Opportunistisches Verbandsgeheul gegen Wölfe

Der Wolf ist immer wieder ein dankbarer Kunde im medialen Sommerloch. Heuer kommt er wieder einmal bös an den Pranger, weil einer der Spezies, vielleicht waren es zwei, im Wallis zwei Rinder gerissen und eines verletzt haben. Konsequenz: Die Walliser Behörden haben eine 60 Tage gültige Abschussbewilligung erteilt. Es wird nicht lange gehen, bis die Erfolgsmeldung über die Erlegung des Räubers die Runde macht. Letztes Jahr dauerte es zwischen Abschussbewilligung und Erlegung im Val d’Illiez knapp zwei Wochen. Wenn die Walliser ihre Tiere mit derart viel Engagement überwachen würden, wie sie den Wolf jagen, sähen sie in der Schadensstatistik nicht derart alt aus (siehe Kora-Monitoring 2008, Seite 44). In den Jahren zwischen 1998 und 2008 sind in der Schweiz 894 Nutztiere dem Wolf zum Opfer gefallen. Davon starben nicht weniger als 597 im Kanton Wallis, das sind gut 66 Prozent. Das ist kaum Zufall und es erstaunt, dass man hier von Bundesseite nicht mehr Druck macht für einen Herdenschutz, der diesen Namen verdient, muss doch Väterchen Staat gemäss Konzept Wolf die gefallenen Tiere entschädigen. Dass jetzt mit sicherer zeitlicher Distanz zum Geschehen auch noch der Bauernverband ins Lamento einstimmt, ist eher peinlich. Wenn man die Medienmitteilung liest, könnte man meinen, die nationale Rinderpopulation sei bedroht und das wehrlose Bäuerchen stehe entschädigungsfrei im Regen. Opportunistisch und nicht ganz realitätskonform geheult, SBV. (Bild Wolf in der Fotofalle der Luzerner Jagdbehörden im Eigental, April 2009)

PS. Meine Prognose war nicht schlecht: Zwischen der Publikation der Abschussbewilligung und der Erlegung des Wolfs ist genau eine Woche verstrichen. Le loup est mort, vive le loup. 

Eine Antwort to “Opportunistisches Verbandsgeheul gegen Wölfe”

  1. Heidi Says:

    Wir haben offenbar am gleichen Tag das Thema Wolf/Bär aufgenommen. Ich rate den Fischern, wenn Fische wegen unsachgemässem Umgang mit Gülle sterben: „Macht es doch wie die Bauern, wenn der Bär oder der Wolf Schafe gerissen hat, bringt es an die Öffentlichkeit, schreit Zetter und Mordio, schreit so laut bis man es auch im Bundeshaus hört. Mit den Fischen sterben unzählige Kleinlebewesen.“

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