Der BOMerang schafft 55% Milchpreis-Differenz

Es ist wieder einmal Zeit für einen Evergreen: Was macht eigentlich unser altes Sorgenkind, der Milchmarkt? Nun, die Branchenorganisation Milch (BOM) scheint genauso wenig zu funktionieren, wie man das erwartet hatte und die Preise sind zum Missmut der Bauern auf Talfahrt. Alle Preise? Nein, nicht ganz. Die Gruyère-Produzenten kassieren seit Januar 82,04 Rappen pro Kilo, das ist ein guter halben Rappen mehr als zuletzt im 2009. Derweil werden die Produzenten von Cremo aus der gleichen Gegend weiter geschröpft. Der Freiburger Verarbeiter hat den Milchbauern soeben eine  Reduktion auf 52,9 Rappen verordnet. Die Differenz: 29,14 pro Kilo oder 55,1 Prozent! Woran liegt das? Natürlich produzieren die Gruyèrebauern silofrei und damit etwas teurer, aber das ist nicht die Hauptursache für die Differenz. Anders als im zersplitterten Konsummilchmarkt, ist im Gruyèremarkt die produzierte Menge auf die Marktbedürfnisse abgestimmt. Da müssen sich die lamentierenden Konsummilchbauern auch am eigenen Schübel nehmen: Wenn sie solidarisch die Menge beschränken würden, könnten sie im Markt eine bestimmendere Rolle übernehmen. Ein einfaches Unterfangen ist das nicht, die Produzenten sind schwieriger zu bündeln als eine Milchkanne voll Flöhe. Aber wenn sie der Entwicklung tatenlos zuschauen, wird sie der BOMerang auch fürderhin mit voller Wucht, das heisst in Form von schwindenden Preisen, treffen.  (Bild Interprofession du Gruyère)

4 Antworten to “Der BOMerang schafft 55% Milchpreis-Differenz”

  1. rolandwyss Says:

    Ja. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Ausser vielleicht, dass BOM-Präsident Markus Zemp auch langsam genug hat. Wenn die neuesten Beschlüsse nicht umgesetzt würden, so hat er letzte Woche in Lupfig verlauten lassen, dann werde er zurücktreten. Das wäre ein harter Schlag, denn offenbar ist Zemp der einzige, der im Moment Vertrauen von allen Seiten geniesst.

  2. adriankrebs Says:

    Ok, dann heisst es wohl Daumen drücken, dass Zemp durchhält, sonst wird das am Ende noch ein Fall für Katastrophen-Franz…

  3. ueli ineichen Says:

    weil BOM’s name programm ist, ist ihr absturz nur noch eine frage der zeit. tut mir leid für markus zemp. die branchen- und markt-„partner“ der milchbauern, auch milchverarbeiter genannt, ziehen weiterhin jedes register, dessen sie habhaft werden können, um die bauern ‚vollgas‘ liefern zu lassen. niemals rentieren ihre anlagen besser als bei vollbetrieb; die präsentierten jahresabschlüsse von emmi und co. sprechen bände. übrigens: wer sind die konsumenten, die kompromisslos den fettstandard von 3.5% für konsummilch eingefordert haben? ich neige zur auffassung, mit der so gewonnenen, zusätzlichen butter sei geld zu verdienen.

  4. Hans Aschwanden Says:

    Die BOM ist eigentlich überflüssig, denn wenn die Milchbauern das Ruder selber in die Hand nehmen und weniger Milch produzieren, dann muss ich als Milchverarbeiter fürchten, dass die Rohstoffversorgung nicht sichergestellt ist und dann werden die Preise sofort steigen. Momentan habe ich aber den Eindruck, alle möchten noch mehr Milch produzieren. Offenbar ist die Milchproduktion doch noch recht attraktiv, trotz schlechtem Stundenlohn……… Die Schuld auf die Milchverarbeiter abzuschieben ist das einfachste und nicht fair. Schliesslich habe ich noch keinen Milchverarbeiter gesehen, der selber Kühe melkt. Ich bezahle übrigens immer noch über 80 Rappen / kg Milch. Wir haben die Menge im Griff. Leider sind die Marktverzerrungen riesig (Es gibt Milchverarbeiter die bekommen Milch für den (fast) halben Preis als ich). Ich als gewerblicher Käser bin auch an stabilen Verhältnissen interessiert………………………….

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