Einkommen plus 6% – alles nur halb so schlimm?

SWITZERLAND/Mit viel Getöse haben sich am Samstag 10 000 Bauern zum Aufstand in Sempach versammelt. Dort beklagte man den fortschreitenden Niedergang der Schweizer Landwirtschaft und malte schwärzer als schwarz bezüglich der Zukunft des Bauernstands. Nur zwei Tage später präsentiert der Bund die neuesten Einkommenszahlen der eidgenössischen Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon. Im Jahr 2008 hat das Einkommen pro landwirtschaftliche Familienarbeitskraft um 5,7 Prozent zugenommen, ein Wert von dem der durchschnittliche Büetzer nur träumen kann. Stattlich fiel mit 4,9 Prozent auch die Einkommenssteigerung pro Betrieb aus. Alles halb so schlimm, also? Unbestritten ist, dass es die Bauern beim Beklagen der eigenen Existenzprobleme zur Meisterschaft gebracht haben. Dabei hilft die überdimensionierte Vertretung im Parlament (der Anteil der Bauern an der Bevölkerung ist bei 3 Prozent, im National- und Ständerat sitzen aber über 10 Prozent landwirtschaftliche Abgeordnete). Es hilft aber auch die Bereitschaft der Medien, auf bäuerliche Proteste mit grossflächiger Berichterstattung zu reagieren, das hat sich gerade im Nachgang zu „Sempach“ wieder schön gezeigt. Die guten Zahlen müssen aber der Gerechtigkeit halber in zwei, drei Punkten auch relativiert werden. Die Preise für Milch und Schweine, die massgeblich zum positiven Ergebnis beigetragen haben, sind heuer stark rückläufig, im Falle der Milch sogar eingebrochen. Zudem sind die Einkommen im Vergleich mit denjenigen der durchschnittlichen Angestellten immer noch tiefer, wie der Bauernverband heute betont. Allerdings hat der durchschnittliche Angestellte meistens kein Land, keine schöne Aussicht, weniger Freiheit im Tagesprogramm und kaum Selbstversorgungs-Möglichkeiten. (Bild Reuters / Christian Hartmann)

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