Landverlust (2): Bauern haben kräftig mitgewirkt

Auch die Schweiz ist von Landgrabbing betroffen (siehe vorherigen Beitrag) – von einem der anderen Art allerdings. Das Kulturland geht hier nicht an ausländische sondern an inländische Investoren, die auf den Weiden und Äckern in den letzten Jahrzehnten zehntausende von Hektaren mit Hüslihalden und Gewerbegebäuden versiegelt haben. Diese Entwicklung schreitet ungehindert voran, wie der Zähler auf der Homepage der Landschaftsinitiative eindrücklich zeigt. Die Bauern selber haben dabei kräftig mitgewirkt und -profitiert. Manch einer unter ihnen hat mit dem Verkauf von Bauland Millionen verdient, auch wenn man darüber in bäuerlichen Kreisen nicht spricht. Stattdessen beklagt der Schweizerische Bauernverband (SBV) gerne wortreich den Kulturlandverlust, zuletzt an seiner Jahrespressekonferenz von gestern. Das ist durchaus berechtigt, allerdings kämpft der Verband nur halbherzig gegen das Phänomen. Bei der 2008 eingereichten Landschaftsinitiative – sie ist nicht extrem, sondern verlangt lediglich eine bessere Ausnutzung der immer noch gut dotierten Bauzonen und einen Verzicht auf weitere Einzonungen in den nächsten 20 Jahren – steht Brugg abseits. Mit einer gewundenen Erklärung hat der SBV 2007 seine Absenz im Trägerverein begründet. Ich wette schon jetzt einen unüberbauten Quadratmeter Kulturland, dass die Parole des SBV höchstens eine Stimmfreigabe sein wird. Von einem kompromisslosen Kampf der Landwirtschaftslobbyisten gegen den Kulturlandverlust kann trotz des öffentlichkeitswirksamen Lamentos jedenfalls keine Rede sein.    

2 Antworten to “Landverlust (2): Bauern haben kräftig mitgewirkt”

  1. Kilian Says:

    Sehr guter Text! In Schweizer-Bauernzeitungen würde ein solcher Beitrag nie abgedruckt!

  2. Fischersohn Says:

    Tja, wo er recht hat, da hat er wohl. Ich denke sogar, dass die Probleme mit dieser Initiative noch nicht mal gelöst sind. Der Druck auf Fauna und Flora den wir mit der jetzigen Bevölkerungszahl erzeugen, zerstört leider nachhaltig. Die heute angewandten technologischen Möglichkeiten zur „Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen des westlichen Lebensstils“, vom Abfall, Abwasser, Siedlungsbau, Verkehr, Energiegewinnung, Freizeit etc. etc. genügen m.M. nach nicht, um einen nachhaltigen Schutz zu gewährleisten. Und ich bin weder bei WWF noch beim VCS, ehrli… es sieht nicht gut aus.

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