EuFoerischer Angriff auf die Fleischeslust

Es wird ja relativ viel gejammert über die Krise im Literaturbetrieb und die mangelnde Lesebereitschaft des Publikums in Büchern. Trotzdem gelingt es ab und zu einem Autor, mit einer neuen Publikation soviel öffentliche Aufmerksamkeit auf ein Thema zu lenken, dass man sich fast gezwungen sieht, das Buch zu lesen. Mit seinem soeben in Deutsch erschienenen Werk „Tiere essen“ hat das der amerikanische Autor Jonathan Safran Foer spielend geschafft. Darin geht es um Fleischkonsum, zweifellos eines der delikatesten Themen unser Zeit. In den meisten deutschsprachigen Blättern und Magazinen erscheinen dieser Tage grosse Geschichten zum Buch und zum Fleischkonsum als solchem. Ich habe drei gesehen und gelesen: Im „Tages-Anzeiger“ warnt der Co-Chefredaktor, dass das Buch die Essgewohnheiten des Lesers verändern könnte und die vegetarische Redaktorin bekennt, dass für sie kein Tier sterben soll. Am Tag darauf folgte Gegensteuer aus demselben (Tamedia-)Verlag. Die „Sonntagszeitung“ erklärt zurecht, dass Milch- und Eierproduktion nur funktionieren, wenn Tiere ihr Leben lassen müssen, gleichzeitig stellt man ebenso richtig fest, dass die Schweiz als Grasland geradezu prädestiniert ist für die Fleischproduktion ohne Konkurrenzierung der menschlichen Ernährung. Am interessantesten fand ich aber den Artikel von Iris Radisch in der „Zeit“. Ich halte mich selber für einen vernünftigen Fleischkonsumenten, esse nicht täglich davon, und wenn, fast nur Labelproduktion. Trotzdem hat mir Radischs Essay zu denken gegeben. Sie beschäftigt sich fundiert mit der Frage, ob wir überhaupt das Recht haben, Tiere zu töten. Zumal die Tiere den Menschen in vielen Bereichen weit überlegen seien: zum Beispiel was Seh-, Hör-, Tast- und Geruchssinn angeht, aber auch, und das fand ich schon fast genial: „mit der beneidenswerten animalischen Work-Life-Balance“. Der Platz fehlt, um Radischs Gedanken adäquat komprimiert wiederzugeben. Ich empfehle die Lektüre des Artikels und werde weiter Fleisch essen, aber sicher noch um ein Spürli bewusster. 

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: