Chef-Bremser: Die Zauberlehrlinge im Milchmarkt

Diesen Freitag berät der Nationalrat über die Motion Aebi. Der Vorstoss will die Mengensteuerung allgemeinverbindlich an die Schweizer Milchproduzenten (SMP) übertragen. Damit reagieren die Produzenten auf die verunglückte Übung mit der Branchenorgansation Milch, wo sie nur einen Drittel der Stimmen haben und meist nicht einmal untereinander einig sind. Die Wortführer hinter der Motion sind der Namensgeber Andreas Aebi, Nationalrat aus Alchensdorf und Peter Gfeller, Präsident der SMP. Der dritte Chef-Mengenbremser ist Martin Haab, Co-Präsident der oppositionellen Milchbauernvereinigung Big-M, die der Motion Aebi diese Woche mit einer Demo in Bern Nachachtung verschaffen wollte. Dass sie nun alle drei die Menge begrenzen wollen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Aebi, Gfeller und Haab sind grosse Züchter und arbeiten seit Jahren an der perfekten Kuh mit Milchleistungen von möglichst weit über 10 000 Kilo pro Jahr. Das ist an sich nichts Anrüchiges, die drei entstammen einer Generation, die noch ans reine Wachstum glaubte und dafür auch honoriert wurde. Heute aber kommen sie mir vor, wie Auto-Tuner, die sich beschweren, dass der Bund nicht schärfere Geschwindigkeitsbegrenzungen verhängt. Sie sind die Zauberlehrlinge der Branche. Als Auktionator (Aebi), Präsident des Fleckviehzuchtverbands (Aebi), Schau-Richter (Aebi, Gfeller, Haab) und Verkäufer von Spitzentieren (auch alle drei) sind sie mitverantwortlich dafür, dass in Schweizer Ställen nicht nur zu viele Kühe, sondern vor allem solche stehen, die immer mehr Milch geben; und damit  Teil des Problems, das sie nun lösen wollen. Bremsen und Gas geben, das hat sich noch selten gut ergänzt… (Bild oben www.aebi-andreas.ch)

3 Antworten to “Chef-Bremser: Die Zauberlehrlinge im Milchmarkt”

  1. Auswandererblog - Zauberlehrlinge auf dem Milchmarkt Says:

    […] seit bald Generationen zu den grössten Milchproduzenten gehören! Aber Lesen Sie selbt: Adis Agro Blog: Die ChefbremserKommentareBis jetzt keine Kommentare zu diesem BeitragKommentar verfassenNameE-MailUrlIhr […]

  2. adi (nicht krebs) Says:

    Was mich aber an der ganzen Milchgeschichte am meisten nervt, ist, dass sich der Staat in bäuerlichen Kreisen einmal mehr unglaubwürdig gemacht hat. Bereits bei der eigentlichen Milchkontingentierung Mitte der 70er Jahre, wurden die Bauern bestraft, welche den offiziellen Empfehlungen gefolgt sind ihre Milchproduktion gedrosselt haben. Es haben nämlich die Betriebe die grösseren Kontingente erhalten, welche im Gegensatz zu den offiziellen Verlautbarungen voll gemolken haben. Ein ähnliches Phänomen konnte man in den vergangenen Jahren beobachten. Kontingente wurden einem dummen Bauern verkauft, es wurde voll weitergemolken und in irgendwelche diffuse Kanäle geliefert. Nun sollen die Landwirte, welche Mass hielten wieder bestraft werden, in dem sie die Milchüberschüsse mit bezahlen sollen, welche die Amokmelker ermolken haben. Das Argument, dass die skrupelloseren Melker die besseren Bauern sind, sollte nach den Erfahrungen der Bankenkrise („Wir haben uns unsere Millionensaläre verdient, weil wir vieeeeel besser und schlauer als alle andern sind!“) nicht mehr wirklich wirken…
    Ein eigentliches Rezept ist schwierig zu finden. Hoffnung geben die Entwicklungen im Strommarkt. Diese zeigen, dass die Liberalisierung nicht immer das „Gelbe vom Ei“ sind. Gewisse allgemein verbindliche Regeln brauchen wir in einem zivilisierten Staat.
    Ich hoffe die Motion Aebi wird angenommen.

  3. Alfred Says:

    Für meinen bescheidenen Horizont sieht die Sache einfach aus. Es gibt zu viel Milch, es wird also ganz einfach zu viel produziert. Den Export zu subventionieren ist keine Lösung, im Gegenteil sogar höchst bedenklich.
    Warum also die Bauern finanziell unterstützen für etwas was es offenbar in dieser Form nicht braucht?
    Wärs nicht sinnvoller den Ackerbau zu fördern?
    Es wird ja offenbar einiges an Getreide und Futtermitteln importiert. Dies wahrscheinlich, weil es in der kleinräumigen, kleinbäuerlichen Schweiz nicht genügend ökonomisch ist, dies selber anzubauen.
    Aber wäre nicht genau das ein guter Weg aus der Misere?

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