Die unbegründete Freude der Käsevermarkter

EmmentalerEine „Erfreuliche Zunahme der Käseexporte“ meldet uns dieser Tage die Switzerland Cheese Marketing in ihrem Halbjahresreport. Dass es sich dabei um lediglich 1,4 Prozent handelt, erfährt man erst auf den zweiten Blick. Wenn man dann etwas tiefer in die Mitteilung steigt, wird das ganze noch ernüchternder. Die wichtigsten Exportsorten sind regelrecht eingebrochen. Der Emmentaler, nach wie vor das grösste, wenn auch angeschlagene Schlachtross im Käseexport, hat über 1200 Tonnen verloren, gegen 10 Prozent, ähnlich sieht es beim Gruyère aus. Zulegen konnte vor allem das Massenprodukt Frischkäse, aber auch der billige No-Name-Grosslochkäse „Switzerland Swiss“. Wenn man also eine Exportbilanz in verdienten Franken und nicht alleine für die Tonnagen machen würde, wäre mit Sicherheit ein deutlicher Einbruch zu verzeichnen. Das tut man aber wohlweislicherweise nicht, zumindest nicht öffentlich. Nur etwas verschämt wird am Schluss mitgeteilt, dass die Importe im gleichen Zeitraum um fast 7 Prozent zugenommen haben. Die Nettobilanz ist also negativ und die Swissness auf dem Schweizer Käseplättli am schrumpfen. Wer den freien Käse-Austausch mit der EU als erfolgreiches Beispiel für den Freihandel vermarkten möchte, der muss argumentativ aufs Hochseil. Im Ausland wartet offensichtlich kaum jemand auf Schweizer Käse. Es gibt kein Bild, das dies trefflicher illustrieren würde als ein Stück teurer, schlecht präsentierter, von der Vakuumverpackung gezeichneter und bleischwer im Regal liegender Emmentaler in einer italienischen Käsetheke. (Bild: Switzerland Cheese Marketing)

3 Antworten to “Die unbegründete Freude der Käsevermarkter”

  1. mds Says:

    Es gibt kein Bild, das dies trefflicher illustrieren würde als ein Stück teurer, schlecht präsentierter, von der Vakuumverpackung gezeichneter und bleischwer im Regal liegender Emmentaler in einer italienischen Käsetheke. (Bild: Switzerland Cheese Marketing)

    Wo gibt es diesees Bild zu sehen?

  2. adriankrebs Says:

    LiebeR mds, dieses Bild gibt es in fast jeder italienischen Käsetheke zu sehen, leider habe ich es nie fotografiert, wenn ich das nächste Mal in Italien weile, werde ich das nachholen.

  3. mds Says:

    Ich sollte wieder einmal nach Italien reisen – ich kann’s mir aber in etwa vorstellen, in anderen Ländern habe ich ähnliches gesehen … und dachte jeweils, der Käse stamme wohl nicht aus der Schweiz, sondern werde nur als Schweizer Käse bezeichnet.

    P.S.: «Lieber» ist korrekt, «m» steht für Martin.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: