Glaubenskrieg der Gutmenschen um Biodiesel

swissaid-agro

Gestern sind mir in Bern diese Plakate aufgefallen. Swissaid wirbt mit diesem drastischen Bild gegen Biodiesel. Der Spruch über dem Sarg lautet: „Der Preis für eine Tankfüllung Agrotreibstoff“. Im zugehörigen Prospekt der  im Tram aufliegt, erklärt Swissaid, dass es für eine Tankfüllung mit 95 Litern Agrotreibstoff 200 Kilo Mais brauche. Nichts verdeutliche besser als diese Zahl, wie absurd es sei, Lebensmittel in Ethanol umzuwandeln. Der zunehmende Anbau von Pflanzen zur Herstellung von Biodiesel habe in dieversen Ländern wie Mexiko, Ägypten und Haiti zu massiven Lebensmittel-Preisaufschlägen und Hungeraufständen geführt. Heute flatterte mir dann eine Einladung zum Kongress World Biofuels Market in die Mailbox, der hochkarätig besetzt vom 16. bis 18. März in Brüssel stattfinden wird. Als Keynote-Speaker kündigt man den Ex-Musiker und Hungerbekämpfer Bob Geldof wie folgt an:

geldof2

Neben seinem Konterfei heisst es, dass Mr. Geldof erzählen werde, wie Biodiesel Afrika helfen könnte Energie-Unabhängigkeit zu erlangen und die Armut hinter sich zu lassen. Dieser Glaubenskrieg unter Gutmenschen lässt mich etwas ratlos zurück. Ich tendiere aber angesichts der omnipräsenten Nahrungsmittelknappheit in vielen Ländern eher zur Position von Swissaid. Möglicherweise ist hier der Businessman mit dem Hungeraktivisten Geldof durchgegangen.

6 Antworten to “Glaubenskrieg der Gutmenschen um Biodiesel”

  1. Reto Says:

    Hallo Adi!

    Komm mal nach Schweden, hier werden die Ethanol Autos mit 10 000 Kronen vom Staat belohnt. Kaufst du ein solches so gibt dir die Regierung 10 000 als Bonus. Interessant dass auch nie was von Verteuerung von Getreide oder so was diskutiert wird. Naja das Ethanol ist auch bald einmal gleich teuer wie Benzin und da das „Umwelt“ Auto etwa 1/3 mehr mit Ethanol im Tank verbraucht, wird natürlich Benzin getankt…

  2. adriankrebs Says:

    Sverige, ja takk;-) Gibts dort Biodiesel schon an jeder Tankstelle? Gruss übers Meer Adi

  3. Nico Says:

    Ich glaub das hängt auch stark davon ab, um was für Ethanol es sich handelt. Bin überhaupt kein Experte, aber generell wird z.b. die Ethanol-Produktion aus Mais in den USA stark kritisiert, nicht zuletzt weil grosse Subventionen den Markt verzerren, während die Produktion von Ethanol aus Zuckerrohr in Brasilien effizienter und unproblematischer ist. Das stand alles mal in einem hervorragenden Hintergrund-Artikel in der NZZ, und wenn das Online-Archiv geöffnet wäre, könnte ich den suchen und hier verlinken. Kann ich aber nicht.

  4. Reto Says:

    Natürlich gibt’s hier in Schweden Ethanol an jeder Tankstelle…wir sind ja sooo umweltfreundlich und ausserdem will jetzt eine schwedische Gesellschaft Zuckerrohr in Tanzania anbauen für die durstigen Saabs und Volvos…Das wird dann noch Entwicklungshilfe genannt. Also zwei Fliegen auf einen Schlag. Die Gesellschaft finanziert ein paar Schulen und kriegt dann billiges Ethanol. Toll, was!

  5. Christine Caron Says:

    Die Mägen der Armen sind nicht konkurrenzfähig gegenüber den Motoren der Reichen, sagt einmal ein Franzose, der die Agrarmärkte seit vielen Jahren beobachtet. Solange wir das Hungerproblem haben, ist es äussert fragwürdig, Lebensmittel und Flächen, auf denen Lebensmittel produziert werden könnten, der Bio-Ethanol oder -Dieselproduktion zu opfern. Anders sieht es bei der Verwertung organischer Abfälle aus. Aber auch hier stellt sich die Frage, ob diese nicht sinnvoller verwertet werden könnten. Die Menschen sollten sich meiner Meinung von der Vorstellung lösen, das Energieproblem über „organische“ oder „fossile“ Produktionheit in den Griff zu bekommen. Wind, Sonne, Licht, Meereskraft und und – gerade in Afrika sind eine Vielzahl alternativer Energiequellen vorhanden. Leider ist die Nutzungstechnologie im Moment noch absolut unterentwickelt.

  6. Tanja Trauboth Says:

    Der englische Ausdruck Biofuel heisst Brennstoff, schliesst also Holz, Pflanzen, die den Boden verbessern, Abfälle mit ein. Vergasungs- und Verbrennungsanlagen erzeugen Strom und Prozesswärme, etwa für eine Molkerei oder eine Fabrik, oder für ein dezentrales Stromnetz. Meint man die flüssigen Treibstoffe, nennt man sie auf Englisch eher beim Namen, also Biodiesel oder Ethanol. Das Auto der Zukunft wird vermutlich eh einen Elektroantrieb haben.

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