Iransichten (1): Das tägliche Brot

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Vor wenigen Tagen bin ich von einer zehntägigen, sehr eindrücklichen Iranreise zurückgekehrt. Landwirtschaftsexkursionen waren zwar nicht grad zuoberst auf dem Programm, aber trotzdem gibt es zwei, drei Sachen zu berichten, die den Agrarier interessieren dürften. Zunächst zum täglichen Brot. Im Iran ist es ebenso ein Politikum, wie in vielen anderen Ländern. Um keine Hungerrevolten iran-marz-09042zu riskieren, subventionieren auch die regierenden Mullahs den Brotpreis. Das nötige Getreide stammt nur zu einem kleinen Teil aus dem Iran, der grösste Teil ist Importware. Dem Vernehmen nach ist Russland einer der grössten Lieferanten, da die westliche Kornkammer die 70 Millionen Iraner auch unter Obama weiterhin lieber sanktioniert als mit ihnen Handel zu betreiben. Aber das ist ein anderes Thema.  Der Iraner isst hauptsächlich vier Sorten Brot. Es sind dies alles flache Brote, vom hauchdünnen Papierbrot bis zum dickeren Fladenbrot, das hierzulande für einen Teil des Kebab-Konsums eingesetzt wird. Ungefähr dazwischen ist bezüglich Dicke das Steinbrot angesiedelt, auf dessen Produktion ich mich hier iran-marz-090442konzentrieren will. Die kleine Backstube steht alleinstehend und unauffällig inmitten von Hochhäusern in einem Wohnquartier. Auf dem Bild oben sieht man den Bäcker links, der auf einer grossen eingefetteten Schaufel den Teig vorbereitet. Anschliessend bestreut er den Teig mit Sesamsamen und schiebt das Brot in den Ofen, wo es auf einem Kieselsteinhaufen gebacken wird. Die Kiesel sind erhitzt durch eine offene Gasflamme, die seitlich reinfeuert. Nach einigen Minuten holt sein Kollege (in der Mitte) das Brot aus dem Ofen und schmeisst dem wartenden Kunden das Brot auf einen Gitterrost. Dieser muss dann selber die am Brot klebenden Steine entfernen. Nach der Bezahlung verlässt Grosses Steinbrotman dann den Laden und auf dem zweiten Tisch vor dem Haus wird das Brot zuerst noch einmal auf Steine untersucht und dann nach dem Wunsch der Kundin in Stücke zerlegt oder einfach zusammegefaltet. Ein grosses Brot (siehe Bild links) kostet etwa 80 Rappen, ein mittleres 40 und ein kleines 20). Dies gilt es ins Verhältnis zu setzen zum Durchschnittslohn, der für Staatsangestellte um die 1000 Franken monatlich beträgt. Das Steinbrot schmeckt übrigens ausgezeichnet. Zum Beispiel zum Frühstück mit Schafkäse und Sauerkirschenkonfitüre oder zum Tünklen in einer der feinen Suppen, oder zum Kebab oder zum Abgust, einem traditionellen Eintopf mit Lammfleisch und Kartoffeln.

Eine Antwort to “Iransichten (1): Das tägliche Brot”

  1. pishi Says:

    schön geschrieben😉

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