutlich das kreuzungsfreie Original sein.  
RätselkuhBeim nächsten Bild hingegen, auch das von Monika Schlatter, diesmal aus dem Baselbiet, hingegen, sollte die Antwort einfacher sein. Es handelt sich hier um Zebus, erkennbar am Fettbuckel hinter dem Kopf, vermutlich gekreuzt mit Red Holstein.

Schon interessant, was alles so seinen Weg findet auf heimische Wiesen, sind sicher robuste Tiere mit bescheidenen Ansprüchen und gutem Fleischansatz, viel Milch werden sie allerdings kaum geben. Eine Mikro-Recherche bestätigt: Zebus werden von Mutterkuh Schweiz in der Rassenliste geführt, es gibt bereits 11 Betriebe, die mit diesen arbeiten, 64 Muttertiere sind im Herdenbuch registriert, eine kleine Minderheit erst, aber vermutlich mit beachtlichen Zuwachsraten.Zebu2
Herzlichen Dank für Bilder und Denksportaufgabe, Monika!

Mit Emissionsreduktion AdmImmissionen senken

April 15, 2013

Güllen wie zu Grosis ZeitenIm Moment haben nicht nur die Banken sondern auch die Bundesämter Berichtsaison. Vor allem das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat derzeit einen hohen Ausstoss: Letzte Woche der Bericht über die Stickstoffflüsse in der Schweiz 2020 und heute das sogenannte Treibhausgasinventar - eine ganz schöne Wortschöpfung – das über die Emissionen 2011 Auskunft gibt.

Das Ergebnis für die Landwirtschaft: durchzogen. Beim Stickstoff, wo die Schweiz die angestrebten Reduktionsziele bis 2020 verpassen wird, trägt die Landwirtschaft nichts zur Verminderung des Ausstosses bei. Nicht, dass die anderen Branchen viel besser dastehen würden, aber das ist kein Grund zum Feiern. Im Treibhausgasinventar hat die Landwirtschaft ihre Emissionen um 8 Prozent gesenkt. Auch das ist kein Anlass zum Jubeln, konnten doch andere Sektoren, wie Privathaushalte (-22%) und Dienstleistungen (-21%) massiv mehr einsparen, wobei festzuhalten ist, dass diese dank des milden Winters weniger heizen mussten und so im Vorbeigehen reduzieren konnten.

Nichtsdestotrotz tun die Bauern gut daran, die ganzen Emissionsfragen ernster zu nehmen als bisher. Unter Ökologie versteht man an der Scholle heute artenreiche Blumenwiesen, zwitschernde Hecken und Hochstämmer sowie artgerechte Tierhaltung. All das ist vernünftig und richtig. Und jeder Handgriff wird grosszügig entschädigt aus den Direktzahlungstöpfen. 

Bodennahe Gülleausbringung mit SchleppschläuchenDeutlich weniger tief ist im Bewusstsein bisher der unsichtbare Umweltschutz, zum Beispiel die Reduktion von Emissionen aller Art, von Futtermittelimporten und Düngern, von Bodenbearbeitung (CO2-Emissionen durch Ackerbau) und von Gasen aus der Tierhaltung. Ich gebe zu, es ist nicht einfach, gibt es doch beträchtliche Interessenskonflikte etwa der Art, dass Freilandhaltung in vielen Fällen höhere Treibhausgas-Emissionen zur Folge hat, als die Haltung in geschlossenen Stallsystemen.

In anderen Fällen wäre es relativ einfach, Verbesserungen zu erreichen: Beim Ausbringen von Gülle, dem sich die kleine Bildserie widmet, kann man die Ammoniakemissionen durch Schleppschläuche (mittleres Bild) und noch stärker durch sogenannte Injektoren, wo die Gülle direkt ins Erdreich eingearbeitet wird, vermindern. Allerdings ist die Technik nicht billig und in Hügel- und Bergzonen nur beschränkt einsetzbar.

Obwohl selber kein grosser Spezialist für Emissionen gehe ich davon aus, dass diese den Bauern in den nächsten Jahrzehnten massive Immissionen bescheren werden. Es würde mich schwer erstaunen, wenn es nicht früher oder später zu zusätzlichen Vorschriften bezüglich Tierhaltung und Landtechnik käme. Ich würde den bäuerlichen Organisationen und proaktives Handeln empfehlen: Das heisst, Berichte wie die erwähnten ernst nehmen und den Mitgliedern aufzeigen, wo Handlungsoptionen bestehen. Und die Lobbyisten in Bern sollen sich schon mal überlegen, wie man Klimaleistungen in bare Münze, sprich Direktzahlungen, umwandeln kann. (Bilder lid.ch, lebensministerium.at)

Gülleausbringung mit Injektor bringen Gülle in 1 cm Tiefe

Kleines Emmentaler Tierli-Panoptikum

April 4, 2013

GuschtiIn der letzten Zeit war da alles etwas textlastig, heute drum wieder einmal etwas fürs Auge. Dieser Tage war ich auf der neuen Emmentaler Käseroute unterwegs, kann ich empfehlen, aber ich habe fast mehr Tiere als Käse gesehen. Die ersten drei Bilder stammen vom Bauernhof der Familie Mathys ob Burgdorf, wo man im 300-jährigen Bauernhaus auch Ferien machen kann. Den Anfang macht ein neugieriges Guschti, das angesichts des saftigen Frühlings derzeit mehrheitlich im Laufstall wohnt.
EselEin seltenes Bild: Esel. Schade eigentlich.
SchweineSchweine in der raren Frühlingssonne.
HühnerHühner in der Gegend von Affoltern. Sie haben auch nicht so gerne Bise, die meisten, und sünnelen schön an der Wand.
KatzenIch brauchte einen Moment, bis ich dieses Schild einordnen konnte. Nehme jetzt mal an, es wirbt für Katzen zum Mitnehmen, vermutlich gratis. Bei uns in der Stadt gibt es das nur für alte Möbel, die die Leute auf die Strasse stellen, weil sie zu faul sind, diese ins Brockenhaus zu bringen. Katzen werden höchstens gesucht, meist mit verzweifelten liebevollen Aufrufen. Schon immer wieder erstaunlich, wie wenig weit man gehen muss, um andere Welten zu entdecken. 

PS. Das Katzenschild hat einen treuen Leser zur Kreativität herausgefordert (ist wohl ein Aktionspreis?) und eine treue Leserin zum Einsenden eines zweifelsfrei zum Schutz gedachten Katzenschilds im Berner Oberländischen Gsteigwiler (siehe auch Kommentare). Herzlichen Dank an die beiden Kreativen!
Katzen in AktionKatzenschild in Kandersteg

Bienen und Pestizide: To Bee or not to Bee

April 1, 2013

More than honeyDie Bienen sind bekanntlich wichtige Haustiere. Nicht primär wegen des Honigs, der auch nicht zu verachten ist, aber vor allem wegen ihrer Tätigkeit als Bestäuberinnen. Ein Drittel von allem, was wir essen, gäbe es ohne Bienen nicht, heisst es im Film “More than Honey”, einem gefeierten Werk von Regisseur Markus Imhoof, der kürzlich dafür den Schweizer Filmpreis für den besten Dokumentarfilm erhalten hat. Auch Einstein wusste schon, wie wichtig die kleinen Summerinnen sind, prognostizierte er doch, dass vier Tage nach dem Verschwinden der Bienen die Menschheit das Zeitliche segnen wird.
Sollte das wirklich stimmen, dann sähe es für unsereinem nicht sonderlich rosig aus. Die Bienenvölker weltweit leiden unter einem nur zum Teil erklärbaren Massensterben, das bereits 10000 von Völkern die Exixtenz gekostet hat, darunter auch vielen in der Schweiz. Die Varroa-Milbe ist eine der berüchtigsten Sterbehelferinnen.
Unbestritten ist unterdessen auch, dass Insektizide mitverantwortlich sind für das Bienensterben, genauer gesagt die Neonicotinoide, welche primär zur Beizung von Saatgut verwenendet werden. Die wichtigsten Produkte auf dem europäischen Markt sind “Cruiser” von Syngenta (Wirkstoff Thiametoxam), sowie “Gaucho” (Imidaclopric) und “Poncho” (Clothianidin) von Bayer.
So richtig unter Druck kamen die Substanzen erstmals vor knapp fünf Jahren, als nach der Ausbringung von gebeiztem Maissaatgut durch das unverdächtige amtliche deutsche Julius-Kühn-Institut zweifelsfrei Clothianidin als Ursache eines flächendeckenden Bienentsterbens im süddeutschen Raum festgestellt wurde. Diese Erkenntnis hat sich seither mehrfach bestätigt, zuletzt im Januar, als die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA zum gleichen Schluss kam. Das Resultat: Die Industrie reagierte wie ein Rumpelstilzchen nach Bekanntwerden seines Namens. Die Studie auf der Basis von Studien sei offensichtlich unter politischem Druck und übereilt verfasst worden, sie sei der EFSA unwürdig tobte der Syngenta-COO John Atkin und drohte mit einem Verlust von 50000 Stellen, sollten die EU-Mitgliedstaaten einem Verbot zustimmen, was bisher nicht geschehen ist.
Nur gut zwei Monate später hat man es sich in den Zentralen der Pestizid-Multis offenbar noch einmal anders überlegt. Was letzte Woche als Medienmitteilung verbreitet wurde, gleicht einem indirekten Schuldeingeständnis. Man wolle zu einer Deblockierung der Situation beitragen, heisst es in einem gemeinsamen Communiqué. Als Massnahmen werden untermalt von salbungsvollen Worten desselben Aktin unter anderem mehr Blumenrabatten am Rande von intensiv bebauten Äckern, ein Monitoringprogramm und die “zwingende Umsetzung von strikten Massnahmen zur Reduktion des Expositionsrisikos für Bienen” propagiert.
Da werden dem Publikum Neonicotinoide in die Augen gestreut: Bayer und Syngenta versuchen hier die Kohlen aus dem Feuer zu holen, indem sie auf Zeit spielen (Monitoring von Fakten, die längst auf dem Tisch liegen) und den Schwarzen Peter an die Bauern weiterspielen, die sich gefälligst bemühen sollen, die Bienengifte fachgerecht auszubringen, was aber offensichtlich auch bei bestem Wissen und Gewissen praktisch unmöglich ist, Blumenstreifen hin oder her. Der beste Kommentar zu dieser Geschichte kommt von Alice Jay, die für das Kampagnen-Netzwerk Avaaz kürzlich 2,5 Millionen Unterschriften für das Verbot der erwähnten Substanzen sammeln half: “Die Pestizidindustrie mit dem Schutz von Bienen zu beauftragen ist so, wie wenn man den Fuchs den Schutz des Hühnerhauses übertragen würde”, sagte sie laut dem “Guardian” zum Engagement von Bayer und Syngenta. (Bild aus “More than Honey”)

PS. Kleine Korrektur: Einstein habe ich falsch zitiert: nicht vier Tage sondern vier Jahre nach den Bienen werden die Menschen ableben, immer noch beunruhigend genug. Besten Dank für den Hinweis, Monika Schlatter!


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