Euro-Baisse: Schwarzpeterspiel im Käsekeller

In einem Interview mit dem „Schweizer Bauer“, das dank einem Bericht der Agentur SDA breite Beachtung fand, hat der oberste Käser letzten Samstag das Schwarzpeterspiel ausgepackt. Fromarte-Präsident René Kolly äussert sich im Gespräch besorgt über die im April 2010 um knapp 10 Prozent gesunkenen Exporte. Sein Lösungsvorschlag: „Man könnte auch den Milchpreis senken. Doch die Produzenten wehren sich natürlich dagegen“, sagt Kolly, und weiter: „Man darf jedoch nicht vergessen, dass wir den Käse weiterhin verkaufen müssen, um Marktanteile zu halten. Wir wollen den Milchpreis nicht senken – aber vielleicht müssen wir.“ Kollys Reflex ist nicht überraschend, aber kurzsichtig. Die Bauern liefern dem Käser den Rohstoff in einwandfreier Qualität. Die Produktion ist anspruchsvoll und hat ihren Preis, ebenso wie die Arbeit des Käsers. Wenn die Käser, sobald das Lüftchen etwas kühler geht, gleich nach einer Preissenkung allein beim Rohstoff rufen, ist das kein gutes Signal gegenüber den Milchbauern. Diese werden sich fragen, so nehme ich zumindest an, ob denn nicht auch die Käser ihren Beitrag leisten und bei ihrer Marktspanne Abstriche machen müssten. Doch der Kampf der Kellerkinder bringt sowieso nichts. Statt sich anzugreifen, sollen sie die Kräfte konzentrieren, um mit den Exporteuren an einem weiter verbesserten Marketing für Schweizer Käse zu arbeiten. Zu panikartigem Kurzzeitdenken besteht ohnehin keine Grund. Im Mai sind die Exportzahlen schon wieder gestiegen, kumuliert für die ersten fünf Monaten beträgt die Ausfuhr-Zunahme knapp 1000 Tonnen, wie Kolly im Interview erklärt. (Bild Sortenorganisation Gruyère)  

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