Posts Tagged ‘Viehschau’

Jakobs Emmentaler Starparade

März 8, 2014

Viehschau Langnau kleinAn einer Weiterbildungsveranstaltung der Agrarjournalisten habe ich am Freitag Jakob Hofstetter kennengelernt. Er ist Redaktor bei der Wochen-Zeitung, aber nicht bei der zürcherischen, sondern bei der für das Emmental und das Entlebuch. Im Fototeil des Kurses präsentierte Jakob diese Bilder von der letztjährigen “Emmentaler Starparade” in Langnau, die am kommenden 16. März wieder auf dem Programm steht. Die Serie hat mir so gut gefallen, dass ich ihm sie grad abgeläschelet (auf deutsch könnte man vielleicht abgebettelt sagen) habe. Herzlichen Dank, Jakob!

Ja, Viehschauen heissen heute auch im Emmental häufig nicht mehr so. Und auch ein paar andere Sachen sind ganz anders als früher. Zum Beispiel, dass der Bauer während er der Kuh den letzten Schliff gibt, noch kurz das Handy checkt, dass geschätzte neun von zehn Tieren hornlos sind und dass es auch reichlich schwargeflecktes Vieh zu sehen gibt, das wäre noch vor 20 Jahren undenkbar gewesen.

Viehschau Fleckvieh kleinerEin paar Dinge haben sich aber nicht geändert. Die Kühe werden Tage zum Voraus geputzt und geschoren, was das Zeug hält.

Viehschau Langnau Notizen kleinWeiterhin ist das Publikum grossmehrheitlich männlich.

Viehschau Langnau Richter kleinDas gilt erst recht für die Richter.

Viehschau Langnau Beine kleinFrauen treten in offiziellen Funktionen vor allem als Ehrendamen auf…

Viehschau Siegerküsschen klein…und küssen pflichtbewusst die Besitzer der Siegerinnen.

Viehschau Langnau Hörner kleinHie und da findet sich übrigens auch in der heutigen Zeit noch ein behorntes Tier, sieht doch einfach besser aus, oder? (Bilder Jakob Hofstetter, Wochen-Zeitung für das Emmental und Entlebuch)

Der zweite Blick auf die Schau

Oktober 4, 2013

Hunde WCEs ist wieder soweit: Die Kärcher werden eingeheizt, die Kühe frisiert, die Trachten aus den Schränken geholt: Viehschauzeit. Monika Schlatter war an der grössten in Nesslau und hat mir ein paar schöne Bilder geschickt. Sie zeigen erstens, wie man sich täuschen kann: Nesslau liegt im Kanton St. Gallen, im schönen Toggenburg, und nicht etwa im Appenzell, wie das Deko vermuten lassen könnte.

Trachtenfrau am TelefonZweitens zeigen sie auf den zweiten Blick, dass auch hier in einer der entlegeneren Gegenden des Landes die Zeiten geändert haben. Die Agglo drückt in Form von Leinen-Hundenhaltung in die Täler und die Trachtenfrau telefoniert so lässig mobil, wie das in Downtown Switzerland niemand schöner könnte.

Swiss ClassicAuch dieser Helgen ist ein Beispiel für den Trend: Der Mann ist an einer Old-School-Viehschau, wirbt aber auf seiner Jacke für eine der modernen Cowshows, die heute eben zum Beispiel Swiss Classic heissen (wer sich ein Bild machen will: die nächste findet am 30. November in Brugg statt).

Appenzeller Meitschi

Hier eine junge Frau, die nicht Tracht, sondern das klassische Expertentenu trägt: den leichten Stoffmantel der Viehhändler, Kuhtreiber und Jurymitglieder. Ich will mich nicht zu weit auf die Äste rauslassen, aber sie wird von der althergebrachten Rollenverteilung kaum sehr viel halten.

AlpenbartWährend sich dieser schöne Alpenbartträger vermutlich fragt, wo das noch alles hinführen soll…

Bub vor Kühen… wird er es wohl eines Tages rausfinden. (Bilder Monika Schlatter)

AgReminiszeNZZen aus 13 Jahren (1): Viehschau

Juni 14, 2013

Viehschau MettmenstettenHeute ist mein letzter Tag als NZZ-Journalist. Zeit für einen kleinen Rückblick: 13 Jahre in 13 Tagen. Eine ziemlich zufällige aber wohl doch recht repräsentative Auswahl. Zum Auftakt mein Bericht von der Viehschau in Mettmenstetten anno 2001.

Kleine Reminiszenz an die Jekami-Zucht

Januar 18, 2013

20130118-134953.jpg

Dieser Tage ist mir ein schönes Kuhbild in den virtuellen Briefkasten geflattert, also eigentlich ein Bild von einem Kuhbild (merci Lukas!). Die Jubiläumsplakette zum 110-jährigen des Viehzuchtvereins Herrliberg verkörpert für mich eine schwer vom Aussterben bedrohte Kultur: Die Jeder-kann-mitmachen (Jekami)-Viehzucht.
Ich habe schöne Bilder im Kopf von den Viehschauen im Emmental. Nach nächtelangem Kuhputzen und -rasieren folgte am Morgen der von wildem Glockengeläut angefeuerte Sternmasch aller übermütigen Gemeinde-Kühe auf den Parkplatz vor dem “Rössli”. Meist musste man trotz improvisierten Zäunen noch 1, 2 ausgebüchsten Chuelis im Wald nachjagen. Dann folgte die endlose Jurierung von Experten in weissen Mänteln, ein schweres Mittagessen und gegen die Melkzeit band man die unterdessen lautstark muhenden Kühe wieder los. Diese hetzten dann stampedipede dem Stall zu, während wir mit leichter Schlagseite versuchten, die Pace mitzuhalten.
Nicht, dass es die klassischen Viehschauen nicht mehr gäbe, aber deren Zahl und diejenige der aufgeführten Kühe hat stark abgenommen. Die Viezucht wird zunehmend zu einem Geschäft für Spezialisten, die an amerikanisch inspirierten glamourösen Galashows ihre vierbeinigen Juwelen vorführen. Der Durchschnittsmilchbauer konzentriert sich derweil auf Gebrauchskreuzungen und es fehlt ihm oft die Zeit, ganze Tage auf dem Viehschauplatz zu verbringen.
Das kann man bedauern, aber letztlich ist diese Entwicklung symptomatisch für die generelle in der Landwirtschaft und deren ökonomische Zwänge. Was bleibt ist die Viehschau als Folkloreveranstaltung für Städter und es sind die Plaketten, wie diejenige aus Herrliberg. Wenn ich Euch wäre, liebe Antiquitätenhändler, würde ich langsam anfangen, diese zu horten. (Bild Lukas Egli)


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