Mehr Importfleisch? Bieridee aus dem Weissbuch

Aus Weissbüchern haben wir noch selten viel nachhaltig Sinnvolles entnehmen können. Meisten enthalten sie viel warme Luft und ihre Halbwertszeit ist oft kürzer als diejenige einer 1.-August-Rakete. Nun wäre es unfair, man würde den Autoren des jüngsten Weissbuchs von „Vision Landwirtschaft“ dasselbe unterstellen. Ihre Gedanken sind zum Teil durchaus nachvollziehbar und über das Direktzahlungssystem kann man getrost geteilter Meinung sein. Das Schicksal solcher Traktätchen ist aber auch, dass sie aufgrund von ein, zwei provokativen Thesen zerzaust werden. Dies passiert nun auch dem Weissbuch Landwirtschaft. Die Autoren fordern unter anderem, man möge vermehrt Fleisch importieren, dies sei ökologischer als die Einfuhr von Futtermitteln, die die Schweizer Futtermüller im grossen Stil betreiben. Das tönt ja nett, ist aber nur Symptombekämpfung. Denn ob die Rinder in Brasilien, Colorado (das Bild stammt von einem Schlachthof daselbst) oder im Emmental mit unökologisch produzierter Soja gemästet werden, spielt keine grosse Rolle. In jedem Fall gehen der menschlichen Ernährung wertvolle pflanzliche Eiweisse und dem Regenwald Quadratkilometer verloren. Vielmehr müsste die Agrarpolitik dafür sorgen, dass Fleischproduktion in der Schweiz nur dann attraktiv ist, wenn zum grössten Teil mit einheimischem Rauhfutter (die Schweiz ist ein Grasland), allenfalls ergänzt durch einheimisches Mais und Futtergetreide, gearbeitet wird. Da müsste man bei den Futtermittelimporten ansetzen, zum Beispiel mit einer Sonderabgabe auf jedes Kilo importierter Soja. Dieses Geschäft ist aber für die Grossfirmen wie die Fenaco derart lukrativ, dass sich daran kein Politiker die Finger verbrennen will.  (Bild AP/Richard M. Hackett)

2 Antworten to “Mehr Importfleisch? Bieridee aus dem Weissbuch”

  1. RB Says:

    Grüne und linke Politiker setzen sich sehr wohl seit langem für die Beschränkung der Futtermittelimporte ein. Ich habe selber zahlreiche Vorstösse und Anträge in diese Richtung gemacht und wir haben seinerzeit zwei Volksinitiativen (Kleinbauerninitiative I und II) lanciert, die unter anderem die unsinnigen Futtermittelimporte unterbunden hätten. Leider hat sich auch die NZZ dagegen gewehrt…
    Auf unserem Hof in der Schweiz, der inzwischen von meinem Sohn geführt wird, wurde während Generationen noch nie auch nur ein Kilogramm Kraftfutter, weder eigenes noch zugekauftes, an unser Rindvieh verfüttert! Das sollte im kühlen Grasland Schweiz eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein!

  2. adriankrebs Says:

    Vorbildlich, danke für die Ergänzung und Gruss ins warme Frankreich!

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