Milchkrise(2): Die Bedeutung des Mengen-Traumas

Milchwerbung aus alten TagenBesuch bei einem Milchproduzenten in der Nähe von Bern. Er melkt gegen 300 000 Kilo Konsummilch jährlich. Seine Anlage stammt aus dem Jahr 1982, Stall und Melkstand sind amortisiert, Erneuerungen aber vorläufig nicht nötig, es läuft noch alles bestens, vielleicht auch weil noch kaum Elektronik im Spiel ist, mit Ausnahme des Radios, der bei der Arbeit den musikalischen Background liefert. Den gegenwärtigen Preissturz findet er natürlich nicht lustig, viel mehr Sorge macht ihm aber die Mengenfrage. Er geht davon aus, dass der Importdruck bei Frischmilch – dort ist die Einfuhr bisher verboten – künftig ebenfalls zunehmen wird. Wenn einmal diese Schranke gefallen ist, so befürchtet er, dann werde es erst richtig hart. Deshalb, so sagt der Bauer, müsse man alles daran setzen, die einheimische Menge zu halten, auch wenn der Preis darunter leidet. Dass heute alle auf Biegen und Brechen melken führt er im Übrigen auf das alte Kontingentierungs-Trauma zurück. Es stammt etwa aus der gleichen Zeit wie die schöne Milchwerbung auf dem Bild. Mitte der siebziger Jahre predigte man den Bauern, sie sollten wenig melken, um eine Kontingetierung zu verhindern. Diejenigen, welche sich daran hielten, waren nachher die Beschissenen. Die in den Milchjahren 74/75 und 75/76 gemolkenen Mengen wurden dann bei der Einführung des Kontingents im Jahr 1977 als Basis herangezogen. Auch deshalb will heute keiner auf die Bremse, selbst wenn er einsieht, dass zuviel Milch auf dem Markt ist.   

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