4 ha unter Glas – ist das noch Landwirtschaft?

Gurken unter GlasDie Dälliker Gebrüder Meier haben kürzlich in Hinwil eines der grössten Treibhäuser hierzulande in Betrieb genommen. Sie produzieren dort auf 4 Hektaren Gemüse, zur Zeit vor allem Gurken, später sollen auch Salate und anderes Grünzeug dazukommen. Das spezielle daran: die Anlage steht unmittelbar neben der Kezo, der Zürcher Oberländer Kehrichtverbrennungsanlage, deren Abwärme die Meiers zum Heizen der Treibhäuser einsetzen. Trotz diesem löblichen Engagement zugunsten einer CO2-neutralen Gurke drängt sich mir die Frage auf, ob das überhaupt noch Landwirtschaft ist. Gurken unter Glas2Dagegen spricht, dass die Anlage aussieht wie ein flacher transparenter Gewerbebau; vom Boden sieht man nichts mehr. Dafür spricht, dass das Gebäude in der Landwirtschaftszone steht und die Gurken nicht Hors-Sol, sondern im richtigen Boden wachsen. Zudem, und das unterscheidet die Anlage ganz gewaltig von fast allen anderen Gewerbe- und Wohnbauten im zersiedelten Mittelland, mussten die Meiers den potenziellen Rückbau der Anlage vorfinanzieren, indem sie eine gute halbe Million Franken auf ein Sperrkonto eingezahlt haben. Sollten die fünf Verpächter also nach Ablauf der Verträge wieder richtig bauern wollen, dann wäre der Abriss bezahlt. Ob es dannzumal – in 25 Jahren – in der Schweiz noch aktive Bewirtschafter geben wird, das steht in den Sternen (ich würde dafür wetten). Vorläufig nutzen sie auch in bedrängten Verhältnissen noch jeden Quadratmeter, wie das untenstehende Industrie-Kuhbild mit Kehrichtverbrennung beweist. (Bilder oben David Eppenberger)

Kuh vor Kezo 

Eine Antwort to “4 ha unter Glas – ist das noch Landwirtschaft?”

  1. David Eppenberger Says:

    Du fragst Dich, ob es sich beim Gurkenhaus von Hinwil noch um Landwirtschaft handelt? Ansichtssache würde ich sagen. Denn rein sachlich betrachtet, haben moderne Gewächshäuser sehr viele Vorteile. Sowohl wirtschaftlich und – vielleicht überraschend für viele – vor allem auch ökologisch. Ein Gewächshaus ist ein mehr oder weniger geschlossenes System und deshalb weniger anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Noch besser kontrollieren lässt sich das Ganze, wenn in Substrat-Kulturen (Hors-sol) angebaut wird. Ein grosser Schweizer Tomatenproduzent hat mir bestätigt, dass er seinen Pflanzenschutzmittel-Verbrauch nach der Umstellung auf Hors-sol deutlich senken konnte. Das hat vor allem mit der besser kontrollierbaren Feuchtigkeit und der daraus folgenden tieferen Anfälligkeit für Pilzkrankheiten zu tun. Ich weiss, dass solche Ansichten in der Schweizer Landwirtschaftspolitik und bei Bauern auf wenig Gegenliebe stossen. Doch eine Überlegung wäre es durchaus wert: Moderne, grosse Gewächshäuser in Stadtnähe, die sich ganzjährig mit eigener Energie versorgen und frische Produkte quasi beim Konsumenten herstellen. Das wäre doch eine Vision. Dass das geht, habe ich mit eigenen Augen in Holland gesehen. Es würde so eine Art Freizeitpark-Effekt in der Landwirtschaft entstehen. Will heissen, mit solchen Intensiv-Landwirtschafts-Zonen würde mehr Raum für ökologische Flächen entstehen. In Hinblick auf die zu erwartende Bevölkerungsentwicklung wäre dieses Modell wohl nicht das dümmste. In anderen Ländern ist man wie gesagt schon weiter. Siehe auch hier: http://www.eppenberger-media.ch/in-thanet-earth-wachsen-kuenftig-tomaten-fuer-londons-supermaerkte/

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