Der Mehrmengenmelker ist der neue Sündenbock

KuhnstIn der Landwirtschaftsszene gibt es einen neuen Sündenbock. Nach dem Bahnhofbauer, dem Spaltenbodenmäster und dem Käfighühnerquäler kommt nun der Mehrmengenmelker. Damit wären wir wieder einmal mitten im beliebten Thema Milchmarkt, das hier in letzter Zeit etwas zu kurz kam. Unterdessen ist einiges geschehen, die Branchenorganisation Milch hat sich auf ein Mengensteuerungsmodell geeinigt, das in der Branche mehrheitlich auf Zustimmung zu stossen scheint. Das 3-Stufen-Modell sieht vor, dass jeder Produzent als Grundstock eine garantierte Menge Vertragsmilch mit festem Preis für ein Jahr erhält.  Dann kommt als Manipuliermasse die Börsenmilch. Das sind die ehemaligen Mehrmengen, die nun zentral verwaltet werden. Der Preis richtet sich nach dem Angebot. Wenn zuviel auf dem Markt ist, soll primär dort der Preis gedrückt werden. Schliesslich gibt es die sogenannte Abräumungsmilch, was für eine Wortkreation. In hoffnungslos übermolkener Marktsituationen will die Branche die überzählige Menge zu Spottpreisen gemeinsam abräumt. Zurück zum Mehrmengenmelker. Er kommt in den Leserbriefspalten auffällig oft an die Kasse dieser Tage. Darunter versteht man Bauern, die in den letzten Jahren mit dem alten Kontingentierungs-Regime mit Gutheissung des Bundes und auf Anfrage der Verarbeiter zu günstigeren Tarifen zusätzliche Mengen abliefern konnten. Heute, so ist man vielerorts der Meinung, sind es genau diese Mehrmengen, die den Markt strukturell belasten und die Preise zum Einsturz bringen. Wahrscheinlich tragen aber Bund, Händler und Verarbeiter aber genauso viel zum Malaise beigetragen, wie die Mehrmengenmelker. HillsideAber das ist ja das praktische das praktische am Sündenbock. Bin schon gespannt, wann die Abräumungsmilchmelker an der Reihe sind… Noch ein Wort zur Illustration. Sie ist symbolisch gemeint. Die BOM hat auf der Suche nach dem Notausgang einen Feuerlöscher gefunden, oder so ähnlich. Die schönen Kuhbilder stammen von Ute Lünsmann. Einige davon kann man noch bis am kommenden Freitag im Projektbogen des Wipkingerviadukts in Zürich begutachten (jeweils ab 18 Uhr).

Eine Antwort to “Der Mehrmengenmelker ist der neue Sündenbock”

  1. ueli ineichen Says:

    wie gut, dass niemand weiss, dass ich rapunzel heiss…
    so müsste sich doch der von ihnen, herr krebs, in der heutigen ausgabe der nzz als ‚prügelknabe‘ bezifferte direktor des blw vorkommen. sie schreiben auch, dass promis aus der (landwirtschafts-) szene, von hüben und von drüben, für einmal mit dem patron der schweizer landwirtschaft sehr zufrieden seien. eine hochwillkommene gelegenheit für herrn bötsch, etwas aus der schusslinie treten zu können.
    an dieser stelle jeodch soll das scheinwerferlicht dorthin geschwenkt werden, wo der von prügelknaben angerichtete schaden am grössten ist. das ganze gezerre während der letzten 3 jahren um ausstieg aus der milchkontingentierung, mehrmengen, vertragsmengen, und was der stichwörter mehr sind, hätte prügelknabe bötsch im jahr 2004, oder so, mit einem einfachen ’nein‘ verhindern können. will heissen: keine aufweichung der kontingentierung; mit den gleichen stringenten bedingungen der letzten 30 jahre bis zum ‚ultimo‘ vom 30.9.09 weitergeführt wäre das ergebnis wohl kaum anders ausgefallen, als es jetzt, nach 3 jahren streit, missgunst, zuviel milch, schuldigen und beschuldigten vorliegt. ich wage lebhaft zu bezweifeln, ob der neudeutsche helvetismus „swissness“ so verfängt, wie von mittlerweile höchster stelle erhofft. wenn er es nämlich nicht tut, und dafür danke ich dem direktor des blw im voraus, haben die noch immer ratlosen, für gute tips aller art aus bundesbern empfänglichsten schweizer bauern wenigstens nach der periode ‚mehrmengenmelker‘ ein neues ziel für den vorwurf ‚prügelknabe‘.
    ueli ineichen, boswil

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