Gutbäuerliche Mark(t)trouvaillen im Viadukt

Seit knapp zwei Wochen gibt es im Zürcher Kreis 5 eine Markthalle. Im Viadukt heisst diese neue Lebensmittelhochburg, weil sie zwischen zwei auseinanderstrebenden Bahnviadukten placiert ist. Das Konzept orientiert sich an Bewährtem, wenn auch alles etwas kleiner ist, als auf ausländischen Grossmärkten: Eine Beiz, ein paar fest installierte Läden und etwa ein Dutzend Stände mit wechselnder Besetzung. An diesen Ständen habe ich ein paar interessante Marktprojekte gefunden.
Die junge Firma Fruitpassion zum Beispiel verkauft erntefrische Früchte aus Kamerun. Die Schwester der Ko-Geschäftsführerin Francette Dubach-Obé kauft jeweils am Dienstag rund eine Tonne Avocados, Papayas, Mangos und Peanuts direkt bei Bauern in Kamerun, am Mittwoch wird die Ware per Swiss-Direktflug transportiert und ab Donnerstag unter anderem im Viadukt präsentiert. Das ist für alle Beteiligten interessant: Der Bauer erhält einen rechten Preis, die Fruchtpassionierten dank kaufkräftigem Publikum im yuppig gewordenen Kreis 5 eine gute Marge und die Konsumenten ein exzellentes Produkt. Die Umwelt ihrerseits wird durch den Flugtransport nicht geschont, aber der Frachtraum auf dem Flug Douala-Zürich dürfte nur in seltensten Fällen ausgebucht sein.
Interessant ist auch das Konzept des Bachsermärts. 15 Produzenten – vom Forellenzüchter bis zum Biobauer – verkaufen ihre Ware hier gemeinsam. Der Stand im Viadukt ist die dritte Verkaufsstelle, handbeschriftete identitätsstiftende Schiefertafeln verweisen zum Beispiel auf die Imkerin, Frau von Moos. 
Etwas überraschend war für mich, dass auf dem Edelmarkt auch Bauernfamilien direkt vermarkten. Dies tun sie häufig nicht jeden Tag, sondern alternierend am gleichen Stand. Keine schlechte Idee.
Die Läden in den Viaduktbögen sind anmächelig, am besten gefällt mir das Käsepanorama von Tritt. Die Wirtschaft haben wir auch schon getestet. Das Markbein war gross und fein, der Rest inkl. Service voll ok. Wir wünschen dem Markthallenexperiment Schwein und mehr Erfolg als demjenigen in Bern. Dort werden rund zehn Jahre nach der Eröffnung nur noch Antiquitäten angepriesen.
    

Eine Antwort to “Gutbäuerliche Mark(t)trouvaillen im Viadukt”

  1. Thomas Widmer Says:

    Vielen Dank für die Besprechung – jetzt habe ich heftig Lust hinzugehen.

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