Posts Tagged ‘Soja’

Agrentina (5 & Schluss): Treibstoff SoJa, aber…

September 8, 2013

Soja-Biodieselanlage bei RosarioDas mit Sicherheit meistkommunizierte Wort während des nun schon wieder der Geschichte angehörenden IFAJ-Kongresses in Argentinien war Soja. Die Leguminose ist für die argentinische Wirtschaft zum Treibstoff geworden, und dies nicht nur im übertragenen Sinn. Argentinien produziert 60 Prozent des weltweit aus Soja hergestellten Biodiesels.

In diesen Kanal fliesst aber nur ein geringer Teil der Produktion, die in den letzten zwanzig Jahren um 400 Prozent auf eine Fläche von 20 Millionen Hektaren ausgedehnt wurde. Das sind 200 000 Quadratkilometer, die fünffache Fläche der Schweiz. Selbst argentinische Soja-Lobbyisten, von denen wir in den vier Kongresstagen mindestens ein halbes Dutzend trafen, sprechen von einer Abhängigkeit. Diese Abhängigkeit hat verschiedene Dimensionen: agronomische, wirtschaftliche, staatspolitische und soziale.

Die Landwirtschaft in den klimatisch und bodentechnisch besten Gebieten in der feuchten Pampa ist in den letzten knapp zwei Jahrzehnten vollständig auf die Sojabohne ausgerichtet worden. Der Boom basiert auf der etwa gleich alten GVO-Kombination von Sojasaatgut mit einer Herbizidresistenz für Glyphosat, das unter dem Monsanto-Markenname Roundup Berühmtheit erlangte. Dank dieser Wunderwaffe war es möglich mit bodenschonender pflugloser Bearbeitung den Unkrautdruck im Griff zu behalten und in Monokultur voll auf Soja zu setzen. Das hat dazu geführt, das nicht nur die Viehhaltung, sondern auch der arbeitsintensivere Mais- und Weizenanbau teilweise verdrängt wurden (siehe dazu den letzten Blogbeitrag und die ausgezeichnete Zusammenfassung von David Eppenberger auf der Homepage der Schweizer Agrarjournalisten).

Wie ich im letzten Beitrag ebenfalls bereits beschrieben habe, will auch der marode Staat am Boom teilhaben. Die 35 Prozent Exportsteuer sind Ausdruck dieses Begehrens. Dadurch macht er sich seinerseits abhängig von der Soja, die unterdessen zum wichtigsten Exportgut des Landes geworden ist. Sollte das Geschäft eines Tages zusammenbrechen, aus welchen Gründen auch immer, beschert ihm das Verdienstausfälle von gigantischer Dimension, die sich so leicht aus anderen Quellen nicht kompensieren lassen werden.

Gewerkschaftsführer und Parlamentarier in spe: "Momo" Venegas Schliesslich hat der Sojaanbau zu einer Verschiebung im Sozialgefüge des Landes geführt. Wie uns der Gewerkschaftsführer der Landarbeiter, Geronimo “Momo” Venegas (Bild rechts) anlässlich des Kongresses erklärte, haben Tausende von Landarbeitern durch die Verschiebungen ihre Arbeit verloren. Allein in der Gegend von San Pedro, wo wir uns versammelt hatten, seien 8000 von 10000 Hektaren mit Fruchtbäumen verschwunden. Auf unsere Frage, ob er damit die Sojaindustrie kritisiere, verneinte er dann hingegen vehement. Offenbar gibt es in der argentinischen Landwirtschaft so etwas wie eine Omerta in Sachen Kritik am Sojasektor, weil alle irgendwie abhängig sind von diesem Segen. Venegas seinerseits möchte im Oktober gerne ins Parlament gewählt werden (Werbespruch “Pura Sangre Peronista”, “pures Peronistenblut”) und ist dabei wohl dringend auf alle Stimmen aus der Landwirtschaft angewiesen.

Die sozialen Auswirkungen des Sojaanbaus sieht man übrigens exemplarisch an den Stadträndern (siehe Bild unten aus Rosario), wo joblose Landarbeiter in prekären Behausungen siedeln und versuchen, sich das Leben im urbanen Millieu zu verdienen.

Faktisch ist der mit Abstand wichtigste Sektor von Argentiniens Landwirtschaft also komplett abhängig von der Glyphosat-Resistenz der GVO-Soja. Sollte dieser auf breiter Basis durchbrochen werden, wird’s prekär. Ich fragte einen der euphorischen Soja-Promotoren am Kongress, ob diese Strategie nicht enorme Risiken für das Land berge. Er verneinte und sprach stattdessen von den nächsten GVO-Sorten, die neben der Herbizidresistenz auch ernährungsphysiologischen Segen bringen würden, etwa Omega-3-Fettsäuren und ähnliches. Womit das Problem allerdings nicht gelöst würde.

Ich will hier nicht einfach den Teufel an die Wand malen. Man soll hier auch einmal erwähnen, dass Argentinien mit 40 Millionen Menschen Nahrungsmittel für 400 Millionen Menschen produziert, das ist eine beachtliche Leistung und man will weiter steigern auf 600 Millionen. Aber es ist eine Hochrisikostrategie, die das Land dabei fährt. Ich wünsche Glück, Suerte! wie uns alle zum Abschied zuriefen. Denn die Argentinier, die uns begegneten sind zwar etwas sorglose aber sehr begeisterungsfähige, hilfreiche und freundliche Menschen und ich hoffe, das ist hier auch ein bisschen zum Ausdruck gekommen. Hasta luego. (Bild oben David Eppenberger)
Am Stadtrand von Rosario

Agrentina (3): CFK, die Meistgehasste

September 3, 2013

Christina Fernandez de KirchnerSeit ein paar Tagen fahre ich durch Argentinien, und wenn es eine Konstante gibt im Gespräch mit den Bauern, dann ist es der omnipräsente Hass auf die Praesidentin Cristina Fernandez de Kirchner, die sich in Anlehnung an den ehemaligen amerikanischen Präsidenten gerne CFK nennen laesst.

Was steckt dahinter? Die Ursachen liegen gut 10 Jahre zurück: Ihr Ehemann Nestor, in dessen Fussstapfen Cristina 2007 in quasi dynastischer aber demokratisch bestaetigter Erbfolge trat, machte die Landwirtschaft 2002 zur Milchkuh: Nach einer dramatischen Wirtschaftskrise führte Argentinien zum wiederholten Male eine massive Abwertung der Landeswährung Peso durch. Die Leitwährung, der US-Dollar war neu nicht mehr gleich stark, sondern viermal so viel wert wie der einheimische Peso.

Dadurch erlebten die Cashcrops – mit Abstand am wichtigsten ist die Soja – einen Boom, weil deren Export durch die Abwertung massiv erleichtert wurde. Von dieser Hausse wollte sich der Staat eine Scheibe abschneiden und führte happige Exportsteuern ein, die sich bis heute gehalten haben. Die Soja beispielsweise wird bei der Ausfuhr mit nicht weniger als 35 Prozent besteuert, fuer Rindfleisch wiederum betraegt der Tarif meinen Angaben zufolge gut 20 Prozent (PS. Falsche Angabe, es sind 15 Prozent für Frischfleisch und 5 Prozent für Konserven). CFK versuchte 2008 eine weitere Erhöhung einzuführen, scheiterte aber an den empörten Protesten der Bauern und letztlich im Parlament.

Mit dem tarifären Aktivismus wollte die Regierung mit Hilfe der boomenden Agrarindustrie einen Teil der aufgrund der Wirtschaftskrise(n) stark gestiegenen Sozialkosten finanzieren und gleichzeitig die Inlandversorgung sichern. Letztlich lief diese Politik aber ins Leere und führte namentlich im Rindfleischsektor dazu, dass argentinische Investoren neu in Paraguay und Uruguay die besseren Marktbedingungen ausnützen, was mit dazu geführt hat, dass Argentinien in der Rangliste der Rindfleischexporteure stark verloren hat und dass, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen, heute Weizen eingeführt werden muss, da die Bauern die Kultur aufgrund der Exportsteuern meiden.

Was mich erstaunt, ist, dass sich die Bauern politisch gegen die eher absurd anmutenden Regulierungen nicht besser wehren (können). Ich war vor meinem Besuch davon ausgegangen, dass der Agrarsektor aufgrund seiner Bedeutung für die nationale Wirtschaft der Regierung die Traktandenliste diktieren wuerde. Dem ist aber nicht so. Wie mir ein Agrarfunktionär heute abend sagte, ist der politischer Lobbyismus der Landwirte tradidtionell schwach. Sie hätten sich nie um die Politik gekümmert, erklärte er. Das ist auch eine Spätfolge der Militärdiktatur, eine Phase, in der man am besten fuhr, wenn man die Faust, wenn überhaupt, am besten nur im Sack machte. Das rächt sich nun. Mir kam mein altes Lieblingssprichwort in den Sinn: Die Hunde – in diesem Fall die Bauern – bellen, die Karawane – hier CFK und ihre Equipe – zieht weiter. Zumindest bis 2015, wenn die nächsten Präsidentschaftswahlen anstehen. (Bild abc.com)

Boliviagronomia (1): Das Fleisch und sein Preis

August 27, 2013

Metzgereischild in La PazSeit ein paar Tagen bin ich in Südamerika. Die ursprünglich geplante Argentinienreise konnte ich dank glücklicher Fügung und einem zufälligen Pausengespräch im Gartenrestaurant des FiBL um ein paar Tage in Bolivien erweitern (es lohnt sich eben, eine gute Kantine zu haben, liebe NZZ-Chefetage…).

Die Bolivianer sind, das wage ich jetzt einmal ohne Statistiken vorliegen zu haben, recht fanatische Fleischesser. Wann immer man einkehrt oder privat isst, gibt es zuerst Suppe und in der muss es Fleisch haben. Zum Hauptgang noch einmal, das ist keine Frage. Und dann meistens nicht zu knapp. Dies gilt auch für biologische Bauern. An einem Kongress zum nachhaltigen Landbau mit Agroforstsystemen kam ich am Vorabend in den Genuss der Vorbereitungen des Menus vom nächsten Tag. Auf dem Tisch lagen unter anderem 25 Poulets, Heerscharen von Würstchen, jede Menge Rindfleisch und mindestens eine ganze Sau.

Das dieser hohe Konsum nicht ohne Nebenwirkungen funktionieren kann, zeigte sich schon im Anflug auf die Landwirtschafts-Hochburg Santa Cruz de la Sierra, wo ich umsteigen musste auf dem Weg nach La Paz. Aus der Luft erkennt man die volle Wirkung der Agrarindustrie: Abholzung, gigantische Sojafelder und riesige Stallkomplexe, wo vor allem Hühner und Schweine gemästet werden. Die Beobachtungen waren nicht zufällig. Wer immer mir begegnete in den darauffolgenden Tagen bestätigte, dass mit dem Wald immer noch umgesprungen wird, als ob man ihn jederzeit problemlos ersetzen könnte und wenn man auf das Thema Tierhaltung zu sprechen kam, verdrehten alle die Augen.

Unterdessen bin ich in Argentinien angekommen. Als erstes ist mir ein Buch mit dem martialischen Titel: “Schlecht ernährt – wie uns die argentinische Agrarindustrie umbringt” in die Hand gefallen, das schon im Vorwort die exakt identischen Mechanismen schildert. Das mag etwas gar drastisch ausgedrückt sein. Aber die Fehlentwicklungen im südamerikanischen Primärsektor scheinen definitiv nicht nur ein Klischee zu sein.
Mal comidos en Argentina

Ein alter Fuchs schimpft am Lieferanteneingang

Januar 12, 2013

Entwicklung der KraftfutterversorgungDer Neujahrsapéro mit den Agrarjournalisten fand heuer am Lieferanteneingang der Schweizer Landwirtschaft statt, wie das der Organisator so schön formuliert hat. Nicht weniger als 17,3 Prozent der Schweizer Importe gelangten vergangenes Jahr über den Basler Rheinhafen ins Land. Deutlich höher ist der Anteil bei den Futtermitteleinfuhren. Insgesamt brachten die Rheinschiffe 2011 nicht nur 600 000 Tonnen Dünger und 2,5 Millionen Tonnen Mineralölerzeugnisse sondern auch 850 000 Tonnen Nahrungs- und Futtermittel ins Land, wovon der grösste Teil auf Futtergetreide entfällt, von denen jährlich rund 1,1 Millionen Tonnen importiert werden.
Welcher Ort böte sich also besser an für die Diskussion von ein paar Fütterungsfragen? Der Direktor der Vereinigung der Schweizerischen Futtermittelfabrikanten (VSF) liess es sich nicht entgehen, vor den Agrarmedienvertretern die heissen Punkte anzusprechen. Rudolf Marti, ein alter Fuchs im stark angefeindeten Müllerei-Business hat derzeit drei Hauptthemen: 1. Soja, 2. Swissness, 3. Importe. Das alles hängt eng zusammen. Der Import von Futtermitteln hat in den letzten 20 Jahren massiv zugenommen (siehe Grafik oben. Ich weiss, es ist nicht grad State of the Art, Grafiken abzufotografieren, aber manchmal geht es nicht anders).
Wichtigster Wachstumsträger im Schweizer Futtermittelmarkt ist Sojaschrot. Das eiweissreiche Nebenprodukt der Sojaölherstellung boomt. Seit 1991 hat die Einfuhrmenge um 900 Prozent auf konservativ geschätzte 250 000 Tonnen zugenommen. Die wichtigsten Produzenten sind USA, Brasilien und Argentinien. Namentlich der stark ausgebaute Anbau in Südamerika ist hierzulande am Pranger wegen breitflächiger Abholzung von Regenwald zugunsten von Sojafläche. Zudem stösst der durch die vertikale Integration des Sojabusiness und das dominante Auftreten weniger Saatgutkonzerne verursachte brutale Strukturwandel in den lokalen Landwirtschaften auf Kritik.
Marti wiegelte auf engagierte Art ab. Schön zu sehen, dass er sich auch nach gefühlten mindestens 20 Jahren in der Branche immer noch aufregen kann, wie ein Jungspund. Seine Argumente: 1. Der Anteil importierten Kraftfutters an der gesamten Viehfütterung ist mit rund 16 Prozent immer noch gering. 2. Die Schweizer Müller sind gezwungen, auf ausländisches Kraftfutter zu setzen, weil einerseits der inländische Futtergetreideanbau aufgrund der Bevorzugung des Gründlands im Direktzahlungssystem stark zurückgegangen ist. Andererseits hat man mit dem Verbot von Tiermehl im Gefolge der BSE-Krisen gut 50 000 Tonnen Rohprotein verloren. 3. Das Verbot von GVO-Soja in der Schweiz ist falsch, weil die GVO-freie Ware um pro 100 Kilo um 10 Franken teurer zu stehen kommt. 4. Der von Mutterkuh Schweiz beschlossene und von Bio Suisse angestrebte Verzicht auf Soja in der Fütterung ist “Schwachsinn” und lediglich vom Marketingbemühungen der Grossverteiler getrieben. 
Bei allem Verständnis für Martis Branchentreue gilt es hier ein paar Gegenargumente ins Spiel zu bringen: Der VSF-Direktor ist natürlich vor allem ein begnadeter Lobbyist für die Sache der Futtermüller, die aus Rentabilitätsgründen unbestrittenermassen Interesse an einem möglichst hohen Futtermittelimport und ebenso hohen Anteilen an Kraftfutter in den Fütterungsrationen haben. Jedes zusätzliche Kilo Rauhfutter ist für die Müller ein Verlust. Marti und seine Mitglieder, die keine Gelegenheit auslassen, um an landwirtschaftlichen und Landwirtschafts-nahen Events als Sponsoren aufzutreten, sind hauptbeteiligt an der ökologisch und ökonomisch fragwürdigen Netto-Zunahme des Kraftfutterinputs, die mit BSE-bedingten Rückgängen beim Rohprotein herzlich wenig zu tun hat. Wenn Marti nun jeden Versuch, diese Abhängigkeit von vorwiegend importiertem Futtergetreide zu senken, als schwachsinnig abtun will, so ist das reichlich durchsichtig. 
Dasselbe gilt für die Attacke auf die Landwirtschaftspolitik. Deren Ökologisierungstendenz läuft den Müllern natürlich zuwider, was allerdings eher beweist, dass sie in die richtige Richtung geht. Ihr Ziel sollte ja primär sein, dass Wohlergehen der Bauern zu fördern und nicht, dass Wasser auf die Mühlen der Futtermüller zu lenken. Nicht dass ich diesen ihr wirtschaftliches Existenzrecht abstreiten wollte. Aber sie sollten sich statt zu lamentieren Gedanken machen, wie sie sich den neuen Verhältnissen am geschicktesten anpassen. Dazu gehört nun einmal auch das soeben verlängerte GVO-Moratorium. Klar ist es einfacher, auf dem Weltmarkt Dutzendware aufzukaufen und diese dann gebührend zu veredeln. Aber, um wieder einmal Gorbatschows altes polyvalentes Diktum anzuwenden: Wer zu spät kommt, den bestraft die Geschichte. Das ist vielen Müllern schon passiert. Die cleveren aber positionieren sich in den geräumigen Nischen und versuchen, dem Markt das zu liefern, was er unter geänderten Vorzeichen braucht. Das kostet zwar mehr, dafür sind die Futterpreise hierzulande auch entsprechend höher.
Sojaschrot unterwegs im Basler Rheinhafen        

Iowa-Zollikofen: Die Dürre und wir

August 14, 2012

Ein Farmer aus Illinois besichtigt die Schäden in seinem Maisfeld

Der amerikanische Corn-Belt wird derzeit von einer Dürre mit geradezu biblischen Ausmassen heimgesucht. Die Ernteausfälle im weltweit grösssten Mais- und Sojaanbaugebiet hatte bereits kräftige Auswirkungen auf die Weltmarktpreise der wichtigsten Futtergetreide. Wenn nicht alles täuscht, ist die Wasserkrise im amerikanischen Heartland erst ein Vorgeschmack auf die Auswirkungen des weltweiten Klimawandels. Die besten Anbaubedingungen wandern nach Norden, ohne dass dort genügend Fläche und Infrastruktur vorhanden wären, um die steigende Nachfrage für die Futterversorgung zu decken. Akzentuiert werden die Probleme durch die Konkurrenznachfrage für Ethanolproduktion – schon heute produzieren die USA mehr Mais für Biodiesel als für Futter – und durch das Mittmischeln von allerlei branchenfremden Spekulanten auf den landwirtschaftlichen Rohstoffmärkten.
Betroffen von dieser Entwicklung sind nicht nur die deutschen, sondern auch die Schweizer Bauern, namentlich die Milchproduzenten. Kurz- bis mittelfristig sind Preisaufschläge unumgänglich, die Müller werden nicht zögern, die höheren Einkaufspreise an die Bauern weiterzureichen. Damit wird die Marge der Bauern mit hohem Kraftfutteranteil weiter schrumpfen, auch weil die Verwerter dank Überproduktion, wie sie grad dieser Tage wieder unter Beweis gestellt haben, munter an der Preisschraube drehen können.
An sich sollte jetzt die Stunde derjenigen schlagen, die gerne das Wort für eine hohe Inlandproduktion führen, zum Beispiel SBV-Präsidiumskandidat Res Aebi jüngst im “Blick” oder die versammelte SVP-Spitze an der kürzlich abgehaltenen Landgemeinde. Was läge jetzt näher, als die Milchbauern daran zu erinnern, dass die Schweiz ein Grasland ist? Dass dieser einheimische Rohstoff als einer der wenigen im Lande praktisch unbegrenzt vorhanden ist? Dass er die Abhängigkeit von den labilen Weltmärkten vermindern und die Kreisläufe schliessen hilft? Gleichzeitig würde man – ich habs hier schon öfter geschrieben – das Überproduktionsproblem und damit den Preisschwund bremsen und die Marge erhöhen.
Man wird aber vergeben warten auf solche Aufrufe. Zu sehr ist man auf die Hochleistungs-Milchkuh fixiert. Wer einen tiefer gelegten hochmotorisierten Schlitten fährt, wird auch nicht freiwillig auf einen Kleinwagen umsteigen, denn hier geht es um Emotionen und Statusdenken. Zudem ist die Futtermittelindustrie mit ihrem in Zollikofen angesiedelten Verband VSF fast so gut organisiert wie die Bauern und stark mit diesen verbandelt.
Freude machte mir da als kleine Ausnahme kürzlich die ebenfalls in Zollikofen angesiedelte IP Suisse, die im übrigens sehr interessanten NZZ-Folio über Soja(-produktion) – hier kann man alles nachlesen – ein Inserat für Wiesenmilch schaltete (siehe Bild unten). Die kriselnde Innovation konnte sich bis jetzt nicht durchsetzen, zu dicht ist der Labeldschungel und zu unterentwickelt das Bewusstsein der Konsumenten in Sachen Futtermittelhandel. Das wird sich ändern, ich bin überzeugt, dass diejenigen, die heute auf Wiesenmilch und entsprechende Genetik setzen längerfristig besser dastehen werden als ihre Kollegen, die sich mit namenloser Massenmilch im Wettbewerb mit Produzenten weltweit befinden, denen sie schon strukturell nie das Wasser werden reichen können. (Bild oben Bloomberg)
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