Milchmarkt: Harte Bandagen – alte Methoden

milchkanne-leer

Das Bild täuscht, auf dem Milchmarkt ist die Lage derzeit nicht sonderlich idyllisch. Wer braucht noch die Finanzkrise, wenn er schon diese Laktastrophe hat, fragte sich kürzlich ein nicht genannt sein wollender Sarkast. Es sind vor allem zwei Probleme, die beschäftigen: Die immer noch relativ ungeklärte Organisation des Marktes nach der Aufhebung der Kontingente per 1. Mai und die derzeitige offenbar ziemlich drastische Überproduktion. Möglicherweise – ist es Ironie des Schicksals? – hilft auch die Lösung des einen Problems diejenige des anderen voranzutreiben. In einem ungewöhnlichen Akt des Zusammenraufens haben gestern die Milchproduzenten (SMP), der ihnen nicht sehr eng verbundene Verein Schweizer Milch (VSM), der Verband der Milchindustrie (VMI) und der Bauernverband (SBV) mitgeteilt, dass sie mit subventionierten Vollmilchpulverexporten den Markt entlasten wollen. Möglicherweise kann diese seltene Harmonie auch bei der Organisation der Nach-Kontingentsära hilfreich sein. Die beschlossenen Massnahmen haben bereits Kritiker auf den Plan gerufen. Fromarte, der Verband der Käser, wirft den Marktentlastern vor, mit den alten Rezepten aus der Planwirtschaftszeit lösten sie eine Krise aus. On verra, vielleicht will Fromarte auch nur von den eigenen Problemen ablenken, das lahmende Paradepferd Emmentaler steckt seinerseits schwer in der Krise, wie der soeben beschlossene Preisabschlag zeigt.

3 Antworten to “Milchmarkt: Harte Bandagen – alte Methoden”

  1. roland wyss Says:

    kleine korrektur: Die Vollmilchexporte werden meines Wissens nicht subventioniert, für die Milch erhalten die Bauern deshalb Weltmarkpreise, dh. runter bis zu 20 Rp/kg. Fromarte hat denn auch nicht diese Massnahme kritisiert, sondern die teuren Massnahmen, die vorher ergriffen worden waren und von denen Fromarte nichts hat. Anyway… Die Milchbauern trifft es wieder mal hart, aber es scheint, als ob es wirklich keinen Weg an dieser Marktabräumung vorbei gibt.

  2. adriankrebs Says:

    Danke für den Hinweis, Roland. Das heisst also, dass die Bauern diese Massnahme via einen Preis unter den Produktionskosten vollumfänglich finanzieren müssen? Oder trägt auch der Rest der Branche etwas bei?

  3. roland wyss Says:

    ja, die Bauern tragen das jetzt. Albert Rösti hat in der Tagesschau vom Samstag dazu gesagt, das sei nun ein starkes Signal, damit weniger Milch produziert werde… konkret sind es 23 Rappen / kg.

    http://www.sf.tv/sendungen/tagesschau/index.php?docid=20090404

    javascript:showBigPlayer(‚vplayer49d994528ae6e‘,’popup‘,’b946b569-8533-4100-80dd-1a2186a9e807′,“);

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