Neuseeländisches Blut macht mehr Milch aus Gras

Dieser Tage ist ein interessanter Versuch der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft (SHL) zu Ende gegangen. Drei Jahre lang haben die Forscher die Leistung von Holstein-Friesian-Kühe mit neuseeländischem Blut mit denjenigen von Artgenossinnen in der Schweiz verglichen. Ziel des Versuchs war ein Vergleich der Weidetauglichkeit. Hintergrund: Obwohl die Schweiz ein Grasland ist (75% Wiesen und Weiden, 25% Ackerfläche und Spezialkulturen) nimmt der Einsatz von Grossteils importiertem Kraftfutter in der Milchproduktion zu. Hauptgrund dafür ist dass die Kühe und ihre Milchproduktion immer grösser werden. Ab 30 Kilo Milch pro Tag wird Kraftfuttereinsatz unerlässlich. Deshalb stellten sich die Forscher die logische Frage: Wäre es nicht möglich mit etwas kleineren und weidegewohnteren Tieren mehr Milch aus dem heimischen Gras zu produzieren? Die aus Irland importierte neuseeländische Genetik ist zum Vergleich ideal. In Neuseeland und Irland weiden viele Kühe das ganze Jahr und erhalten kaum Kraftfutter. Der Schlussbericht des Versuchs ist zwar noch ausstehend, aber erste Tendenzen sind vermeldbar: Die Kühe von „down under“ fressen die Weiden sauberer ab und produzieren pro Körpergewicht mehr Milch mit höheren Gehalten, sind also effizienter. Gleichzeitig ist ihre Fruchtbarkeit besser. Auf den ersten Blick würde also alles für einen vermehrten Einsatz neuseeländischer Genetik sprechen, statt mit amerikanischen Importen Kraftfutter-abhängigere Milchmaschinen heranzuzüchten. Dies wird aber kaum passieren. Schon der SHL-Versuch sorgte für Proteste bei Schweizer Bauern, die sich in ihrer Zuchtarbeit konkurrenziert sahen. (Bild Neuseeland-Blog)  

Eine Antwort to “Neuseeländisches Blut macht mehr Milch aus Gras”

  1. Samuel Krähenbühl Says:

    Dieser „Versuch“ ist in verschiedener Hinsicht gesehen ein Witz. In der Medizin bei sogenannten Doppelblindversuchen weder der Patient, der ein zu testendes Medikament erhält, noch der Arzt, welches es dem Patienten gibt, ob es sich um ein Placebo oder um ein effektiv wirkendes Mittel geht.

    Bei diesem angeblichen Versuch waren aber sowohl die „Forscher“ an der SHL, wie auch die Bauern, welche mitmachten, schon von Beginn weg fanatische (ja, das Wort darf man in diesem Zusammenhang brauchen) Anhänger der „Vollweide-Kuh“. Das Resultat des Versuchs stand also schon vor drei Jahren fest.

    Schon der Begriff „Vollweide-Kuh“ ist falsch, denn auch diese Kühe fressen natürlich Kraftfutter. Du kannst bei unserem Klima und unserer Topographie ganz einfach nicht eine ganze Laktation von um die 300 Tage lang aus dem Gras aus der Weide Milch produzieren.

    Die „neuseeländische“ Genetik ist im übrigen nichts anderes, als high-input Holstein-Genetik amerikanischer und holländischer Provenienz. Es sind einfach diese Blutlinien, welche man insbesondere in der Schweiz bisher nicht so schätzte (bsp. Mascot), weil sie schlechte Exterierumerkmale und/oder hohe Zellzahlen brachten

    Auch systembedingt bringt das Vollweidesystem übrigens gegen Ende der Laktation logischerweise hohe Zellzahlen, weil alle Kühe gleichzeitig spät in der Laktation sind. In Neuseeland spielen hohe Zellzahlen nicht so eine Rolle. Dort wird saisonal Butter und Milchpulver für den Weltmarkt produziert. In der Schweiz sind hingegen die Qualitätsansprüche höher.

    Die saisonale Milchproduktion zeigt übrigens eines der weiteren Hauptprobleme bei diesem System für unsere Schweizer Verhältnisse auf: Unsere Milchindustrie ist darauf ausgerichtet, möglichst kontinuierlich mit Milch beliefert zu werden. Unsere Personal- und sonstigen Kosten sind viel zu hoch, als dass wir nur neun Monate im Jahr Milchprodukte verarbeiten könnten. Das ist ja übrigens ein Grund für die Einführung der Monatslieferrechte bei diversen POs.

    Die „Vollweide“-Milchproduktion fält nun aber gerade in die Zeit, in der sowieso schon viel gemolken wird. Ein Hauptgrund dafür ist halt auch, dass schon jetzt viel geweidet wird, einfach nicht mit Neuseeländischer Ramschgenetik, nicht mit ganz sturer saisonaler Abkalbung und mit etwas mehr Kraftfutter.

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