Zurück von einer Woche Skiferien in Bergün. Es war eine Augenweide, auch für mein in der Stadt häufig etwas kümmerlich beglücktes bäuerliches Herz. In der täglich frisch verschneiten Postkartenlandschaft standen alletwegen Kühe, Pferde und Ziegen in der bleichen Wintersonne, käuten wider und liessen sich aufwärmen. Das Grauvieh-Bild mit dem ungewollten Spezialeffekt – keine Ahnung, was in meine ansonsten zuverlässige Handycan gefahren war – dokumentiert dies aufs Schönste. Die zugehörigen Produkte gibt es schön präsentiert in einer Handvoll Hofläden (siehe letzten Post). Der Kontrast zu den Neuigkeiten über die Missstände in der Tierhaltung und -behandlung in Übersee, die trotz reduziertem Medienkonsum ihren Weg ins Albulatal fanden, könnte nicht grösser sei. Der “Kassensturz” berichtete über Misshandlungen und Vernachlässigung von Schlachtpferden in Kanada, USA, Mexiko und Argentinien, nur das letzte Beispiel in einer langen Reihe von ähnlichen Übeltaten.
Ich will nicht behaupten, dass sich in der Schweiz keine Exzesse ereignen, aber es schleckts keine Geiss weg: Die Herkunft Schweiz garantiert beim Fleisch in 99,9% der Fälle Tierschutz-konforme Haltungs-, Transport-, und Handlingformen, die bei Produkten von ennet der Grenze selten bis nie nachgewiesen werden können, wie das Beispiel Bouvry zeigt (man gebe den Namen der kanadischen Pferdeschlachtungs-Unternehmens zur Illustration in eine Suchmaschine ein). Das gilt offensichtlich nicht allzu selten auch für Tiere, die wir vor dem inneren Auge gerne über die kanadische Prärie galoppieren oder über ozeanische Hügellandschaften promenieren sehen. Bedenklich nur, dass der hiesige Detailhandel und der Bund immer erst dann reagieren, wenn man ihnen das Messer an den Hals, beziehungsweise das Logo ins Fernsehen setzt, obwohl man die Missstände schon mit fünfminütiger Internet-Recherche hätte aufdecken können.
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Bleiches Kuhbild gegen das Erbleichen
Februar 24, 2013Diese Wahl wird nicht an der Urne entschieden
Januar 16, 2013
In Deutschland ist die Landwirtschaft zur Zeit ein ziemliches Politikum. Leider nicht im positiven Zusammenhang. Zwar wird die Grüne Woche, die am Donnerstag eröffnet wird, viele schöne Bilder von Politikern im Ess- und Trinkeinsatz inmitten von feschen Produzenten und Verarbeitern in die guten Stuben bringen. Im Mittelpunkt wird dabei wie immer die Landwirtschaftsministerin stehen. CSU-Hoffnungsträgerin Ilse Aigner steht aber nicht nur an den Ständen im Mittelpunkt, sondern vor allem im Fokus der Kritik von Linken und Grünen, die die Landwirtschaft und namentlich die Tierhaltung und ihre Exzesse im kommenden Bundestagswahlkampf ins Zentrum stellen wollen.
Folgerichtig hat die Frau Minister denn dieser Tage auch den Dinosaurier-Preis des Naturschutzbunds erhalten und zwar für “ihr Festhalten an einer umweltschädlichen Agrarpolitik und ihr enttäuschendes Engagement für ein besseres Tierschutzgesetz”. In Niedersachsen, wo am Wochenende Landtagswahlen anstehen, nehmen die Grünen einen Testlauf vor, wie heute die FAZ anhand des lokalen Widerstands gegen einen gigantischen Hähnchenschlachthof aufzeigt. Die Rede ist hier von einer “Agrarwende”, die nun dringend notwendig sei. In das gleiche Horn blasen auch die in einem breiten Bündnis agierenden Organisatoren der traditionellen Demonstration am Rande der Grünen Woche, die am kommenden Samstag unter dem Motto “Wir haben es satt!” über die Bühne geht.
Der Einsatz der deutschen Umwelt- und Naturschützer für die Kreatur und eine umweltfreundliche Landwirtschaft ist löblich, nur wird sich weder an den niedersächsischen noch an den gesamtdeutschen Urnen entscheiden, ob es effektiv zu einer Agrarwende kommt. Vielmehr hängt dies davon ab, ob es die Konsumenten weiterhin normal finden, dass sie ihr Hähnchen zu 2 Euro 99 das Stück aus der Kühltheke fischen können, wie das im besagten Artikel geschildert wird. Das ist die Abstimmung mittels Einkaufswagen. Dabei sollten wir uns hüten, gönnerhaft Richtung Norden zu blicken. Auch in der Schweiz sieht es nicht viel besser aus. Das Pouletfleisch aus Labelproduktion muss man mit der Lupe suchen, während die Importe von wo auch immer, wie auch immer produziert bestens florieren. Von den Einkaufstouristen, die ennet der Grenze Poulets für 2.99 das Stück kaufen gar nicht zu reden. (Bild Theodor Barth/Laif/FAZ)
Euterüberladung: Finde den Unterschied
Dezember 19, 2012
Viehzucht ist ja an sich ein schönes Thema. Davon kann ich mir dieser Tage wieder mal ein Bild machen. Schon zahlreiche TeilnehmerInnen haben mit tolle Fotos für den Agroblog-Kuhbild-des-Jahres-Wettbewerb eingeschickt, herzlichen Dank! Die Einsendefrist ist übrigens noch offen bis kommenden Sonntag, die Adresse nach wie vor: adimali@gmx.ch.
Daneben gibt es aus diesem Sektor der Branche aber auch deutlich Unerfreulicheres zu berichten. Eine dieser Geschichten ist die Überladung von Eutern an Eliteschauen, von der kürzlich nicht nur die Agrarpresse, sondern auch Tages-Anzeiger und NZZ (Artikel von mir) berichteten. Am Pranger stand, mit juristischen Folgen, ein Neuenburger Züchter. Seine Kuh Accolade Fantaisie (Bild links) schwang an der Expo Arc Jurassien in Saignélégier beim Junior-Schöneuterwettbewerb obenaus. Der Sieger, dessen Kuh vier Tage später starb, hat den Bogen bzw. das Euter aber überspannt und erhielt eine Verwarnung, später wurde er von Unbekannt angezeigt. Corpus Delicti war das oben gezeigte Bild, das der Tages-Anzeiger in seinem Bericht publiziert hatte. Der Branchen-Dachverband Arbeitsgemeinschaft Schweizer Rinderzüchter (ASR) wehrte sich im Nachgang zur Accolade-Geschichte gegen neue Regelungen in der Tierschutz-Verordnung, der ASR-Schau-Ehrenkodex, der seit einigen Jahren existiert, genüge, es brauche keine staatlichen Eingriffe.
Daran habe ich ehrlich gesagt ein paar Zweifel, wenn ich mir das Bild oben rechts ansehe, das kürzlich im Schweizer Bauer publiziert war. Das Euter stammt aus dem Siegerbild von Jongleur Jessy, die in St. Gallen an der Bruna 2012 zur Europameisterin erkoren worden ist. Erinnern Sie sich an die Suchbild-Rätsel in allerlei Heftlis mit dem Auftrag: Finde die Unterschiede? Nicht, dass ich mich als Viehzuchtexperten betrachten würde, aber abgesehen von der Rasse und der Bodenbeschaffenheit sehe ich namentlich was das Euter angeht keinen signifikanten Unterschied. Urteilen Sie selbst. (Bild oben links PD, Bild oben rechts Ausschnitt aus Bild von Robert Alder/Schweizer Bauer)
Der leider falsch pfeifende Whistleblower
Juni 30, 2012
Dieser Tage habe ich wieder einmal die Nachrichten des von Erwin Kessler präsidierten Vereins gegen Tierfabriken (VgT) erhalten. Das Heft hat gemäss Angaben auf dem Titelblatt eine Auflage von 1,044 Millionen, was nach Coop-Zeitung und Migros-Magazin die drittgrösste im Lande wäre. Das zeigt, dass der VgT einige finanzkräftige Anhänger haben muss.
Bisher ist das Magazin bei mir bisher meist direkt ins Altpapier gewandert, Kessler ist mir einfach zu krass drauf. Der Mann ist von einer kompromisslosen Mission getrieben und das ist mir immer suspekt. Da ich grad Zeit hatte, habe ich die VgT-Nachrichten wieder einmal durchgeblättert. Der Inhalt ist immer derselbe. Die Sprache strotzt vor Kraftausdrücken in alle Richtungen: Fleischfressende Journalisten, die alles totschweigen, Schächtjuden, Grossverteiler, die verlogene Schreiben verschicken, egoistische Konsumenten, denen der Holocaust an den Nutztieren egal ist, etcetera etcetera. Kessler schlägt derart systematisch um sich, dass er ausserhalb seiner Entourage von laut VgT-Homepage 35 000 Mitgliedern kaum noch irgendwo Support findet. Selbst seinen Anhängern gegenüber gibt er sich unerbittlich. Ein Student der Lebensmittelwissenschaften, der in den neuesten Nachrichten grundsätzliches Einverständnis mit Kesslers Aktivitäten signalisiert, erklärt völlig zurecht, dass es unhaltbar sei zu behaupten, dass “Schweinefabriken schlimmer als KZs seien”, wie das der VgT immer wieder mal tut. In seiner Antwort fährt Kessler dem jungen Mann übers Maul und wirft ihm vor, gängige Klischees nachzureden und ein Opfer der suggestiven Indoktrinanion in den Mainstream-Medien zu sein.
Eigentlich schade, dass Kessler ständig mit dem verbalen Zweihänder dreinschlägt, denn einige seiner Vorwürfe sind durchaus berechtigt. So kritisiert er im neuesten Magazin, dass in einem Auslaufstall für 18 000 Hennen nur ein kleiner Teil der Tiere jemals ins Freie gelangt. Das ist ein anerkanntes Problem. Weiter prangert er Bauern an, die ihre Kühe den ganzen Winter lang angebunden halten. Auch das ist eine Sauerei. Ausserdem gehe ich einig mit Kessler, dass die Schweinehaltung vielerorts ungenügend ist. Das Problem ist nur, dass die permanente Vollrohr-Offensive des Thurgauers kaum etwas bewirkt ausser Ablehnung und Gerichtsverfahren.
Man muss ja als kämpfender Tierfreund nicht grad so staatstragend werden, wie der Schweizer Tierschutz und sein Geschäftsführer Hansuli Huber. Aber ein Franz Weber, ebenfalls kein Kind von Zahmheit, hat mit seiner Mischung aus Militanz und Konsens, aus zeitgerechtem Chambrieren und lautem Poltern viel mehr erreicht als Kessler, zum Beispiel unlängst den Sieg in einer Volksinitiative. Das ist noch nicht manchem Politaktivisten hierzulande gelungen. (Bild 20min.ch)
Label Check: Aldi heizt den Orangen ein
März 7, 2012
Viel und gern haben die beiden etablierten Grossgrossverteiler Migros und Coop über Aldi und Lidl gewettert. Am weitesten ging vor gut zwei Jahren Migros-CEO Herbert Bolliger, der den deutschen Discountern in einem Interview allerhand Übeltaten, namentlich Preisdrückerei vorwarf. Nun, nach gut fünf Jahren in der Schweiz ist namentlich Aldi gut zuhause auf dem Schweizer Markt, während Lidl noch etwas Mühe hat. Der Markteintritt der deutschen Discounter war ein Segen für die preisbewussten Konsumenten. Plötzlich kamen bei der orangen Konkurrenz Preise ins Purzeln, die im ungestörten Duopol wohl weiter auf der alten Höhe geblieben wären. Wenn man heute in der Schweiz einen Aldi aufsucht, ist man als Migros-Coop-Langfristkunde schon erstaunt, zu welch günstigen Tarifen dort die Waren im Regal stehen. Das zeigt, dass bei den orangen Riesen immer noch ziemlich Speck in den Margen steckt, zumal eine Umfrage gezeigt hat, dass bei Aldi Suisse das Personal absolut vergleichbar bezahlt wie die Schweizer Traditionsunternehmen. Item. Auch im Labelsegment heizt der deutsche
Discounter Migros und Coop tüchtig ein. Nachdem man schon länger ein umfangreiches Biosortiment anbietet, kommt nun auch ein IP-Label dazu. NatureSuisse ist vergleichbar mit TerraSuisse von Migros und Naturafarm von Coop. Das NatureSuisse-Sortiment ist noch auf Fleisch beschränkt, ausschliesslich aus einheimischer Produktion. Die Anforderungen sind identisch mit den von Migros und Coop: Die Direktzahlungsprogramme Besonders tierfreundliche Stallhaltung (BTS) und Regelmässiger Auslauf ins Freie (RAUS). Im Internet ist NatureSuisse wie TerraSuisse mit eigener Adresse vertreten, während die Adresse naturafarm.ch zu einem Berner Biobauern mit politischen Ambitionen führt. Inhaltlich bietet Naturafarm auf der Homepage am meisten. Aldi hat aber anders als die Konkurrenz ein Rückverfolgbarkeitstool. Der interessante Ansatz ist allerdings ausbaufähig, denn noch kommt man - zumindest ich bei einem kleinen Test – nicht auf den einzelnen Betrieb, sondern höchstens in eine Region, aus der das Fleisch stammt. Inhaltlich am Schwächsten ist Terrasuisse, das auf viel Grafik, wenig Information und nerventötendes Vogelgezwitscher setzt, wobei man dieses, das sei fairnesshalber gesagt, auch abstellen kann. Unter dem Strich ist das Angebot von Aldi durchaus konkurrenzfähig. Jedenfalls kann man dem deutschen Discounter nicht vorwerfen, er erkaufe sich die Preisvorteile durch Einsparungen beim Tierwohl oder beim Umweltschutz.

Grüne Woche(2): Lieber spät als nie fürs Vieh
Januar 23, 2012
Am Rande der Grünen Woche haben letzten Samstag in Berlin nach Angaben der Organisatoren rund 23000 Personen unter dem Motto “Wir haben es satt!” gegen Massentierhaltung und industrielle Landwirtschaft demonstriert (Bild oben). Selbentags fand an der Messe eine hart geführte Diskussion zwischen dem Generalsekretär des Deutschen Bauerverbands (DBV), Helmut Born und dem Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz
des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen (NRW), Johannes Remmel statt. Er ist im Wettbewerb der Würdenträger um den längsten Titel wohl weit vorne. Der Bandwurm zeigt aber vor allem die Prioritäten seiner rot-grünen Landesregierung. Remmler, selber ein Grüner, ist vor allem Umwelt- und Konsumentenschützer und die Bauern werden primär als Immissionäre betrachtet. Das zeigte sich im harten Schlagabtausch mit Born deutlich. Der DBV-Vertreter hatte einige Mühe, dem Minister zu erklären, warum 96,4% der Nordrhein-westfälischen Hähnchen während ihrer kurzen Lebenszeit Antibiotika verabreicht werden, wie eine Studie des Ministeriums zeigt. Remmlers Haltung steht in ziemlichem Kontrast zur Position der nationalen CSU-Agrarministerin Ilse Aigner aus dem ländli
chen Bayern (Bild rechts). Sie hatte den Demonstranten schon bei der IGW-Eröffnungskonferenz vorgeworfen, sie kämpften in den Schlachten von gestern. Antibiotika würden nur noch im Krankheitsfall eingesetzt, die Förderung von Grossställen sei längst gekappt, der Tierschutz mache grosse Fortschritte. Aber warum erzähle ich das alles? Mir ist in den paar Tagen in Berlin aufgefallen, dass in Deutschland derzeit mit grossem Engagement eine Diskussion geführt wird, die mir als Schweizer schon etwas antiquiert vorkommt. Die industrielle Landwirtschaft war hier in den 80-er und 90-er Jahren ein grosses Thema, die Höchsttierbestände sind streng und der Tierschutz hat grosse Fortschritte gemacht. Ich habe dem Chef des Landwirtschaftsamts NRW jedenfalls mit einer gewissen Süffisanz und nicht ganz ohne Stolz empfohlen, er möge die Schweizer Agrarpolitik verfolgen, um dann zu wissen, was 15 Jahre später in Deutschland aktuell sein wird. Allzu hoch aufs Ross sollten wir aber trotzdem nicht sitzen. Erstens ist auch die Schweiz längst noch kein Paradies für Nutztiere. Zweitens sind die Deutschen schon deutlich weiter als viele andere EU-Länder, zum Beispiel beim Ausstieg aus der Hühner-Käfighaltung, der in der Bundesrepublik a
bgeschlossen ist, während in der Rest-EU laut Aigner noch 100 Millionen Hennen hinter Gittern sitzen. Drittens führen die deutschen Exponenten die Auseinandersetzung mit einer Eloquenz und einer Härte, von der man sich hierzulande auch noch ein Scheibchen abschneiden könnte. Zu oft sind sich hier Landwirtschaftsfilz und Behörden zu nahe und schonen sich, weil man sich kennt und lieber nicht weh tut. Die deutschen Diskussionen sind öfter frei von derlei Sensibilitäten und dehhalb aufschlussreicher. Und um einiges unterhaltsamer. (Bilder oben Hartmut Müller-Stauffenberg/Imago, mittleres Bild Grüne Woche/pd)

Fanfare für die Ritter des Fleisches
August 15, 2011
Schöne Überraschung am Samstagmorgen. Vor Markthalle in unserem Zürcher Viadukt steht ein neuer Anbieter. Und nicht irgendeiner: Markus und Theres Dettwiler von der Ormalinger Farnsburg kommen neu ab und zu am
Samstag hierher mit ihren Produkten. Für mich sind sie Legende, ein guter Freund, seines Zeichens Gourmet mit einem goldigen Händli fürs Fleisch, hat uns schon öfters mit Dettwilers Delikatessen von Weideschwein, Büffel und Galloway bekocht und es war immer vom Feinsten. Drum sitzt mir das Portemonnaie natürlich locker. Und ich bin schon reich belohnt worden. Zum Auftakt gabs gestern aus dem Galloway-Hackfleisch ein einfaches Tatärli (ca 200g Hackfleisch, ein Eidotter, Salz, Pfeffer, eine halbe Frühlingszwiebel, ein Viertel Peperoncino sowie je ein Schprutz Sojasosse und 66-er Armagnac, der mir leider nur noch in homöpathischen Dosen zur Verfügung steht). Ein rohes Vergnügen, und das zu einem anständigen Preis, das Qualitätshackfleisch gibts zu unter 30 Franken. Damit ist der kleine Kreis der Zürcher Top-Fleischlieferanten ab sofort um ein gewichtiges Mitglied erweitert. Wenn ich mir bisher etwas leisten wollte ging ich immer zur Fidelio-Metzgerei im Marinello im Kreis 6 und zu den Volketswiler Fiechter-Schwestern, die man freitags am Zürcher Helvetia-Platz und samstags in Oerlikon auf dem Markt findet. Empfehlen kann ich auch Alfred von Escher, der aus einem unscheinbaren Lokal in der Zürcher Enge Grosses vertreibt. Alle vier Quellen wissen, dass Geduld die wichtigste Eigenschaft bei der Fleischproduktion ist. Das Tier in freundlichem Umfeld und gemächlichem Tempo heranwachsenlassen lassen und dann – vor allem beim Rindfleisch – schön abhängen lassen.
Neue Spannweite für den Schutz rarer Spezies
Juli 22, 2011
Die Schweiz hat zusammen mit Norwegen und Deutschland eine Million Dollar für den Schutz alter Nutztierrassen weltweit bereitgestellt. Dieser Schritt über die Landesgrenzen hinaus ist begrüssenswert, denn was nützt das heimatlich bestallte Gärtchen mit einer Arche Noah von Schwarznasenschafen und Appenzellergeissen, wenn derweil weltweit bewährte Tiergenetik wegen fehlender Mittel verlorengeht? Mit der Million werden Projekte im Rahmen des FAO-Aktionsplans für tiergenetische Ressourcen unterstützt. Eines davon ist die Intensivierung der Zucht von Ankole-Rindern in Ruanda (siehe das eindrückliche Bild). Der Plan wurde zwar schon 2007 in Interlaken verabschiedet, aber manchmal braucht es halt seine Zeit, bis die Mühlen der internationalen Zusammenarbeit auf Touren kommen. Gegen die Förderung der Appenzellerziege durch Bund und Pro Specie Rara sei übrigens hiermit nicht etwa das Kleinste eingewendet. Im Gegenteil. Zum Beweis hier ein schönes Bild von der sehr sehenswerten Website von offensichtlich guten Freunden der Rasse. (Bild oben Blog von Shivaun Caffrey)
Jurassic Parc(3): Meet the buffalos
Juni 11, 2011
Ich habe schon viel von Wasserbüffeln gelesen aber live ist mir noch nie einer unter die Augen geraten. Im Schangnau – der Hochburg der helvetischen Büffelzucht – hatte ich einst eine Begegnung der überraschenden Art mit dem ausgestopften Schädel des ersten je importierten weiblichen Exemplars im Entrée des Hotels Löwen
. Aber lebendig habe ich sie erstmals dieser Tage im Val de Travers gesehen. Natürlich war dies einen Halt wert. Kaum war ich aus dem Auto ausgestiegen, trotteten sie auf mich zu. Man bestaunte sich gegenseitig mit Neugier. Im Schangnau sind sie eine Touristenattraktion, nicht zuletzt dank ihrer Zutraulichkeit, kombiniert mit den imposanten Hörnern. Zurück im Büro begegnete mir dann auf dem Leib-Onlineportal der Blogpost eines Kollegen über “Staatlich subventionierte Kuhhörner”. Er mokiert sich darin nicht nur über die nun auch vom Ständerat beschlossene Wiedereinführung der Viehexport-Subventionierung, sondern auch über das Ansinnen, behornte Kuhhaltung zu unterstützen. Dieses findet in bäuerlichen Kreisen von Linksgrün bis rechts (Bergheimat bis SVP) immer mehr Unterstützung. Bei den Viehexporten gehe ich mit dem NZZ-Blogger vollkommen einig: eine totale Bieridee, die den Goodwill der Bevölkerung gegenüber den Bauern unnötig strapaziert. Bei den Hörnern ist die Sachlage aber völlig anders. Die Haltung von behornten Kühen ist nicht nur aufwendiger (höherer Platzbedarf im Stall und auf der Weide), sie ist auch aus tierschützerischen und touristischen Gründen zu begrüssen, wie zum Beispiel die Büffel im Schangnau und im Val de Travers beweisen. Deshalb ist das Geld hier gut investiert. (Kleines Bild Löwen Schangnau)
Das arme Vieh Down Under & unser Portemonnaie
Juni 3, 2011
Weit verbreitete Empörung in Australien. Die Sendung “Four Corners” der Australian Broadcasting Company hat am 30. Mai unter dem Titel “A bloody business” einen Beitrag ausgestrahlt, der zeigt, wie brutal in Indonesien mit Exportvieh aus Down Under umgesprungen wird. Pro Jahr werden rund 300 000 Rinder zur Ausmast und anschliessender Schlachtung in den muslimischen Inselstaat exportiert und das seit Jahrzehnten. Der Dokumentarfilm zeigt drastisch, wie die Tiere geschlachtet werden. Man schlitzt ihnen in einfachen Schlachtanlagen die Kehle auf. Diese Schlachtmethode ist religiös begründet und in der gesamten islamischen Welt an der Tagesordnung. Ich erinnere mich an Szenen auf malinesischen Viehmärkten, die ich nie vergessen werde. Für westliche Augen ist dieser Anblick eine Tortur. Für die Einwohner dieser Länder eine Selbstverständlichkeit. Wenn dies der australischen Regierung nicht bekannt war, dann hat man mit aller Kraft die Augen verschlossen, auch im Interesse eines ansehnlichen Geschäfts, das alljährlich über 300 Millionen Franken Umsatz generiert. Wenn man jetzt ein paar Schlachthöfe sperrt, wird das nichts ändern an den Schlachtritualen in Indonesien. Ganz grundsätzlich ist der sorgsame Umgang mit dem Tier für den Menschen am Existenzminimum kein prioritäres Anliegen. Tierschutz hat seinen Preis. Das stellt der Konsument hierzulande im Laden täglich fest. Nach wie vor ist aber nur eine Minderheit bereit, dafür auch einen Mehrpreis zu bezahlen. Deshalb bleibt die Empörung über schlechte Behandlung der Kreatur in der Haltung, auf Transporten und beim Schlachtprozess – ob nun in westlichen Ländern oder in Indonesien - mehrheitlich reichlich scheinheilig. (Bild Reuters)

