Das inkonsequente Lamento der Economiesuisse

LebensmittelDas Phänomen ist altbekannt. Der Anteil der Lebensmittelausgaben am Haushaltbudget des Schweizers ist schwindend. Laut neuesten Angaben des Bundesamts für Statistik beträgt er noch rund 640 Franken oder 7 Prozent des Gesamtkonsums pro Haushalt und Monat. Der Tages-Anzeiger hat dieser Tage verdankenswerterweise die alten Zahlen aus den Archiven hervorgestöbert. 1945 betrug derselbe Anteil 35 Prozent, 1972 lag er bei 18 Prozentpunkten. Grund für die Abnahme sind nicht in erster Linie sinkende Lebensmittelpreise, sondern höhere Haushalteinkommen, also höhere Löhne. Die 7 Prozent sind ein weltweiter Tiefstwert. Zum Vergleich: In Deutschland mit seinen Hard-Discountern zahlt man rund 14 Prozent des Einkommens für Lebensmittel. Diese Nachricht sollte,  so meine ich, das Gejammer über überhöhte Lebensmittelpreise für eine Weile verstummen lassen. Aber weit gefehlt. Im Artikel des Zürcher Blattes nimmt Economiesuisse-Sprecher Fridolin Marty den Mund schon wieder voll: Das hohe Lohnniveau sei „noch lange keine Rechtfertigung für überhöhte Preise“. Er erwartet eine weitere Annäherung ans EU-Preisniveau, denn „schliesslich macht bei identischen Produkten eine Preisdifferenz keinen Sinn“. Diese Äusserungen finde ich ziemlich inkonsequent, denn folgerichtig müsste der Mann eigentlich tiefere Löhne in der Schweiz fordern. Mit welchem Argument soll denn der höhere Lohn eines Schweizer Maurers noch gerechtfertigt werden? Seine Mauer ist kaum gerader als die eines Deutschen, aber sicher 30 Prozent teurer. Deshalb stehen auch auf allen Baustellen im Kanton Zürich Liefer- und Lastwagen mit deutschen Nummern herum. Über den Handwerker-Tourismus habe ich die Economiesuisse anders als über den Einkaufs-Tourismus aber noch nie lamentieren gehört.  

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