Die Geiss als Basis und dazu Cucina Povera

Beruflich bedingtes Reisli nach Landarenca ins Calancatal, nein nicht Tessin, Graubünden. Im äussersten westlichen Zipfel der rhätischen Herrschaft empfängt uns eine fröhliche Ziegenherde. Weil es heuer schon vor Wochen richtig kalt wurde, sind die Geissen früher vom Berg runtergekommen. Nicht nur zur Freude von Gemeindepräsident Rodolfo Keller, unserem Gastgeber und seinen 14 Mitbewohnern. Gärten, die nicht sauber eingezäunt sind werden razekahl abgefressen und das Herumstolzieren der Meckerer auf den noch unbeschneiten Dächern verschiebt die Steinplatten. Staunend erfährt man, dass die Geissen im Sommer mehr oder weniger alleine unterwegs sind. Im Frühling seien sie kaum zu halten, wenn man sie länger als Mitte Mai im Stall einpferchen wolle, berichtet Keller. Wer sie melken will, muss ihnen nachsteigen und mit Salz oder anderen Leckereien ködern, ansonsten gehen sie von der Milch und lassen sich erst wieder nach der nächsten Gitzigeburt melken. Früher, das heisst bis vor wenigen Jahrzehnten, wurden sie straffer geführt. 8 bis 12 Geissen und eine Kuh bildeten die Lebensbasis einer jeden Bauernfamilie. Man zog im Frühjahr stufenweise bis zur hoch gelegenen Alp zBerg und kam im Herbst im gleichen Rhythmus wieder zurück. Zwecks Liquiditäts- und Vorratsbeschaffung wurden dann im Herbst ein Kalb und der Käse verkauft. Fleisch gabs kaum, höchstens im Frühling ein paar Gitzi. Der Rest war Cucina Povera, arme Küche, wie sich das nannte. Die Landwirtschaft ist in Landarenca weitgehend verschwunden, aber den Kuchen aus altem Brot und den Käse gibt es immer noch. Wir haben beides degustiert und für sehr gut befunden. 
    

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