Geschenkt (2): Wo die Kuh nicht fröhlich bimmelt


„Wer hat schon eine Kuh? Pia ist die Kuh von Corina. Ihre eigene Kuh. Nicht besonders beliebt in der Herde und bei Hirtin Lisi. Denn Pia geht ihre eigenen Wege, steht auf der Weide oft abseits der Herde und kommt als Schlusslicht in den Stall. – Eine Originalität eben. Corina liebt Pia. Wenn sie von ihr erzählt, von ihren Eigenheiten und damit verbundenen Ärgernissen und Abenteuern, bekommt sie feuchte Augen. Pia hat Corina von ihren Eltern bekommen, anstelle eines Chilbibatzens. Pia ist das Wichtigste für Corina. War wird aus ihr, wenn Pia nicht mehr ist?“. So fängt das Porträt von Corina Hefti (siehe Bild oben) an. Sie ist 15 und verbringt ihre Sommer mit den Eltern, ihrem Bruder, Hirtin Lisi, einigen Dutzend Kühen und eben Pia. Gelesen habe ich es im Buch „Hirtenstock und Käsebrecher – Älplerinnen und Älpler im Porträt“. Es ist soeben im Zalp-Verlag erschienen und ich muss die Superlative auspacken. Die Texte sind im besten Sinn roh, wie die Arbeit auf der Alp und die Bilder ergreifend schön, zumindest für einen Alp-Melancholiker wie mich.
„Einen Bauern heiraten? Eher nicht, vor allem nicht gerade dann, wenn die Hände schmerzen vor lauter Isolatoren reinschrauben. Aber Scheissse, was soll man als Fünfzehnjährige antworten? Corina hat zwar einen Freund, dessen Eltern Bauern sind, aber zwischen jetzt und der ferneren Zukunft muss sie den Schulabschluss schaffen, eine Lehrstelle finden, vielleicht den Wohnort wechseln, wahrscheinlich weitere Liebschaften verkraften. Muss sich mit dem Bruder rumärgern, die Spange nachziehen lassen, sich zwischen unzähligen Handymodellen entscheiden. Und erstmal die siebzig Rinder zählen.“
„Laut dem Tourismusgebiet um den Fryberg Kärpf soll es auf den Alpweiden ‚fröhlich bimmelnde Kühe‘ geben. An alle Marketingstrategen und Werbeagenturen: Eine Kuh bimmelt nicht fröhlich. Ein Kuh sucht sich gehenderweise Futter, schwingt ihren Kopf, um die Fliegen zu verscheuchen, und bewegt ihn im Rhythmus der malenden Zähne. Notgedrungen bimmelt dabei die Glocke, weder fröhlich noch verbissen, noch ärgerlich – sie bimmelt einfach. Ob das der Kuh gefällt, ist umstritten. Aber es hilft den Hirten und Hirtinnen, ihre Tiere zu finden, frühmorgens, wenn es noch dunkel ist oder bei Nebel.“



Schön, oder? Das Buch kann man kaufen. Aber auch gewinnen. Ich verschenke es an den Leser oder die Leserin, der oder die mir die schönste Episode von der Alp erzählt (adimali(at)gmx.ch).
Und noch eins, man kann süchtig werden…
…und drin blättern, lesen, staunen bis es dämmert.

Eine Antwort to “Geschenkt (2): Wo die Kuh nicht fröhlich bimmelt”

  1. Fischersohn Says:

    Woher die Begeisterung? Von Hörnern keine Spur! Da lob ich mir „Bamert’s bestes Pferd im Stall“, und das gleich vor meinem Fenster…
    Ich lade Sie im Frühling gerne bei Kaffee und Räucherfilet (?) zur Besichtigung ein.
    LG

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